Brahms - Vier Balladen Op. 10

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    • Brahms - Vier Balladen Op. 10

      Die Vier Balladen op. 10 stellen einen Höhepunkt des Brahmsschen Klavierschaffens dar und sind zugleich ein sehr persönliches Zeugnis. Die Freundschaft zu Robert Schumann nahm Anfang des Jahres 1854 einen tragischen Verlauf, als sich dessen Gemütsleiden verschlimmerte und er kurz darauf in die Nervenheilanstalt eingewiesen werden musste. Unter dem Eindruck von Trauer und Schmerz schrieb der junge Brahms seine Vier Balladen; gewidmet sind sie dem Komponisten und Dirigenten Julius Otto Grimm.

      Erwähnt sei noch, dass Brahms Inspiration durch die schottische Ballade „Edward“ erhielt, die Geschichte eines Vatermordes (in J.G. Herders „Stimmen der Völker in Liedern“). Dieses Gedicht, in Form eines Dialogs zwischen einer Mutter und ihrem Sohn, verarbeitete Brahms in seiner 1. Ballade.

      Ich liebe sie sehr, diese teils düsteren, teils märchenhaft-unwirklichen Balladen, die so zart und so ausdrucksvoll daher kommen! - Aufnahmen liegen mir vor von Julius Katchen, Emil Gilels, Wilhelm Kempff, Grigory Sokolov und Nicholas Angelich. Ich werde noch detaillierter dazu schreiben.

      Welches sind Eure liebsten Aufnahmen dieser anrührenden Stücke? Hört Ihr sie auch so gerne?

      Gruß, Cosima
    • Brahms - Vier Balladen Op. 10

      Die Vier Balladen op. 10 stellen einen Höhepunkt des Brahmsschen Klavierschaffens dar und sind zugleich ein sehr persönliches Zeugnis. Die Freundschaft zu Robert Schumann nahm Anfang des Jahres 1854 einen tragischen Verlauf, als sich dessen Gemütsleiden verschlimmerte und er kurz darauf in die Nervenheilanstalt eingewiesen werden musste. Unter dem Eindruck von Trauer und Schmerz schrieb der junge Brahms seine Vier Balladen; gewidmet sind sie dem Komponisten und Dirigenten Julius Otto Grimm.

      Erwähnt sei noch, dass Brahms Inspiration durch die schottische Ballade „Edward“ erhielt, die Geschichte eines Vatermordes (in J.G. Herders „Stimmen der Völker in Liedern“). Dieses Gedicht, in Form eines Dialogs zwischen einer Mutter und ihrem Sohn, verarbeitete Brahms in seiner 1. Ballade.

      Ich liebe sie sehr, diese teils düsteren, teils märchenhaft-unwirklichen Balladen, die so zart und so ausdrucksvoll daher kommen! - Aufnahmen liegen mir vor von Julius Katchen, Emil Gilels, Wilhelm Kempff, Grigory Sokolov und Nicholas Angelich. Ich werde noch detaillierter dazu schreiben.

      Welches sind Eure liebsten Aufnahmen dieser anrührenden Stücke? Hört Ihr sie auch so gerne?

      Gruß, Cosima
    • @Cosima,

      Brahms Balladen op.10 sind wunderschön, dennoch oder gerade deshalb höre ich die tieftraurigen Werke verhältnismäßig wenig.

      Eine der drei mir zu Verfügung stehenden Aufnahmen ist die bereits von Dir genannt Aufnahme von G. Sokolov.



      Sokolov's live Aufnahme vermittelt eine unglaubliche intime udn ergreifende Atmosphäre. Feinstes Klavierspiel und eine Zartheit gepaart mit kraftvollem dynamischen Zugriff. :down
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Cosima,

      Brahms Balladen op.10 sind wunderschön, dennoch oder gerade deshalb höre ich die tieftraurigen Werke verhältnismäßig wenig.

      Eine der drei mir zu Verfügung stehenden Aufnahmen ist die bereits von Dir genannt Aufnahme von G. Sokolov.



      Sokolov's live Aufnahme vermittelt eine unglaubliche intime udn ergreifende Atmosphäre. Feinstes Klavierspiel und eine Zartheit gepaart mit kraftvollem dynamischen Zugriff. :down
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Valery Afanassiev's Einspielung finde ich in den emotional ergreifenden Augenblicken sehr gelungen.
      Allerdings wird hier und da aufgrund des stärkeren Pedaleinsatzes insb. bei kraftvollem Zugriff die Balladen etwas "verwischt".

      Insgesamt empfinde ich die Brahms Aufnahmen von Afanassiev sehr gelungen, allerdings empfinde ich die live Aufnahme von Sokolov "zwingender"!

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Valery Afanassiev's Einspielung finde ich in den emotional ergreifenden Augenblicken sehr gelungen.
      Allerdings wird hier und da aufgrund des stärkeren Pedaleinsatzes insb. bei kraftvollem Zugriff die Balladen etwas "verwischt".

      Insgesamt empfinde ich die Brahms Aufnahmen von Afanassiev sehr gelungen, allerdings empfinde ich die live Aufnahme von Sokolov "zwingender"!

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      Administrator: Das Klassikforum
    • liebe Cosima,

      herzlichen dank für diesen wichtigen thread. die vier balladen op. 10 gehören zu den am häufigsten gespielten klavierwerken des komponisten. ich selber versuchte mich während der schulzeit an der ersten ballade. ein schulkamerad, der nun pianist, flötist und dirigent ist, spielte das stück während unserer abiturfeier. er patzte im mittelteil und hatte im prinzip einen 'blackout' !

      meine lieblingsballade ist die dritte in h-moll. völlig entrückt und wehmütig klingt dabei der mittelteil. gerade emil gilels gelingt es in einer live-aufnahme aus dem prag der 60er jahre durch ein ausgeprägtes ritardando (verzögerung), den hörer fassungslos zu machen. :down

      im übrigen kenne ich bei diesen werken keine schlechte interpretationen: emil gilels (DG und live bei praha), sokolov (s.o.), arthur rubinstein (RCA), gerhard oppitz (BMG), arturo benedetti michelangeli (DG), glenn gould (CBS/sony), stephen hough (hyperion).

      meine favoriten: emil gilels und glenn gould !

      gruß, siamak :engel
    • liebe Cosima,

      herzlichen dank für diesen wichtigen thread. die vier balladen op. 10 gehören zu den am häufigsten gespielten klavierwerken des komponisten. ich selber versuchte mich während der schulzeit an der ersten ballade. ein schulkamerad, der nun pianist, flötist und dirigent ist, spielte das stück während unserer abiturfeier. er patzte im mittelteil und hatte im prinzip einen 'blackout' !

      meine lieblingsballade ist die dritte in h-moll. völlig entrückt und wehmütig klingt dabei der mittelteil. gerade emil gilels gelingt es in einer live-aufnahme aus dem prag der 60er jahre durch ein ausgeprägtes ritardando (verzögerung), den hörer fassungslos zu machen. :down

      im übrigen kenne ich bei diesen werken keine schlechte interpretationen: emil gilels (DG und live bei praha), sokolov (s.o.), arthur rubinstein (RCA), gerhard oppitz (BMG), arturo benedetti michelangeli (DG), glenn gould (CBS/sony), stephen hough (hyperion).

      meine favoriten: emil gilels und glenn gould !

      gruß, siamak :engel
    • Auch von mir einen herzlichen Dank für diesen Faden an Cosima! - Ich genieße im Moment generell vielleicht mehr die entspannte vierte Ballade, jedenfalls ist Edward wohl nicht mein Favorit. Bei mir sind nur drei Pianisten vertreten, allerdings einer von ihnen gleich dreimal: Wilhelm Kempff. Ich habe zum eine Aufnahme von ihm aus dem Jahre 1953 (Decca, jetzt in einer DG Original Masters-Box) und zwei vom Anfang der 70er, eine Studioaufnahme (DG) und eine Live-Aufnahme (BBC Legends). Vorzuziehen ist im ganzen die frühe Aufnahme (in gutem Mono). Hier läßt sich Kempff etwas mehr Zeit als in seinen späteren Jahren, die Details werden deutlicher von ihm herausgearbeitet, insgesamt ist der Eindruck weit poetischer als in den 70ern. In Edward ganz überraschend stellenweise ein recht muskulöses Spiel von Kempff. Noch langsamer als selbst der frühe Kempff sind die beiden anderen Pianisten, die bei mir vertreten sind: Gilels (DG) und Michelangeli (DG). Letztlich ist es vielleicht die Aufnahmequalität, die den Ausschlag gibt: Michelangeli ist hier gut bedient worden, sein Spiel ist zur Abwechslung einmal nicht nur kalt und analytisch, im Gegenteil!

      Gruß,

      Zelenka
    • Auch von mir einen herzlichen Dank für diesen Faden an Cosima! - Ich genieße im Moment generell vielleicht mehr die entspannte vierte Ballade, jedenfalls ist Edward wohl nicht mein Favorit. Bei mir sind nur drei Pianisten vertreten, allerdings einer von ihnen gleich dreimal: Wilhelm Kempff. Ich habe zum eine Aufnahme von ihm aus dem Jahre 1953 (Decca, jetzt in einer DG Original Masters-Box) und zwei vom Anfang der 70er, eine Studioaufnahme (DG) und eine Live-Aufnahme (BBC Legends). Vorzuziehen ist im ganzen die frühe Aufnahme (in gutem Mono). Hier läßt sich Kempff etwas mehr Zeit als in seinen späteren Jahren, die Details werden deutlicher von ihm herausgearbeitet, insgesamt ist der Eindruck weit poetischer als in den 70ern. In Edward ganz überraschend stellenweise ein recht muskulöses Spiel von Kempff. Noch langsamer als selbst der frühe Kempff sind die beiden anderen Pianisten, die bei mir vertreten sind: Gilels (DG) und Michelangeli (DG). Letztlich ist es vielleicht die Aufnahmequalität, die den Ausschlag gibt: Michelangeli ist hier gut bedient worden, sein Spiel ist zur Abwechslung einmal nicht nur kalt und analytisch, im Gegenteil!

      Gruß,

      Zelenka
    • Hallo allerseits,

      ich kann mich Siamaks Statement anschließen: Eigentlich sind alle meine Aufnahmen der Balladen durchaus hörenswert, obgleich sie sehr unterschiedlich interpretiert sind.

      Julius Katchen bietet eine eher zupackende, raschere, aber sehr ausdrucksstarke Interpretation.

      Etwas im Gegensatz dazu Nicholas Angelich, der weniger romantisch, dafür eher nüchtern und neutral, gelegentlich auch etwas abgehackt und ruppig spielt. Insgesamt wirkt Angelichs Interpretation etwas lieblos heruntergespielt auf mich.

      Sokolov spielt zart und innig, mir fehlt aber etwas der Vorwärtsdrang.

      Mit Wilhelm Kempff habe ich am meisten Probleme: Er spielt die langsameren Passagen ganz wunderbar, wirkt aber etwas angestrengt und überfordert, sobald mehr Temperament gefordert ist. (Entschuldigung, Zelenka. :( )

      Meine liebste Version ist jene mit Emil Gilels (DG)!

      Sehr schade ist, dass es keine Aufnahme von Richter gibt. Obgleich der Zyklus m.E. als solcher zusammen gehört und nicht zerstückelt werden sollte, sind auf Tonträger scheinbar nur einzelne Balladen von ihm erhältlich.

      Gruß, Cosima
    • Hallo allerseits,

      ich kann mich Siamaks Statement anschließen: Eigentlich sind alle meine Aufnahmen der Balladen durchaus hörenswert, obgleich sie sehr unterschiedlich interpretiert sind.

      Julius Katchen bietet eine eher zupackende, raschere, aber sehr ausdrucksstarke Interpretation.

      Etwas im Gegensatz dazu Nicholas Angelich, der weniger romantisch, dafür eher nüchtern und neutral, gelegentlich auch etwas abgehackt und ruppig spielt. Insgesamt wirkt Angelichs Interpretation etwas lieblos heruntergespielt auf mich.

      Sokolov spielt zart und innig, mir fehlt aber etwas der Vorwärtsdrang.

      Mit Wilhelm Kempff habe ich am meisten Probleme: Er spielt die langsameren Passagen ganz wunderbar, wirkt aber etwas angestrengt und überfordert, sobald mehr Temperament gefordert ist. (Entschuldigung, Zelenka. :( )

      Meine liebste Version ist jene mit Emil Gilels (DG)!

      Sehr schade ist, dass es keine Aufnahme von Richter gibt. Obgleich der Zyklus m.E. als solcher zusammen gehört und nicht zerstückelt werden sollte, sind auf Tonträger scheinbar nur einzelne Balladen von ihm erhältlich.

      Gruß, Cosima
    • Original von Cosima
      Hallo allerseits,


      Mit Wilhelm Kempff habe ich am meisten Probleme: Er spielt die langsameren Passagen ganz wunderbar, wirkt aber etwas angestrengt und überfordert, sobald mehr Temperament gefordert ist. (Entschuldigung, Zelenka. :( )

      Meine liebste Version ist jene mit Emil Gilels (DG)!


      Gruß, Cosima


      :D Ich trags mit Fassung! Kein Problem!

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Cosima
      Hallo allerseits,


      Mit Wilhelm Kempff habe ich am meisten Probleme: Er spielt die langsameren Passagen ganz wunderbar, wirkt aber etwas angestrengt und überfordert, sobald mehr Temperament gefordert ist. (Entschuldigung, Zelenka. :( )

      Meine liebste Version ist jene mit Emil Gilels (DG)!


      Gruß, Cosima


      :D Ich trags mit Fassung! Kein Problem!

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Zelenka
      Gilels (DG) und Michelangeli (DG). Letztlich ist es vielleicht die Aufnahmequalität, die den Ausschlag gibt: Michelangeli ist hier gut bedient worden, sein Spiel ist zur Abwechslung einmal nicht nur kalt und analytisch, im Gegenteil!


      Balladen? Gilels und ABM bei der DG? Habe ich da irgend etwas versäumt? Ich kenne Gieles Live bei Russian Revelations und zwei Live-Aufnahmen mit ABM bei aura, von denen eine (die aus der "seven wonders" box) absolut phantastisch ist.

      Meine drei Favoriten, je nach Laune, ob mir nach Kraft, fast zerbrechlicher Einfühlsamkeit oder aber lebendigem Klang zumute ist:

      Gilels (Russian Revelation)
      Gould (sony)
      ABM (aura)

      Sehr mag ich sonst noch die von Sokolov. allgemein muss ich siamak zustimmen, wenn er schreibt: im übrigen kenne ich bei diesen werken keine schlechten interpretationen. Von Richter und Backhaus habe ich leider nur Ausschnitte. Gibt es eigentlich eine Aufnhmen von Gieseking?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Original von Zelenka
      Gilels (DG) und Michelangeli (DG). Letztlich ist es vielleicht die Aufnahmequalität, die den Ausschlag gibt: Michelangeli ist hier gut bedient worden, sein Spiel ist zur Abwechslung einmal nicht nur kalt und analytisch, im Gegenteil!


      Balladen? Gilels und ABM bei der DG? Habe ich da irgend etwas versäumt? Ich kenne Gieles Live bei Russian Revelations und zwei Live-Aufnahmen mit ABM bei aura, von denen eine (die aus der "seven wonders" box) absolut phantastisch ist.

      Meine drei Favoriten, je nach Laune, ob mir nach Kraft, fast zerbrechlicher Einfühlsamkeit oder aber lebendigem Klang zumute ist:

      Gilels (Russian Revelation)
      Gould (sony)
      ABM (aura)

      Sehr mag ich sonst noch die von Sokolov. allgemein muss ich siamak zustimmen, wenn er schreibt: im übrigen kenne ich bei diesen werken keine schlechten interpretationen. Von Richter und Backhaus habe ich leider nur Ausschnitte. Gibt es eigentlich eine Aufnhmen von Gieseking?
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

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    • RE: Brahms - Vier Balladen Op. 10

      Liebe Cosima ,

      Arrau , Katchen ,Lupu , Sokolov .

      Provozierend : Gould , den ich ja sonst nicht so sehr schätze ( als Pianisten ) .

      Alles Gute !

      F r a n k

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ganong ()

    • RE: Brahms - Vier Balladen Op. 10

      Liebe Cosima ,

      Arrau , Katchen ,Lupu , Sokolov .

      Provozierend : Gould , den ich ja sonst nicht so sehr schätze ( als Pianisten ) .

      Alles Gute !

      F r a n k

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