D. Schostakowitsch: Sinfonie #1 f-Moll op.10 "Ausdruck höchsten Talents"

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    • D. Schostakowitsch: Sinfonie #1 f-Moll op.10 "Ausdruck höchsten Talents"

      Lebensweg Dimitri's und kurze Vorgeschichte bis zur ersten Sinfonie:

      D. Schostakovitch wurde, wie alle Kinder dar Familie, durch seine Mutter seit dem 9. Lebensjahr am Klavier unterrichtet.

      Dabei verfolgte sich nicht das Ziel aus ihrem Sohn einen Musiker zu machen, sondern legte wert auf eine musiklalische Ausbildung wie sie in ihren Kreisen zu damaligen Zeit in Russland üblich war.
      Der Unterricht begann im Sommer und bereits zum Winter zeigte sich das enorme Talent, das absolute Gehör, ein ausgezeichnetes Gedächnis, Beherrschung der Technik und die Fähigkeit des Notenlesens.

      Und bereits nach erst wenigen Monaten Unterricht versuchte er sich mit ersten Kompositionen.

      Aufgrund des sich schnell entwickelnden Könnens und des offensichtlichen Talentes
      wurde Schostakowitsch im Alter von 10 jahren in die Musikschule von Glasser eingeschrieben.
      1 Jahr Unterricht bei Glassers Frau und im dann erst Unterricht bei Glasser selber folgten.

      Im Jahr 1917 wurde der damals 11 jährige "Mitja" ( so sein Kosename) dann mit dem Schrekcen
      der Oktoberrevulution konfrontiert und erlebte die Erschießung zahlreicher Arbeiter.
      Diese tiefgreifende und erschütternde Erfahrung verarbeitete er dann ebenfalls in einer Komposition.

      Schostakowitsch selbst meinte:

      "Die Oktober Revulution erlebte ich auf der Straße"

      Mitja lernte irrsinnig schnell und bereits 1917 begann ihn der Unterricht zu langweilen.

      Er wurde Alexandra Rosnowa vorgestellt am "Leningrader" Konservatorium, die als erste nicht
      nur einen möglichen künftigen Pianisten erkannt, sondern auch sein kompositorisches Talent.

      Später wurde er, aufgrund des anhaltenden eifrigen Komponieren, Alecandr Siloti (Liszt Schuler) vorgestellt.

      Soloti meinte aber nach dem Vorspielen:

      "Eine Karriere wird der Junge nicht machen. Er hat keine musikalische Begabung. Aber wenn er Lust hat, nun... dann soll er eben lernen"

      Der kleine Mitja weinte daraufhin die ganze Nacht, so daß seine Mutter beschloß den Jungen A.K. Glasunow vorzustellen.

      Glasunow riet ausdrücklich er solle weiter komponieren und es sei höchste Zeit für das Konservatorium.

      Im Herbst 1919 bestand Mitja im Alter von erst 13 Jahren die Aufnahme ans Petrograder Konservatorium und wurde dort Student.

      Trotz der harten Entbärungen, die sich aus den Folgen der Oktoberrevulution ergaben studierte Mitja
      in der Kompositions und Klavierklasse am Konservatorium.
      Bei Steinberg lernte er Komposition, bei Nikolajew, der auch Marija Judina und V. Sofronitsky unterrichtete, Klavier.

      Glasunow, der zwar gegen "Neues" skeptisch war äußerte sich:

      "Er ist eine der größten Hoffnungen unserer Kunst"

      Die Not, auch im Hause Schostakowitsch, machte es erforderlich, daß Glasunow Gorki um ein Stipendium bat.
      Mit Erfolg.

      Am 24.Februar 1922 starb dann Mitja's Vater. Ein schwerer Schiksalsschlag in einer harten Zeit.

      Im Jahr 1923 schloß er das Studium mit der Darbietung der "Hammerklaviersonate" ab.
      Bereits zu dieser Zeit wurde seinem Ton eine gewisse "Klangtrockenheit" attestiert und erste
      Pressemitteilungen aufgrund von öffentlichen Konzerten tauchen in dieser Zeit auf.

      Ungeachtet des Erfolgs mit 17 Jahren bereits ein Diplom als Pianist ind er Tasche zu haben wurde
      er unmittelbar nach dem Abschluß des Klavierstudiums von der Studentenliste des Konservatoriums gestrichen.

      Versuche das Studium wieder aufnehmen zu können scheiterten zunächst.
      Offizielle Begründung war "mangelnde Reife".

      Erst am 1. Oktober 1926 konnte er das Studium, nach wiederholten Bemühen, wieder aufnehmen.
      Zu dieser Zeit hatte Dimitri die Sinfonie #1 bereits komponiert!!!!
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Die Sinfonie und die Uraufführung:

      Bereits im Jahr 1923 hatte Dimitri erste Gedanken eine Sinfonie zu schreiben. Er skizzierte udn hielt Einfälle fest.

      Die eigentliche an der Partitur erfolge ab Oktober 1924 bis in den Mai 1925.
      Dimitri arbeitete voller Eifer da es sein Ziel war die Arbeit als Diplomarbeit vorzulegen.

      Bereits diese erste Sinfonie zeigte bereits einiges auf:

      - Seinen Hang zu originellen Instrumentierungen
      - seinen individuellen Still
      und
      - sein unglaubliches Talent für die Komposition von Sinfonien

      erster Satz:

      Die Sinfonie beginnt mit einem Trompetenmotiv. Dieses Motiv wird dann
      durch ein Fagott kontraspunktiert.
      Das Trompetenmotiv übernimmt dann eine Klarinette, die dann wiederum
      durch Streicher begleitet wird.

      Insgesamt ist der erste Satz durch zwei im Kontrast stehenden Themen aufgebaut.
      2 Themen in der Haupttonart f-moll und das dritte Thema in As-Dur.

      Ein Schwungvolle Satz, der dramatische Konflikte und Kontraste aufzeigt.

      zweiter Satz:

      Das Stück begeistert hier durch seinen grotesken Humor.

      Im zweiten Satz wird im Scherzo, eher untypisch, das Klavier eingesetzt.

      Insgesamt zeigt der 2. Satz bereits die originelle Ideen Schostakowitsch's
      auf sowie seine originelle Melodieführung.

      Beispiel dafür ist der in der Coda unerwartet erklingende dreimalige und
      unerwarete a-Moll Akkord.

      dritter Satz:

      Lyrisch und mit langen melodischen Phasen zeichnen den dritten Satz aus.
      Dazu ein charakteristisches Sechstonmotiv.

      Die Oboe trägt das erste Thema des Satzes vor, die Streichinstrumente gesellen sich
      und im Laufe steigert sich die Spannung.

      Auch das zweite Thema wird von der Oboe angeführt und Gedanken an einen
      trauermarsch kommen auf.

      Finale

      Nach "unentschlossenem" Beginn wird das erste Thema durch die Klarinette eingeführt.
      Wie bereits im ersten Satz ist auch im Finale dem Klavier eine wichtige Rolle anvertraut.

      Der Satz steigert sich immer weiter und nimmt im Verlauf erst den sinfonischen Charakter an!

      Der Satz ist voller Tiefe und tragischem Ausdruck und bereits zu dieser Ohase seines Lebens
      erstaunt Dimitri mit einen vielzahl an Ideen.



      Am 1. Juli 1925 beendetet Schostakowitsch die Reinschrift seiner Sinfonie.

      Im Dezember 1925 reichte er die Partitur und den Klaviereinzug bei der
      Prüfungskommission ein.

      Steinberg beurteilte sie als:

      "Ausdruck höchsten Talents"

      Die Uraufführung der Sinfonie am 12.5.1926 wurde ein voller Erfolg.
      Dirigent der Uraufführung war N. Malko.

      Das Scherzo mußte Sogar wiederholt werden und Schostakowitsch wurde
      vom Publikum gefeiert.

      Malko notierte in dieser Nacht:

      "Mir scheint, ich habe ein neues Kapitel in der Geschichte der Symphonie eröffnet und einen neuen großen Komponisten entdeckt!"

      Kurze Zeit später sein erste öffentlicher Auftritt als Pianist und wiederum nur kurze Zeit
      später wiederholte sich der Triumph der Sinfonie bei der Erstaufführung in Moskau.

      Bereits am 5. Mai 1927 wurde die Sinfonie außerhalb Rußlands aufgefürht und zwar
      in Berlin unter Bruno Walter.

      Aufführungen in den USA folgten ebenfalls.
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Derzeit liegen mir folgende Aufnahmen vor:

      Barshai Brilliant - WDR Sinfonieorchester

      I: 8'10", II: 4'45", III: 7'43", IV: 8'38"

      Bernstein DG - Chicago Symphony Orchestra (live)

      I: 8'54", II: 4'46", III: 10'19", IV: 10'37"

      Haitink Decca London - London Philharmonic Orchestra

      I: 8'11", II: 5'03", III: 8'45", IV: 9'15"

      Kitaenko Capriccio - Gürzenich-Orchester Köln (live 3-7 July)

      I: 8'43", II: 5'10", III: 10'13", IV: 10'33"

      Kondrashin - Moscow Philharmonic Symphony Orchestra

      I: 8'45", II: 4'40", III 9'08'' IV: 9'30''

      Wie schätzt ihr diese Sinfonie ein? Welche Aufnahmen schätzt ihr?
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Ebenfalls, wie u.A. bei der 7. Sinfonie, läßt Kondrashin auch die 1. Sinfonie dynamisch, agil und sehr kraftvoll erklingen.
      Auch wenn die Zeiten es teilweise gar nicht so erkennen lassen scheint ein unbändiger Vorwärtstrieb die Musiker anzutreiben. Teilweise, auch bedingt durch die Aufnamequalität, geht der Orchsterklang, insb. der Blechbläser, doch ins Schrille.

      Sicherlich eine richtig gute Aufnahme, die IMO aber nicht täglich wieder gehört werden kann!

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      Administrator: Das Klassikforum


    • Bernstein spielt im Kontrast zu Kondrashin eine fast schon weich gezeichnete 1. Sinfonie Schostakowitsch's.
      Er legt wenig Wert auch die Darstellung der dynamischen kraftvollen Momente sondern konzentriert sich eher auf ein "gesamtheitliches" Bild und läßt die Sinfonie eher als im fluss befindliches Miteinander der Musiker gestallten.

      Durchaus eine reizvolle Sicht, aber sicherlich keine die mir völlig reichen kann.
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo Richard,

      wie bereits gestern geschrieben, habe ich mich in den letzten Tagen mal wieder mit diesem Werk auseinandergesetzt. Ich besitze nur die Haitink-Aufnahme, was eine echte Einschätzung der Interpretation natürlich schwierig macht. Für sich betrachtet macht die Aufnahme aber einen sehr guten Eindruck, ich meine, dass Haitinks Zyklus insgesamt keine schlechte Wahl ist. Die erste Sinfonie ist recht spritzig musiziert, es mangelt aber auch nicht an der nötigen Dramatik. Beizeiten werde ich mir auch Alternativeinspielungen zulegen, aber es gibt immer so viele Sachen, die ich kaufen will...

      Ich finde auch, dass das Stück eine exzellente Leistung darstellt. Das eigentlich Verblüffende ist die große kompositorische Reife des 18-Jährigen. Schostakowitsch beherrschte damals eben nicht "nur" die Kompositionstechnik und die herkömmlichen Formen (das konnte er schon als 13-Jähriger in seinem Scherzo fis-moll op.1), sondern geht mit dem Erlernten bemerkenswert souverän um, weicht von der Tradition ab, findet einen eigenen Tonfall. Natürlich erkennt man noch Vorbilder wie Prokofjew, Strawinski, Hindemith usw., aber insgesamt ist die Sinfonie doch bereits "echter Schostakowitsch" (Orchestration, Harmonik, Melodik). In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, wie weit Schostakowitsch über seinen Lehrer Steinberg hinausgeht. Ich kenne ein paar Orchesterwerke dieses Komponisten, seine Tonsprache erinnert an Glasunow und Rimski-Korsakow. Schostakowitschs Sinfonie hat damit wenig zu tun!

      Was den von dir erwähnten Einsatz des Klaviers v.a. im zweiten Satz betrifft: diesen "Effekt" hatte Schostakowitsch schon vorher in seinem Scherzo Es-Dur op.7 erprobt. Ich habe dieses Werk vor einiger Zeit kennengelernt, und als ich jetzt die Sinfonie hörte, kam mir sofort dieses Scherzo in den Sinn. Als ich nachher in K. Meyers Schostakowitsch-Biographie geblättert habe, sah ich meinen Eindruck bestätigt. Die Coda des Scherzos halte ich auch für beachtlich: hier "zerfällt" die Musik allmählich in ihre Bestandteile, löst sich auf. Das kann man in Schostakowitschs Musik immer wieder beobachten, und gerade auch in so späten Werken wie der 15. Sinfonie oder der Bratschensonate.

      Spannend ist auch die Beziehung zwischen langsamem Satz und Finale. Wie Meyer erläutert, geht das prägnante Paukenmotiv zu Beginn des Lento-Abschnitts im Finale auf das Hauptthema des langsamen Satzes zurück: im 3.Satz wird ja der Beginn des Hauptthemas immer wieder abgewandelt in ein rhythmisches Motiv (z.B. um 2'50). Dessen Umkehrung ist das Paukenmotiv! Wenn man bedenkt, dass auch die rasenden Coda des Finales auf eben dieses Paukenmotiv zurückgreift, ist die motivische Verknüpfung der beiden Sätze, der kompositorische Tiefgang schon beachtlich. Überhaupt zeigt auch die recht freie Formgestaltung des Finales Schostakowitschs enorme kompositorische Reife.

      Insgesamt ist die erste Sinfonie ein Stück, das zwar in seiner frischen, kecken Grundhaltung und dem Bezug auf andere Komponisten sein frühes Entstehungsdatum erkennen lässt. Dennoch ist sie kein "Jugendwerk", sondern bereits eine vollendete, gültige Aussage des Meisters. In der Tat ein "Ausdruck höchsten Talents"...

      Viele Grüße
      Holger
    • Original von Holger S.
      Für sich betrachtet macht die Aufnahme aber einen sehr guten Eindruck, ich meine, dass Haitinks Zyklus insgesamt keine schlechte Wahl ist. Die erste Sinfonie ist recht spritzig musiziert, es mangelt aber auch nicht an der nötigen Dramatik.


      Dieser Meinung kann ich mich durchaus anschließen!
      Wobei man ihm eventuell unterstellen kann etwas "unrussisch" zu klingen. Mir persönlich gefällt diese Gesamtaufnahme bisher richtig gut.


      Beizeiten werde ich mir auch Alternativeinspielungen zulegen, aber es gibt immer so viele Sachen, die ich kaufen will...


      Geht mir auch so! Allerdings bin ich der Meinung, daß eine Gesamtaufnahme der Sinfonie sicherlich zu wenig ist. Jedenfalls aus meiner Sicht! :D


      Ich finde auch, dass das Stück eine exzellente Leistung darstellt. Das eigentlich Verblüffende ist die große kompositorische Reife des 18-Jährigen. Schostakowitsch beherrschte damals eben nicht "nur" die Kompositionstechnik und die herkömmlichen Formen (das konnte er schon als 13-Jähriger in seinem Scherzo fis-moll op.1), sondern geht mit dem Erlernten bemerkenswert souverän um, weicht von der Tradition ab, findet einen eigenen Tonfall.


      JDa stimme ich Dir zu und eigentlich war er bereits viel früher reif genug und hätte bestimmt auch früher sein Diplom machen können, sofern man dies seitens des Konservatoriums hätte zugelassen!

      [/quote]
      Natürlich erkennt man noch Vorbilder wie Prokofjew, Strawinski, Hindemith usw., aber insgesamt ist die Sinfonie doch bereits "echter Schostakowitsch" (Orchestration, Harmonik, Melodik). In diesem Zusammenhang ist es auch erwähnenswert, wie weit Schostakowitsch über seinen Lehrer Steinberg hinausgeht.


      Dies ist halt die "Klasse" der großen "Leherer". Sie formen eigenständige Musiker und kein "Ebenbild".

      Ist Dir übrigens bekannt das Glasunow sagte er könne seine Musik nicht hören wenn er sie vom Blatt liest?


      Was den von dir erwähnten Einsatz des Klaviers v.a. im zweiten Satz betrifft: diesen "Effekt" hatte Schostakowitsch schon vorher in seinem Scherzo Es-Dur op.7 erprobt. Ich habe dieses Werk vor einiger Zeit kennengelernt, und als ich jetzt die Sinfonie hörte, kam mir sofort dieses Scherzo in den Sinn.


      Danke für den Hinweis! Das Scherzo sollte ich dann auch einmal hören :hello



      Als ich nachher in K. Meyers Schostakowitsch-Biographie geblättert habe, sah ich meinen Eindruck bestätigt. Die Coda des Scherzos halte ich auch für beachtlich: hier "zerfällt" die Musik allmählich in ihre Bestandteile, löst sich auf. Das kann man in Schostakowitschs Musik immer wieder beobachten, und gerade auch in so späten Werken wie der 15. Sinfonie oder der Bratschensonate.


      Dimitri war einfach schon früh ein Meister der mit kompositionstechnischen Mitteln und einer unglaublichen Fähigkeit bei der Instrumentierung arbeiten konnte.


      Spannend ist auch die Beziehung zwischen langsamem Satz und Finale. Wie Meyer erläutert, geht das prägnante Paukenmotiv zu Beginn des Lento-Abschnitts im Finale auf das Hauptthema des langsamen Satzes zurück: im 3.Satz wird ja der Beginn des Hauptthemas immer wieder abgewandelt in ein rhythmisches Motiv (z.B. um 2'50). Dessen Umkehrung ist das Paukenmotiv! Wenn man bedenkt, dass auch die rasenden Coda des Finales auf eben dieses Paukenmotiv zurückgreift, ist die motivische Verknüpfung der beiden Sätze, der kompositorische Tiefgang schon beachtlich. Überhaupt zeigt auch die recht freie Formgestaltung des Finales Schostakowitschs enorme kompositorische Reife.


      Darauf werde ich gezielt nochmals achten bei Hören der Sinfonie!
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo Richard,

      Original von Rachmaninov
      Wobei man ihm eventuell unterstellen kann etwas "unrussisch" zu klingen.


      Das kann ich nachvollziehen, daher war es auch meine Absicht, mir irgendwann eine "russische" Gesamteinspielung zu kaufen. Oft sind russische Interpreten bei der Musik ihres Landes eine gute Wahl.

      Ist Dir übrigens bekannt das Glasunow sagte er könne seine Musik nicht hören wenn er sie vom Blatt liest?


      Das habe ich auch schon gehört. Glasunow stand moderner(er) Musik nicht unbedingt freundlich gegenüber (bekannt ist ja u.a., dass er bei der Uraufführung von Prokofjews Skythischer Suite den Saal verließ). Nach eigenem Bekunden fand er Schostakowitschs Musik "schrecklich", meinte aber gleichzeitig, dies tue nichts zur Sache: "Die Zukunft gehört nicht mir, sondern diesem Jungen".

      Danke für den Hinweis! Das Scherzo sollte ich dann auch einmal hören :hello


      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Stück im Moment auf CD erhältlich ist. Ich habe es mit Roschdestwenski auf einer alten Olympia-CD, die ich gebraucht gekauft habe. Bei jpc habe ich erst mal nichts gefunden, und die bei Onno van Rijen aufgeführten CDs sind derzeit wohl nicht im Handel.

      Viele Grüße
      Holger
    • Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Sinfone (lag vielleicht an Bernsteins Einspielung) hab ich mich dank Haitink und Barshai auch mit dieser Sinfonie von Shostakovich anfreunden können. Vor allem den 2.Satz und der Einsatz des Klaviers ist grandios!!!

      MfG
      Wotan
      "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" (Friedrich Nietzsche)
    • Original von Holger S.
      Ich besitze nur die Haitink-Aufnahme, was eine echte Einschätzung der Interpretation natürlich schwierig macht. Für sich betrachtet macht die Aufnahme aber einen sehr guten Eindruck, ich meine, dass Haitinks Zyklus insgesamt keine schlechte Wahl ist. Die erste Sinfonie ist recht spritzig musiziert, es mangelt aber auch nicht an der nötigen Dramatik.


      @Holger,

      Du triffst, wie sagt man so schön, den Nagel genau auf dem Kopf.

      Gerade hört ich nochmals Schostakowitsch's erst in der besagten Haitink Aufnahme mit dem London Philharmonic Orchestra.



      Die Gesamtaufnahme der Sinfonien mit Haitik stellt für mich eine der Topempfehlungen überhaupt dar.
      Die von Dir geschilderten Eigenschaften stimmen völlig.
      Es wird spritzig musiziert, die bramatik und der Schwung sind völlig vorhanden ohne irgendwelche "Showeffekte" oder "Raserei" wodurch die Sinfonische Gestallt verloren ginge.

      So ist auch die 1. Sinfonie bei Haitink in sehr guten Händen und in einer Top Einspielung!
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Sanderling - Berliner Sinfonie Orchester

      Eine sehr schöne Einspielung ist auch die des Berliner Sinfonie Orchesters unter Kurt Sanderling.



      Sanderling legt viel Wert auf die Details ohne dabei die Struktur zu verlieren oder das Gesamtwerk zu "verstückeln". Dabei geht es durchaus dynamisch und "flott" zur Sache, auch wenn die Aufnahme im Vergleich zu Kondrashin nicht diesen ungehemten Vortreib vermittelt. Irgendwie vermittelt Sanderling den Eindruck eines sehr guten Verständnisses für Schostakowitschs Musik.

      Der Klang ist gut, wenn auch nicht überragend.

      Aber sicherlich eine Aufnahme, die die durchaus gefallen kann und es wert ist bei Gelegenheit zu hören :wink
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Herbert Kegel und das Rundfunk Sinfonie Orchster Leipzig haben in den 60er Jahren eine IMO vorzügliche Aufnahme produziert. Gute Tempowahl, kraftvoller gut differenzierter Orchseterklang machen diese Aufnahme zu einer richtig guten Einspielung der 1. Sinfonie Schostakowitschs.



      Recht ordentlicher Klang
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Schostakowitsch: Sinfonie Nr.1 mit Kondraschin

      Hallo Schostakowitsch-Freunde,

      Rachmaninov hat folgendes zur Kondraschin-Aufnahme geschrieben:
      Sicherlich eine richtig gute Aufnahme, die IMO aber nicht täglich wieder gehört werden kann!

      Gehört habe ich damals diese Eurodisc-LP mehrmals in der Woche !

      Inzwischen haben sich bei mir sehr viele Schostakowitsch-Aufnahmen und GA angesammelt, aber an meine erste Eurodisc-LP der Sinfonie Nr.1 mit Kondraschin ist noch keine vorbeigekommen.



      Roshdestwensky, auch ganz große Klasse, aber Kondraschin, der noch mehr die jugendliche Frische des 20jährigen Komponisten rüber bringt ist nie erreisht worden.

      :down Wie froh war ist, als ich 2006 die AULOS-CD´s bekam und damit meine alte Eurodisc-Aufnahme in feinstem Klanggewand zurück hatte.
      Die Sinfonie Nr.1 ist mit Kondraschin 1972 aufgenommen, als dieAufnahmegeräte dort schon besser waren - eine glanzvolle Interprettsion mit TOP-Klang bei AULOS und sicher auch bei Melodyia (beides 2006-Remastering).


      AULOS, Aufnahmen 1962-1975, Rem.2006, ADD
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Schostakowitsch: Sinfonie Nr.1 mit Kondraschin

      Original von teleton
      Inzwischen haben sich bei mir sehr viele Schostakowitsch-Aufnahmen und GA angesammelt, aber an meine erste Eurodisc-LP der Sinfonie Nr.1 mit Kondraschin ist noch keine vorbeigekommen.

      Roshdestwensky, auch ganz große Klasse, aber Kondraschin, der noch mehr die jugendliche Frische des 20jährigen Komponisten rüber bringt ist nie erreisht worden.


      @Wolfgang,

      genau diese jugendliche frische sollte, ja muss, gerade bei der 1. Sinfonie Schostakowitsch rüber kommen. Wann sonst konnte er sinfonisch derart "frei" komponieren?
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      Administrator: Das Klassikforum


    • Ich habe mir heute diese CD gekauft. Ich gebe zu auch deswegen, weil ich mir gestern ein Video angeschaut habe, auf dem Bernstein den letzten Satz der 5. Symphonie sehr beeindruckend spielt. Er gehört sowieso zu meinen Lieblingsdirigenten.

      Ich muss sagen: Natürlich ist die Aufnahme sehr auf Schönklang bedacht (wie viele der späteren Aufnahmen Bernsteins - es ist ja eine Live-Aufnahme von 1989) Aber sie beeindruckt mich dennoch sehr. Auch die erste Symphonie (die ich absolut liebe!). Aber ich habe auch noch die Kondrashin- Aufnahme, die natürlich eine andere, viel mehr Schostakowitsch-mäßige Sicht auf die Symphonie hat.

      Ich freue mich auf die 7. Symphonie, die ich nur in der Barshai Box habe und da gefällt mir die Interpretation nicht besonders.

      lg kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Kondraschin ind Bernstein

      Hallo Kreisler,

      das hast Du richtig erkannt:
      Aber ich habe auch noch die Kondrashin- Aufnahme, die natürlich eine andere, viel mehr Schostakowitsch-mäßige Sicht auf die Symphonie hat.

      Kondraschin (Melodiya, AULOS) trifft den Kern 100%, da ist kein Schönklang angesagt sondern Gänsehaut pur.

      Sicher - Bernstein, unser gemeinsamer Liebling ist auch bei Schostakowitsch immer beeindruckend, aber er läßt oft zu viele eigene Vorstellungen mit einfließen - gerade bei der Sinfonie Nr.1 geht dadurch die jugendliche Frische etwas unter.
      Ich schätze mit ihm ganz besonders seine Aufnahmen der Sinfonie Nr.5; beide mit den New Yorler PH. Ganz besonders die Live in Tokyo, weil er die japanischen Zuhörer absolut zu fesseln vermag. Werkgetreu ist das nicht - aber "doll".


      *** Wie Rachmaninov schätze ich auch die Haitink-Aufnahmen (Decca), aber lange nicht bei allen Sinfonien.
      Themengerecht zur Sinfonie Nr.1 finde ich seine Aufnahme gut (nicht mehr und nicht weniger), aber die sprühende Kraft der Kondraschin- und Roshdestwensky-Aufnahmen (Eurodisc, Melodiya, AULOS) fehlt mir dann doch.

      *** Barshai (Brillant) ist auch excellent und detailgenau - rundum gut. ((Warum Du die Leningrader mit Barshai nicht schätzt ist mir ein Rätsel - die bringt genau wie bei der Nr.1 alle Details präzise und sauber durchhörbar und werkgerecht rüber.))

      *** Geheimtipp für die Sinfonie Nr.1, sowohl klanglich wie interpretatorisch ist auch Ashkenazy (Decca).
      Aber an Kondraschin kommt er wohlgemerkt bei der Nr.1 dennoch nicht heran.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hallo teleton,

      auch wenn mir Bernstein zu hören sehr viel Spaß gemacht hat, so sind wir uns ja bei Kondrashin einig :)

      Als ich das letzte mal, eben bevor ich mir die Bernstein-Aufnahme gekauft habe, den Barshai (bei der 7.) anhörte, hat er mir überhaupt nicht gefallen. Was ich selber komisch fand, den ich habe die GA auch schon eine ganze Weile und war immer mit ihr sehr zufrieden. Aber es kam dann nicht das heraus, was ich mir von der 7. erwartet hatte (hatte die Symphonie schon länger nicht gehört). Schon recht sauber und "schön" aber ich wollte mehr: Mehr Kraft, mehr Ausdruck, mehr "Rausch". Deswegen habe ich mir dann auch den Bernstein gekauft.

      Viele Grüße,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer