"Wahnsinnsszenen"

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Original von Jeremias
      Eine weitere Wahnsinnsszene: das Finale aus Tannhäuser.... meine armen Nachbarn, das lasse ich jetzt mal 1 Stunde wiederholt durchlaufen!


      Lieber Jeremias,
      ... sollte uns das Anlass zu Besorgnis geben?

      Herzliche Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Original von Jeremias
      Eine weitere Wahnsinnsszene: das Finale aus Tannhäuser.... meine armen Nachbarn, das lasse ich jetzt mal 1 Stunde wiederholt durchlaufen!


      Ja, das kann ich nachvollziehen. Leider ist die Szene viel zu kurz.
      Ich nehme an, Du meinst ab dem Einsatz mit "Hei! Hei! Der Gnade Wunder Heil!" bis Ende.

      Am besten gefällt es mir, wenn dieser Einsatz von einem (natürlich guten) Knabenchor gesungen wird. Glasklar und unschuldig. Anschliessend kommt der Männerchor wie eine Lawine und legt sich darüber. Der Knabenchor bleibt aber weiterhin höhrbar.
      Wird ein Frauenchor verwendet, fällt dieser Effekt immens ab.
      Solti und Sinopoli haben Knabenchöre. Ich kenne noch Sawallisch mit Frauenchor (glaube ich, weil lange nicht mehr gehört, LP).
      Wie ist's denn bei Barenboim ?

      Grüße
      Jürgen
    • Bruckner Achte, das Finale des Finales nach der GP ab T.647.
      So die letzten zwei bis zweieinhalb Minuten - oder über vier, wenn der Dirigent Celibidache heißt und man es als Hörer bis dahin geschafft hat :ignore

      :down

      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Hallo miteinander,

      vom Thread-Titel her glaubte ich die "echten" Wahnsinns-Szenen angesprochen. Da wäre natürlich die Lucia-Szene zu nennen oder auch mit Abstrichen der Wahn-Monolog des Hans Sachs.

      Ihr aber meintet "wahnsinnig schöne Musik" bzw. deren Aufnahmen.
      Und da habt Ihr alle Recht! Jede Nennung hat was; Solitaire schießt natürlich (wieder einmal) den Vogel ab. :engel Diese Dichterliebe ist einfach nicht zu toppen.
      :hello
      Mime mahnt:Nehmt euch in Acht! Alberich naht.
    • Die Holländer-Ouvertüre. Irgendwie habe ich Binnenländerin immer das Gefühl, die Brandung des Meeres zu hören und den salzigen Geruch wahrzunehmen.

      Und das "Salve Regina" aus den "Dialogues des Carmelites". Obwohl ich es mittlerweile unzählige Male gehört habe, jagt es mir immer noch Schauer über den Rücken
      Ein schlagend Herz ließ, ach, mir Satans Tücke
    • Original von LazarusLong
      Erlkönig von Wunderlich

      Mir kommen jedesmal die Tränen

      Frank


      Hallo Frank

      schön von dir mal wieder was zu hören.
      Huch, Erlkönig von Fritz Wunderlich, da ist wohl etwas an mir vorbeigegangen, und ich dachte ich habe einen ganz guten Überblick über seine (Lied)Aufnahmen, so kann man sich täuschen ?(.
      Kannst du mir sagen auf welcher CD das Lied drauf ist, ich habe auf die schnelle nichts finden können.
      :hello Jimi
    • @ Jimi

      Ist ein Sampler, den ich mal in irgendeiner Grabelkiste gefunden habe. Da mir nicht alles auf der CD gefallen hat, habe ich mir eine eigene CD gebrannt. Wenn ich wieder zuhause bin, kann ich ja mal nachsehen. Wenn ich mich allerdings richtig erinnere, waren auf der CD ausser Name, Titel und Spieldauer keine weiteren Angaben.

      Sorry

      Frank
      Difficile est satiram non scribere.
    • Original von LazarusLong
      @ Jimi

      Ist ein Sampler, den ich mal in irgendeiner Grabelkiste gefunden habe. Da mir nicht alles auf der CD gefallen hat, habe ich mir eine eigene CD gebrannt. Wenn ich wieder zuhause bin, kann ich ja mal nachsehen. Wenn ich mich allerdings richtig erinnere, waren auf der CD ausser Name, Titel und Spieldauer keine weiteren Angaben.

      Sorry

      Frank


      Danke für die schnelle Antwort, ich werde selber auch weitersuchen, ich habe zwar momentan Berufsbedingt wenig Zeit, aber diese Aufnahme interessiert mich wirklich sehr. BTW höre dir mal den Erlkönig von Alexander Kipnis auf youtube an, für mich eine der allerbesten Aufnahmen dieses Stückes

      :hello Jimi
    • Interessant finde ich die Frage, ob es zwischen verschiedenen, häufig genannten "Wahnsinnsszenen" - ich verstehe darunter Momente, in denen beim Hörer unkontrollierbare Reaktionen auftreten, z.B. Gänsehaut - irgendwelche Gemeinsamkeiten gibt. Da Wissenschaftler heutzutage scheinbar alles erforschen, gibt es auch hierzu eine Studie, deren Zusammenfassung man in der Zeitschrift Gehirn & Geist, Ausgabe 01/02 2007 nachlesen kann.
      Um den Gänsehautfaktor zu ermitteln, wurden die Probanden verkabelt, alles mögliche von Hautleitwert bis Puls gemessen und Protokolle, welche die subjektiven Empfindungen beschreiben, angefertigt. Nach der Datenverdichtung -das ist der Teil, in dem man fast jede Studie auf ein gewünschtes Ergebnis lenken kann- kam grob gesagt und wenig überraschend heraus, dass es die universelle Gänsehautszene nicht gibt, dass aber durchaus Verbindendes gefunden werden kann, das die Chancen, dass eine Musikpassage als "Wahnsinn" empfunden wird, erhöht.
      Im einzelnen sind dies:
      • Verletzung von Erwartungen, Einsatz von etwas Neuem
      • Erster Einsatz einer Solostimme oder des Chors
      • Erkennen von Strukturen durch wiederkehrende Motive und Tonfolgen
      • Änderung der Lautstärke, inbesondere im hörkritischen Frequenzbereich

      Ich habe selbst einige meiner persönlichen Wahnsinnszenen unter die Lupe genommen und fand in den meisten Fällen mindestens 3 der 4 Punkte präsent, wenn ich die Erweiterung vornehme, dass der erste Einsatz auch von einem Soloinstrument kommen kann.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Original von Dox Orkh
      Interessant finde ich die Frage (...)


      .. wohl als einziger, was mich nicht davon abhält, noch etwas darüber zu monologisieren.
      Von besonderer Bedeutung halte ich den Punkt
      • Verletzung von Erwartungen, Einsatz von etwas Neuem.
      Damit kann erklärt werden, warum Aufnahmen / Werke häufig beim ersten Hören einschlagen und sich dann ziemlich schnell abnutzen. Besonders im Bereich der gehobenen U-Musik kommt es häufig vor, dass mich eine CD vor allem dadurch packt, dass häufig Unerwartetes passiert. Nach ein paar mal hören ist der Effekt verpufft und wenn das Werk sonst nichts Substanzielles mehr zu bieten hat, ist der Fall erledigt. Ist die unter manchen von uns grassierende milde "Sucht" nach immer neuen CDs nicht auch damit zu erklären, dass wir ständig diesen Gänsehaut-Effekt suchen? Randbemerkung: Demnach ist es eigentlich eine riesige Verschwendung, eine neue Aufnahme, insbesondere ein völlig unbekanntes Werk anfangs erst mal nebenher laufen zu lassen um es dann später intensiv anzuhören.

      Bei komplexer Musik kann man mit der Zeit immer neue Dinge und Zusammenhänge entdecken und bleibt damit über den Punkt
      • Erkennen von Strukturen durch wiederkehrende Motive und Tonfolgen
      auch nach mehrfachem Hören noch gefesselt. Besonders Stücke aus der "modernen" Klassik, die durch implizites Lernen beim Mehrfachhören unbewußt immer besser erfasst werden (auch dazu gibt es eine Studie), laufen praktisch nie Gefahr, dass sie sich abnutzen (wenn man sie denn überhaupt nutzt).

      Um nun zu diesem Thread endlich auch eine Wahnsinnsszene beizutragen nehme ich exemplarisch den langsamen Satz aus der 4. Sinfonie von Brahms. Die Stelle, nachdem der Aufruhr des Mittelteils ermattet ist und der Hornruf erklingt. Zu beschreiben, wie mich diese Passage beim erstmaligen Hören gepackt hat, ist unmöglich. Zu erklären warum, ist jetzt leicht.
      Es ist ein neuer Abschnitt, es ist ein Soloinstrument, es ist die Wiederholung des Anfangsmotives und es ist -nachdem die Musik zuvor quasi verstummt war- eine Lautstärkesteigerung. Und leider stimmt auch, dass schon das zweite Hören nur noch halb so effektvoll war.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ein paar habe ich noch:

      • Turandot: Signore ascolta (Liu) mit Barbara Hendricks Gänsehaut erzeugt bei mir insbesondere ihr letzter Ton, der erst lauter und dann wieder leiser wird.
      • Tristan & Isolde: Einsam wachend, Christa Ludwig
      • Scheherazade: Letzter Satz, Solo-Violine gegen Ende
      • Mahler 6: Der letzte Hammerschlag
      • Mahler 3: 3.Satz Comodo, die letzten 90 Sekunden, nachdem man vom Posthorn eingelullt wurde.

      @ Dox: in welche Schublade würdest Du die denn stecken ?


      Grüße
      Jürgen
    • Nachdem ich ihn lange Zeit nicht mehr, und dann in der letzen Woche gleich zweimal gehört habe, ist mir eine weitere Gänsehaut erregende "Wahnsinns-"Szene eingefallen:
      "Dio che nell'alma infondere", Posas und Carlos' Treueschwur in Verdis "Don Carlo".
      Nikolaus hat recht: es packt einen immer wieder. :down
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)
    • Benutzer online 3

      3 Besucher