Der Tod als Freund? Mozarts Requiem

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    • Der Tod als Freund? Mozarts Requiem

      "Ich lege mich nie zu Bette ohne zu bedenken, dass ich vielleicht (so jung ich bin) den andern Tag nicht mehr sein werde." So schrieb Mozart bereits als 31-jähriger an seinen schwer kranken Vater. Um gleich darauf fortzufahren, der Tod sei " der wahre, beste Freund des Menschen". Nur wenige Jahre später sollte Mozart dann an seiner eigenen Totenmesse schreiben, ohne sie noch vollenden zu können.






      Es gibt wohl nur wenige Werke in der Musikgeschichte, um die sich ähnlich viele Legenden, Halbwahrheiten, Spekulationen und Vermutungen ranken wie um dieses Requiem, KV 626 - nicht zuletzt der Amadeus-Film aus den Achtzigern hat dazu beigetragen. Bei dem im Film unbekannt bleibenden Auftraggeber des Werks handelte es sich um einen gewissen Franz Graf von Walsegg-Stuppach, der die Gewohnheit hatte, fremde Kompositionen als seine eigenen auszugeben und deshalb bei der Bestellung auf Anonymität größten Werk legte. Mozart nahm den Auftrag an, vielleicht, weil er einfach das Geld brauchte, vielleicht, weil ihn die kompositorische Auseinandersetzung mit der Thematik gereizt hat, vielleicht aber auch, weil er zu diesem Zeitpunkt seinen eigenen Tod bereits vorausahnte - wer weiß das schon.

      Fest steht, dass er das Werk nicht vollenden konnte, nur ein Teil der Partitur stammt ausschließlich von ihm, alles weitere hat sein Schüler Franz Xaver Süßmayr auf Wunsch von Constanze Mozart erst später hinzugefügt, teilweise nach Mozarts Skizzen.




      Das sieht im Detail dann so aus:

      - Introitus: Mozart
      - Kyrie: Mozart
      - Sequenz: in den wesentlichen Stimmen von Mozart skizziert, von Süßmayr ausgeführt und instrumentiert
      - Offertorium: ebenfalls von Mozart skizziert, von Süßmayr vervollständigt
      - Sanctus: Süßmayr
      - Benedictus: Süßmayr
      - Agnus Dei: Süßmayr
      - Communio/Lux eterna: wieder Mozart; Süßmayr lässt das Werk mit der Doppelfuge aus dem Kyrie schließen.

      Ob diese Ergänzungen von Süßmayr nun gelungen, nur teilweise gelungen oder rundum missglückt sind, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Insbesondere die recht kurz geratene "Osanna"-Fuge im Sanctus wird überwiegend als äußerst schwach angesehen. Wichtiger und lohnender scheint mir allerdings das Nachdenken über den von Mozart komponierten Teil des Requiems zu sein.





      Schon die Instrumentierung des Werks ist sehr ungewöhnlich, Flöten, Oboen und Klarinetten fehlen ganz, der Klang wirkt dadurch dunkel, ernst und herb. Bereits die verhaltenen ersten Takte des Introitus machen es sehr deutlich - hier geht es um eine Totenmesse. Wer sich das Werk erschließen will, wird daher nicht umhin kommen, sich auch auf den mit ihm vertonten Text einzulassen - mag er für unsere Ohren noch so fremd bis befremdlich klingen.

      Nur durch diesen traditionellen, lateinischen Text wird nämlich verständlich, welche Ängste und Hoffnungen Mozart und seine Zeitgenossen im Hinblick auf den Tod umtrieben, wie sie buchstäblich schwankten zwischen Hoffen und Bangen, Zittern und Zagen vor dem Gericht Gottes (großartig: die Dies-Irae-Fuge), immer wieder durchbrochen und relativiert durch die Zuversicht, das Vertrauen auf die Gnade Gottes (unglaublich anrührend beispielsweise das von den Solisten im Quartett gesungene Recordare) - dieser Spagat zwischen Todesangst und Erlösungshoffnung ist von Mozart in großartiger Weise gestaltet und durchzieht im Grunde das gesamte Werk. Ob und wie Mozart selbst diese Spannung aufgelöst hätte, wissen wir nicht. Der von Süßmayr, nicht Mozart, für das Lux eterna gewählte Abschluss, der wieder auf den Anfang verweißt, lässt diese Frage letztlich offen. .

      Wie empfindet Ihr das? Hört Ihr eher Hoffnung oder Todesangst in diesem Requiem? Oder spielt es für Euch gar keine so große Rolle, dass es hier um eine Totenmesse geht? Alfred Einstein beantwortet diese Frage übrigens recht eindeutig. Er schreibt: "... Und dennoch: Durch die Wiederkehr des ... Lux aeternea wird ... die Zwiespältigkeit des Ganzen einigermaßen - nicht ganz - überwunden. Der Gesamteindruck haftet. Der Tod ist kein Schrecken, sondern ein Freund."

      Und was ist mit den von Süßmayr hinzugefügten Teilen. Stören die, sollte man sie am besten ganz weglassen oder fällt der Unterschied gar nicht so stark ins Gewicht?

      Nicht zuletzt: In welcher Aufnahme kennt und hört Ihr Mozarts Requiem?

      Mit Gruß von Carola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carola ()

    • RE: Der Tod als Freund? Mozarts Requiem

      Original von Carola

      Nur durch diesen traditionellen, lateinischen Text wird nämlich verständlich, welche Ängste und Hoffnungen Mozart und seine Zeitgenossen im Hinblick auf den Tod umtrieben, ...
      Wie empfindet Ihr das? Hört Ihr eher Hoffnung oder Todesangst in diesem Requiem?

      Und was ist mit den von Süßmayr hinzugefügten Teilen. Stören die, sollte man sie am besten ganz weglassen oder fällt der Unterschied gar nicht so stark ins Gewicht?

      Nicht zuletzt: In welcher Aufnahme kennt und hört Ihr Mozarts Requiem?

      Mit Gruß von Carola


      Hallo Carola,

      vielen Dank für diese schlüssige Einführung, die sich sehr angenehm liest!

      Gerade weil der Text des Requiems so wichtig ist, kann auf eine Ergänzung und Vervollständigung m. E. nicht verzichtet werden; als Fragment wäre das Requiem einfach sinnlos. Welche Fassung man da wählt, finde ich gar nicht so entscheidend - alle haben wohl stärkere und schwächere Stellen. Die Wissenschaft konnte sich ja offenbar noch nicht einigen, welche die "richtigste" ist.

      Nimmt man den ganzen Text, so zeigt sich eben, dass das Zittern und Fürchten nur ein Durchgangsstadium ist. Ich finde Mozarts Requiem eigentlich gar kein so wahnsinnig individuelles Werk. Programmatisch meine ich, als Komposition sind die eigenhändigen Teile natürlich umwerfend. Aber eine persönliche "Botschaft" des Komponisten, die über das Konventionelle hinausgeht, kann ich nicht erkennen. Das spätere, viel schlichtere Cherurubini-Requiem in d-moll etwa scheint mir viel persönlicher und berührt mich auch mehr.

      Meine liebste Aufnahme des Mozart-Requiems ist eine ziemlich raue, eher halb-professionelle. Sie ist 1992 bei Christophorus erschienen und bringt eine Neufassung von Richard Maunder. Das ganze deutet eine lateinische Totenmesse um 1790 ein, d. h. es integriert auch gregorianische Zwischenstücke (Oratio-Epistola-Evangelium-Praefatio-Pater noster-Postcommunio) dazu Läuten der Totenglocke und der Wandlungsglocke zwischen Sanctus und Pater noster. Somit ist das Requiem wirklich als liturgische Gebrauchsmusik verständlich, wie es ja von Mozart gedacht war. Aber auch ästhetisch gewinnt die Musik durchaus, da durch den Kontext stärkere Kontraste erfahrbar werden. Die Ausführenden (Cantoria Plagensis - Erstes Barockorchester Heilienberg unter Rupert Friedberger) sind nicht gerade erste Sahne, aber das dürften die Kirchenmusiker, für die das Werk entstand, ja wahrscheinlich auch nicht gewesen sein.

      Wenn es lieber eine "Konzertsaal"-Fassung sein soll, dann bevorzuge ich die ziemlich exzentrische, schwer-düstere Aufnahme, die Karajan 1987 in Wien gemacht hat, mit seinem Singverein, den Philharmonikern und den Super-Solisten Tomowa Sintow, Müller Molinari, Coe und Burchuladze. Seriöser ist natürlich Harnoncourt (da kenne ich nur die frühere Aufnahme bei Teldec) oder Gardiner bei Philips.

      Vele Grüße, Hannes
    • RE: Der Tod als Freund? Mozarts Requiem

      Original von sennahresor

      ... Ich finde Mozarts Requiem eigentlich gar kein so wahnsinnig individuelles Werk. Programmatisch meine ich, als Komposition sind die eigenhändigen Teile natürlich umwerfend. Aber eine persönliche "Botschaft" des Komponisten, die über das Konventionelle hinausgeht, kann ich nicht erkennen. Das spätere, viel schlichtere Cherurubini-Requiem in d-moll etwa scheint mir viel persönlicher und berührt mich auch mehr.

      ................................

      Vele Grüße, Hannes



      a, das höre ich ähnlich wie Du, Hannes. Ich kann in diesem Punkt Alfred Einsteins Argumentation nicht ganz nachvollziehen. Der von ihm erwähnte Schluss ist ja gerade nicht von Mozart dafür ausgewählt worden. Der hätte wohl kaum einfach die Kyrie-Fuge ans Ende gesetzt.

      Allerdings: In einem bei Breitkopf&Härtel erschienenen "Konzertführer Mozart" wird vertreten, Mozart habe im Requiem zu einer "ganz persönlichen Sicht" des Todes gefunden, die sich nicht nur aus der kirchlichen Tradition speise, sondern auch "Klang werdende Riten von Mozarts Logensprache (Freimaurer), die wir aus der Zauberflöte kennen", transportiere. Gerade dadurch walte im Requiem "ein weit über Klassisches hinausweisender Realismus der Humanität". Beispiele werden leider nicht genannt - aber den Vergleich mit der Zauberflöte finde ich interessant. Kann jemand diese Parallele bestätigen? Ich kenne die Zauberflöte viel zu wenig, um das beurteilen zu können.

      Auch das von Dir erwähnte Cherubini-Requiem kenne ich leider bisher nicht. Aber wenn ich zum Beispiel den Vergleich mit Brahms ziehe, der hat mit dem Deutschen Requiem ja schon durch seine eigenständige Zusammenstellung der Bibelstellen sich ganz bewusst vom traditionellen Requiemtext abgesetzt - und dabei besonders die Angst vor dem "Jüngsten Gericht" deutlich in den Hintergrund treten lassen. Aber zwischen 1791 und 1868 liegen eben auch einige entscheidende Jahrzehnte...

      Was die erwähnte Aufnahme mit Harnoncourt von 1982 angeht, so bewerte ich die eher skeptisch.




      Beim ersten Hören war ich geradezu entsetzt, besonders die Fugen im Kyrie und beim Dies irae erschienen mir viel zu unbeschwert dahin hüpfend, ein neckisches kleines Totentänzchen, dass der Vorlage in keiner Weise gerecht wird. Vorhin habe ich mir die Aufnahme ein zweites mal angehört und muss mein Urteil doch etwas relativieren. Chor, Orchester, Solistinnen und Solisten, das ist schon alles sehr gut. Allerdings, letztlich ist mir die Aufnahme gleichzeitig zu beschwingt und zu überspitzt, dieses federnde "Rex" zum Beispiel und dann dieses luftig tänzelnde "Quam olim Abrahae". Das will ich so nicht hören. Nach meiner Auffassung sollte das Mozart Requiem wärmer, mächtiger - und nicht zuletzt auch langsamer erklingen.

      Mit Gruß von Carola
    • Ich habe gestern mal eingedenk Carolas ensetzten Zwischenberichts zur Harnoncourt-Einspielung in diese und bisher nur eine weitere (ebenfalls HIP Peter Neumann (EMI/VIRGIN)) reingehört (d.h. bis einschl. Lacrimosa), da ich die beiden auch noch nie bewußt gehört hatte. Das Requiem ist keines meiner Lieblingswerke, obwohl sich noch eine Reihe weiterer Aufnahmen (Karajan 1962, Schreier und historisch Scherchen, Walter, Fricsay) angesammelt haben (ich bevorzuge die c-moll-Messe), für mehr hatte ich aber einstweilen weder Zeit noch Lust.
      Das einzige Problem bei Harnoncourt (1982) ist m.E. der Chor, alles andere fand ich eigentlich ziemlich gut. Der ist jedoch einfach für heutige Verhältnisse inakzeptabel verwaschen, unpräzise, inhomogen; die polyphonen Linien schwer zu erkennen. Leider hat er die c-moll-Messe und das Requeim mit dem Staatsopernchor aufgenommen, den Rest der Messen u.ä. mit dem hundertmal überlegenen Schönberg-Chor. Die Solisten dürften wohl ebenfalls nicht jedermanns Sache sein, ich finde sie aber recht gut, das Recordare ist z.B. sehr schön (und >1min langsamer als Neumann)
      Die Tempi sind bei Neumann tendenziell (teils deutlich) schneller; das Klangbild schlanker, der Chor wesentlich besser, Tenor und Bass gut, den Alt(us)-Part singt Michael Chance zwar ordentlich, aber gewöhnungsbedürftig und m.E historisch fragwürdig. Für mich klingt Neumanns Einspielung jedenfalls viel deutlicher wie "Alte Musik." Die dürfte dann für dich auch eher unpassend sein.
      Ich vermute, dass unter "HIP"-Einspielungen diese mit Harnoncourt eine der "gewichtigsten" sein dürfte!

      Ich hoffe doch (da mein Interesse, obwohl kein Lieblingswerk nun geweckt ist) in den nächsten Tagen/Wochen mal alle meine Aufnahmen zu hören. Ich fürchte zwar, dass ich keinen Chor auf den ältern Aufnahmen mögen werde, aber ich stelle mir eine konsequent düster-romantische Sicht als Alternative zu z.B. Harnoncourt als interessant vor.

      Eine Empfehlung meinerseits (mit Cherubins Requien bin iich leider nciht vertraut) für ein Werk, dass ich vage als dem Mozart-Requiem ähnlich empfinde, ist Händels Funeral Ode for Queen Caroline (in minimal variierter Form auch der 1. Teil der dreiteiligen Fassung von Israel in Egypt als Klage der Israeliten um Josephs Tod). Gibt es bei apex für EUR 5 unter Gardiner.

      viele Grüße

      J Bristow

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jack Bristow ()

    • Hallo "Jack",

      mich würde vor allem auch interessieren, wie Du die Karajan Aufnahme von 1962 findest.



      So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht. Obwohl, z.B. dieses zittrige "Voca me" im Confutatis - gut ist das nicht. Trotzdem, meiner Auffassung von der Würde einer Totenmesse kommt diese Interpretation jedenfalls näher als die von Harnoncourt 82. Das "Recordare" singen die Vier dort allerdings wirklich sehr schön, da stimme ich zu.

      Mit Gruß von Carola
    • Auch von mir einen herzlichen Dank an Carola für ihre schönen Ausführungen zum Requiem!

      Ich möchte zuerst auf zwei Aufnahmen hinweisen, die ich garnicht kenne, aber gerne kennenlernen würde. Zum einen ist dies der Remake von Harnoncourt aus dem Jahre 2004 (oben schon kurz von Hannes erwähnt):



      Christine Schäfer, Bernarda Fink, Kurt Streit, Gerald Finley, Arnold Schoenberg Chor, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt

      "classicstoday.com" vergibt hier 10/10 Punkte, der Diapason rät in seinem Jul/August-Heft die Einspielung zu vermeiden und lieber die ältere (inzwischen von der elatus- in die apex-Serie abgesunkene) Version zu hören.

      Zum anderen rät der Diapason auch zu Mackerras' Aufnahme von 2001 (Ausgabe: Robert Levin) (Linn, SACD), die bei"classicstoday.com" dürftige 7/7 bekommt. Es müßte also unbedingt probegehört werden ...



      Gritton, Wyn-Rodgers, Robinson, Rose, Scottish Chamber Orchestra, Mackerras

      Zu den kümmerlich wenigen Aufnahmen (2!), die ich besitze:



      Cotrubas, Watts, Tear, Shirley-Quirk, Academy St. Martin, Marriner

      Eine un-HIPpe, aber doch nicht überwuchtige Einspielung mit sehr ordentlichen Solisten. Dem Diapason zufolge unverzichtbar ...




      Donath, Minton, Davies, Nienstedt, LSO, Colin Davis

      Besonders hervorzuheben unter den Solisten sind Donath und Davies. Eine sehr theatralisch-wuchtige, "altmodische" Interpretation, die man vielleicht nicht als einzige Version besitzen sollte ...

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Zelenka

      Eine un-HIPpe, aber doch nicht überwuchtige Einspielung mit sehr ordentlichen Solisten. Dem Diapason zufolge unverzichtbar ...




      Donath, Minton, Davies, Nienstedt, LSO, Colin Davis

      Besonders hervorzuheben unter den Solisten sind Donath und Davies. Eine sehr theatralisch-wuchtige, "altmodische" Interpretation, die man vielleicht nicht als einzige Version besitzen sollte ...


      Das ist genau die mit der ich das Requiem kennenlernte. Die beiden weitern in meinem Schrank lassen mich dagegen ziemlich kühl:


      Walter
    • Original von Carola


      So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht.
      Mit Gruß von Carola


      Hallo Carola,
      da erlaube ich mir, nochmal auf die späteste Karajan-Aufnahme aus Wien hinzuweisen, die die beiden vorherigen Berliner Aufnahmen m. E. durch Expressivität und Geschlossenheit deutlich in den Schatten stellt. Der Chor - wenn man sehr streng ist - dürfte allerdings auch dort nicht jedermanns Geschmack sein.

      Unter den altmodisch-"philharmonischen" Aufnahmen scheint mir auch noch die frühe Giulini-Version aus London (mit Donath, Ludwig, Tear und Lloyd sowie dem Philharmonia) bei EMI erwähnenswert.

      Viele Grüße, Hannes
    • Original von Carola


      So schlecht, wie sie überall gemacht wird (z.B. bei Amazon), finde ich die nämlich gar nicht.
      Mit Gruß von Carola


      Hallo Carola,
      da erlaube ich mir, nochmal auf die späteste Karajan-Aufnahme aus Wien hinzuweisen, die die beiden vorherigen Berliner Aufnahmen m. E. durch Expressivität und Geschlossenheit deutlich in den Schatten stellt. Der Chor - wenn man sehr streng ist - dürfte allerdings auch dort nicht jedermanns Geschmack sein.

      Unter den altmodisch-"philharmonischen" Aufnahmen scheint mir auch noch die frühe Giulini-Version aus London (mit Donath, Ludwig, Tear und Lloyd sowie dem Philharmonia) bei EMI erwähnenswert.

      Viele Grüße, Hannes
    • Das Tuba mirum

      Das mittlerweile wohl als "Klassiker" anzusehende Mozart-Buch von Alfred Einstein ,1947 erschienen, ist letztes Jahr vom Fischer Verlag als Taschenbuch neu aufgelegt worden. ZumTuba mirum schreibt Einstein dort: "Auf den großartigen Chorsatz des Dies Irae ... folgt dann wieder der fragwürdige des Tuba mirum, ... in dem Süßmayr die obligate Soloposaune des Beginns noch weiterführt, wenn sie schon alle Auferstandenen längst vor Gottes Thron gerufen hat. Aber diese unzweifelhaft Mozartsche Soloposaune ist selber eine peinliche Tatsache - man wird den Eindruck nicht los, daß der himmlische Bläser sich ein wenig produziert, anstatt den schrecklichen Moment des Weltgerichts schrecklich anzukündigen." (Seite 370)

      Die Posaune im Tuba mirum als "peinliche Tatsache" - empfindet Ihr das auch so?

      fragt Carola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carola ()

    • RE: Das Tuba mirum

      Original von Carola
      Das mittlerweile wohl als "Klassiker" anzusehende Mozart-Buch von Alfred Einstein ,1947 erschienen, ist letztes Jahr vom Fischer Verlag als Taschenbuch neu aufgelegt worden. ZumTuba mirum schreibt Einstein dort: "Auf den großartigen Chorsatz des Dies Irae ... folgt dann wieder der fragwürdige des Tuba mirum, ... in dem Süßmayr die obligate Soloposaune des Beginns noch weiterführt, wenn sie schon alle Auferstandenen längst vor Gottes Thron gerufen hat. Aber diese unzweifelhaft Mozartsche Soloposaune ist selber eine peinlich Tatsache - man wird den Eindruck nicht los, daß der himmlische Bläser sich ein wenig produziert, anstatt den schrecklichen Moment des Weltgerichts schrecklich anzukündigen." (Seite 370)

      Die Posaune im Tuba mirum als "peinliche Tatsache" - empfindet Ihr das auch so?


      Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent. Das Seltsame, was Einstein anscheinend peinlich findet, ist wohl, dass die Posaune nach dem "Signal" eine Melodie anstimmt, die man eher im langsamen Satz eines Hornkonzerts verorten würde.
      (Meines Wissens ist das Posaunensolo, ich weiß allerdings nicht in welchem Umfang angeblich von Mozart eindeutig in den Skizzen angegeben)

      Ich persönlich finde das Tuba mirum auch den schwächsten Satz der "Sequenz", weniger wegen der Posaune (das Solo völlig in der Luft hängen zu lassen, wäre auch nicht großartig gewesen). Eher weil ich hier die Gegenüberstellung von Drama/Furcht und Trost nicht sehr überzeugend finde, u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

      viele Grüße

      J Bristow
    • RE: Das Tuba mirum

      Original von Jack Bristow

      Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent......


      .... u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

      viele Grüße

      J Bristow


      Gerade dieses "Dezente" ist ja vielleicht die Botschaft. Eine ganz bewusste Abmilderung des - nun sagen wir - problematischen Textes durch Mozart.

      In der Übersetzung lautet der Text übrigens:

      Laut wird die Posaune klingen,
      Durch der Erde Gräber dringen,
      Alle hin zum Throne zwingen.

      (Ich kann auch nichts dafür, meine sind besser...)

      Vielleicht ist auch gerade dieses ein wenig zu schön geratene Posaunensolo eines der "freimauerischen Elemente", von denen die Rede war.

      Mit Gruß von Carola
    • RE: Das Tuba mirum

      Original von Jack Bristow

      Peinlich gewiß nicht. Verglichen mit der Aufdringlichkeit, mit der anderswo "die letzte Posaune" inszeniert wird, ist das hier ja eher dezent......


      .... u.a. weil die Posaunenstelle nicht sehr bedrohlich ist.

      viele Grüße

      J Bristow


      Gerade dieses "Dezente" ist ja vielleicht die Botschaft. Eine ganz bewusste Abmilderung des - nun sagen wir - problematischen Textes durch Mozart.

      In der Übersetzung lautet der Text übrigens:

      Laut wird die Posaune klingen,
      Durch der Erde Gräber dringen,
      Alle hin zum Throne zwingen.

      (Ich kann auch nichts dafür, meine sind besser...)

      Vielleicht ist auch gerade dieses ein wenig zu schön geratene Posaunensolo eines der "freimauerischen Elemente", von denen die Rede war.

      Mit Gruß von Carola
    • Diese Aufnahme mit Böhm/Wiener Philharmoniker ist auf jeden Fall besser als die Karajan 1962.



      Vor allem das sehr langsame Tempo (64 Minuten!) und der machtvolle Klang von Chor und Orchester gefallen mir. Beim Recordare dachte ich allerdings: Man kann´s auch übertreiben, gleich sind die Vier eingeschlafen. Andererseits: Wie die Frauenstimmen im Confutatis das Voca me singen - diese zarte Innigkeit, das gefällt mir gut.

      Diese Aufnahme ist für mich wie ein Paar alter Hausschuhe, die ich auf dem Dachboden wiedergefunden habe. Vertraut und wohlig. Ich kenne sie irgendwoher, vielleicht aus dem Musikunterricht. Ob Vertrautheit und Wohligkeit als solches schon Qualitätsmerkmale sind, lasse ich mal dahingestellt.

      Vielleicht kennen auch noch andere die CD?

      Mit Gruß von Carola
    • Diese Aufnahme mit Böhm/Wiener Philharmoniker ist auf jeden Fall besser als die Karajan 1962.



      Vor allem das sehr langsame Tempo (64 Minuten!) und der machtvolle Klang von Chor und Orchester gefallen mir. Beim Recordare dachte ich allerdings: Man kann´s auch übertreiben, gleich sind die Vier eingeschlafen. Andererseits: Wie die Frauenstimmen im Confutatis das Voca me singen - diese zarte Innigkeit, das gefällt mir gut.

      Diese Aufnahme ist für mich wie ein Paar alter Hausschuhe, die ich auf dem Dachboden wiedergefunden habe. Vertraut und wohlig. Ich kenne sie irgendwoher, vielleicht aus dem Musikunterricht. Ob Vertrautheit und Wohligkeit als solches schon Qualitätsmerkmale sind, lasse ich mal dahingestellt.

      Vielleicht kennen auch noch andere die CD?

      Mit Gruß von Carola
    • RE: Das Tuba mirum

      Ich finde das Tuba mirum auch nicht so schlecht. Wenn das Tuba Mirum eher gelöst und trostreich klingt, dann ist das sicher auch ein Stück weit der Tradition verpflichtet - ein emotionaler Exhibitionismus, wie ihn mancher Hörer vielleicht bei Verdi verwirklicht findet, war Mozart eben noch ganz fremd. Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte). Auch in einer zu Mozart zeitgenössischen Vertonung, derjenigen von Domenico Cimarosa, ist das Tuba Mirum sehr tröstlich, ein ziemlich opernhaftes Sopransolo! Der Hauptakzent liegt hier ganz klar auf der Zeile „Coget omnes ante thronum“ („er ruft/versammelt alle vor den Thron“), was ja aus christlicher Perspektive auch eher etwas hoffnungsvolles ist. Ähnliches dürfte Mozart wohl auch im Sinn gehabt haben. Auf jeden Fall scheint es mir nicht zwingend, hier von einem versteckten Freimaurer-Anklang auszugehen.

      Viele Grüße, Hannes
    • RE: Das Tuba mirum

      Ich finde das Tuba mirum auch nicht so schlecht. Wenn das Tuba Mirum eher gelöst und trostreich klingt, dann ist das sicher auch ein Stück weit der Tradition verpflichtet - ein emotionaler Exhibitionismus, wie ihn mancher Hörer vielleicht bei Verdi verwirklicht findet, war Mozart eben noch ganz fremd. Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte). Auch in einer zu Mozart zeitgenössischen Vertonung, derjenigen von Domenico Cimarosa, ist das Tuba Mirum sehr tröstlich, ein ziemlich opernhaftes Sopransolo! Der Hauptakzent liegt hier ganz klar auf der Zeile „Coget omnes ante thronum“ („er ruft/versammelt alle vor den Thron“), was ja aus christlicher Perspektive auch eher etwas hoffnungsvolles ist. Ähnliches dürfte Mozart wohl auch im Sinn gehabt haben. Auf jeden Fall scheint es mir nicht zwingend, hier von einem versteckten Freimaurer-Anklang auszugehen.

      Viele Grüße, Hannes
    • RE: Das Tuba mirum

      Original von sennahresor
      ............

      Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte).

      ...................
      Viele Grüße, Hannes


      Das finde ich sehr interessant. Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

      Es grüßt Dich Carola
    • RE: Das Tuba mirum

      Original von sennahresor
      ............

      Schaut man etwa in die Barockzeit zurück, dann findet man da ebenfalls Vertonungenn dieser Stelle, die auf „Horroreffekte“ ganz verzichten (z. B. Lullys Dies Irae-Motette oder das Requiem f-moll von Biber, das Mozart durchaus gekannt haben könnte).

      ...................
      Viele Grüße, Hannes


      Das finde ich sehr interessant. Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

      Es grüßt Dich Carola
    • RE: Das Tuba mirum

      Original von Carola
      Vor allem über dieses Biber-Requiem würde ich gerne mehr erfahren. Vielleicht hast Du Lust, es im Faden "Requiem-Vertonungen" vorzustellen?

      Es grüßt Dich Carola


      Das kann ich gerne machen; es wird damit aber ein wenig dauern. Ich muß mich da erst noch ein bißchen einlesen.

      Viele Grüße, Hannes