Mendelssohn: Ein Sommernachtstraum

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    • Mendelssohn: Ein Sommernachtstraum

      Hallo Cosima und natürlich alle anderen!

      Ich hatte mich auf die Hebriden verirrt (sorry, lieber admin :engel), aber mich würde deine Meinung zum Sommernachtstraum unter Herreweghe interessieren, da ich mir vor kurzem folgende Aufnahme zugelegt habe:


      Kathleen Battle
      Frederica von Stade · Judi Dench
      Tanglewood Festival Chorus
      Boston Symphony Orchestra
      Seiji Ozawa

      Die Aufnahme ist sicher nicht schlecht, vor allem die Stimme von Judi Dench finde ich klasse, allerdings wäre der Herreweghe sicher eine gute, vielleicht bessere Alternative gewesen.
      Gibt es gleiche oder andere Empfehlungen, Meinungen?

      Gruß, Nikolaus.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von nikolaus ()

    • RE: Sommernachtstraum

      Original von nikolaus

      Kathleen Battle
      Frederica von Stade · Judi Dench
      Tanglewood Festival Chorus
      Boston Symphony Orchestra
      Seiji Ozawa

      Die Aufnahme ist sicher nicht schlecht, vor allem die Stimme von Judi Dench finde ich klasse, allerdings wäre der Herreweghe sicher eine gute, vielleicht bessere Alternative gewesen.
      Gibt es gleiche oder andere Empfehlungen, Meinungen?


      Wegen der verbindenden Texte finde ich diese Einspielung ebenfalls sehr empfehlenswert. Sie ist auch ein wenig vollständiger als meine beiden anderen (Fricsay (DG, mono, deutsch), Maag (Decca)), z.B. die Musik zum Zauberspruch usw. Von Stade & Battle sind auch sehr gut, Dirigat etc. jedenfalls nicht schlecht. Ich habe wie gesagt u.a. noch diese, aber die enthält nur die Musiknummern. Lohnt aber auf jeden Fall, auch wegen der "Schotttischen" (die als LP Mondpreise erzielt)



      viele Grüße

      J. Bristow
    • RE: Sommernachtstraum

      Hallo Nikolaus,

      es gibt eine Einspielung mit Harnoncourt, die ich mir in glühender Erwartung angehört hatte, nachdem ich sein Aufnahme der Sinfonien

      für eine absolute Sternstunde halte. aber den Sommernachstraum halte ich für weit weniger inspiriert und hat mich überhaupt nicht vom Hocker gerissen, wie man so sagt. Diese würde ich daher nicht empfehlen.
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Lieber Nikolaus,

      ich komme derzeit nicht dazu, die Aufnahme noch einmal ganz hören. Es würde auch wenig Sinn machen, da ich alternativ eh nur eine Kubelik-Aufnahme besitze, die mir deutlich weniger gefiel. Außerdem hänge ich nicht so sehr am Sommernachtstraum, als dass ich hier nach der ultimativen Einspielung überhaupt suchen würde. Aber Herreweghe und seine Mannen interpretieren für meinen Geschmack sehr gut, vor allem die unten angesprochene Transparenz gefiel mir.

      Ich verweise deshalb der Einfachheit halber auf eine Rezension von der Rondo-Seite, die ich – aus der Erinnerung heraus - unterstützen würde.

      Auch die "lauten" Stellen bleiben bei Philippe Herreweghe transparent, fast brüchig - wir haben es mit ungreifbaren Luftgeistern zu tun! Die Ophikleide – ein Tuba-Vorläufer, der "altes" Instrumentarium aus Holzflöten und darmbesaiteten Streichern ergänzt - sorgt für einen geradezu ätherischen Baß. Mendelssohn als Klangfarben-Magier - diese Entdeckung kann man nur bei dieser Einspielung machen, wobei man freilich einschränkend sagen muß, daß die "Sensation" des Alten Klanges erst durch den Unterschied zu den gewohnten "normalen" Aufnahmen hervortritt.

      Aber das ist nicht alles: Herreweghe verleiht dieser Musik etwas Doppelbödiges, mitunter sogar Ironisches. Der Lustspielcharakter setzt sich unter seinem Dirigat in der Musik fort. Besonders deutlich zeigt sich dies im berühmten Hochzeitsmarsch - einem Stück, das zum klingenden Symbol einer Trauung geworden ist. Herreweghe gelingt es, dieses überstrapazierte Stück wieder so zu musizieren, wie es - erkennbar durch den Zusammenhang in Shakespeares Drama - gedacht ist: als Marsch-Parodie. (O. Buslau)


      Gruß, Cosima :)
    • Danke an Cosima und ab!

      Gerade was du, Cosima , schreibst (das klingt sehr interessant und spannend), stimmt mich sehr nachdenklich, ob ich die für mich richtige Aufnahme erwischt habe. Na ja, wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mal in die Herreweghe-Aufnahme hereinhören und - wenn nötig und mein Geldbeutel es erlaubt - als Alternative zulegen.

      Viele Grüße, Nikolaus.
    • @Nikolaus,

      etwas spät aber jetzt noch reiche ich eine Aufnahme nach.

      Da ich Mendelssohn's Sommernachtstraum eher selten höre reicht mir eine Aufnahme völlig aus.



      Previn gelingt es gemeinsam mit dem LSO und den Sängern eine sehr schöne Darstellung. Er entführt in das Reich der Träume und wunderschönen Melodien. :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallihallo,

      ich besitze ledglich auch die schon von Cosima erwähnte Kubelik-Aufnahme:



      Lange Zeit nicht gehört, aus der Erinnerung kann ich sagen, dass sie mir eigentlich recht gut gefallen hat bis auf eine der beiden Solistinnen. Deren Stimme ist nicht mein Geschmack (welche, weiß ich momentan nicht).

      Grüße
      nubar
    • Auf der Suche nach Interpretationen des "Orchestra of the 18th Century" bin ich auf diese Aufnahme gestoßen:



      (Kennt die jemand?)

      Da ich das Werk nicht kenne und neugierig war, habe ich mir die Ouvertüre angehört. Ich muss gestehen, ich fand sie, trotz mancher schöner Momente, dramaturgisch nicht so berauschend, zu oft wiederholen sich da Themen für mich. Was ich aber nicht verstehe: was sollen diese flirrenden Streicher zu Beginn darstellen? Ist das Lautmalerei für etwas Bestimmtes?

      Ich werde auf jeden Fall noch die nächsten Nummern anhören und schauen, ob da etwas dabei ist für mich.



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Ich kenne die Aufnahme unter Franz Brüggen und auch das Orchestra of the 16th Century nicht, doch ich denke, dass man Mendelssohn schon mit einem großen Sinfonieorchester hören sollte, wie es zu seiner Zeit üblich war. Außerdem darf man nicht vergessen, dass die Ouvertüre das (m.E. geniale) Werk eines 17jährigen ist!
      Die flirrenden Streicher am Anfang sollen wohl das Mysteriöse der Sommernacht andeuten, ihr geheimnisvolles Weben. Absoluter Höhepunkt der Ouvertüre ist für mich der wunderbare romantische Schluss. So geheimnisvoll wie das Stück beginnt, so endet es auch ....
      Wer nicht unbedingt an der kompletten Sommernachtsmusik interessiert ist, stattdessen Auszüge bevorzugt, dem empfehle ich folgende, lange Zeit vergriffene Version, die für mich noch immer eine der schönsten ist:

      Wiener Philharmoniker, Dirigent: Pierre Monteux (aufgenommen in den berühmten Wiener Sofiensälen, November 1957).

      Produzent wär der legendäre DECCA-Aufnahmeleiter John Culshaw. Enthalten sind außer der Ouvertüre op. 21 das Scherzo, Notturno und der unvermeidliche Hochzeitsmarsch op. 61. Es handelt sich um eine frühe, aber sehr gute Stereo-Aufnahme.
      Sie ist mit einer ebenfalls großartigen Version der Symphonie fantastique von Hector Berlioz gekoppelt, die ein Jahr später an gleicher Stelle entstand.
    • Cavaradossi schrieb:

      Ich kenne die Aufnahme unter Franz Brüggen und auch das Orchestra of the 16th Century nicht, doch ich denke, dass man Mendelssohn schon mit einem großen Sinfonieorchester hören sollte, wie es zu seiner Zeit üblich war.
      Über die Besetzungsstärke damals und die des Orchestra of the 18th(!) Century bei dieser Aufnahme weiß ich nichts, von daher kann und will ich dazu nichts sagen.


      Cavaradossi schrieb:

      Die flirrenden Streicher am Anfang sollen wohl das Mysteriöse der Sommernacht andeuten, ihr geheimnisvolles Weben.
      Das hat mir auch gut gefallen. Zuerst diese Akkorde zu Beginn, dann dieses herumflirren, ab und zu unterbrochen von den Holzbläsern, dann weiteres Geflirre.
      Ich dachte, vielleicht bedeuten diese Klänge irgendetwas bestimmtes, sind auf irgendetwas bezogen. Wie gesagt, ich kenne das Werk nicht.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hallo Hosenrolle1,

      mit dem "Orchestra of the 16th Century" hast Du mich aufs Glatteis geführt, in Deinem Beitrag von heute mittag. Ich dachte: O Gott, sechzehntes Jahrhundert, und dann Musik von Mendelssohn .... das kann nichts werden.
      Ich persönlich schätze Mendelssohns Sommernachtsmusik außerordentlich. Außer der von mir genannten Monteux-Aufnahme nenne ich noch als besonders empfehlenswert die Auszüge unter Otto Klemperer und Rudolf Kempe (beide EMI).
      An Gesamtaufnahmen sind mir in bester Erinnerung Ferenc Fricsay (DGG, 1950, mono) und Rafael Kubelik (DGG, 1963, Stereo). Es gibt zweifellos weitere gute, aber die kenne ich nicht.
      Bemerkenswert finde ich, dass Karajan, soweit ich feststellen kann, um dieses Werk lebenslang einen großen Bogen gemacht hat. Weder in seinen Konzertprogrammen noch als Aufnahme taucht es jemals auf - rätselhaft, wo er doch sämtliche 5 Sinfonien und auch das Violinkonzert (mit A.S. Mutter) aufgenommen hat. Das gleiche "Schicksal" war dem 1. Klavierkonzert von J. Brahms und der Sinfonie Nr. 3 von Sibelius beschieden, obwohl er zeitlebens beide Komponisten sehr geschätzt hat. Wie schrieb einer seiner Biographen: "Ein seltsamer Mann" (Wolfgang Stresemann).

      LG,
      Cavaradossi :hello
    • Cavaradossi schrieb:

      mit dem "Orchestra of the 16th Century" hast Du mich aufs Glatteis geführt, in Deinem Beitrag von heute mittag. Ich dachte: O Gott, sechzehntes Jahrhundert, und dann Musik von Mendelssohn .... das kann nichts werden.
      Ahhh! Jetzt sehe ich erst, dass ICH 16th geschrieben habe! Tut mir leid, das war keine Absicht! Ich korrigiere das sofort. Korrekt ist natürlich 18th Century. (Dazu muss ich sagen, dass das Orchester sich dem jeweiligen Werk anpasst. Ein Bolero wird nicht auf barocken Flöten gespielt, ein Mozart nicht auf modernen, usw.)

      Was mir bei dem Streichergeflirre gleich zu Beginn gefallen hat war der Sound der Aufnahme. Die Streicher klangen da sehr klar und deutlich, und der Klang der Saiten passt für mich eher zu dieser Stelle. Irgendwie lebendiger, "organischer", atmosphärischer. Die 4 oder 5 anderen Aufnahmen, wo ich mir diesen Anfang angehört habe, gefielen mir alle nicht, da war mir der Sound zu dick und zu breit, zu verwaschen und metallisch. Auch war das Tempo nicht zu schnell.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Hallo, Hosenrolle1,

      einen schönen 4. Adventsonntag wünsche ich.

      Seit gestern abend habe ich x-mal probiert, die YouTube-Version aufzurufen, es klappt nicht! Erst habe ich gedacht, es liegt an mir, aber heute früh war meine Tochter hier, die hatte auch keinen Erfolg. Vielleicht liegt's an meinem Laptop, der müßte unbedingt mal bereinigt werden. Bin aber noch nicht dazu gekommen, ihn wegzugeben.

      Es kann gut sein, dass bei einer kleineren Besetzung das Geflirre besser herauskommt als bei einem großen Orchester. Leider habe ich nur solche Versionen: neben Kubelik, Klemperer und Fricsay noch Leinsdorf, Levine und Colin Davis. Das klingt alles ziemlich gleich, nur die Klangqualität schwankt.

      LG, Cavaradossi
    • Hosenrolle1 schrieb:

      Wegen der Besetzung: ich weiß wie gesagt leider nicht, welche Besetzung Mendelssohn wollte, und welche bei Brüggen eingesetzt wird.
      Hallo, Hosenrolle1,

      leider komme ich erst jetzt zu einer Antwort, gestern war ich durch eine Familienfeier in Anspruch genommen. Es gibt tatsächlich Leute, die feiern kurz vor Weihnachten ihren Geburtstag 8o .....
      Jetzt aber erst mal danke für Brüggens Sommernachtstraum. Ehrlich gesagt, ich war mehr als angenehm überrascht. Das ist eine ganz außergewöhnliche, aus dem Rahmen fallende Interpretation. Leider konnte ich mir bis jetzt nur die Anfangstakte der Ouvertüre anhören, aber der erste Eindruck ist fantastisch! So habe ich diese Musik noch nie gehört. Zunächst fällt einmal das sehr getragene Tempo ins Ohr, wie ich es von keiner anderen Aufnahme kenne, aber diese Musik verträgt das sehr gut. Das "Geflirre" ist wirklich sehr beeindruckend, es kommt ja wie gestochen aus den Lautsprechern.
      Auch ich weiß nicht, welche Besetzung Mendelssohn vorgeschwebt hat, aber ich bin sicher, daß er von Brüggen begeistert gewesen wäre.

      Werde mir, sobald die Zeit dafür reicht, weitere Stücke anhören, und vor allem die Ouvertüre komplett, die ich für das schönste Stück dieser Komposition halte. Bis dahin,

      LG, Cavaradossi :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cavaradossi ()

    • Cavaradossi schrieb:

      Jetzt aber erst mal danke für Brüggens Sommernachtstraum. Ehrlich gesagt, ich war mehr als angenehm überrascht. Das ist eine ganz außergewöhnliche, aus dem Rahmen fallende Interpretation. Leider konnte ich mir bis jetzt nur die Anfangstakte der Ouvertüre anhören, aber der erste Eindruck ist fantastisch! So habe ich diese Musik noch nie gehört. Zunächst fällt einmal das sehr getragene Tempo ins Ohr, wie ich es von keiner anderen Aufnahme kenne, aber diese Musik verträgt das sehr gut. Das "Geflirre" ist wirklich sehr beeindruckend, es kommt ja wie gestochen aus den Lautsprechern.
      Das freut mich, dass dir das gefallen hat :)
      Ich mag einfach den Sound davon, er hat nicht dieses metallisch-kühle, sondern etwas "natürliches", volles. Die Pizzicati klinngen auch nicht so hart und schnalzig, wie ich es in anderen Aufnahmen gehört habe. Ich weiß leider nicht welche Hörner Brüggen hier verwendet, denn das Werk entstand um 1826, und da gab es bereits Ventilhörner, die da aber noch ziemlich neu waren und sich erst nach und nach durchgesetzt haben. Wiki sagt das hier:


      Während Carl Maria von Weber den Einsatz des Ventilhorns (zu seiner Zeit noch mit zwei Ventilen und damit sehr unvollkommen) im Orchester strikt abgelehnt hatte, war um 1850 der Wechsel in fast allen Orchestern vollzogen, wenngleich die Tradition des Naturhorns noch einige Zeit separat weiterlebte. Felix Mendelsson Bartholdy hatte als einer der Ersten das Ventilhorn bei seinen Kompositionen im Kopf: in seinem Nocturno aus dem Sommernachtstraum.
      Ist die Frage, ob er das NUR beim Nocturno im Kopf hatte, oder für seine ganze Komposition.
      Ich nehme aber stark an, dass Brüggen sich um diese Fragen gekümmert und entsprechend besetzt hat.

      Viel Spaß beim Hören!



      LG,
      Hosenrolle1