Balakirev: Islamey - das schwerste Klavierstück der Welt?!

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    • Balakirev: Islamey - das schwerste Klavierstück der Welt?!

      Von seinem Sommerurlaub 1868 im Kaukasus hatte Milij Balakirev einige frisch notierte Volksweisen mitgebracht. Die im Kaukasus als 'Islamey' bekannte Weise freilich, die Balakirev im Jahr darauf als Hauptthema seiner gleichnamigen Komposition verwenden sollte, hat er wahrscheinlich schon während einer Kaukasus-Reise im Jahre 1863 aufnotiert, ist die originale 'Islamey' doch ein kabardischer Tanz aus dem Nordkaukasus, und sämtliche anderen nordkaukasischen Melodien stammen von jener früheren Reise. Das Thema des langsamen Mittelteils seiner Islamey ist eine tatarische Melodie von der Krim, die Balakirev im Sommer 1869 im Hause Pjotr Tschaikowskys in Moskau aus dem Munde des armenischen Schauspielers de Lazar vernommen hatte. (Die Informationen zur Originalfassung für Klavier sind der Standard-Monographie von Edward Garden Balakirev. A Critical Study of his Life and Music, London 1967, entnommen.)
      Balakirev begann mit der Komposition seiner Fantaisie Orientale »Islamey« für Klavier am 9./21. August 1869 (das frühere Datum entspricht dem damals im Bereich der Ostkirche gebräuchlichen Kalender, das spätere dem heute allgemein gültigen, gregorianischen). Während der Entstehung spielte er das Werk mit Tschaikowsky durch, der die Basspartie übernahm. Vollendet wurde Islamey nach wenig mehr als einem Monat am 13./25. September in St. Petersburg, dem Autograph zufolge abends um halbzehn. Sofort schickte Balakirev das Stück an den großen Pianisten Nikolai Rubinstein (1835-81; Bruder von Anton Rubinstein). Tschaikowsky schrieb am 2./14. Oktober an Balakirev: "Deine armenisch-georgisch-jerichoische Fantasie [Balakirev pflegte Moskau 'Jericho' zu nennen] ist eingetroffen, und Rubinstein spielt sie tagtäglich am Konservatorium durch." Und Rubinstein ließ den Komponisten wissen: "Ich arbeite — armer, elender Tropf, der ich bin — an Deinem Stück, welches mich mit schrecklicher Wonne erfüllt, und wofür ich Dir danke; ich werde es jedenfalls in meinem Moskauer Konzert spielen; aber es ist so schwer, dass nur wenige damit zurecht kommen werden; ich will einer dieser wenigen sein."
      Nikolai Rubinstein brachte Islamey am 30. November/12. Dezember 1869 im 'Freien Schul-Konzert' in Moskau zur Uraufführung. Alexander Borodin berichtete: "Der Saal war voll, und es gab große Ovationen für Rubinstein und für Balakirev, dessen Stück übrigens klar nicht den Publikumsgeschmack traf. Die Mehrheit war verdutzt angesichts dieser östlichen Fantasie und verstand nichts davon. Dieses Stück ist nun tatsächlich ziemlich lang und durcheinander; die technische Seite ist zu offensichtlich; sogar Balakirevs Bewunderer geben das zu. Es ist schade, aber da kann man nichts machen." Islamey sollte in seiner schaurigen Virtuosität schnell Balakirevs weithin erfolgreichstes Werk werden, vorgetragen von Rubinstein in Paris und anderen westlichen Metropolen, und bald auch häufig aufgeführt von Franz Liszt. Tschaikowsky hatte Balakirev in Moskau mit seinem Verleger Pjotr Jurgenson (1836-1904) bekanntgemacht, der das neue Werk annahm. 1870 erschien Islamey bei Jurgenson mit der Widmung an Nikolai Rubinstein im Druck.

      Eine erste Orchestration von Islamey unternahm 1907 mit erheblicher Virtuosität Alfredo Casella (1883-1947). Balakirev und Alexander Siloti waren begeistert und gaben ihre Empfehlung an Jurgenson. Nachdem Balakirev noch zwei Änderungen durchgesetzt hatte, erschienen Partitur und Stimmen von Islamey in Casellas Orchestration 1908 mit Widmung an Siloti beim Hamburger Verlag Rahter (heute Boosey & Hawkes/Benjamin) im Druck, und Anfang Mai 1908 kam diese Fassung in Paris unter Casellas Leitung zur Uraufführung. Die russische Erstaufführung in den Siloti-Konzerten am 10. Oktober 1909 leitete Alexander Siloti.

      Sergej Liapunov, Freund und Schüler Balakirevs und Professor am St. Petersburger Konservatorium, orchestrierte Islamey Anfang 1912, nach dem Tode seines Meisters. Laut autographer Angabe vollendete er die revidierte Partitur am 6. Juli 1912. Er schrieb seine Orchestration als Ballett für das Kaiserliche Theater (Marinskij) zu St. Petersburg anlässlich einer Benefizveranstaltung für den russischen Schriftstellerfond, nachdem die Witwe Nikolai Rimsky-Korsakovs nicht genehmigt hatte, dessen Scheherazade als Ballettmusik zu verwenden. Da Islamey als Musik geeignet erschien, um auf der Bühne ein ähnliches Thema zu behandeln, bat man Sergej Liapunov um eine Orchestration. Dieser war spontan gegen eine solche "Entweihung", fand dann aber doch Geschmack daran. Die Uraufführung fand am 10. März 1912 im St. Petersburger Marinskij-Theater statt, in der Choreographie von M. Fokine und mit Dekorationen des Malers Anisfelda, mit folgenden Tänzern in den Hauptrollen: Gerdt (der Scheich), Karsavina [später Fokina] (seine Frau), Fokine [später Romanov] (ihr Liebhaber). Das Ballett Islamey war zunächst äußerst erfolgreich und ging sofort ins ständige Repertoire ein. Partitur und Stimmen erschienen 1914 bei Jurgenson im Druck. (Danach hat noch der Dirigent Franz Schalk [1863-1931] eine Orchestration von Islamey präsentiert, für die sich später Lovro von Matacic [1899-1985] einsetzen sollte.)

      Über die Handlung des Balletts schrieb M. Fokine in einem Brief vom 2. Mai 1925, sie stamme aus '1001 Nacht': Die Frau des Scheichs schüttet diesem ein Schlafpulver in den Wein. Er durchschaut ihre List, schüttet den Wein in einem unbeobachteten Moment weg und tut so, als ob er einschliefe. Sie verbirgt den Schlafenden hinter einem Vorhang und empfängt ihren Liebhaber. Als die beiden auf dem Höhepunkt ihres Liebesakts anlangen, springt der Sultan, der alles mitangesehen hat, hervor und tötet den Liebhaber. Die Frau stürzt sich in ihrer Angst aus dem Fenster in die Schlucht.
      Über die Szene schreibt Fokine, dass sie vorwiegend aus Tänzen der Haremsfrauen und junger Sklaven bestand. Sobald der Sultan erscheint, sind die Massen in Schrecken versetzt. Es ist ein äußerst bewegtes und farbenreiches Ballett, sei aber leider zu kurz (nur sieben Minuten), weshalb sich die Eindrücke überstürzten und es hieß, man müsse es mehrmals gesehen haben, um zu verstehen, was überhaupt vor sich geht.

      Ich habe folgende Aufnahmen, die ich hier empfehlen kann:











      und insbesondere:

    • Balakirev: Islamey - das schwerste Klavierstück der Welt?!

      Von seinem Sommerurlaub 1868 im Kaukasus hatte Milij Balakirev einige frisch notierte Volksweisen mitgebracht. Die im Kaukasus als 'Islamey' bekannte Weise freilich, die Balakirev im Jahr darauf als Hauptthema seiner gleichnamigen Komposition verwenden sollte, hat er wahrscheinlich schon während einer Kaukasus-Reise im Jahre 1863 aufnotiert, ist die originale 'Islamey' doch ein kabardischer Tanz aus dem Nordkaukasus, und sämtliche anderen nordkaukasischen Melodien stammen von jener früheren Reise. Das Thema des langsamen Mittelteils seiner Islamey ist eine tatarische Melodie von der Krim, die Balakirev im Sommer 1869 im Hause Pjotr Tschaikowskys in Moskau aus dem Munde des armenischen Schauspielers de Lazar vernommen hatte. (Die Informationen zur Originalfassung für Klavier sind der Standard-Monographie von Edward Garden Balakirev. A Critical Study of his Life and Music, London 1967, entnommen.)
      Balakirev begann mit der Komposition seiner Fantaisie Orientale »Islamey« für Klavier am 9./21. August 1869 (das frühere Datum entspricht dem damals im Bereich der Ostkirche gebräuchlichen Kalender, das spätere dem heute allgemein gültigen, gregorianischen). Während der Entstehung spielte er das Werk mit Tschaikowsky durch, der die Basspartie übernahm. Vollendet wurde Islamey nach wenig mehr als einem Monat am 13./25. September in St. Petersburg, dem Autograph zufolge abends um halbzehn. Sofort schickte Balakirev das Stück an den großen Pianisten Nikolai Rubinstein (1835-81; Bruder von Anton Rubinstein). Tschaikowsky schrieb am 2./14. Oktober an Balakirev: "Deine armenisch-georgisch-jerichoische Fantasie [Balakirev pflegte Moskau 'Jericho' zu nennen] ist eingetroffen, und Rubinstein spielt sie tagtäglich am Konservatorium durch." Und Rubinstein ließ den Komponisten wissen: "Ich arbeite — armer, elender Tropf, der ich bin — an Deinem Stück, welches mich mit schrecklicher Wonne erfüllt, und wofür ich Dir danke; ich werde es jedenfalls in meinem Moskauer Konzert spielen; aber es ist so schwer, dass nur wenige damit zurecht kommen werden; ich will einer dieser wenigen sein."
      Nikolai Rubinstein brachte Islamey am 30. November/12. Dezember 1869 im 'Freien Schul-Konzert' in Moskau zur Uraufführung. Alexander Borodin berichtete: "Der Saal war voll, und es gab große Ovationen für Rubinstein und für Balakirev, dessen Stück übrigens klar nicht den Publikumsgeschmack traf. Die Mehrheit war verdutzt angesichts dieser östlichen Fantasie und verstand nichts davon. Dieses Stück ist nun tatsächlich ziemlich lang und durcheinander; die technische Seite ist zu offensichtlich; sogar Balakirevs Bewunderer geben das zu. Es ist schade, aber da kann man nichts machen." Islamey sollte in seiner schaurigen Virtuosität schnell Balakirevs weithin erfolgreichstes Werk werden, vorgetragen von Rubinstein in Paris und anderen westlichen Metropolen, und bald auch häufig aufgeführt von Franz Liszt. Tschaikowsky hatte Balakirev in Moskau mit seinem Verleger Pjotr Jurgenson (1836-1904) bekanntgemacht, der das neue Werk annahm. 1870 erschien Islamey bei Jurgenson mit der Widmung an Nikolai Rubinstein im Druck.

      Eine erste Orchestration von Islamey unternahm 1907 mit erheblicher Virtuosität Alfredo Casella (1883-1947). Balakirev und Alexander Siloti waren begeistert und gaben ihre Empfehlung an Jurgenson. Nachdem Balakirev noch zwei Änderungen durchgesetzt hatte, erschienen Partitur und Stimmen von Islamey in Casellas Orchestration 1908 mit Widmung an Siloti beim Hamburger Verlag Rahter (heute Boosey & Hawkes/Benjamin) im Druck, und Anfang Mai 1908 kam diese Fassung in Paris unter Casellas Leitung zur Uraufführung. Die russische Erstaufführung in den Siloti-Konzerten am 10. Oktober 1909 leitete Alexander Siloti.

      Sergej Liapunov, Freund und Schüler Balakirevs und Professor am St. Petersburger Konservatorium, orchestrierte Islamey Anfang 1912, nach dem Tode seines Meisters. Laut autographer Angabe vollendete er die revidierte Partitur am 6. Juli 1912. Er schrieb seine Orchestration als Ballett für das Kaiserliche Theater (Marinskij) zu St. Petersburg anlässlich einer Benefizveranstaltung für den russischen Schriftstellerfond, nachdem die Witwe Nikolai Rimsky-Korsakovs nicht genehmigt hatte, dessen Scheherazade als Ballettmusik zu verwenden. Da Islamey als Musik geeignet erschien, um auf der Bühne ein ähnliches Thema zu behandeln, bat man Sergej Liapunov um eine Orchestration. Dieser war spontan gegen eine solche "Entweihung", fand dann aber doch Geschmack daran. Die Uraufführung fand am 10. März 1912 im St. Petersburger Marinskij-Theater statt, in der Choreographie von M. Fokine und mit Dekorationen des Malers Anisfelda, mit folgenden Tänzern in den Hauptrollen: Gerdt (der Scheich), Karsavina [später Fokina] (seine Frau), Fokine [später Romanov] (ihr Liebhaber). Das Ballett Islamey war zunächst äußerst erfolgreich und ging sofort ins ständige Repertoire ein. Partitur und Stimmen erschienen 1914 bei Jurgenson im Druck. (Danach hat noch der Dirigent Franz Schalk [1863-1931] eine Orchestration von Islamey präsentiert, für die sich später Lovro von Matacic [1899-1985] einsetzen sollte.)

      Über die Handlung des Balletts schrieb M. Fokine in einem Brief vom 2. Mai 1925, sie stamme aus '1001 Nacht': Die Frau des Scheichs schüttet diesem ein Schlafpulver in den Wein. Er durchschaut ihre List, schüttet den Wein in einem unbeobachteten Moment weg und tut so, als ob er einschliefe. Sie verbirgt den Schlafenden hinter einem Vorhang und empfängt ihren Liebhaber. Als die beiden auf dem Höhepunkt ihres Liebesakts anlangen, springt der Sultan, der alles mitangesehen hat, hervor und tötet den Liebhaber. Die Frau stürzt sich in ihrer Angst aus dem Fenster in die Schlucht.
      Über die Szene schreibt Fokine, dass sie vorwiegend aus Tänzen der Haremsfrauen und junger Sklaven bestand. Sobald der Sultan erscheint, sind die Massen in Schrecken versetzt. Es ist ein äußerst bewegtes und farbenreiches Ballett, sei aber leider zu kurz (nur sieben Minuten), weshalb sich die Eindrücke überstürzten und es hieß, man müsse es mehrmals gesehen haben, um zu verstehen, was überhaupt vor sich geht.

      Ich habe folgende Aufnahmen, die ich hier empfehlen kann:











      und insbesondere:

    • @Jeremias,

      danke für den schönen Eröffnungsthread!

      Einiges über den Hintergrund zu dem Werk war mir so nicht bekannt. Mein "Horizont" konnte ich also ein wenig erweitern :cool

      Das technische an diesem Werk ist wohl auch der wesentliche Grund warum es mir wohl versagt dieses Werk häufiger zu hören. So alle 3-4 Monate findet eine Aufnahme den Weg in meinen Player würde ich behaupten.

      Dannach ist aber auch ersteinmal wieder Pause angesagt.

      Es fehlt mir ein wenig "mitreizende musikalsiche Erlebnis".

      An Aufnahme besitze ich:

      Berezovsky
      Pletnev
      und
      Olga Kern

      später mehr :engel
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Jeremias,

      danke für den schönen Eröffnungsthread!

      Einiges über den Hintergrund zu dem Werk war mir so nicht bekannt. Mein "Horizont" konnte ich also ein wenig erweitern :cool

      Das technische an diesem Werk ist wohl auch der wesentliche Grund warum es mir wohl versagt dieses Werk häufiger zu hören. So alle 3-4 Monate findet eine Aufnahme den Weg in meinen Player würde ich behaupten.

      Dannach ist aber auch ersteinmal wieder Pause angesagt.

      Es fehlt mir ein wenig "mitreizende musikalsiche Erlebnis".

      An Aufnahme besitze ich:

      Berezovsky
      Pletnev
      und
      Olga Kern

      später mehr :engel
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Balakirew: Islamej

      @Jeremias

      Deinen Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Vor allen Dingen wusste ich nicht, dass ISLAMEJ choreographiert wurde. Die Uraufführung in St. Petersburg muss sehr spektakulär gewesen sein, was ich der Besetzungsliste entnehme - alles prominente Namen.

      Bei der Beschreibung des Balletts ist die Phantasie aber doch wohl ein bisschen mit Dir durchgegangen. Du sprichst vom Höhepunkt des Liebesaktes - ich bitte Dich, lieber Jeremias - das ganze Ballett dauert neun Minuten. Das Schlafpülverchen braucht doch auch ein bisschen Zeit, um zu wirken. Dann hattest Du Dich nicht entschließen können:
      Ist der betrogene Ehemann seines Standes nun Scheich oder Sultan?

      Das Klavierstückchen habe ich auf LP, sogar mit Gawrilow, aber schon in den siebziger Jahren aufgenommen und in einem Sammelprogramm versteckt. Es ist ein Virtuosenstückchen, durchaus schwer zu spielen, wie ich mir vorstellen kann. Die exotischen Farbschattierungen sind mager aufgetragen, so dass die virtuose Kunst Gawrilows eigentlich ereignislos vorbeirauscht, weil Geschwindigkeit und Verweilen einander ausschließen. Liszt hat das Virtuosenstück auch geschätzt und gespielt.

      Die Orchesterfassung von Casella gab es auch auf LP, in schlechter technischer Qualität bei dem slowakischen Label OPUS zusammen mit anderen russischen sinfonischen Dichtungen. Der kaukasische Touch
      ist auch hier wenig prägnant.
      X(

      GEDANKENSPRUNG

      Der Vergleich mit Rimsky-Korssakow wird im Plattentext gebracht. Das Ballett-Libretto der Scheherazade hat ein ganz anderes Programm als dasjenige der Sinfonischen Dichtung. Der Sultan Schariar
      war auf der Jagd, kommt vorzeitig zurück und erlebt dann als Überraschung, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem Schwarzafrikaner hat, der goldene Klamotten trägt. Die kostbaren Teppiche werden daraufhin besudelt. Die Ballettmusik ist unter Wegfall des dritten Aktes mit der Sinfonischen Dichtung ansonsten identisch.

      Islamej wie Scheherazede möchte ich gern auf DVD erleben. Man könnte sie gut miteinander kombinieren und vielleicht noch die Polowetzer Tänze dazupacken, die auch unabhängig vom Fürsten Igor für das Ballett-Theater choreographiert wurden.

      Gruß
      Engelbert
      :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Engelbert ()

    • Balakirew: Islamej

      @Jeremias

      Deinen Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Vor allen Dingen wusste ich nicht, dass ISLAMEJ choreographiert wurde. Die Uraufführung in St. Petersburg muss sehr spektakulär gewesen sein, was ich der Besetzungsliste entnehme - alles prominente Namen.

      Bei der Beschreibung des Balletts ist die Phantasie aber doch wohl ein bisschen mit Dir durchgegangen. Du sprichst vom Höhepunkt des Liebesaktes - ich bitte Dich, lieber Jeremias - das ganze Ballett dauert neun Minuten. Das Schlafpülverchen braucht doch auch ein bisschen Zeit, um zu wirken. Dann hattest Du Dich nicht entschließen können:
      Ist der betrogene Ehemann seines Standes nun Scheich oder Sultan?

      Das Klavierstückchen habe ich auf LP, sogar mit Gawrilow, aber schon in den siebziger Jahren aufgenommen und in einem Sammelprogramm versteckt. Es ist ein Virtuosenstückchen, durchaus schwer zu spielen, wie ich mir vorstellen kann. Die exotischen Farbschattierungen sind mager aufgetragen, so dass die virtuose Kunst Gawrilows eigentlich ereignislos vorbeirauscht, weil Geschwindigkeit und Verweilen einander ausschließen. Liszt hat das Virtuosenstück auch geschätzt und gespielt.

      Die Orchesterfassung von Casella gab es auch auf LP, in schlechter technischer Qualität bei dem slowakischen Label OPUS zusammen mit anderen russischen sinfonischen Dichtungen. Der kaukasische Touch
      ist auch hier wenig prägnant.
      X(

      GEDANKENSPRUNG

      Der Vergleich mit Rimsky-Korssakow wird im Plattentext gebracht. Das Ballett-Libretto der Scheherazade hat ein ganz anderes Programm als dasjenige der Sinfonischen Dichtung. Der Sultan Schariar
      war auf der Jagd, kommt vorzeitig zurück und erlebt dann als Überraschung, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem Schwarzafrikaner hat, der goldene Klamotten trägt. Die kostbaren Teppiche werden daraufhin besudelt. Die Ballettmusik ist unter Wegfall des dritten Aktes mit der Sinfonischen Dichtung ansonsten identisch.

      Islamej wie Scheherazede möchte ich gern auf DVD erleben. Man könnte sie gut miteinander kombinieren und vielleicht noch die Polowetzer Tänze dazupacken, die auch unabhängig vom Fürsten Igor für das Ballett-Theater choreographiert wurden.

      Gruß
      Engelbert
      :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Engelbert ()

    • lieber Jeremias,

      danke für diese ausführliche besprechung. als ich damals erstmalig dieses klavierstück (mit gawrilov) hörte, hörte ich sofort den kaukasischen bezug ! ich tippte spontan auf material aus dagestan ! offensichtlich lag ich damit nicht schlecht. in meiner familie gehört folkloristisches gut aus aserbeidjan zum standardrepertoire, Jeremias wird das bestätigen können. :)

      nun, die gawrilov-aufnahme erscheint mir recht schwergewichtig und zu 'laut'. das einzige mal, dass ich die fantasie live hörte, gehört sicherlich zum besten, was ich kenne: ivo pogorelich ! in die richtung geht auch ein live-mitschnitt m. pletnevs (DG) und die jüngst erworbene einspielung des jungen boris berezovsky alias eliasberg :rofl. die kaukasische rhythmik des a-teiles kommt bei voll erhaltener transparenz der stimmführung zum ausdruck. die interpretation yefim bronfmans ist wohl die behutsamst phrasierte, doch fehlt die rhythmische eigenart. in manualtechnischer hinsicht gehört die fantasie sicherlich zum obersten schwierigkeitsgrad. andererseits gibt es ja auch werke (z.b. aus der wiener klassik), welche eher schwer zu formulieren sind. der aussagegehalt der islamey ergibt sich zwangsläufig aus der technischen beherrschung !

      gruß, siamak :)
    • lieber Jeremias,

      danke für diese ausführliche besprechung. als ich damals erstmalig dieses klavierstück (mit gawrilov) hörte, hörte ich sofort den kaukasischen bezug ! ich tippte spontan auf material aus dagestan ! offensichtlich lag ich damit nicht schlecht. in meiner familie gehört folkloristisches gut aus aserbeidjan zum standardrepertoire, Jeremias wird das bestätigen können. :)

      nun, die gawrilov-aufnahme erscheint mir recht schwergewichtig und zu 'laut'. das einzige mal, dass ich die fantasie live hörte, gehört sicherlich zum besten, was ich kenne: ivo pogorelich ! in die richtung geht auch ein live-mitschnitt m. pletnevs (DG) und die jüngst erworbene einspielung des jungen boris berezovsky alias eliasberg :rofl. die kaukasische rhythmik des a-teiles kommt bei voll erhaltener transparenz der stimmführung zum ausdruck. die interpretation yefim bronfmans ist wohl die behutsamst phrasierte, doch fehlt die rhythmische eigenart. in manualtechnischer hinsicht gehört die fantasie sicherlich zum obersten schwierigkeitsgrad. andererseits gibt es ja auch werke (z.b. aus der wiener klassik), welche eher schwer zu formulieren sind. der aussagegehalt der islamey ergibt sich zwangsläufig aus der technischen beherrschung !

      gruß, siamak :)
    • Hallo, von der Islamey besitze ich zwei Aufnahmen, einmal der erwähnte Gawrilow und Arrau. Gawrilow wurde in anderen Quellen als Referenz empfohlen, so dass ich ihn mir in dieser Aufmachung zulegte:



      Mit Vorprägung durch die alte, verrauschte Arrauiaufmahme (1929) empfand ich ihn auch zu brachial und laut.
      Ravel soll ja sein Gaspard de la Nuit u.a. als Reaktion auf diese Komposition geschrieben haben, um es an technischen Schwierigkeiten noch zu übertreffen.

      Grüße
      nubar
    • Hallo, von der Islamey besitze ich zwei Aufnahmen, einmal der erwähnte Gawrilow und Arrau. Gawrilow wurde in anderen Quellen als Referenz empfohlen, so dass ich ihn mir in dieser Aufmachung zulegte:



      Mit Vorprägung durch die alte, verrauschte Arrauiaufmahme (1929) empfand ich ihn auch zu brachial und laut.
      Ravel soll ja sein Gaspard de la Nuit u.a. als Reaktion auf diese Komposition geschrieben haben, um es an technischen Schwierigkeiten noch zu übertreffen.

      Grüße
      nubar
    • @Jeremias,

      Deine Emfpehlung der Boris Berezovsky Aufnahme kann ich mich nur anschließen.

      Borezovsky meistert die Partitur mit seiner vorzüglichen Technik (russische Schule halt :D ) souverän. Dabei variiert er noch im Anschlag und hat "Luft" für die notwendigen gestallterischen "Notwendigkeiten" :)

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Jeremias,

      Deine Emfpehlung der Boris Berezovsky Aufnahme kann ich mich nur anschließen.

      Borezovsky meistert die Partitur mit seiner vorzüglichen Technik (russische Schule halt :D ) souverän. Dabei variiert er noch im Anschlag und hat "Luft" für die notwendigen gestallterischen "Notwendigkeiten" :)

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Eine durchaus gute, stellenweise sehr einfühlsame Aufnahme legt übrigens auch Olga Kern vor.



      Durchaus hörenswert, allerdings erscheint sie mir an einigen Stellen doch technisch an ihren Grenzen, so daß hier der ausdruck merklich leidet.

      Aber dennoch, an einigen Stellen einfach wunderbar im Ausdruck und sehr träumerisch :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Eine durchaus gute, stellenweise sehr einfühlsame Aufnahme legt übrigens auch Olga Kern vor.



      Durchaus hörenswert, allerdings erscheint sie mir an einigen Stellen doch technisch an ihren Grenzen, so daß hier der ausdruck merklich leidet.

      Aber dennoch, an einigen Stellen einfach wunderbar im Ausdruck und sehr träumerisch :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Balakirew: islamey - das schwerste Klavierstück der Welt ?!

      Der Titel des Beitrages von Jeremias ist schon spannend .
      Seine Einführung ausgezeichnet !

      Mich wundert bei den beiträgen , dass zwei der bedeutensten Interpreten der "Islamey" hier fehlen :

      - Claudio Arrau u n d

      - Simon Barere .

      Barere hat das Werk oft live gespielt . Und nach meiner Meinung ist seine interpretation neben denen von Arrau und Emil Gilels ( in der von Jeremias vorgestellten Aufnahme ) die überzeugendste .

      Grüsse ,
      Frank
    • Balakirew: islamey - das schwerste Klavierstück der Welt ?!

      Der Titel des Beitrages von Jeremias ist schon spannend .
      Seine Einführung ausgezeichnet !

      Mich wundert bei den beiträgen , dass zwei der bedeutensten Interpreten der "Islamey" hier fehlen :

      - Claudio Arrau u n d

      - Simon Barere .

      Barere hat das Werk oft live gespielt . Und nach meiner Meinung ist seine interpretation neben denen von Arrau und Emil Gilels ( in der von Jeremias vorgestellten Aufnahme ) die überzeugendste .

      Grüsse ,
      Frank