französische Klavierschule

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    • französische Klavierschule

      Mir ist aufgefallen, dass ich kaum französische Pianistinnen und Pianisten kenne.


      Hier liste ich jene auf, die mir eingefallen sind, bereits im Konzert oder (zumeist) auf CD gerhört zu haben:

      Cécile Ousset
      Katia and Marielle Labèque
      Hélène Grimaud
      Monique Haas

      Alfred Cortot
      Robert Casadesus
      Jean Hubeau
      Pascal Rogé
      Jacques Rouvier
      Jean-Yves Thibaudet
      Pierre-Laurent Aimard
      Philippe Entremont
      Claude Helffer
      Alain Planès

      Gar nicht, oder höchstens dem Namen nach, bin ich noch in aller Kürze auf folgende gestoßen:

      Marguerite Long
      Yvonne Loriod
      Yvonne Lefébure

      Francis Planté
      Yves Nat
      Jean-Philippe Collard
      Alexandre Tharaud
      Francois René Duchâble
      Michel Beroff
      Samson François
      Jacques Février
      Lazare Lévy
      François-Frédéric Guy
      Cédric Tiberghien
      Jean-Claude Pennetier
      Florent Boffard

      Wer fehlt noch? Wer liegt euch am Herzen? Was könnt ihr empfehlen? Könnt ihr das Spiel einiger charakterisieren? Was haltet ihr im Allgemeinen von der sg. französischen Schule – was zeichnet sie aus?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: französische Klavierschule

      Hallo ab,

      wie schön, daß Du dieses Thema ansprichst: Ich habe mich auch schon öfters gefragt, warum die Pianisten aus Frankreich, immerhin unser Nachbarland, hier so wenig bekannt sind. Ich habe von fast allen, die Du erwähnst, schon mal gehört, viele habe ich auch schon gehört, die meisten allerdings von der Konserve oder im Radio. Ich höre sehr gerne Radio France Musique, die bringen im Sommer z.B. viele Übertragungen vom Klavierfestival von La Roque d'Anthéron, wo man nicht nur französische, sondern auch andere Pianisten hört, die hier wenig bekannt sind.

      Von Cortot und Casadesus habe ich diverse Platten, es sind ja Klassiker. Auch viele andere, die Du nennst, leben ja schon nicht mehr. Yvonne Loriod war mit Olivier Messiaen verheiratet und eine große Klavierpädagogin, wenn ich mich nicht irre. Hélène Grimaud ist ja international sehr bekannt, nicht zuletzt wegen ihrer Wölfe; ich habe sie kürzlich hier in der Musikhalle gehört und war nicht wirklich beeindruckt; die Männer im Publikum sahen das, glaube ich, anders. Desgleichen kennen wirja hier Pierre-Laurent Aimard recht gut, und eine meiner ersten Platten in den siebziger Jahren war eine Aufnahme von Chopin-Stücken mit Philippe Entremont. Cédric Tiberghien habe ich hier auch schon zweimal gehört, ohne vom Sessel zu springen. Michel Béroff ist hier, soviel ich weiß, auch recht bekannt, mir in erster Linie durch seine Aufnahmen von Klaviermusik für die linke Hand. Alexandre Tharaud wird in Frankreich zur Zeit als aufgehender Stern gehandelt, ohne daß bei mir schon der Funke übergesprungen wäre ... Jean-Claude Pennetier habe ich des öfteren in vierhändigen Stücken mit seinem Landsmann Christian Ivaldi gehört, davon habe ich mir eine sehr gute Meinung gebildet. François-Frédéric Guy habe ich heute morgen erst im Radio gehört.

      Einer, der hier unbedingt erwähnt werden sollte, ist Jean-Bernard Pommier, von dem man zwar in den letzten Jahren wenig (oder gar nichts) gehört hat, der aber z.B. eine Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten aufgenommen hat, die mir sehr gefällt.

      Gerne ergänze ich weiter:

      Philippe Bianconi ist einer meiner Lieblingspianisten überhaupt, und ich nehme mir vor, ihn in dem Faden "Unbekannte Pianisten" vorzustellen, wenn ich darf, sobald ich dazu komme.

      Philippe Giusiano kenne ich bislang nur mit Chopin. Er hat 1995 den zweiten Preis im Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen (der erste wurde nicht vergeben). Er spielt einen wunderbar eleganten Chopin!

      Jonathan Gilad ist hier eigentlich inzwischen auch recht bekannt. Er spielt regelmäßig bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern (als ehemaliger Preisträger derselben) – dort habe ich ihn auch schon live erlebt und war recht positiv beeindruckt. Außerdem spielt er in einem mehr oder weniger festen Gespann mit der Geigerin Julia Fischer und dem Cellisten Daniel Müller-Schott.

      Nicht zu vergessen auch der junge (19) Jean-Frédéric Neuburger, der meiner Meinung nach auch sehr vielversprechend klingt.

      Erwähnen würde ich auch Michel Dalberto, den ich letztes Jahr im Radio mit den drei letzten Sonaten plus den Klavierstücken D. 946 von Schubert hörte, die er in einem Konzert an einem Abend spielte - sehr beeindruckend.

      Weitere bekannte Namen sind Nicolas Angelich, der gerade (wie so viele) eine Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten aufnimmt; Eric LeSage, der einige Schallplatten mit dem Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, Emmanuel Pahud, aufgenommen hat und zur Zeit die Solo-Klavierwerke von Schumann aufnimmt; Jean-Efflam Bavouzet, den ich letztes Jahr hier in Hamburg hörte, ohne daß er großen Eindruck auf mich machte; Jean-Marc Luisada, der auch mal einen Preis beim Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen hat und den ich ebenfalls hier gehört habe (ich fand das Erlebnis fast schmerzhaft, aber ich will ihm nicht unrecht tun und führe es auf die Akoustik an dem Platz, auf dem ich saß, zurück).

      Aldo Ciccolini gilt ebenfalls als Franzose, da er schon lange (seit der Kindheit, glaube ich) naturalisiert ist, ebenso Cyprien Katsaris. Philippe Cassard schätze ich als Pianisten eher nicht so, aber er hat eine sehr schöne Sprechstimme (jeden Freitag nachmittag auf France Musique bespricht er Stücke für das Klavier). Bekannte Pianistinnen sind Marie-Joseph Jude, Brigitte Engerer, Claire Désert, Anne Queffelec, Claire-Marie LeGuay, Lise de la Salle.

      Es gibt natürlich noch viele andere, aber ich hoffe, niemand richtig Wichtigen vergessen zu haben.

      Ich weiß nicht, was die französische Schule auszeichnet, ich weiß noch nicht einmal, ob es sie (noch) gibt - und den Komponisten links (er)kenne ich leider auch nicht!

      Viele Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • RE: französische Klavierschule

      Hallo Gamaheh,

      schön, auf Fragen eine präziese Antwort zu bekommen!


      Original von Gamaheh
      Erwähnen würde ich auch Michel Dalberto, den ich letztes Jahr im Radio mit den drei letzten Sonaten plus den Klavierstücken D. 946 von Schubert hörte, die er in einem Konzert an einem Abend spielte - sehr beeindruckend.


      Dalberto wollte ich unbedingt auch nennen, insbesondere weil er ja bei Denon eine doch beachtliche Gesamtaufnahme der Schubert-Klavierwerks vorgelegt hat.

      Original von Gamaheh
      Aldo Ciccolini gilt ebenfalls als Franzose, da er schon lange (seit der Kindheit, glaube ich) naturalisiert ist, ebenso Cyprien Katsaris.

      Dann wären aber auch Alexis Weissenberg und Walter Gieseking zu nennen.

      Original von Gamaheh
      Jean-Marc Luisada, der auch mal einen Preis beim Warschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen hat


      Stimmt, den hatte ich völlig vergessen, obwohl Luisada ja sogar bei der DG aufgenommen hat, den diese dann offensichtlich fallen gelassen hat. Ich meine mich eines abstrus-bunten Covers mit Schumann-Musik zu entsinnen, die dann bei RCA (?) herausgekommen ist.

      Original von Gamaheh
      Philippe Bianconi ist einer meiner Lieblingspianisten überhaupt, und ich nehme mir vor, ihn in dem Faden "Unbekannte Pianisten" vorzustellen, wenn ich darf, sobald ich dazu komme.


      Darauf - und auf ähnliche Beiträge - freue ich mich schon!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: französische Klavierschule

      Original von ab

      Original von Gamaheh
      Erwähnen würde ich auch Michel Dalberto, den ich letztes Jahr im Radio mit den drei letzten Sonaten plus den Klavierstücken D. 946 von Schubert hörte, die er in einem Konzert an einem Abend spielte - sehr beeindruckend.


      Dalberto wollte ich unbedingt auch nennen, insbesondere weil er ja bei Denon eine doch beachtliche Gesamtaufnahme der Schubert-Klavierwerks vorgelegt hat.


      Und diese Gesamtaufnahme ist ja auch bereits bei Brilliant erschienen und recht günstig zu bekommen! :hello
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: französische Klavierschule

      Von Yves Nat besitze ich seit kurzen die EMI Aufnahme mit Werken Schumann's. Habe sie bisher noch nicht ganz durchgehört, muß aber sagen das sie durchaus interessant klingt. Leider stellenweise schwach im Klang.

      Alexandre Tharaud's Aufnahme mit Werken von Rameau ist durchaus richtig gut, auch wenn er sich nach meiner Meinung hier und da "Durchhänger" leistet. Siamak ist da jedoch andere Meinung.

      Samson François
      Es gibt einen entsprechenden Thread über ihn
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • bon soir,

      ich mag die absolventen der französischen schule sehr. mich überzeugt ihre breitgefächerte musikalische ausbildung, sie sind in der regel auch exzellente kammermusiker und arrangeure. komponieren könnten sie wohl auch.

      rein pianistisch überwiegt eine elegant-transparente art des spiels, quasi parfumiert. ist doch klar, dass man gerne seine landsleute spielt, und chopin, der ja wahl-pariser war.

      live erlebte ich jeweils zweimal jean-ives thibaudet und francois-rene duchable, wobei duchable ware wunder vollbrachte (chopins beide konzerte, alle balladen und scherzi, beethovens 4. konzert).

      vergessen sollte man nicht pianisten, welche zum studium nach paris kamen, also keine gebürtigen franzosen sind: abdel rachman el bacha (siehe bei den unbekannten tastengenies), christian zacharias oder auch david lively.

      aus der jungen generation überzeugen alexandre tharaud (rameau, ravel, js bach) und cedric tiberghien (beethoven, js bach), wobei ich sie eher als musiker denn als virtuosen erlebe.



      duchable

      gruß, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • Original von AcomA

      aus der jungen generation überzeugen alexandre tharaud (rameau, ravel, js bach)


      In den nächsten Tagen sollte bei mir auch die 2. Aufnahme Tharaud eintreffen. Fast stündlich erwarte ich diese Box



      natürlich werde ich berichten!

      Hat jemand in die Aufnahme mit Schubert Werken von Tharaud bereits reingehört?

      Außerdem möchte ich hier nochmal auf den E. Naoumoff hinweisen :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: französische Klavierschule

      Lieber ab ,

      es kommt natürlich darauf an , was wir unter "französischer Klavierschule" verstehen .

      Wenn wir auch nicht in Frankreich geborene n , aber dort musikalisch , kulturell etc. mitentscheidend geprägte Künstler verstehen , dann fehlen in Deiner vorzüglichen Liste natürlich

      Alexis Weissenberg u n d

      Julius Katchen .

      es gab / gibt eine ausgezeichnet CD mit Aufnahmen aus der Schule von Lazare Lévy .

      Weissenberg selbst hat immer gesagt und geschrieben , dass er der russischen Schule in Verbindung mit der deutsche n Schule pianistisch entstammt .

      Bei Katchen ist es wohl wegne seines sehr frühen Todes schwierig , hierzu etwas auszusagen . Ich denke , dass Katchen entscheidend durch die französische kultur geprägt worden ist .

      Wanda Landowska hat unendlich viel für die Interpretationskunst geleistet .

      Zu den "französischen Pianisten" zählt sicherlich auch Aldo Ciccolini, dessen Mozartsonaten exquisit sind . In den letzten Jahren hat er eine wunderviolle Schumann - Cd eingespielt . Grosses Klavierspiel allemal .

      Die Cortot - Schule hat ja bis heute ihre wohl bleibenden "Spuren" hinterlassen . man mag dabei Cortot als Mensch mögen oder viel gegen ihn einwenden mögen und auch können . Als Lehrer war er sicherlich epochemachend .

      Marguerite Long , die den Begriff des "jeu perlé " geprägt hat , ist von Michel Glotz in seinem Buch "La Note bleue . Une vie pour la musique " ( 2002 ; lattès ; paris ) hinreichend gewürdigt worden . Mmme. Long war eng mit Maurice Ravel befreundet geweisen , so wie Vlado Perlemuter , auf desen Interpretationen ich ausdrücklich hinweisen möchte ( Ravel , Debussy , Chopin ) .

      Die Liste ist sicherlich viel länger , weil sehr viele grosse Pianisten zumindest einige Zeit in Paris ( und auch der Provinz ) gelebt und gearbeitet haben . dazu zählt besonders Arthur Rubinstein .

      Viele Grüsse ,
      Frank
    • RE: französische Klavierschule

      Liebe Interessenten der sog. Französischen Klavierschule !

      Diese CDs von und mit Cortot sind wirklich herausragend . Ein Muss für alle Klaviermusikfreunde , die auch an Musiklehre und -ästhetik interessiert sind .

      ich bin gespannt ,wie Zelenka diese sehr verschiedenen Aufnahmen / Werke besprechen wird .

      Grüsse , Frank
    • RE: französische Klavierschule

      Original von Ganong
      Liebe Interessenten der sog. Französischen Klavierschule !

      Diese CDs von und mit Cortot sind wirklich herausragend . Ein Muss für alle Klaviermusikfreunde , die auch an Musiklehre und -ästhetik interessiert sind .

      ich bin gespannt ,wie Zelenka diese sehr verschiedenen Aufnahmen / Werke besprechen wird .

      Grüsse , Frank


      So, lieber Frank! (Und meine Kommentare kommen mir etwas dürr vor):



      Alfred Cortot: The Master Classes (Einleitung und Kommentar von Murray Perahia), Sony SK389698

      Etwa 197 min. Klavierunterricht in recht zweifelhafter Aufnahmequalität, der Lehrer ist kaum zu verstehen (und spricht französisch). Lohnt sich trotzdem das Zuhören? Gewiß, denn der Lehrer ist eine zentrale Figur im Musikleben des 20. Jahrhunderts gewesen. Alfred Cortot (1877-1962) gründete 1919 die École Normale de Musique, die Aufnahmen dieser Box stammen aus den Jahren 1954-60. Etwa 30 Stunden Tonbandaufzeichnungen seiner Meisterklassen in jenen Jahren existieren. Die Veröffentlichung von Teilen dieses Materials ist Murray Perahia zu verdanken, der offenbar immer noch genug Einfluß bei Sony hat, ein solches wohl eher unprofitables Editionsunternehmen durchzuboxen. Er hat auch eine lesenswerte Einleitung verfasst und kurze Einführungen zu den den einzelnen behandelten Stücken. Die Kommentare Cortots sind im Booklet transkribiert und auch ins Englische übersetzt.

      CD 1

      Bach, Partita No. 1 BWV 825
      Mozart, Fantasie KV 475, Sonaten KV 331, 310
      Beethoven, Sonaten No. 26 "Les Adieux", No. 27 und No. 28

      CD 2

      Beethoven, Sonaten No. 30, No. 31
      Schumann, Sonate No. 2 op. 22, Fantasie op. 17
      Chopin, Sonaten No. 2, No. 3

      CD 3

      Chopin, Balladen, Scherzo No. 3 op. 39, Mazurkas op. 24, Nos. 1, 2, 4, op. 30, Nos. 1, 2, Préludes op. 28, Nos. 2, 4, 5, 8, 17, 20


      Die Unterrichtssituation in der École hat man sich in etwa so vorzustellen: Als Hausaufgabe hatten die Schüler Analysen zu spezifischen Werken zu formulieren, auf die Cortot sich im Unterricht dann immer wieder bezieht. In der Klasse war das jeweilige Stück vorzuspielen. (Die Interpretationen der Schüler sind leider nicht überliefert.) Cortot verlangte Emotion, ein Cantabile und Natürlichkeit und mochte weder zu leises noch zu lautes Spiel. Im Falle Beethovens z.B. plädierte Cortot für ein flexibleres, "romantischeres" Spiel als das "objektive", notengetreue, das zu seinen Lebzeiten Mode wurde.

      Auffällig ist, dass Cortot sehr häufig die jeweiligen Stücke in einen programmatischen Kontext versetzt, der sicher nicht immer nachzuvollziehen ist. So wird im Falle des "Les Adieux"-Sonate Beethovens der Abschied nicht des Erzherzogs Rudolf, sondern der Therese von Braunschweig postuliert, das Ganze wird als Liebesgeschichte gedeutet. Eine zumindest nicht uninteressante Sicht, und auch im Falle der anderen erfundenen Programme handelt es sich eigentlich um geschickte pädagogische Eselsbrücken. Bei der Behandlung von Chopins Balladen wird natürlich Mickiewicz herangezogen etc. etc.

      Die gesamte Musik auf den ersten beiden CDs der Ausgabe hat Cortot nie im Studio eingespielt. Und auch wenn fast nichts komplett durchgespielt wird, erweitert die Ausgabe sicher unser Bild von Cortot. Wie immer gibt es auch gerade hier im Unterricht eine Menge falsche Noten. Das sollte niemanden stören.


      Gruß,

      Zelenka

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • Original von Jascha Horenstein
      Als Bewunderer Cortots ist diese Box Pflicht für mich. Zelenka, kannst du bitte etwas näheres zur von Cortot gedeuteten Nähe zwischen Chopins Balladen und Mickiewicz sagen?


      Lieber Jascha:

      Die direkte Zuordnung der Balladen zu bestimmten Gedichten von Mickiewicz vertritt Cortot schon in seinen Ausgaben dieser Werke. In der Musikwissenschaft sieht man das wohl mit einiger berechtigter Skepsis. Cortot schmückt die Verknüpfung auch noch mit Einzelheiten aus Chopins Biographie aus. Charles Rosen z.B. hält von alledem überhaupt nichts. Verantwortlich für diese Sichtweise ist letztlich Schumann, der in einer Besprechung mitteilte, Chopin habe ihm gesagt, er knüpfe an Gedichte von Mickiewic an. Das steht alles auf sehr wackligen Füßen. Aber man muß natürlich um diese Dinge wissen, wenn man Cortots Interpretationen wirklich verstehen möchte. Auf der relevanten CD in der vorgestellten Box demonstriert er seine Interpretationsweise im einzelnen.

      Gruß,

      Zelenka
    • RE: französische Klavierschule

      Lieber zelenka ,

      genau wie Alfred Cortot es , nicht unbegründet !!! , tut , so habe ich die "Le-be-wohl"-Sonate immer ( jedenfalls für mich ) gehört und halte sie für ein einziges ganz verinnerlichtes , emotional hochaufgeladenes Werk Beethovens . Seine persönlichste eigene Liebeserfahrung ? mit einem geträumten , gewünschten Ende im Schlussatz ?

      Emil Gilels ( Label : revalation und live ) hat dies so zu spielen vermocht .

      Cortot macht es einfach als Pädagoge phantastisch , wie er seinem Werkzugang nach- und miterleben lässt ! Dass ein grosser Pianist und glänzender Pädagoge seine Inneres so offenlegt ist eine Rarität . Bei Cortot gibt es auch Literaturstellen von ihm .

      Allergrösste Kunst und überragendes Können !

      Cortots Sprache ist übrigens von einer seltenen Eindringlichkeit !

      Viele Grüsse , Frank
    • Lieber Zelenka, lieber Frank,

      mir ist heute der erste Band von Cortots Buch über französische Klaviermusik in die Hände gefallen. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, daß man danach wohl die Werke etwa Debussys ganz anders und neu wahrnehmen kann. Sofort möchte ich das Klavierwerk von Dukas, Chabrier oder Franck kennenlernen! Eine wertvolle Anschaffung.
    • Die nächste Woche scheint von der Bayern 4-Sendung "Pour le piano" zur Woche der französischen Pianisten gekürt worden zu sein:

      Montag: Brigitte Engerer (Schubert, Tchaikovsky, Beethoven, Schumann)
      Dienstag: Katia u. Marielle Labeque (Bernstein, Bruch)
      Mittwoch: Pascal Amoyel (Skrjabin, E. Bloch, R. Strauss).

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.