Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler: Das Lied von der Erde

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    • hallo,



      eine interessante variante des lieds von der erde ist die bearbeitung von arnold schönberg.

      für eine aufführung des von schönberg gegründeten "vereins für musikalische privataufführungen" begann er 1920 mit einer bearbeitung des stücks für kammerensemble (13 intrumentalisten). jedoch ging der verein pleite und das werk blieb unvolendet. der deutsche komponist und dirigent rainer riehn vollendete schönbergs version anfang der 80er (deshalb version schönberg-riehn).

      die bearbeitung für kammerensemble passt imo sehr gut zur intimität des lieds von der erde. dabei gelingt es schönberg, die dichte der mahler'schen partitur schön auf das reduzierte orchester zu übertragen. herreweghe dirigiert das stück mit der nötigen leidenschaft und dem richtigen gespür für details. blochwitz ist gewohnt souverän, und die bis dato mir unbekannte birgit remmert liefert eine sehr ansprechende leistung. eine interessante entdeckung.

      greetings, uhlmann
    • hallo,



      eine interessante variante des lieds von der erde ist die bearbeitung von arnold schönberg.

      für eine aufführung des von schönberg gegründeten "vereins für musikalische privataufführungen" begann er 1920 mit einer bearbeitung des stücks für kammerensemble (13 intrumentalisten). jedoch ging der verein pleite und das werk blieb unvolendet. der deutsche komponist und dirigent rainer riehn vollendete schönbergs version anfang der 80er (deshalb version schönberg-riehn).

      die bearbeitung für kammerensemble passt imo sehr gut zur intimität des lieds von der erde. dabei gelingt es schönberg, die dichte der mahler'schen partitur schön auf das reduzierte orchester zu übertragen. herreweghe dirigiert das stück mit der nötigen leidenschaft und dem richtigen gespür für details. blochwitz ist gewohnt souverän, und die bis dato mir unbekannte birgit remmert liefert eine sehr ansprechende leistung. eine interessante entdeckung.

      greetings, uhlmann
    • Weltendämmerung

      Besonders eindrücklich finde ich den Konzertmitschnitt von 1939 unter Carl Schuricht mit Kerstin Thorborg und Carl Öhmann aus dem Concertgebouw in Amsterdam. Zwei großartige Protagonisten. Die Thorborg hat einen warmen leuchtenden und innigen Mezzo, der ein wenig an Christa Ludwig erinnert. Aber auch die Leistung von Öhmann darf nicht übersehen werden. Er gehört ja nicht gerade zu den von den Plattenfirmen gepushten Sängern. Schuricht leitet bedächtig, intensiv und mit großen Spannungsbögen.
      Die Klangqualität ist außergewöhnlich gut.
      Brennende politische Aktualität erhält dieser Mitschnitt von 1939 allerdings durch einen Zwischenruf: Während des Abschieds scheint sich eine Frau zum Dirigentpult begeben zu haben und verkündet deutlich hörbar: "Deutschland über alles, Herr Schuricht". Im historischen Kontext ist damit dieses beklemmende Dokument von doppelter Bedeutung.
    • Weltendämmerung

      Besonders eindrücklich finde ich den Konzertmitschnitt von 1939 unter Carl Schuricht mit Kerstin Thorborg und Carl Öhmann aus dem Concertgebouw in Amsterdam. Zwei großartige Protagonisten. Die Thorborg hat einen warmen leuchtenden und innigen Mezzo, der ein wenig an Christa Ludwig erinnert. Aber auch die Leistung von Öhmann darf nicht übersehen werden. Er gehört ja nicht gerade zu den von den Plattenfirmen gepushten Sängern. Schuricht leitet bedächtig, intensiv und mit großen Spannungsbögen.
      Die Klangqualität ist außergewöhnlich gut.
      Brennende politische Aktualität erhält dieser Mitschnitt von 1939 allerdings durch einen Zwischenruf: Während des Abschieds scheint sich eine Frau zum Dirigentpult begeben zu haben und verkündet deutlich hörbar: "Deutschland über alles, Herr Schuricht". Im historischen Kontext ist damit dieses beklemmende Dokument von doppelter Bedeutung.
    • Von dieser Aufnahme unter Schuricht wurde mir schonmal vorgeschwärmt. Gibt es irgendeine Ausgabe auf CD, die besonders gut klingt? Bei diesen ganzen dubiosen CD Ausgaben bin ich immer skeptisch.

      Ich weiß von einer dieser Quadromania CDs, die allerding mit anderen historischen Aufnahmen gekoppelt ist, die mich nicht so sehr interessieren.
      Bei Ebay gibt es eine CD auf dem Label Minerva.

      Lieber Nordolf,
      ein sehr schöner Text mit dem du eigentlich alles gesagt hast.

      Über die angesprochene Frage, welcher Gattung DLvdE jetzte zuzurechnen ist, habe ich selbst nie nachgedacht. Das Ding ist für mich einfach ein Unikum.

      Wunderlich habe ich für seine Leistung in der EMI Einspielung bereits lange heilig gesprochen. Klemperer jedoch geht mir hier mit seiner Neigung zu besonders breiten Tempi insgesammt deutlich zu weit.

      Die erwähnte Einspielung durch Jascha Horenstein halte ich wirklich für genial.
      Diese verinnerlichte, bedächtigte Gangart, die oftmals fast plastisch wirkt, aber immer fliesst, immer flexibel bleibt und nie erhärtet finde ich völlig aussergwöhnlich. Der von Nordolf angesprochene kammermusikalische Gestuts, sowie die fragmentierte Melodieführung kommen wunderbar heraus.
      Das Highlight ist der mich wirklich sehr bewegende (ich lasse mich an sich eher ungern bewegen) "Abschied". Ich finde auch Alfreda Hodgsons ganz grandios. Wie hier das Wort/Musik-gefüge realisiert und durchgeführt wird ist einfach sagenhaft.

      Eine absolute Sternstunde.
      :down :down :down

      Dannach kommen mir vor allem Pierre Boulez, aber auch Fritz Reiner, mit ihrem eher klaren Klangbild am meisten entgegen.
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    • Original von Dr. Schön

      Lieber Nordolf,
      ein sehr schöner Text mit dem du eigentlich alles gesagt hast.


      Danke, lieber Dr. Schön, für die lobende Worte!

      Über die angesprochene Frage, welcher Gattung DLvdE jetzte zuzurechnen ist, habe ich selbst nie nachgedacht. Das Ding ist für mich einfach ein Unikum.


      Die Stimmung und der Rang dieses Werkes ist sicher etwas einzigartiges. Es gibt aber Kompositionen, die ich durchaus in dieser Linie sehe. Ich denke an Schönbergs "Gurre-Lieder", ganz besonders aber an die "Lyrische Symphonie" von Zemlinsky - in letzter Zeit komponierte Penderecki seine "Lieder der Vergänglichkeit" (8. Symphonie), die deutlich in dieser Tradition stehen.

      Bei den Interpretationen scheinen wir unterschiedliche Ansichten zu haben: - Klemperers Herangehensweise lässt mich gar nicht an breite oder straffe Tempi denken - ich finde, es funktioniert einfach bei ihm, wirkt schlüssig - unabhängig vom Tempo.
      Boulez höre ich bei modernen Komponisten sehr gerne, aber bei Mahler (genau wie bei Wagner) finde ich sein Dirigat unbefriedigend - es fehlt ein wenig das Einfühlungsvermögen.. Auf Horenstein und Reiner hast du mich hingegen neugierig bzw. noch neugieriger gemacht.

      Ich habe heute mal wieder die berühmte Aufnahme von 1952 mit Julius Patzak, Kathleen Ferrier sowie Bruno Walter und den Wiener Philharmonikern angehört:



      Es ist viel - auch im Internet - über diese Aufnahme geschrieben worden. Der Rang als historisches Dokument und die hervorragende Klangqualität werden nirgendwo bestritten, aber ansonsten gibt es eine Menge Kritik: - die Ferrier sei zwar emotional, aber technisch nicht sehr perfekt (die Höhen! - steht sogar im Beiheft), Patzak falle ihr gegenüber ab, die Wiener Philharmoniker hätten sich einige Male verspielt und sowieso: - zu jener Zeit hätten die Wiener Musiker Mahlers Kompositionen noch kräftig gehasst. Auf mich aber wirkt das Gehörte tief empfunden, wie eine unbezweifelbare Einheit.

      Diese Aufnahme ist ja nicht zuletzt deswegen zur Legende geworden, weil Kathleen Ferrier ein Jahr später an ihrer langjährigen Krankheit (Krebs) verstarb. Wenn sie hier den "Abschied" singt, interpretiert der Hörer gerne, das sie selbst gewusst habe, das dies einer ihrer letzten Auftritte sein würde. Auf jeden Fall intoniert sie mit ihrer dunklen Stimme die Worte und Melodien außerordentlich glühend und bewegend. Es ist denn auch der zweite Teil des Abschieds, der mir besonders ergreifend erscheint. Ganz klar, ganz direkt, ganz eindringlich scheint sie zum Hörer zu sprechen. Etwas, das mir ebenso beim Lied "Um Mitternacht" aufgefallen ist, welches sich auf der CD befindet.

      Ansonsten will ich eine Lanze für den Tenor Julius Patzak brechen. Damals war er ein Star an der Wiener Oper, heute scheint er mir deutlich unterbewertet. Aber das dürfte nicht verwunderlich sein - in der heutigen Zeit zählt eben die technische Perfektion mehr als die Eigenart eines Sängers. Patzaks Stimme tönt bei weitem nicht so schön wie etwa ein Wunderlich, dafür klingt sie herrlich kräftig, erdig und engagiert. Ja - ich vermeine sogar, einen gewissen Beigeschmack von Dialekt (Wiener Dialekt?) zu vernehmen. Patzak bringt einen Geruch von Theater in seine Darbietung. Er interpretiert nicht nur die Töne, sondern auch den Inhalt. Deswegen gefällt mir das "Trinklied vom Jammer der Erde" mit ihm - in seiner ganz eigenen Art - inzwischen mindestens genauso gut wie Wunderlich bei Klemperer.

      Das Dirigat von Walter erweist sich als sehr lyrisch, plastisch (das Decca-Mono hier ist wirklich klasse!) und dramatisch gleichermassen. Noch ein wenig zwingender ist mir seine Vorgehensweise bei der späteren New Yorker Aufnahme (Sony/Esprit) in Erinnerung, aber das müsste ich nochmal genauer nachhören...

      Herzliche Grüsse!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Lieber Nordolf,

      Die Gurre Lieder finde ich ja auch ganz fantastisch. Ich habe komischerweise nie einen direkten Bezug zum "Lied der Erde" gesehen, wobei er irgendwo naheliegt und einleuchtet. Vielleicht kam mir die Idee nicht, weil ich sie eher wagnerisch empfand.

      Bruno Walter ist natürlich ein großer Dirigent. Ich finde immer, dass er eine altmodische oder vielleicht besser spätromantische Mahlersicht mustergültig zusammenfasst. Und ich meine das überhaupt nicht negativ.

      Kathleen Ferrier mag ich auch. Es gibt da eine Liederplatte vom Edinbourgh Festival, mit Bruno Walter am Klavier. Toll.

      Gez.
      Schön
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    • Eine über weite Strecken gelungene Aufnahme des "Lied von der Erde" ist die unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli:



      Dabei überzeugenden mich vor allem die glänzende deutsche Mezzosopranistin Iris Vermillion und die Gestaltung der Partitur durch Sinopoli und die exquisit musizierende Staatskapelle. Sinopoli und sein Orchester bewältigen den zwischen kammermusikalischer und symphonischer Struktur changierenden Orchesterpart ohne erkennbare Schwächen. Man hört jedes Datail, die außergewöhnlich breite Farbpalette wird ausgesprochen klangschön umgesetzt, Wünsche bleiben da kaum offen. Iris Vermillions dunkler Mezzo ist nahezu ideal für die Partie, besonders die tiefern Lagen sind sehr schön und kommen, ohne dass gedrückt würde. Aber auch das hohe Register sitzt. Da merkt man, dass sie u.a. von Christa Ludwig und Hermann Prey geschult wurde. Indes wäre es platt zu sagen, Iris Vermillion singe nur schön, ist es doch so, dass sie auch eine sehr schlüssige Textinterpretation liefert und das nicht nur im requiemhaften "Abschied", sondern auch im lieblicheren "Von der Schönheit" und im nebulösen "Der Einsame im Herbst", dessen großen emotionalen Umschwung ("Sonne der Liebe...") sie im übrigen ganz ausgezeichnet umsetzt.
      Wieso man Keith Lewis mit einer solchen Partie betraut, ist mir allerdings ein Rätsel, wie es mir überhaupt ein Rätsel ist, was man an Keith Lewis' Gesang finden kann. In dieser Aufnahme finde ich nur Schwächen: flache Tongebung, sehr breit genommene Vokale dünner Klang, selten mit Durchschlagskraft, schnelles Vibrato, opfer eines schlechten Sprachtrainers ("gesp(hamburgisch)enstiche Gestalt" oder "Briecke" statt Brücke) und darum, wenn nicht mit seiner Gesangstechnik dann doch stark sprachlich beschäftigt. Da bleibt wenig Raum für eine tiefschürfende oder gar abgründige Interpretation. Traurige Konsequenz ist vielmehr, dass alle Lieder identisch klingen und die Exegese auf der Strecke bleibt.
      :hello Agravain
    • Kürzlich gekauft und gerade mal genauer gehört:



      Die Konkurrenz ist groß. Mahlers "Lied von der Erde" hat sicher jeder bedeutendere Dirigent (mindestens) einmal eingespielt. Von Walter bis Herreweghe ist da für jeden etwas dabei. Die hier vorliegende Aufnahme aus dem Jahre 1983 unter der Leitung von Kurt Sanderling gehört qualitativ ins Mittelfeld der Diskographie.

      Dabei ist Sanderlings Orchesterarbeit besser als "nur" befriedigend. Sanderling holt aus seinem Berliner Sinfonie-Orchester an sich eine ganze Menge Klang heraus. Die breite Palette von Klangfarben, die Mahler in seiner Komposition nutzt, wird sehr ordentlich gestaltet, egal ob zupackend-dramatische oder neblig-dämmrige Stimmung, das Orchester trifft den rechten Ton.

      Die Schwachstelle der Einspielung sind eher die Solisten, wobei gar nicht mal so sehr Peter Schreier, dem ich die Partie im Grunde nicht wirklich zugetraut habe, sondern Birigit Finnlä. Schreier gestaltet seine zwischen Mystizizmus, Delikatesse, Manie und Depression changierende Partie sinnfällig, entwickelt trotz seines lyrischen Tenors sowohl im "Trinklied vom Jammer der Erde" als auch in "Der Trunkene im Frühling" eine ganze Menge Durchschlagskraft und nutzt die Farbe seines eigentlichen Faches sehr schön für eine fein ziselierte Darstellung des Liedes "Von der Jugend". Leider nimmt er bisweilen die Vokale recht breit, für ihn ein eher untypisches Manko.

      Für Birgit Finnlä hingegen ist die Partie eine Nummer zu gewichtig. Nicht, dass sie diese technisch nicht beherrscht, aber der Gehalt des Werkes, der Texte, ihrer Vertonung scheint an ihr vorbei gegangen zu sein. Ihre Interpretation ist von einer derartigen Belanglosigkeit, das es schon nicht mehr schön ist. Ein "Abschied", der "einfach nur so" gesungen wird ist kaum anzuhören. Denkt man an die verschiedenen Darstellungen dieses Liedes etwa durch Kathleen Ferrier, Christa Ludwig, Dame Janet Baker, Jessye Norman oder Iris Vermillion, so ist das, was Birigit Finnlä der Partie entlocken kann einfach erschreckend wenig. Dass Sanderling hier nicht mehr gefordert hat, ist mir unklar.
      :hello Agravain

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Agravain ()



    • Nordolf hat hier vor Jahren diese Aufnahme vorgestellt und hatte die Befürchtung, sie sei auf CD nicht mehr erhältlich.

      Nun habe ich in den letzten Tagen davon berichtet, dass ich mir obige Aufnahme, allerdings mit dem ursprünglichen LP-Cover wiederveröffentlicht, zugelegt habe.


      Gestern abend hörte ich den Abschied sehr intensiv mit KH und sehr laut. Es war ein wunderbares Erlebnis. Die Tonqualität ist hervorragend, nicht ganz rauschfrei, aber man hat das Gefühl, mittendrin zu sein. Gelegentliche Publikums- oder Dirigentengeräusche runden den Eindruck ab. (Die Aufnahme wurde aus 3 Konzerten zusammengefügt)
      Christa Ludwig singt wunderbar, sie ist mit Leib und Seele dabei.
      Lenny ist in Höchstform, nicht nur sinfonisch überwältigend, sondern auch kammermusikalisch gefühlvoll, so dass ich manch neues Detail entdeckt habe. Die Mandolinen z.B. kommen sehr deutlich zum Tragen.
      :times10

      Leider kann ich Mahlers "Lied von der Erde" nicht sehr oft hören. Ich muss in der richtigen Stimmung sein.

      Grüße
      Jürgen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jürgen ()