"Wahnsinnsszenen"

    • Original von Jürgen
      Ein paar habe ich noch:

      • Turandot: Signore ascolta (Liu) mit Barbara Hendricks Gänsehaut erzeugt bei mir insbesondere ihr letzter Ton, der erst lauter und dann wieder leiser wird.
      • Tristan & Isolde: Einsam wachend, Christa Ludwig
      • Scheherazade: Letzter Satz, Solo-Violine gegen Ende
      • Mahler 6: Der letzte Hammerschlag
      • Mahler 3: 3.Satz Comodo, die letzten 90 Sekunden, nachdem man vom Posthorn eingelullt wurde.

      @ Dox: in welche Schublade würdest Du die denn stecken ?


      Grüße
      Jürgen


      Peinlich! Da wird ein Uralt-Faden ausgegraben und ich muss feststellen, dass ich seinerzeit wohl eine Frage überlesen und nicht beantwortet behabe. Für solcherlei Unhöflichkeiten wurde hier in der Vergangenheit schon die eine oder andere virtuelle Kopfnuss verteilt.

      Ja, der Schluss von Mahlers 6. ist natürlich DIE Wahnsinnszene schlechthin. Die unerbittlichste Umsetzung, die ich kenne, hat Yoel Levi in der finsteren Verbindung mit den Telarc-Klangingenieuren zustande gebracht. Ich weiß nicht, wieviele Besucher ich damit schon zum Zusammenfahren gebracht habe.
      Was die Schubladen angeht, passen die erste und die letzte (Verletzung von Erwartungen durch plötzliche Lautstärkeänderung) und damit streng genommen eine zu wenig für eine Klassifikation als Wahnsinnszene. Aber wenn man es gehört und danach den Herzschlag überprüft hat, werden solche theoretischen Überlegungen zweitrangig. :cool
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Mir fällt spontan ein:

      - Das Bläser (Posaunen-)motiv aus Richard Strauss' Alpensinfonie am Anfang, Ende und in der Mitte - es erscheint mir wie eine große Verbeugung vor der Natur und erfasst mich stets mit großer Eindringlichkeit (v.a. in der Aufnahme mit C. Thielemann)

      - Die Schluss/Sterbeszene aus Modest Mussorgsky's Boris Godunow, unheimlich packend umgesetzt von B. Christoff (zB in der bei EMI erhältlichen Aufnahme der Great Recordings-Reihe)

      ... u.v.m. ...
    • Der "Boris" hat für mich auch eine ganze Reihe von "Wahnsinnsszenen"...

      Was mir gerade einfiel war der Schluss von Alban Bergs "Wozzeck", wo Wozzeck, nachdem er Marie ermordet hat, in diese Schenke kommt. Dieser Moment haut mich jedesmal um.
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    • Also mir ist da gerade auch so eine Wahnsinnsszene, und zwar auch mal eine in der Klaviermusik, eingefallen. Und zwar im ersten Satz von Schuberts B-Dur Sonate. Die Stelle ist nicht besonders laut, oder unerwartet oder so, hat aber trotzdem eine unglaubliche Stimmung.

      Ich meine die ganze Passage in der Durchführung vor Beginn der Reprise.
      Die Musik wird plötzlich sehr einfach. Immer D-moll in der linken Hand und dazu die Anfangsmelodie (natürlich auch in Moll) und im Bassschlüssel immer diese Triller...
      Die Musik kreist hier nur um sich selber.

      Grüße
      von
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • Hallo zusammen,

      hier fällt mir spontan "Der Gang zum Richtplatz" ein, der 4. Satz aus Berlioz' Fantastischer Sinfonie :D , ein eindrucksvoller Wahnsinns-Marsch.

      Erholen kann man sich danach ja notfalls bei dem allerliebsten Walzer, 3. Satz, aus Tschaikowski's 5. Sinfonie, den ich auch zu den Wahnsinns-Sätzen zähle.
      Viele Grüße aus München
      Rainer
    • Poztupimi schrieb:

      Bruckner Achte, das Finale des Finales nach der GP ab T.647.
      So die letzten zwei bis zweieinhalb Minuten - oder über vier, wenn der Dirigent Celibidache heißt und man es als Hörer bis dahin geschafft hat :ignore

      :down

      Wolfgang
      ich bin ehrlich gesagt zu faul nachzuschauen, aber ich nehme an, dass das die Stelle ist, wo die Streicher die legato Achtel nach oben haben. Da stimme ich dir absolut zu, obwohl ich sonst kein Riesen Bruckner Fan bin. Insbesondere mit Celi ist das "der Wahnsinn".

      Ansonsten: Der Anfang vom 2. Satz aus Tchaikvoskys 5. Symphonie, ungefähr bis zum Horneinsatz oder kurz danach, berührt mich auch jedes Mal bis ins innerste.

      Und aus Richard Strauß Violinsonate, ebenfalls der zweite Satz: Kurz bevor das Thema zum zweiten Mal kommt, wo die Arpeggien im Klavier von f-moll nach E-Dur wechseln.

      Edit: Und, wo ich grade nochmal den Startpost sehe: Der Beginn des Finales von Shosta 5 ist zwar auch super, aber noch viel unglaublicher finde ich den Anfang des 3. Satzes.



      Edit2: Allerdings, das fällt mir gerade passenderweise ein: Vor einigen Jahren war ich mit einer Bekannten in einem Quartettkonzert. Ich weiß gar nicht mehr wer gespielt hat oder was genau, aber die erste Hälfte hat uns sehr gut gefallen. Nach der Pause aber gabs Beethoven, ich glaube, Op. 59/3, und sie sagte anschließend: "Egal was für großartige Musik man gerade gehört hat, wenn danach Beethoven kommt, ist das alles nichts mehr." Und ich muss sagen, genau so gehts mir auch. Ich kann jede dieser von mir oder anderen genannten Szenen hören, aber wenn ich danach das z. B. Eroica, Violinkonzert, 4. Symphonie oder die 10. Violinsonate einschalte, ist alles andere klein und vergessen.
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
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