Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

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    • Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Brahms’ zweite Symphonie (D-dur, op. 73) wird als seine „Pastorale“ bezeichnet. Während er lange um die Fertigstellung der ersten Symphonie ringen musste, genügte ein einziger glücklicher Sommer im Jahre 1877 am Wörther See, um die Zweite reifen zu lassen. In diesen südlichen Gefilden muss Brahms’ Seele weit und frei geworden sein, denn seine Zweite ist die unbeschwerteste und poetischste seiner vier Symphonien. Sie ist voller Grazie, Leichtigkeit und Frohsinn, wenn auch die für Brahms typische leise Melancholie unter der Oberfläche deutlich spürbar bleibt. Brahms gab diesem Werk kein Programm mit (wie Beethoven), dennoch zaubert sie viele schöne Bilder vor dem geistigen Auge – sie ist die zugänglichste aller Brahms-Symphonien.

      Eine gute Interpretation sollte also nicht nur das Bild eines glücklichen Sommers vermitteln, sondern darüber hinaus – trotz des lichten Grundcharakters – das Grüblerische hinter all dem scheinbar Leichten erahnen lassen. Sehr vorbildlich hat m.E. Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (1960) dieses Werk interpretiert:



      Welchen Stellenwert hat dieses Werk für Euch? Und welches sind Eure favorisierten Einspielungen?

      Gruß, Cosima :)
    • Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Brahms’ zweite Symphonie (D-dur, op. 73) wird als seine „Pastorale“ bezeichnet. Während er lange um die Fertigstellung der ersten Symphonie ringen musste, genügte ein einziger glücklicher Sommer im Jahre 1877 am Wörther See, um die Zweite reifen zu lassen. In diesen südlichen Gefilden muss Brahms’ Seele weit und frei geworden sein, denn seine Zweite ist die unbeschwerteste und poetischste seiner vier Symphonien. Sie ist voller Grazie, Leichtigkeit und Frohsinn, wenn auch die für Brahms typische leise Melancholie unter der Oberfläche deutlich spürbar bleibt. Brahms gab diesem Werk kein Programm mit (wie Beethoven), dennoch zaubert sie viele schöne Bilder vor dem geistigen Auge – sie ist die zugänglichste aller Brahms-Symphonien.

      Eine gute Interpretation sollte also nicht nur das Bild eines glücklichen Sommers vermitteln, sondern darüber hinaus – trotz des lichten Grundcharakters – das Grüblerische hinter all dem scheinbar Leichten erahnen lassen. Sehr vorbildlich hat m.E. Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (1960) dieses Werk interpretiert:



      Welchen Stellenwert hat dieses Werk für Euch? Und welches sind Eure favorisierten Einspielungen?

      Gruß, Cosima :)
    • RE: Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Liebe Cosima:

      Ein Faden, der sicher zur rechten Zeit kommt! Mehr Sommer als gerade heute kann kaum sein. (Die Fäden sollten sich allgemein mehr an den Jahreszeiten orientieren …) Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe. Die Bezeichnung "Pastorale" hätte er kaum sehr geschätzt. Der erste Satz im Walzertakt weist mit seiner Fülle von melodischem Material natürlich erst einmal in die heitere Richtung, man überhört vielleicht erst einmal die ominösen dunklen Blechbläser. Insgesamt ist der Ton jedoch sicherlich idyllisch, rückwärtsgewandt und ein wenig auch Haydn verpflichtet. Es ist ein Idyll, von dem Brahms weiß, daß es so nicht existiert. Das Finale ist dann verdächtig "überdreht", eine Exaltiertheit, die nicht andauern kann. Wir werden mit dem Schluß nicht in in eine dauerhaft optimistische Grundstimmung entlassen. Nichts ist hier gelöst, die Melancholie wird zurückkehren müssen.

      Du hast schon die Aufnahme vorgestellt, die mir in allerletzter Zeit am meisten Freude gemacht hat. Sie ist wirklich perfekt ausbalanciert, der Klang gut durchhörbar und überraschend gut. "Aufgewachsen" bin ich mit Karajans Einspielung von 1963 (DG, schlechter CD-Transfer), die im Vergleich zu Walter vielleicht doch zu forciert anmutet. Ich besitze auch Karajans Aufnahme vom Ende der 70er Jahre, klanglich vielleicht der 63er Version überlegen, aber nicht sehr unterschiedlich im übrigen. Sehr am Herzen liegt mir der Hinweis auf die Einspielung von Charles Mackerras (Telarc), der mit einem kleineren Orchester arbeitet, das von der Größe her etwa der Hofkapelle von Meiningen mit 49 Mitgliedern entspricht. Brahms selbst bevorzugte kleinere Orchester. Mit Ausnahme der Blechblasinstrumente werden keine authentischen Instrumente benutzt. Der Gewinn an Durchhörbarkeit ist enorm.



      Gruß,

      Zelenka
    • RE: Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Liebe Cosima:

      Ein Faden, der sicher zur rechten Zeit kommt! Mehr Sommer als gerade heute kann kaum sein. (Die Fäden sollten sich allgemein mehr an den Jahreszeiten orientieren …) Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe. Die Bezeichnung "Pastorale" hätte er kaum sehr geschätzt. Der erste Satz im Walzertakt weist mit seiner Fülle von melodischem Material natürlich erst einmal in die heitere Richtung, man überhört vielleicht erst einmal die ominösen dunklen Blechbläser. Insgesamt ist der Ton jedoch sicherlich idyllisch, rückwärtsgewandt und ein wenig auch Haydn verpflichtet. Es ist ein Idyll, von dem Brahms weiß, daß es so nicht existiert. Das Finale ist dann verdächtig "überdreht", eine Exaltiertheit, die nicht andauern kann. Wir werden mit dem Schluß nicht in in eine dauerhaft optimistische Grundstimmung entlassen. Nichts ist hier gelöst, die Melancholie wird zurückkehren müssen.

      Du hast schon die Aufnahme vorgestellt, die mir in allerletzter Zeit am meisten Freude gemacht hat. Sie ist wirklich perfekt ausbalanciert, der Klang gut durchhörbar und überraschend gut. "Aufgewachsen" bin ich mit Karajans Einspielung von 1963 (DG, schlechter CD-Transfer), die im Vergleich zu Walter vielleicht doch zu forciert anmutet. Ich besitze auch Karajans Aufnahme vom Ende der 70er Jahre, klanglich vielleicht der 63er Version überlegen, aber nicht sehr unterschiedlich im übrigen. Sehr am Herzen liegt mir der Hinweis auf die Einspielung von Charles Mackerras (Telarc), der mit einem kleineren Orchester arbeitet, das von der Größe her etwa der Hofkapelle von Meiningen mit 49 Mitgliedern entspricht. Brahms selbst bevorzugte kleinere Orchester. Mit Ausnahme der Blechblasinstrumente werden keine authentischen Instrumente benutzt. Der Gewinn an Durchhörbarkeit ist enorm.



      Gruß,

      Zelenka
    • RE: Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Original von Zelenka
      Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe.


      Lieber Zelenka,

      ich stolperte heute, als ich den Thread erstellte, in einer Biographie auch wieder darüber. „Trauerrand“ ist natürlich übertrieben und entspringt wohl dem typisch Brahms’schen Humor (?):

      "Die neue Symphonie ist so melancholisch, daß Sie es nicht aushalten. Ich habe noch nie so etwas Trauriges, Molliges geschrieben: die Partitur muß mit Trauerrand erscheinen. Ich habe genug gewarnt. Denken Sie denn wirklich, sich noch so ein Ding zuzulegen?"

      Die Mackerras-Aufnahme kenne ich auch und mag sie gerne.

      Kennt denn niemand die Einspielung unter Günter Wand (NDR SO)? Sie würde mich nämlich auch noch reizen, nachdem ich dem Herrn von Karajan in Sachen Brahms nicht so sehr viel abgewinnen konnte.

      Gruß, Cosima
    • RE: Die 2. Symphonie von Johannes Brahms

      Original von Zelenka
      Wie Du allerdings schon sehr richtig geschrieben hast, ist die Melancholie bei Brahms nie ganz gebannt, er selbst schrieb an seinen Verleger, daß er noch nie derart Trauriges komponiert habe.


      Lieber Zelenka,

      ich stolperte heute, als ich den Thread erstellte, in einer Biographie auch wieder darüber. „Trauerrand“ ist natürlich übertrieben und entspringt wohl dem typisch Brahms’schen Humor (?):

      "Die neue Symphonie ist so melancholisch, daß Sie es nicht aushalten. Ich habe noch nie so etwas Trauriges, Molliges geschrieben: die Partitur muß mit Trauerrand erscheinen. Ich habe genug gewarnt. Denken Sie denn wirklich, sich noch so ein Ding zuzulegen?"

      Die Mackerras-Aufnahme kenne ich auch und mag sie gerne.

      Kennt denn niemand die Einspielung unter Günter Wand (NDR SO)? Sie würde mich nämlich auch noch reizen, nachdem ich dem Herrn von Karajan in Sachen Brahms nicht so sehr viel abgewinnen konnte.

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

      Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

      Gruß, Cosima


      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Cosima
      Ich sehe gerade mit Entsetzen (Entsetzen darüber, sie vergessen zu haben!), dass ich noch eine Aufnahme mit Carlos Kleiber besitze! Auf dieser DVD:

      Ich muss sie mir nachher unbedingt mal wieder anhören!

      Gruß, Cosima


      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

      Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

      Gruß, Cosima
    • Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

      Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

      Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

      Gruß, Cosima


      Ist plötzlich das Chaos in Deiner wohlorganisierten Sammlung ausgebrochen? Mache mir fast Sorgen!

      Gruß,

      J.D.Z.
    • Original von Cosima
      Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Wird erledigt, irgendwann. Wie konnte ich den vergessen? ?(

      Furtwängler mit der Zweiten fand ich eben auch noch. Diese Aufnahme habe ich aber als nicht besonders ansprechend in Erinnerung.

      Gruß, Cosima


      Ist plötzlich das Chaos in Deiner wohlorganisierten Sammlung ausgebrochen? Mache mir fast Sorgen!

      Gruß,

      J.D.Z.
    • Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Lieber Zelenka,

      ich habe mir heute den Live-Mitschnitt aus 1991 mit Carlos Kleiber noch einmal angeschaut. Es gibt nicht viel zu sagen, natürlich ist er großartig! Kleiber betont stärker als Walter die melancholischen Aspekte, seine Interpretation klingt dramatischer und mitreißender. Dabei vernachlässigt er aber nicht den lichten Grundcharakter, lässt auch herrlich durchsichtig spielen. Die Details kommen vielleicht noch stärker als unter Walter zur Geltung, die Aufnahme unter Kleiber wirkt auf mich dadurch insgesamt intensiver. (Wobei ich die Walter-Aufnahme aber nicht abgewertet wissen möchte, ich liebe sie beide! Besonders Walters frische Dynamik gefällt mir sehr.)

      Herrlich ist natürlich, Kleiber in Aktion zu sehen! Trotz der stellenweise auf ein Mindestmaß reduzierten Gestik durchlebt er die Musik geradezu! Was für ein Dirigent! :down

      Die „Linzer“ spare ich mir für später auf, wenn ich weiteres Vergleichshören in Sachen Mozart mache.

      Gruß, Cosima
    • Original von Zelenka
      Bitte ergebenst um einen Bericht über das Hörerlebnis! Aber es ist ja Kleiber und wird gut sein ...


      Lieber Zelenka,

      ich habe mir heute den Live-Mitschnitt aus 1991 mit Carlos Kleiber noch einmal angeschaut. Es gibt nicht viel zu sagen, natürlich ist er großartig! Kleiber betont stärker als Walter die melancholischen Aspekte, seine Interpretation klingt dramatischer und mitreißender. Dabei vernachlässigt er aber nicht den lichten Grundcharakter, lässt auch herrlich durchsichtig spielen. Die Details kommen vielleicht noch stärker als unter Walter zur Geltung, die Aufnahme unter Kleiber wirkt auf mich dadurch insgesamt intensiver. (Wobei ich die Walter-Aufnahme aber nicht abgewertet wissen möchte, ich liebe sie beide! Besonders Walters frische Dynamik gefällt mir sehr.)

      Herrlich ist natürlich, Kleiber in Aktion zu sehen! Trotz der stellenweise auf ein Mindestmaß reduzierten Gestik durchlebt er die Musik geradezu! Was für ein Dirigent! :down

      Die „Linzer“ spare ich mir für später auf, wenn ich weiteres Vergleichshören in Sachen Mozart mache.

      Gruß, Cosima