Schumann: Waldszenen - Deutscher Wald mit doppeltem Boden

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Schumann: Waldszenen - Deutscher Wald mit doppeltem Boden

      Robert Schumann erarbeitete seinen Zyklus Waldszenen im Jahre 1848. Ursprünglich umfasste das Werk acht Stücke. Mit der Ergänzung von ‚Vogel als Prophet’ wurden es dann neun Stücke, womit der Zyklus als op. 82 veröffentlicht wurde (1850). Schumann hatte sich viele Jahre nicht mehr mit dem Klavier beschäftigt. Album für die Jugend und Waldszenen waren die ersten Werke für dieses Instrument nach all der Zeit. Robert Schumann schrieb an seinen Verleger Bartholf Senff in Leipzig: "Sie empfangen hier die Waldszenen - ein lang und viel von mir gehegtes Stück. Möchte es Ihnen Lohn bringen, und wenn keinen ganzen Wald, so doch einen kleinen Stamm zum neuen Geschäft."

      Die Waldszenen sind keine pianistisch schwierige Literatur. Die Komposition überzeugt mit der Einfachheit des Ausdruckes. Möglicherweise hatte er die Stücke auch für seine siebenjährige Tochter, Marie, im Sinn gehabt (gewidmet Fräulein Annette Preusser).

      Robert Schumann versucht mit einfachen Mitteln eine ausdrucksvolle Musiksprache zu formulieren. Schon der „Eintritt“, das erste Stück, charakterisiert mit einem schlichten rhythmischen Muster, aber mit einem fein geführten fortlaufenden Stimmengeflecht das „Gehen auf thauumperltem Pfad“.



      So erhält jedes einzelne Stück durch unterschiedliche Gestaltungsmittel seinen unverwechselbaren Charakter, etwa durch die schlichte Kontrapunktik, dessen Dissonanzen dadurch umso stärker hervortreten in „Einsame Blumen“, oder durch den, leise gehaltenen und dadurch geheimnisvoll wirkenden französischen Ouvertürenrhythmus in „Verrufene Stelle“.



      Für mich bedeuten das Eröffnungsstück und der Mittelteil von ‚Vogel als Prophet’ absolute Höhepunkte Schumannschen Ausdruckes. Die Musik klingt so erhaben und rein, ja unschuldig ! Meine Lieblingsstücke !
      Schumann versieht alle Stücke anfangs mit einem literarischen Motto. Einige Beispiele sollen aufgeführt werden.
      Das ursprüngliche Motto zum ‚Eintritt’: „Wir gehn auf thauumperltem Pfad/Durch schlankes Gras, durch duftges Moos/Dem grünen Dickicht in den Schoos.“
      G. Pfarrius.
      Motto zur ,Verrufenen Stelle’: „Die Blumen, so hoch sie wachsen, Sind blass hier, wie der Tod; Nur eine in der Mitte Steht da im dunkeln Roth. Die hat es nicht von der Sonne; Nie traf sie deren Gluth; Sie hat es von der Erde, Und die trank Menschenblut.“ F. Hebbel.
      ’Vogel als Prophet’: „Hüte dich, sei wach und munter“ J. v. Eichendorff.
      ’Abschied’: „Leise dringt der Schatten weiter, Abendhauch weht schon durchs Tal, Ferne Höhn nur grüßen heiter, Noch den letzten Sonnenstrahl“ G. Pfarrius.

      Waldszenen Op. 82:

      Eintritt (B-Dur)
      Jäger auf der Lauer (d-moll)
      Einsame Blumen (B-Dur)
      Verrufene Stelle (d-moll)
      Freundliche Landschaft (B-Dur)
      Herberge (Es-Dur)
      Vogel als Prophet (g-moll)
      Jagdlied (Es-Dur)
      Abschied (B-Dur)

      Das erste mal, dass ich mit diesem Zyklus partiell konfrontiert wurde, war während der Schulzeit, als ich ‚Vogel als Prophet’ mit Arthur Rubinstein hörte, es war seine Platte, Ende der 70er Jahre in Rom aufgenommen zusammen mit der Kreisleriana. Während meiner Reise nach Daun (Vulkaneifel), musste ich beim Besuch eines typischen mitteldeutschen Mischwaldes an den Zyklus denken ! Obgleich dieser Zyklus selten aufgeführt wird, bin ich gespannt auf die Mitteilungen der Freunde.



      Gruß, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • RE: Schumann: Waldszenen - Deutscher Wald mit doppeltem Boden

      Lieber Siamak:

      Erst einmal herzlichen Dank für die in jeder Hinsicht gutgeratene neue Folge der Schumann-Projekts!

      Die Waldszenen mögen pianistisch auf den ersten Blick nicht schwierig sein, aber, ähnlich wie im Falle der Kinderszenen, die auch bald im Forum besprochen werden sollen, sind sie vielleicht doch öfter in Gefahr, überinterpretiert zu werden, wo doch gerade eine unmittelbar berührende Schlichtheit des Ausdrucks und ein großes Maß an Poesie gefordert sind. Hinzu kommt der ständige Stimmungswechsel zwischen den Einzelstücken. Wie der Titel Deines Fadens schon andeutet, ist der Wald hier natürlich kein Idyll, sondern auch unheimlich (wie es sich eben für einen deutschen Wald nun einmal gehört, Dein Waldbild oben ist ein wenig zu sonnig-idyllisch!).

      Ich besitze nur drei Aufnahmen der Waldszenen: Kempff (DG), Richter (letztendlich DG) und Katsaris (Teldec). Was die Poesie angeht, liegt vielleicht Kempff eher erwartungsgemäß vorn, während Richter oft nicht ganz so innig ist, aber sehr schön den unterschiedlichen Charakter der einzelnen Stücke herausarbeitet. Katsaris erscheint mir ein wenig zu glatt und unverbindlich.

      Gruß,

      Zelenka
    • Die Waldszenen gehören für mich zu meinen persönlichen Lieblingen der Klavierliteratur R. Schumann's.
      Die Eigenständigkeit der einzelnen Stücke die dennoch in ihrer beschreibenden Form etwas vermiteln was jeder kennt und erlebt haben kann.

      Als Kind verbrachte ich jeden Sommer mit Freunden während der Sommerferien im Wald. Zeiten völliger Unbeschwertheit und Glück.

      Daran erinnere ich mich jedesmal wenn ich die Waldszenen höre.

      Siamak's Aussage

      Für mich bedeuten das Eröffnungsstück und der Mittelteil von ‚Vogel als Prophet’ absolute Höhepunkte Schumannschen Ausdruckes. Die Musik klingt so erhaben und rein, ja unschuldig ! Meine Lieblingsstücke !


      Kann ich mich durchaus anschließen.

      Aber auch die Spannung des Jagdlied (Es-Dur) erliege ich immer wieder.

      Eine fesselnde Aufnahme dieses Werks legte für mich Valery Afanassiev vor.



      Natürlich bin ich sehr gespannt auf weitere Empfehlungen :engel
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • lieber Jan Dismas (Z) und Sergejewitsch (R),

      dass man drei aufnahmen des werkes besitzt (Z) ist IMO schon sehr viel ! daher erscheint mir das 'nur' als understatement. :cool das wilhelm kempff den richtigen poetischen ton trifft, kann ich mir sehr gut vorstellen, leider hörte ich seine interpretation nicht. zu sviatoslav richters aufnahme wird Cosima sicherlich einiges erzählen können. :hello

      nun, die interpretation valery afanassievs ist auch in meinen ohren wunderbar (R). im rundfunk hörte ich ausschnitte des zyklus mit gerhard oppitz, herrlich.

      mein persönlicher favorit ist die interpretation des zyklus durch den jungen igor shukov in einer melodiya-aufnahme aus 1965. ich finde, dass er die linien noch behutsamer und sonorer phrasiert, als afanassiev. eine echte 'perle', diese aufnahme. :engel



      gruß, siamak :engel
    • Original von AcomA
      zu sviatoslav richters aufnahme wird Cosima sicherlich einiges erzählen können.


      Lieber Siamak, liebe Schumann-Freunde,

      ich freue mich sehr über diesen schönen Thread, auch darüber, dass das Schumann-Projekt nun weiter geht! Danke Dir! :down

      Ich besitze zwei Aufnahmen: Richter natürlich und Afanassiev. (Wenn drei Aufnahmen „sehr viel“ sind, dann sind zwei immer noch „viel“. :) )

      Derzeit vertrage ich - wegen der Temperaturen - nur ganz leichte musikalische Kost, werde mich aber in Kürze in diesem Thread wieder zu Wort melden.

      Gruß, Cosima
    • Lieber Siamak, liebe Schumann-Gemeinde,

      nun möchte ich auch endlich etwas zu den „Waldszenen“ schreiben, die mir sehr am Herzen liegen. Vielleicht zu sehr, denn ich habe gelegentlich eine seltsame Scheu, mich allzu intensiv in die Schumannschen Welten zu begeben. Bei ansonsten keinem anderen Komponisten kommt es mir vor, als ob dessen Musik meine Stimmung in jegliche Richtung derartig verstärken würde, wie es bei Schumanns Werken der Fall ist. Obacht ist deshalb manchmal notwendig, wenngleich ich Schumann so sehr liebe!

      Zu den neun Charakterstücken und ihrer berührenden Schlichtheit wurde ja schon einiges gesagt - 1848/49 sind sie entstanden. Vorangegangen waren nicht nur körperliche Krisen und Schwermut des Komponisten, sondern zudem der Tod seines Freundes Mendelssohn im November 1847, der in Schumann düstere, ihn verfolgende Todesgedanken auslöste. In den „Waldszenen“ scheint Schumann sein inneres Gleichgewicht einigermaßen wieder gefunden zu haben; zumindest scheint es so, wenn man der wundervollen musikalischen Poesie lauscht, die in jedem Stück auf besondere Art und Weise zutage tritt.

      Meine Lieblingsstücke sind „Verrufene Stelle“ und „Vogel als Prophet“. Meine vorliegenden Aufnahmen benannte ich bereits oben.

      Ich meine, dass Sviatoslav Richters Interpretation sehr gut ist. Zumindest mich berührt sie stark, stellt sie doch eben jene poetische, innige Schlichtheit heraus, ohne aber gleichförmig zu wirken. Im Gegenteil: Richter vermag, die Vortragsanweisungen sehr genau umzusetzen und jedem Stück den betreffenden Charakter und Rhythmus in ganzer Klarheit zu verleihen. Mir gefällt die Aufnahme so gut, dass ich eigentlich nie nach einer Alternative suchte.

      An eine weitere Einspielung geriet ich denn auch zufällig, weil Afanassievs „Kreisleriana“ (die mir sehr gut gefällt) mit den Waldszenen gekoppelt ist. Was Zelenka weiter oben schrieb…

      Die Waldszenen mögen pianistisch auf den ersten Blick nicht schwierig sein, aber, ähnlich wie im Falle der Kinderszenen, die auch bald im Forum besprochen werden sollen, sind sie vielleicht doch öfter in Gefahr, überinterpretiert zu werden, wo doch gerade eine unmittelbar berührende Schlichtheit des Ausdrucks und ein großes Maß an Poesie gefordert sind.


      … würde ich für Afanassievs Interpretation unterschreiben: Ich empfinde sie als überinterpretiert.

      Ein Vergleich der Zeiten:

      „Verrufene Stelle“: Richter 3:16, Afanassiev 5:17

      Obgleich die Vortragsanweisung „ziemlich langsam“ lautet, zerstört m.E. Afanassiev die zugrunde liegende düstere, melancholische Poesie, indem er das Stück fast statisch gestaltet. Da fließt nichts, da gerät der Zusammenhang aus den Fugen.

      „Vogel als Prophet“: Richter 2:42, Afanassiev 6:11

      „Hüte dich, sei wach und munter“ heißt das Motto, die Vortragsanweisung „langsam, sehr zart“. Afanassievs Vogel klingt, als würde er zum letzten Mal sein Lied singen und den morgigen Tag nicht mehr erleben. Da ist auch nichts von Richters Innigkeit zu spüren.
      Vielleicht kann es mir jemand erklären, denn ich habe keine Ahnung, was der Pianist sich dabei dachte, dieses Stück so endlos zu dehnen. (Ich muss unwillkürlich an Pogorelichs zerdehnten „Ochsenkarren“ denken. :()

      Ich sage ganz ehrlich: IMO hat Afanassiev dieses Schumann-Werk richtiggehend zerstört (frei nach dem Motto: Dem drücke ich nun meinen „Exzentrik-Afanassiev-Stempel“ auf); auch als Ganzes gesehen empfinde ich es bei ihm nicht als schlüssig. Für mich fast unvorstellbar nach seiner großartigen Interpretation der Kreisleriana.

      Auf weitere Empfehlungen freue ich mich! Außerdem würde ich gerne die Zeiten von Kempff wissen, in denen er die beiden genannten Stücke spielt. Vielleicht verstehe ich hier ja irgendetwas noch falsch oder bin wegen Richter voreingenommen.

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Original von Cosima


      Ein Vergleich der Zeiten:

      „Verrufene Stelle“: Richter 3:16, Afanassiev 5:17

      Obgleich die Vortragsanweisung „ziemlich langsam“ lautet, zerstört m.E. Afanassiev die zugrunde liegende düstere, melancholische Poesie, indem er das Stück fast statisch gestaltet. Da fließt nichts, da gerät der Zusammenhang aus den Fugen.

      „Vogel als Prophet“: Richter 2:42, Afanassiev 6:11


      Ich sage ganz ehrlich: IMO hat Afanassiev dieses Schumann-Werk richtiggehend zerstört (frei nach dem Motto: Dem drücke ich nun meinen „Exzentrik-Afanassiev-Stempel“ auf); auch als Ganzes gesehen empfinde ich es bei ihm nicht als schlüssig. Für mich fast unvorstellbar nach seiner großartigen Interpretation der Kreisleriana.

      Auf weitere Empfehlungen freue ich mich! Außerdem würde ich gerne die Zeiten von Kempff wissen, in denen er die beiden genannten Stücke spielt. Vielleicht verstehe ich hier ja irgendetwas noch falsch oder bin wegen Richter voreingenommen.

      Gruß, Cosima


      "Verrufene Stelle" Kempff = Richter 3:16

      "Vogel als Prophet" Kempff 3:23

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Cosima
      Original von Zelenka
      "Verrufene Stelle" Kempff = Richter 3:16

      "Vogel als Prophet" Kempff 3:23


      Danke Dir! Vielleicht hatte Richter es beim Propheten-Vogel also etwas eilig, aber immerhin hat er ihn nicht sterben lassen. :)

      Gruß, Cosima


      Dafür sind wir Richter sicher alle sehr dankbar! :D

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Cosima
      Für mich fast unvorstellbar nach seiner großartigen Interpretation der Kreisleriana.


      Eigentlich gar nicht so unvorstellbar, wie ich zunächst annahm. Die acht Fantasiestücke der Kreisleriana sind an sich schon exzentrische Stücke. Ich habe eben nachgelesen, was Zelenka im Thread schrieb:

      Was Afanassiev angeht: In einem Überblick über die Kreisleriana-Interpretationen wird er unter der Rubrik "Exzentriker etc." geführt. Ich kenne die Interpretation nicht, aber es scheint mir zu Recht. Wie ich lese, mißachtet er völlig ein vom Komponisten vorgegebenes Tempo. Welche Vermessenheit, Schumann umschreiben zu wollen! Schumann überholen zu wollen, was romantische Zerrissenheit angeht? Grotesk!


      Siamak schrieb über Kreisler:

      Eine skurrile Erscheinung, ein Fanatiker, der an seinen Bedürfnissen und seiner Zerrissenheit zugrunde geht.


      Nehme ich beide Aussagen zusammen: In der Kreisleriana ergibt Afanassievs exzentrische Sichtweise einen Sinn für mich. Nicht so in den Waldszenen. Es scheint so, als habe der Pianist einfach fortgeführt, was er in der Kreisleriana begonnen hat. Ohne Rücksicht darauf, dass die Charakterstücke der Waldszenen ganz anders angelegt sind. Er hat quasi erneut seinen Kreisler losgeschickt; dieses Mal verkleidet als Jäger, Vogel bzw. als Beobachter der Szenerie. Ich glaube nicht, dass dies Schumanns Intention war und empfinde es daher – mit Zelenkas Worten – als vermessen und grotesk.

      Gruß, Cosima
    • Empfehlung von mir:
      Clara Haskil (1954), bei Philips erschienen

      Kempff ist mir beim Vogel als Prophet zu phlegmatisch. Auch der "Jäger auf der Lauer" ist mir zu lauwarm... Aber ich kenne nur eine Aufnahme mit ihm.

      Ebenfalls empfehlen kann ich Wilhelm Backhaus. Leider weiss ich nicht, von wann die Aufnahme ist. Jedenfalls schön transparent und plastisch.

      Satie
      Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis. - Oscar Wilde
    • Original von Satie

      Kempff ist mir beim Vogel als Prophet zu phlegmatisch. Auch der "Jäger auf der Lauer" ist mir zu lauwarm... Aber ich kenne nur eine Aufnahme mit ihm.

      Satie


      Nach der umfangreichsten Kempff-Diskographie (Stand 1995!) hat K. die Waldszenen nur einmal 1973 für DG eingespielt. Enthalten in der 4-CD-Box mit Schumann-Werken (Collectors Edition). Mit Deinem Urteil über das Temperament des Vogels bei Kempff bin ich natürlich nicht einverstanden.

      Kennt jemand Cortots Vogel von 1948? Soll "magic" sein.

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Cosima

      Nehme ich beide Aussagen zusammen: In der Kreisleriana ergibt Afanassievs exzentrische Sichtweise einen Sinn für mich. Nicht so in den Waldszenen. Es scheint so, als habe der Pianist einfach fortgeführt, was er in der Kreisleriana begonnen hat. Ohne Rücksicht darauf, dass die Charakterstücke der Waldszenen ganz anders angelegt sind. Er hat quasi erneut seinen Kreisler losgeschickt; dieses Mal verkleidet als Jäger, Vogel bzw. als Beobachter der Szenerie. Ich glaube nicht, dass dies Schumanns Intention war und empfinde es daher – mit Zelenkas Worten – als vermessen und grotesk.

      Gruß, Cosima


      Ich habe inzwischen auch noch Afanassievs Waldszenen gehört. Der "Vogel als Prophet" ist wirklich entsetzlich flügellahm. Zeitweise erinnerte mich das Spiel an die Manier, in der Saties Gymnopédies vorgetragen werden. Direkt anschließend an den Vogel ungeheuer übertriebener Tastendonner zu Anfang des Jagdlieds.

      Gruß,

      Zelenka
    • RE: Schumann: Waldszenen - Deutscher Wald mit doppeltem Boden

      Lieber Zelenka ,
      liebe Freunde unseres Schumann - Projektes !

      Siamak hat eine sehr gute Einführung verfasst .
      Die "Waldszenen" spielen in der Schumann - Literatur eine viel grössere bedeutung als man angesichts ihrer sehr seltenen Aufführung als gesamtwerk annehemen würde . Mitbegründet dürfte dies dadurch sein , dass dieses geschlossenen Ganze ( und keine willkürliche Aneinanderreihung von Miniaturen mit der um das immer wieder gespielte Stück "Der Vogel als Prophet" -, dem sich aber wohl in seiner einzigartigen Schönheit , seiner Luzidität , seiner Innigkeit und seiner makellosen reinheit der komposition , niemand entziehen kann ) auch in Zusammenhang damit gesehen werden muss , dass Robert Schumann lange nichts "Grosses" für Klavier solo komponiert hatte . Ob man von einem tatsächlichen "Spätwerk2 Schumanns sprechen kann und sollte , sei dahingestellt . ich persönlich meine auch nicht , dass dem Komponisten "die Ideen für Klavierkompositionen" ausgegangen waren .

      Zelenka hat es wundervoll formuliert : Berührende Schlichtheit des Ausdrucks ; grosses Mass an Poesie .. ständige Stimmungswechsel..." . Besser kann wohl niemand beschrieben und nachempfinden , w i e Schumanns Klaviermusik grundsätzlich aufgebaut ist . Und auch interpretiert werden sollte .

      Ich hatte früher auf die Interpretation durch Radu Lupu bei seinem Liveabend in Düsseldorf in diesem Jahr hingewiesen . Lupu hat all dies von Zelenka in schumanns Musik Erfasste und Beschriebene wundervoll gespielt . Es wäre dumm eine - ganz subjektive Feststellung der leichten Überbetonung der Poesie - hier zu diskutieren . Lupu hat das Gesamtwerk als einheit gespielt . Grosses Klavierspiel ( nicht nur für Düsseldorfer verhältnisse ! ) !

      Siamak hat interessanterweise in seiner Einführung seine Lieblingsinterpretation(en) nicht genannt ( was auch euinmal guttut ) .

      Ich möchte , ja muss mich nochmals Zelenka anschliessen und Wilhelm Kempffs Notentextexegese besonders hervorheben .

      Auserdem noch auf die Interpretation durch Aldo Ciccolini hinweisen . Auch wenn diese vielleicht zu einseitig die pure Posie überbetont .

      Cyprien Katsaris ist in beiden Aufnahmen leider fast unbeteiligt ( über die Jahre hinweg geblieben ) .

      Beste Grüsse ,
      F r a n k


    • Was Richters Aufnahme der Waldszenen angeht so schließe ich mich dem allgemeiner Tenor hier an. Pianistisch auf höchstem Niveau, aber in der Poesie der Aussage fehlt mri das doch einiges im Ausdruck und in der Gestalltung des deutschem Waldes.

      Hier und da klingt es eher wie die "schroffen" Wälder seiner Heimat :engel

      Muss ich dann doch noch die Kempff Aufnahme hören ? :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Rachmaninov

      Was Richters Aufnahme der Waldszenen angeht so schließe ich mich dem allgemeiner Tenor hier an. Pianistisch auf höchstem Niveau, aber in der Poesie der Aussage fehlt mri das doch einiges im Ausdruck und in der Gestalltung des deutschem Waldes.

      Hier und da klingt es eher wie die "schroffen" Wälder seiner Heimat :engel

      Muss ich dann doch noch die Kempff Aufnahme hören ? :D


      Ja, Richard, mußt Du! Da führt kein Weg dran vorbei! :D

      Gruß,

      Zelenka
    • @Siamak

      vielen Dank für Deine hervorragende Einführung in das Thema. Ich merke, dass mir dadurch ein ganz anderer Einstieg in diese wunderschöne Musik ermöglicht wird. :thanks

      Ich höre gerade die äußerst gefühlvolle Interpretation von Elisso Wirssaladze, die mir Richard empfohlen hat.



      - ich stehe geradezu im Wald - und bin berührt. :B

      Ich muss dann ein andermal mit Richter oder Afanassiev prüfen, ob ich einer besonderen Stimmung verfallen bin, oder ob es die Aufnahme ist.
      Walter