Schostakowitsch 2. Klaviersonate

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    • Noch etwas zu der Koroliov-Einspielung: (Komplett nachzulesen hier )

      „Diese scheinbare Neutralität des Notentexts hat dazu geführt, dass der Expressionsgehalt der vorhandenen Interpretionen weiter auseinander driftet als bei Schostakowitschs Musik gemeinhin üblich: Vladimir Ashkenazy (Decca) und Konstantin Scherbakov (Naxos) etwa deuten das Stück, mit raschen Tempi, als schlanke neoklassische Studie, andere, so Margarete Babinsky (Capriccio), ebenso konsequent als trauerverhangene Elegie, deren melancholischer Charakter alle drei Sätze gleichermaßen beherrscht. Evgeni Koroliov beschreitet in der vorliegenden Einspielung einen Mittelweg, deutet den Kopfsatz als ebenso energisches wie neutrales Präludium zur Weltabgewandtheit des zentralen langsamen Walzers, dessen Lyrismus bei ihm nicht, wie gelegentlich zu hören, im Äther verschwimmt, sondern wie von Eis umgürtet erscheint. Koroliov nimmt sich genügend Zeit für das todtraurige, im unisono intonierte Thema der finalen Variationsfolge, versinkt aber im Laufe des Satzes nicht in Schwermut, sondern lässt das motivisch-kontrapunktische Gefüge in vorbildlicher Deutlichkeit sich entfalten. Eine kompromisslos ernste, strenge Interpretation mithin, die dem werkinhärenten Charakter von sublimierter Trauer sehr entgegenkommt.“


      Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Klaviersonate so packen würde! Allein den zart-melancholischen Anfang des 3. Satzes könnte ich ununterbrochen hören! :down

      Gruß, Cosima
    • Noch etwas zu der Koroliov-Einspielung: (Komplett nachzulesen hier )

      „Diese scheinbare Neutralität des Notentexts hat dazu geführt, dass der Expressionsgehalt der vorhandenen Interpretionen weiter auseinander driftet als bei Schostakowitschs Musik gemeinhin üblich: Vladimir Ashkenazy (Decca) und Konstantin Scherbakov (Naxos) etwa deuten das Stück, mit raschen Tempi, als schlanke neoklassische Studie, andere, so Margarete Babinsky (Capriccio), ebenso konsequent als trauerverhangene Elegie, deren melancholischer Charakter alle drei Sätze gleichermaßen beherrscht. Evgeni Koroliov beschreitet in der vorliegenden Einspielung einen Mittelweg, deutet den Kopfsatz als ebenso energisches wie neutrales Präludium zur Weltabgewandtheit des zentralen langsamen Walzers, dessen Lyrismus bei ihm nicht, wie gelegentlich zu hören, im Äther verschwimmt, sondern wie von Eis umgürtet erscheint. Koroliov nimmt sich genügend Zeit für das todtraurige, im unisono intonierte Thema der finalen Variationsfolge, versinkt aber im Laufe des Satzes nicht in Schwermut, sondern lässt das motivisch-kontrapunktische Gefüge in vorbildlicher Deutlichkeit sich entfalten. Eine kompromisslos ernste, strenge Interpretation mithin, die dem werkinhärenten Charakter von sublimierter Trauer sehr entgegenkommt.“


      Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Klaviersonate so packen würde! Allein den zart-melancholischen Anfang des 3. Satzes könnte ich ununterbrochen hören! :down

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      Ich kannte die 2. Klaviersonate schon eine Weile durch die Aufnahmen von Konstantin Scherbakov (Naxos) und Alexei Lubimow (ECM). Beide Interpretationen sind IMO nicht schlecht, aber Begeisterung für diese Sonate kam für mich erst durch Evgeni Koroliovs Einspielung auf.

      Der strenge und introvertierte Stil Koroliovs passt m.E. exakt zu dem melancholischen, depressiven Tonfall der Klaviersonate. Sein Spiel wirkt sehr intim, ist sehr zurückhaltend im Ausdruck und dennoch von großer Intensität. Trifft genau meinen Nerv!



      Gruß, Cosima


      @Cosima,
      Scherbakov ist sicherlich einer der Pianisten, denen es im großen und ganzen an dem "besonderen Ausdruck" fehlt. So ziemlich bei allem. Nett um mal ein werk gehört zu haben, aber bei weitem immer entfernt von großen Interpretationen.

      Ich hatte vor Monaten in die Koroliov Aufnahme reingehört. Fand sie interessant, aber ich liebe einfach Gilels Aufnahme der 2. Sonate :)
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Cosima
      Ich kannte die 2. Klaviersonate schon eine Weile durch die Aufnahmen von Konstantin Scherbakov (Naxos) und Alexei Lubimow (ECM). Beide Interpretationen sind IMO nicht schlecht, aber Begeisterung für diese Sonate kam für mich erst durch Evgeni Koroliovs Einspielung auf.

      Der strenge und introvertierte Stil Koroliovs passt m.E. exakt zu dem melancholischen, depressiven Tonfall der Klaviersonate. Sein Spiel wirkt sehr intim, ist sehr zurückhaltend im Ausdruck und dennoch von großer Intensität. Trifft genau meinen Nerv!



      Gruß, Cosima


      @Cosima,
      Scherbakov ist sicherlich einer der Pianisten, denen es im großen und ganzen an dem "besonderen Ausdruck" fehlt. So ziemlich bei allem. Nett um mal ein werk gehört zu haben, aber bei weitem immer entfernt von großen Interpretationen.

      Ich hatte vor Monaten in die Koroliov Aufnahme reingehört. Fand sie interessant, aber ich liebe einfach Gilels Aufnahme der 2. Sonate :)
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Auf Rachmaninoffs Wunsch hin schreibe ich gern hier was zu der Koroliov-Einspielung, die ich gestern hörte:

      Es ist für mich eine gute Aufnahme, ohne dass sie mich rundum begeistert. Koroliov arbeitet sehr schön die Stimmen raus, besonders das Finale gefällt mir. Auch klanglich sind seine Differenzierungen detailreich und hörenswert. An Eindringlichkeit und Intensität mangelt es ihm nicht, es hat was unaufdringlich versunkenes, grüblerisches, was ja durchaus zu Schostakowitsch passt. Aber mir fehlt Spannung und Dynamik. Also es berührt mich zwar, aber es lässt mich nicht verzweifeln.

      Ich hätte gern eine Aufnahme mit Melnikov!
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis