Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2017




    • Dieser Tage vermehrt bei mir zu hören: Musik von

      Richard Flury (1896-1967).

      Vielleicht kann ich ihn zusammen mit Fritz Brun & Othmar Schoeck zu einer Art Schweizer Dreigestrirn der Spät-bis Nachromantik zählen? Wenn auch seine Strahlkraft wie jene Bruns nicht oder nicht nachhaltig über deren jeweiligen Wirkungskreis hinaus reichte - Brun als Regionalgrösse in Bern & Flury als solche im Solothurnischen.

      Als ein Aus-der-Zeit-Gefallener schreibt Flury etwa im Stile Regers oder Strauss', in den für meinen Geschmack interessantesten Momenten auch mit Anklängen an Fauré & die Impressionisten - nur eben 2 bis 6 Jahrzehnte nach ihnen.


      Streichquartett Nr. 7 d-moll (1964)
      Klavierquartett e-moll (1954)

      Urs Joseph Flury, Vl
      Jean-Pierre Moeckli, Vl
      Walter Kägi, Bratsche
      Jost Meier, Vcl
      Eugen Huber, Klavier

      (Das obige CD-Cover in der Lizenzausgabe bei GALLO stimmt in der Gestaltung mit der meiner LP überein (fono, vermutl. 70er, stereo), die Aufnahme weicht aber - abgesehen vom 7. Quartett - vom Inhalt der LP ab)

      Handwerklich gekonnte Arbeiten, solide & klangschön dargeboten. Im Finalsatz des Streichquartetts grosse Fugenkunst. Wie gesagt: im Blindtest wäre ich schnell bei Reger oder vielleicht Pfitzner, nicht aber in der Nachkriegszeit)



      "Die alte Truhe", Ballett (1945)
      Menuet viennois
      Gavotte
      Ruppigoner Festmarsch
      Pastorale
      Spanischer Tanz
      Wienerwalzer Nr. 2

      Tschechisches Sinfonieorchester Prag - Urs Joseph Flury (CD, GALLO 1993/94)

      Das Ballett greift das beliebte Sujet des von Kindern erlebten Zauberspuks zum Leben erweckter Puppen auf, wie es Coppelia, Nussknacker. Puppenfee oder La boutique fantasque taten.
      Die Musik bietet im Unterschied zu den oben genannten Kammermusikwerken etwas mehr Raffinesse, Abwechslung, Farbe, Leuchtkraft. Auch kommt die Atmosphäre des Magischen & Gruseligen (wenn auch sparsam aber gezielt dosiert) sehr stimmig & treffend zur Geltung.
      Neben dem knapp 3/4stündigen Tanztheater bietet die Scheibe noch ein paar Zugaben, die Flury als Meister der kleinen Form zeigen - durchaus hörenswert.

      Ich stehe noch am Anfang der Beschäftigung mit den Flurys (Sohn Urs Joseph *1941, wie sein Vater Geiger, Dirigent & Komponist).
      Mein bisheriger Eindruck: gut gemachte Musik, die man geniessen kann, wenn man es schafft, in den Modus umzuschalten, dass es auch mal egal sein kann, dass sie bereits "von gestern" war, als sie entstand.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()

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