Klavierfassung vs Orchesterversion

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    • Klavierfassung vs Orchesterversion

      Hallo,

      es gibt einige werke, die wurden vom Komponisten erst in einer Klavierfassung veröffentlicht und dann später in einer Orchesterversion. Von mir aus kann die Reihenfolge auch umgekehrt sein, worauf es mir ankommt, ist, daß beides vom gleichen Komponisten kommt.

      Ich gebe mal zwei Beispiele vor, bei denen mir die Klavierfassung eindeutig besser gefällt.
      1. Pavane pour une infante défunte
      2. Une barque sur l'océan
        [/list=1]
        Beides von Ravel klingt auf dem Klavier so leichtfüßig (sagt man das bei Klaviermusik?) und elegant, daß die Orchestrierung ein wenig plump und etwas übersteuert erscheint.

        Ein Gegenbeispiel sind die Slawischen Tänze von Dvorak, die auch in einer Klavierfassung zu vier Händen existieren. Dvorak erreicht an den Klavieren nicht die Klasse eines Ravel, vielleicht wäre ja ein Klavier weniger mehr gewesen. Möglicherweise ist aber auch die Orchesterfassung einfach zu gut.

        Was sind Eure Eindrücke, und welche Beispiele könnt Ihr nennen ?


        Grüße
        Jürgen
    • Hallo Jürgen,

      sofort fallen mir die Symphonischen Tänze von Rachmaninov ein, die ursprünglich für zwei Klaviere komponiert wurden. Die Orchesterversion ist nicht so plastisch und intim, berührt mich auch weniger, obgleich ich sie auch großartig finde.

      Strawinskys „Sacre“ ziehe ich wiederum in der Orchesterfassung vor. Der Sacre braucht m.E. mehr Kraft und Fülle, als auf dem Klavier realisierbar ist.

      Mussorgskys „Bilder“ zählen ja nicht, weil nicht der Komponist selber die orchestrierte Version schuf.

      Gruß, Cosima
    • die Hayden-Variationen von Brahms, welche in beiden fassungen ihre Reize haben. Ich bevorzuge aber die Klavierfassung, weil man hier im Zusammenspiel mehr machen kann, man kann spontaner sein

      Ein anderes Beispiel, das in die Richtung geht, das ist das Klavierquintett von Brahms, das es ja auch für 2 Klaviere in seiner eigenen Bearbeitung gibt
    • RE: Klavierfassung vs Orchesterversion

      Die Pavane von Ravel ist ja ein ziemlich frühes Stück, das Ravel selber nicht mehr hören wollte. M;ir geht es da nicht anders, egal ob Orchester- oder Klavierfassung.
      Die Barque kann schön interpretiert werden in der Orchesterfassung (siehe etwa Boulez). Aber ich gebe zu, die ganzen Miroirs sind mit Klavier tatsächlich besser, wenn ich auch Ravel für einen unglaublich feinsinnigen Orchestrierer halte.
      Ein Beispiel, worüber ich gerade eine Analyse verfasse: The Seasons von Cage. Die Orchesterfassung ist deutlich schwächer, weil Virgil Thomson Cage da zu viel reingeredet hat.
      Liszts Ungarische Rhapsodien gefallen mir mit Orchester ebenfalls gar nicht. Der ganze virtuose Witz ist weg. Aber gut, ich mag Liszts Orchesterwerke eh nicht.
      Bei Petruschka von Strawinsky finde ich sowohl die Orchesterfassung als auch die Klavierfassung der drei ausgewählten Sätze gut. Aber da ist es nicht das ganze Werk...
      Granados, Spanische Tänze: nur auf dem Klavier erträglich.
      Nochmal Ravel: Ma Mere l'Oye ist sowohl in der vierhändigen Klavierfassung als auch als Orchesterfassung grandios.
      Bei der Rhapsody in Blue von Gershwin bin ich unentschlossen, ob ich das Stück überhaupt noch mal hören will. Aber dieses Stück ist ein noch nicht sehr gefestigter Gershwin, daher spielt es nicht so eine große Rolle. Ich tendiere aber hier komischerweise dann doch zur Fassung mit Klavier und Orchester.
      Sacre ist natürlich ein Orchesterwerk, ganz klar. Strawinsky hat ohnehin von vielen Sachen nur deshalb mehrere Fassungen gemacht, weil der vom erneuerten Copyright profitieren wollte (bzw. seine sehr geschäftstüchtige Frau).
      Ich finde, die Schilder einer Baustelle gelten schon. Schließlich werden beide Fassungen oft gespielt, und Ravels Orchestrierung ist schon ziemlich genial.
      Eher daneben finde ich Sachen wie die von Stokowsky orchestrierte d-moll Toccata und Fuge von Bach. Was soll das?
      Auch son Schmarrn wie Chopiniana sollte aus dem Repertoire für immer verschwinden.
      Es gibt auch von Webern eine vierhändige Klavierfassung der Orchesterstücke von Schönberg (Op. 5?). Also mal umgekehrt. Eigentlich sind die meisten Sachen darstellbar, aber der Satz "Farben" ist natürlich grotesk auf dem Klavier. Insofern ist das auch nichts...


      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Es paßt zwar nicht ganz hier rein, aber ich habe mal gehört bzw. gelesen, daß es von Beethovens 4. Klavierkonzert eine kammermusikalische Fassung (von Beethoven) geben soll, für Klavier und vier oder fünf Streicher; ich kenne sie aber nicht. Weiß jemand etwas darüber?

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Original von Gamaheh
      Es paßt zwar nicht ganz hier rein, aber ich habe mal gehört bzw. gelesen, daß es von Beethovens 4. Klavierkonzert eine kammermusikalische Fassung (von Beethoven) geben soll, für Klavier und vier oder fünf Streicher; ich kenne sie aber nicht. Weiß jemand etwas darüber?

      Grüße,
      Gamaheh


      Liebe Gamaheh:

      Es gibt eine Fassung fuer Klavier und Streichquintett. Zu hoeren gibt es sie u.a. in Robert Levins Box der Beethoven-Klavierkonzerte (DG Archiv).

      Gruss,

      Zelenka
    • Das Klavierkonzert Nr. 12, KV 414 von Mozart gibt es ebenfalls in einer Fassung für Klavier und Streichquartett, von Mozart selbst dafür arrangiert.

      Der Unterschied ist nicht so groß. In der Orchesterfassung kommen zu den Streichern lediglich noch Oboen und Hörner hinzu. Mir gefällt beides.

      Mit Gruß von Carola
    • Ein weiteres Werk, das hierher gehört, das ist das Capriccio Italien von Tschaikowsky. Es gibt nämlich eine Version für 2 Klaviere, welche die Schwestern Labèque eingespielt haben. Ich finde, dass diese Fassung äusserst gelungen ist und eigentlich viel besser passt als die Orchestrierung! Kennt jemand von Euch noch diese Aufnahme?
    • RE: Klavierfassung vs Orchesterversion

      Original von Jürgen
      Ein Gegenbeispiel sind die Slawischen Tänze von Dvorak, die auch in einer Klavierfassung zu vier Händen existieren. Dvorak erreicht an den Klavieren nicht die Klasse eines Ravel, vielleicht wäre ja ein Klavier weniger mehr gewesen. Möglicherweise ist aber auch die Orchesterfassung einfach zu gut.



      Ich muß ein wenig zurückrudern.
      Letzte Woche hörte ich im Radio einen Slawischen Tanz, gespielt von den Schwestern Labèque. Soviel Spielfreude, Schwung und Leichtigkeit: Diese Aufnahme muß ich haben.

      Vielleicht doch ein Beispiel dafür, wie einem eine mäßige Interpretation (auf CD habe ich nur die Version von Brilliant) ein Werk verleiden kann.

      Grüße
      Jürgen
    • Es gibt Bearbeitungen von Schostakowitschs, Mahlers und Beethovens Sinfonien.

      Beethovens in der Klavierfassung gefallen mir viel besser als mit Orchester :ignore
      (aber auch nicht so gut, dass ich sie mir kaufen wollte :ignore )

      Die anderen, soweit gehört, finde ich höchst interessant!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

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    • Hallo!

      Max Regers Beethoven-Variationen Op. 86 für zwei Klaviere wurden von Reger ob ihrer Beliebtheit später Orchestriert.

      Leider geht in der Orchesterfassung das ausgewogene Verhältniss und die klare Linienführung m.E. verloren, der gesamte Orchestersatz wirkt auf mich eher etwas überladen, -das kann natürlich daher kommen das ich die Klavierfassung vor der Orchesterfassung kennengelernt habe.

      MFG Günther
    • Ich habe eine wunderbare Entdeckung gemacht... die Suite op.98 von Dvorak, auch bekannt als die "Amerikanische Suite" wurde ursprünglich für Klavier geschrieben. Er bearbeitet sie selber aber auch für Orchester, ich ziehe sogar letztere Fassung vor. Dvorak war kein Komponist für das Klavier, erst bei der Instrumenalisierung zeigt sich sein wahres Genie!