Rossinis Opernschaffen im Überblick - Eine Exkursion in die Geschichten der Geschichten

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    • Rossinis Opernschaffen im Überblick - Eine Exkursion in die Geschichten der Geschichten

      Hallo liebeRossinifans!

      Das Schmökern in den Libretti von Rossinis Opern brachte michauf die Idee, die für das Verständnis von Rossinis Opernschaffen unerlässlichenhistorischen Fakten einmal kurz anzureißen.
      Hier findet ihr:
      Die Oper
      Die Zeit und Ort der Handlung und eventuell handelndehistorische Personen

      Demetrio e Polibio
      (1806; 18.5.1812 Teatro Valle, Rom)
      Ort der Handlung: Hauptstadt des Partherreiches
      Zeit der Handlung: Antike (das Partherreich bestand von 247v.-224 n. Chr.)
      Historischer Hintergrund und Personen: die Königsnamen sindfiktiv, die Hauptstadt des Reiches wird nicht näher genannt [typische OperaSeria im Stile des Barocks, wenn man nur das „pure“ Libretto hernimmt.]

      La cambiale di matrimonio
      (3.11.1810 Teatro San Moisè, Venedig)
      Ort der Handlung: eine englische Kleinstadt
      Zeit der Handlung: im 18.Jahrhundert
      Historischer Hintergrund und Personen: die erste der fünfeinaktigen Farsa, die Rossini für das Teatro San Moise in Venedig schrieb,typische Buffo-Oper)

      L'equivoco stravagante
      (26.10.1811 Teatro del Corso, Bologna)
      Ort der Handlung: Im „antiken“ Schloss des Gamberotto
      Zeit der Handlung: nicht benannt
      Historischer Hintergrund und Personen: Oper wurde nur 3 malaufgeführt

      L'inganno felice
      (8.1.1812 Teatro San Moisè, Venedig)
      Ort der Handlung: in einer italienischen Bergbaustadt
      Zeit der Handlung: im 17. Jahrhundert
      Historischer Hintergrund und Personen: die zweite der fünfeinaktigen Farsa, die Rossini für das Teatro San Moise in Venedig schrieb,typische Buffo-Oper)

      Ciro in Babilonia ossia La caduta di Baldassare
      14.3.1812 Teatro Comunale, Ferrara)
      Ort der Handlung: Babylon
      Zeit der Handlung: zu biblischen Zeiten (bzw. um 540 v. Chr.)
      Historischer Hintergrund und Personen: Daniel, der Prophet,Kyros II. (581-529 v.Chr.), Belsazar/Bel –sarra –usur, assyrischer König inBabylon, dessen Reich 539 v. Chr. von Kyros II. erobert wurde

      La scala di seta
      (9.5.1812 Teatro San Moisè, Venedig)
      Ort der Handlung: Am Landhaus des Dormont
      Zeit der Handlung: zur Entstehungszeit der Oper
      Historischer Hintergrund und Personen: die dritte der fünfeinaktigen Farsa, die Rossini für das Teatro San Moise in Venedig schrieb,typische Buffo-Oper)

      La pietra del paragone
      (26.9.1812 Teatro alla Scala, Mailand)
      Ort der Handlung: in einem italienischen Dorf
      Zeit der Handlung: Zur Entstehungszeit der Oper

      L'occasione fa il ladro
      ossia Il cambio della valigia (24.11.1812 Teatro San Moisè,Venedig)
      Ort der Handlung: Neapel und Umland
      Zeit der Handlung: Ende des 18. Jahrhunderts
      Historischer Hintergrund und Personen: die vierte der fünfeinaktigen Farsa, die Rossini für das Teatro San Moise in Venedig schrieb,typische Buffo-Oper)

      Il Signor Bruschino
      ossia Il figlio per azzardo (27.1.1813 Teatro San Moisè,Venedig)
      Ort der Handlung: Im Schloss des Gaudenzio/irgendwo in Italien
      Zeit der Handlung: Ende des 18. Jahrhunderts
      Historischer Hintergrund und Personen: die fünfte der fünfeinaktigen Farsa, die Rossini für das Teatro San Moise in Venedig schrieb, typischeBuffo-Oper)

      Tancredi
      (6.2.1813 Teatro La Fenice, Venedig)
      Ort der Handlung: Syrakus und Umland
      Zeit der Handlung: 1005
      Historischer Hintergrund und Personen: Titelheld ist einfiktiver Ritter aus Sizilien, Tankreds gab es in Sizilien zuhauf, unter anderemeinen der Helden des 1. Kreuzzugs

      L'italiana in Algeri
      (22.5.1813 Teatro San Benedetto, Venedig)
      Ort der Handlung: Algier
      Zeit der Handlung: zur Hochzeit der Piraterie in der Ponente zurZeit der Barbaresken (bis Anfang des 19.Jahrhunderts)
      Historischer Hintergrund und Personen: Die Piraterie an dernordafrikanischen Mittelmeer blühte vom 15. Jahrhundert und dauerte bis ins19.Jahrhundert; Klischeehafte Darstellung des „Türken“

      Aureliano in Palmira
      (26.12.1813 Teatro alla Scala, Mailand)
      Ort der Handlung: Palmyra (in Kleinasien)
      Zeit der Handlung: um 272 nach Christus
      Historischer Hintergrund und Personen: Kaiser Aurelians Feldzuggegen die Palymrische Königin Zenobia, die er bei Palmyra besiegte und nach Romschleppte.

      Il Turco in Italia
      (14.8.1814 Teatro alla Scala, Mailand)
      Ort der Handlung: Neapel
      Zeit der Handlung: Anfang des 19.Jahrhunderts
      Historischer Hintergrund und Personen: „Pendant“ zur Italiana inAlgeri

      Sigismondo
      (26.12.1814 Teatro La Fenice, Venedig)
      Ort der Handlung: Polen und Böhmen
      Zeit der Handlung: um 1500
      Historischer Hintergrund und Personen: Sigismund I. König vonPolen (1467-1548 ), Vladislav II., König von Böhmen und Ungarn (1456-1516) undderen Rivalität

      Elisabetta Regina d'Inghilterra
      (4.10.1815 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: London
      Zeit der Handlung: Zur Zeit Elisabeths I. (1533-1603)
      Historischer Hintergrund und Personen: eine überaus beliebtePerson in der Operngeschichte

      Torvaldo e Dorliska
      (26.12.1815 Teatro Valle, Rom)
      Ort der Handlung: am Schloss des Ordow, irgendwo in Nordeuropa
      Zeit der Handlung: nicht genannt
      Historischer Hintergrund und Personen:

      Almaviva ossia Il barbiere di Siviglia
      (20.2.1816 Teatro Argentina, Rom)
      Ort der Handlung: Sevilla
      Zeit der Handlung: um 1780
      Historischer Hintergrund und Personen: nach Beaumarchaisgleichnamigen Theaterstück

      La gazzetta
      ossia Il matrimonio per concorso (26.9.1816 Teatro de'Fiorentini, Neapel)
      Ort der Handlung: Paris
      Zeit der Handlung: Zur Entstehungszeit der Oper

      Otello
      ossia Il moro di Venezia (4.12.1816 Teatro del Fondo, Neapel)
      Ort der Handlung: Zypern
      Zeit der Handlung: 16. Jahrhundert
      Historischer Hintergrund und Personen: nach William Shakespeare,allerdings stark adaptiert (siehe Tamino-Opernführer!!!)

      La Cenerentola
      ossia La bontà in trionfo (25.1.1817 Teatro Valle, Rom)
      Ort der Handlung: Schloss des Don Ramiro und Landsitz des DonMagnifico irgendwo in Spanien
      Zeit der Handlung: Märchenzeit, die ins 19. Jahrhundert verlegtwurde
      Historischer Hintergrund und Personen: nach dem französischen„Cendrillon“

      La gazza ladra
      (31.5.1817 Teatro alla Scala, Mailand)
      Ort der Handlung: Pariser Umland
      Zeit der Handlung: um 1810

      Armida
      (11.11.1817 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Jerusalem und Umland
      Zeit der Handlung: 1099
      Historischer Hintergrund und Personen: Mischung aus Ritter undZauberoper, nach Torquato Tassos „Gerusalemme liberata“, wo Armida und Rinaldoauftauchen, aus historischer Sicht interessant Gottfried von Bouillon, ersterKönig von Jerusalem (1099-1100)

      Adelaide di Borgogna ossia Ottone, re d'Italia
      (27.12.1817 Teatro Argentina, Rom)
      Ort der Handlung: Festung Canossa in Norditalien
      Zeit der Handlung: um 960
      Historischer Hintergrund und Personen: Otto I., Kaiser desheiligen römischen Reichs, Bezwinger der Magyaren (955 am Lechfeld) istHauptperson dieser Oper.

      Mosè in Egitto
      (5.3.1818 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Ägypten
      Zeit der Handlung: um 1200 v.Chr.
      Historischer Hintergrund und Personen: Unterdrückung und Auszugder Juden aus Ägypten (siehe in der Bibel)

      Adina ossia Il califfo di Bagdad
      (1818; 22.5.1826 Real Theatro de S. Carlos, Lissabon)
      Ort der Handlung: Bagdad
      Zeit der Handlung: Märchenzeit
      Historischer Hintergrund und Personen: komischer Einakter,Vertreter der „Türkenoper“

      Riccardo e Zoraide
      (3.12.1818 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Dongala, die Hauptstadt Nubiens
      Zeit der Handlung: Zur Zeit der Kreuzzüge
      Historischer Hintergrund und Personen: fiktive Rittergeschichte

      Ermione
      (27.3.1819 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Buthrota, die Hauptstadt des KönigreichesEpirus
      Zeit der Handlung: nach dem trojanischen Krieg (griechischeMythologie)
      Historischer Hintergrund und Personen: Intrigengeschichte zurZeit der „Nachwehen“ des trojanischen Krieges (um 1200 v. Chr.)

      Eduardo e Cristina
      (24.4.1819 Teatro San Benedetto, Venedig)
      Ort der Handlung: Stockholm
      Zeit der Handlung: um 1640
      Historischer Hintergrund und Personen: Königin Christina ist dieHauptperson des Stücks

      La donna del lago
      (24.9.1819 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Schottland
      Zeit der Handlung: im 16. Jahrhundert
      Historischer Hintergrund und Personen: nach der Novelle vonWalter Scott

      Bianca e Falliero ossia Il consiglio dei tre
      (26.12.1819 Teatro alla Scala, Mailand)
      Ort der Handlung: Venedig
      Zeit der Handlung: 17. Jahrhundert
      Historischer Hintergrund und Personen: zur Zeit des Niedergangsder „Serenissima“

      Maometto secondo
      (3.12.1820 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: die venezianische Kolonie Negroponte (Euböa)in Griechenland
      Zeit der Handlung: 1470
      Historischer Hintergrund und Personen: Mehmed II., Sultan desOsmanischen Reiches erobert die Insel Euböa von Paolo Erisso, demvenezianischen Gouverneur der Insel
    • Matilde (di)Shabran
      (24.2.1821 Teatro Apollo, Rom)
      Ort der Handlung: Spanien, die Burg Corradinos
      Zeit der Handlung: Mittelalter
      Historischer Hintergrund und Personen: Corradino = Eisenherz

      Zelmira
      (16.12.1822 Teatro San Carlo, Neapel)
      Ort der Handlung: Lesbos und andere Inseln der griechischenÄgäis
      Zeit der Handlung: keine Zeitangabe

      Semiramide
      (3.2.1823 Teatro La Fenice, Venedig)
      Ort der Handlung: Babylon
      Zeit der Handlung: 782 vor Christus
      Historischer Hintergrund und Personen: Lebensende derbabylonischen Königin „Sammuramat“

      Il viaggio a Reims ossia L'albergo del giglio d'oro
      (19.6.1825 Théâtre Italien, Paris)
      Ort der Handlung: Reims
      Zeit der Handlung: am Vortag der Krönung Karls zum König vonFrankreich
      Historischer Hintergrund und Personen: die Personen der Handlungwollen zur Krönung Karls zum König von Frankreichs; diese Oper ist deshalb so üppig besetzt, weil man nicht mit einer Aufführung in einem „regulären“Opernhaus rechnete.

      Le Siège de Corinthe
      (9.10.1826 Théâtre de l'Académie Royale de Musique, Paris)
      Ort der Handlung: Korinth
      Zeit der Handlung: 1458
      Historischer Hintergrund und Personen: Belagerung und EroberungKorinths durch die Osmanen

      Moïse et Pharaon
      (26.3.1827 Théâtre de l'Académie Royale de Musique, Paris)
      Ort der Handlung: Ägypten
      Zeit der Handlung: um 1200 v.Chr.
      Historischer Hintergrund und Personen: Unterdrückung und Auszugder Juden aus Ägypten (siehe in der Bibel), französische Fassungen, die eigenenFassungen verdienten eigentlich einen eigenen Thread

      Le Comte Ory
      (20.8.1828 Théâtre de l'Académie Royale de Musique, Paris)
      Ort der Handlung: Schloss Fourmoutiers
      Zeit der Handlung: zur Zeit des dritten Kreuzzugs (1189-1194)
      Historischer Hintergrund und Personen: Komödie über denlebenslustigen Grafen Ory, der die Frauen der daheimgebliebenen Kreuzritter„angräbt“

      Guillaume Tell
      (3.8.1829 Théâtre de l'Académie Royale de Musique, Paris)
      Ort der Handlung: Im Kanton Uri in der Schweiz
      Zeit der Handlung: um 1310
      Historischer Hintergrund und Personen: SchweizerUnabhängigkeitskampf (Wilhelm Tell ist allerdings eine „Sagengestalt“) nachSchillers Drama

      Ivanhoè
      Ort der Handlung: England
      Zeit der Handlung: 1194
      Historischer Hintergrund und Personen: die Geschichte vom RitterIvanhoe nach Walter Scott

      Roberto Bruce
      Ort der Handlung: Burg Stirling
      Zeit der Handlung: 1314, Schlacht von Bannockburn
      Historischer Hintergrund und Personen: Robert the Bruce undEdward II. fechten in der Schlacht von Bannockburn um die UnabhängigkeitSchottlands


      Anm.: L´Ape Musicale (die Musikalische Biene) - ein von Lorenzo da Ponte zusammengestückeltes Werk mit wechselnden Musiknummern habe ich weggelassen...
    • Schöne Auflistung, lieber Don Juan d' Austria, besten Dank dafür. Da sind für mich schon noch ein paar Fragezeichen enthalten. ;)

      Hättest du aber auch noch CD-Empfehlungen parat? Falls überhaupt alle Werke eingespielt wurden. Adina, Eduardo e Christina, Ivanhoe und so etwas würden mich schon sehr interessieren.

      LG Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Schöne Auflistung, lieber Don Juan d' Austria, besten Dank dafür. Da sind für mich schon noch ein paar Fragezeichen enthalten. ;)

      Hättest du aber auch noch CD-Empfehlungen parat? Falls überhaupt alle Werke eingespielt wurden. Adina, Eduardo e Christina, Ivanhoe und so etwas würden mich schon sehr interessieren.

      LG Falstaff
      Es ist alles eingespielt!

      Ivenhoè und Roberto Bruce sind Pastiche, aus eigenen Werken, wie z.B.auch bei Händel.
      Die Oper L'Ape Musicale ist ebenfalls ein Pastiche, bei der Uraufführung 1789 im Burgtheater in Wien war logischerweise noch kein Rossini dabei ;) , den gab es dann 1830 in NY, mit Musik von Mozart, Salieri, Cimarosa, Zingarelli u. Rossini. z.B. ist auch Taminos Bildnisarie enthalten.
      Bei allen sind im Booklet auch die Quellen angeführt, aus welchen Opern die Teile sind !

      Bei Wiki kann man über „ L'Ape Musicale" etwas lesen ! (Hatte den Link gesetzt, aber da kommt dann was anderes ?( ), aber einfach den Titel eingeben!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von palestrina ()

    • Eduardo e Cristina UA 24.4.1819 Venedig Teatro San Benedetto



      Bad Wildbad 16.7.1997
      Carlo - Omar Jara
      Cristina - Carmen Acosta
      Eduardo - Eliseda Dumitru
      Giacomo - Konstantin Gorny
      Atlei - Jorge Orlando Gomez
      I Virtuosi di Praga
      Cond. Francesco Corti

      Mein Beifall ist auf der Aufnahme auch zuhören! :)


      Rossinis Eduardo e Cristina: Beiträge zur Jahrhundert-Erstaufführung (Schriftenreihe der Deutschen Rossini-Gesellschaft e.V.)

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Don Juan d' Austria schrieb:

      Wie bereits gesagt wurde...alles ist eingespielt.


      Von der Adina gibt's eine Aufnahme von den Festspielen in Erl
      Und die deutsch gesungene aus Rügen, auch unter Keitel.

      Hallo Joschi, kam diese Adina jemals als CD raus, die steht in meiner Liste immer noch als unerledigt!?
      August 2003 (live vom Rossini Opera Festival Pesaro): Renato Palumbo (Dirigent), Orchester des Teatro Comunale di Bologna, Prague Chamber Chorus. Marco Vinco (Califfo), Joyce DiDonato (Adina), Raul Giménez (Selimo), Saimir Pirgu (Alì),Carlo Lepore (Mustafà). Celestial Audio CA 456 (1 CD)

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Bianca e Falliero

      Da eigene Threads für die einzelnen unbekannten Rossini-Opern wahrscheinlich auf wenig Resonanz stoßen würden, geht es nun hier weiter:

      Bianca e Falliero, o sia Il consiglio dei Tre wurde kurz nach La donna del lago uraufgeführt. Das Libretto stammt von Felice Romani, basierend auf dem Theaterstück Les Vénitiens ou Blanche et Montcassin von Antoine-Vincent Arnault (1766-1834).

      Handlung:

      1. Akt: Schauplatz ist die Republik Venedig kurz nach einer spanischen Verschwörung, seit der der Kontakt mit ausländischen Gesandten mit dem Tode bestraft wird. Der venezianische Senator Capellio (Bass) ist in Bianca (Sopran), der Tochter des Senators Contareno (Tenor), verliebt und bereit im Falle einer Heirat zu Contarenos Gunsten auf eine umstrittene Erbschaft zu verzichten. Bianca liebt jedoch den gerade siegreich zurückkehrenden General Falliero (Alt). Auf den Druck ihres Vaters hin, erklärt sie sich schließlich zur Heirat mit Capellio bereit, die Hochzeit wird jedoch durch das Erscheinen Fallieros unterbrochen, der Biancas Hand fordert.

      2. Akt: In der Nacht treffen sich Bianca und Falliero in einem Hof von Contarenos Haus, um zusammen zu fliehen, werden jedoch durch die Ankunft Contarenos überrascht. Falliero gelingt es durch einen Sprung über die Mauer zum Nachbargrundstück zu fliehen. Contareno hat eine erneute Hochzeitszeremonie vorbereitet; als Bianca jedoch widerspricht und Capellio erzürnt gehen will, droht Contareno seine Tochter zu verstoßen. Der Streit wird von der Nachricht unterbrochen, dass Falliero auf dem Nachbargrundstück (der spanischen Botschaft) erwischt wurde. Das Urteil über Falliero soll vom Rat der Drei gefällt werden, dem sowohl Contareno als auch Capellio angehören. Als Falliero fälschlicherweise erfährt, Bianca habe Capellio geheiratet, lehnt er es ab, sich zu verteidigen. Bianca erscheint vor Gericht, um den Grund des Vorfalls aufzuklären. Die Richter Contareno und Loredano unterschreiben dennoch das Todesurteil. Capellio jedoch lehnt das Urteil ab und erwirkt, dass der Fall vom Senat neu behandelt wird, der Falliero freispricht und Bianca in seine Obhut gibt. Auch Contareno gibt schließlich dem Paar seinen Segen.

      Da es sich um ein Werk für die Mailänder Scala handelte, konnte Rossini hier weniger experimentieren als in dem durch den französischen Einfluss Innovationen aufgeschlossener gegenüberstehendem Neapel. Verglichen mit Rossinis zur gleichen Zeit entstandenen neapolitanischen Opern wirkt Bianca e Falliero daher formal konservativ: Die Nummern sind durch (wie üblich nicht von Rossini selbst stammende) secco-Rezitative getrennt, auf die Rossini in Neapel gänzlich verzichtete; der Großteil der Nummern besteht aus Solo-Arien und Duetten mit nur wenigen größeren Ensembles; die Hauptfigur ist eine Hosenrolle; die Ornamentierung der Gesangslinien ist derart ausgeprägt, dass bereits die zeitgenössische Kritik Rossini Virtuosität um ihrer selbst willen vorwarf und das tragische Ende der literarischen Vorlage wurde durch ein Happy-End ersetzt.
      Das alles sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rossini durchaus einige Merkmale seiner neapolitanischen Opern nach Mailand hinüberrettete: Alles konzentriert sich ganz auf die drei Hauptfiguren Bianca, Falliero und Contareno, Arien für Nebenfiguren gibt es anders als in Rossinis früheren Opern keine; die Rolle der den Arien vorangehenden accompagnato-Rezitative, deren Länge denen der secco-Rezitative gleichkommt, ist deutlich erweitert und die Introduktion und das finale primo haben die für Rossinis damalige Phase typischen Ausmaße. Auch versucht Rossini mehrmals die Handlung, auch unter Abweichung des üblichen Schemas (solita forma), während einer Nummer voranschreiten zu lassen. Beispielhaft sei hier das Duett Bianca-Contareno im 2. Akt genannt: Nach Biancas plötzlicher Weigerung Capellio zu heiraten, beginnt Contareno sie in seiner ersten Strophe zu beschimpfen und zu verstoßen, worauf Bianca mit einer gleichlangen Strophe antwortet (tempo d’attaco). Während hier jetzt normalerweise ein kontemplativer Mittelteil (cantabile) folgen würde, wird das Duett durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen und ein Brief überbracht. Erst nach Vorlesen des Briefes wird das eigentliche Duett wiederaufgenommen.

      Abgesehen von der für Rossini ungewöhnlich unauffälligen Ouvertüre besticht die Oper durch zahlreiche herrliche Melodien. Besonders hervorzuheben sind die Chorszenen, das finale primo, das schon erwähnte Duett von Bianca und Contareno (insbesondere die energiegeladene Cabaletta) und das Quartett in der Gerichtsszene (wohl der bekannteste Teil der Oper). In historischen Aufnahmen wurde dieses Quartett teilweise in La donna del lago eingefügt. Andererseits enthält Bianca e Falliero über die ganze Länge verteilt zahlreiche musikalische Übernahmen aus La donna del lago. Diese sind zum Großteil so in neue Musiknummern eingebettet, dass dies weniger auffällt als in anderen Rossini-Opern. Ein hervorstechendes Beispiel für eine solche Übernahme ist jedoch Biancas Schluss-Rondò, dass aus La donna del lago als Elenas „Tanti affetti“ bekannt ist. Während Elena im ersten Teil der Arie ihr Glück besingt, nun ihren Geliebten heiraten zu können, entschließt sich Bianca angesichts der Vorwürfe Contarenos, traurig bei ihrem Vater zu bleiben und auf den Geliebten zu verzichten. Das hier ausgedrückte Gefühl ist in beiden Opern völlig entgegengesetzt, die Musik ist jedoch in beiden Fällen identisch! Erst als der Vater schließlich doch nachgibt, entsprechen sich die Emotionen beider Versionen, obwohl trotz gleicher dramatischer Situation und der selben Musik auch hier ein neuer Text geschrieben wurde. Unterm Strich ist Bianca e Falliero eine typische Rossini-Oper, mit allen positiven und negativen Eigenschaften, die das mit sich bringt, jedoch ohne aus seinem Œuvre besonders herauszustechen. Da Rossini seine besten musikalischen Einfälle zudem in der bekannteren Semiramide wiederverwendet hat, ist sie wohl nur für diejenigen interessant, die alles von Rossini haben wollen.



      Priuli - Laurent Kubla
      Contareno - Kenneth Tarver
      Capellio - Baurzhan Anderzhanov
      Loredano - Marcin Banaś
      Falliero - Victoria Yarovaya
      Bianca - Cinzia Forte
      Costanza - Marina Viotti
      Pisani/Un usciere/Un uffiziale - Artavazd Sargsyan

      Camerata Bach Choir, Poznán
      Virtuosi brunensis, Antonio Fogliani

      Die Naxos-Aufnahme aus Bad Wildbad überzeugt durch ein homogenes Ensemble ohne Ausfälle, aus dem besonders Victoria Yarovaya als Falliero mit jugendlicher Stimme und ausdrucksstarker Textgestaltung und Kenneth Tarver als Contareno hervorragen. Kenneth Tarver meistert die anspruchsvolle Partie mit ihren zahlreichen Spitzentönen scheinbar mühelos, klingt aber vielleicht etwas zu glatt für diese äußerst unsympathische Figur; im Gegensatz zu anderen Rossini-Vätern, die ihre Töchter zwangsverheiraten wollen, verfolgt er dabei kein mehr oder weniger höheres Ziel (z. B. Beendigung des Bürgerkrieges in Tancredi, Schließung eines politischen Bündnisses in Otello, Dankbarkeit für das erhaltene Asyl in La donna del lago), sondern es geht ihm ausschließlich um die Vermehrung seines Vermögens, wofür er ohne Zögern bereit ist, über Leichen zu gehen. Seine dreiteilige Kavatine Pensa che omai resistere ist quasi eine Achterbahn durch die verschiedensten Gefühlslagen: im ersten Teil Wut und Zorn auf seine Tochter, im zweiten Mitleid erheischendes Flehen und in der Cabaletta extatischer Jubel über seinen Erfolg. Die Virtuosi brunensis unter Antonio Fogliani geben der Aufführung den leidenschaftlichen Schwung, den es bei Rossini braucht. Gespielt wird eine Version mit gekürzten Rezitativen. Leider ist die Akustik nicht optimal und die Solisten werden teilweise in den Ensembles aber auch in der Cabaletta von Contarenos Arie von Chor und Orchester zu sehr zugedeckt. Bei ein paar wenigen Spitzentönen, z. B. am Ende des von Cinzia Forte schön gesungenen Schluss-Rondò, ist die Aufnahme übersteuert. Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt, der kaum ins Gewicht fällt. Allerdings gibt es noch mindestens drei andere, prominenter besetzte Aufnahmen, die ich noch nicht kenne. Die mit Daniela Barcellona, Maria Bayo und Francesco Meli wird sogar sowohl als CD als auch DVD angeboten.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Neu

      Hier mal etwas Statistik:

      Bei Wikipedia hat sich jemand die Mühe gemacht, die Opern Rossinis nach der Anzahl Produktionen im 19. Jahrhundert in Italien zu sortieren. Ich habe das mal zu einer Liste zusammengefasst:

      Mosè in Egitto/Moise et Pharaon/Mosè > 130*

      Otello > 130

      Semiramide > 120

      La Cenerentola fast 100

      L’Italiana in Algeri > 90

      Il barbiere di Siviglia ~ 90

      La gazza ladra ~ 90

      Matilde di Shabran > 75

      Tancredi 66

      Maometto II/Le siège de Corinthe/L’assedio di Corinto 66*

      La donna del lago 64

      Ricciardo e Zoraide 61

      Aureliano in Palmira 51

      Eduardo e Cristina 43

      Zelmira 40

      Elisabetta 38

      L’inganno felice 37

      Guillaume Tell/Guglielmo Tell 35

      Torvaldo e Dorliska 33

      Bianca e Falliero ~ 30

      La pietra del paragone 29

      Le Comte Ory 22

      Ciro in Babilonia 20

      Armida 5-6

      Ermione 1

      Rest jeweils < 10

      *Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, da hier offenbar die verschieden Fassungen, die teilweise so stark voneinander abweichen, dass man sie auch als eigenständige Werke sehen könnte, zusammengefasst wurden.


      operabase.com listet für die Spielzeiten 2012/13 bis 2016/17 folgende Anzahl an Inszenierungen (weltweit):

      Il barbiere di Siviglia 586

      La Cenerentola 210

      L’Italiana in Algeri 80

      Il turco in Italia 49

      Guillaume Tell 31

      Le Comte Ory 29

      Il viaggio a Reims 28

      La cambiale di matrimonio 22

      La scala di seta 21

      Tancredi 15

      Semiramide 14

      Otello 11

      L’occasione fa il ladro 11

      Rest: 10 oder weniger

      Wie man sieht, waren Rossinis drei erfolgreichsten Opern Tragödien, während heute fast nur die Komödien gespielt werden.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
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      Eine von Rossinis sowohl damals als auch heute unerfolgreichsten Opern ist Sigismondo (1814). Einige Musikstücke sind daher in spätere Opern, vor allem Il barbiere di Siviglia und La Cenerentola, eingegangen; die Ouvertüre basiert auf der von Il turco in Italia. Das Libretto von Giuseppe Maria Foppa (laut einem Kritiker der Uraufführung eine „Missgeburt eines Schriftstellers, der seine mangelnden Fähigkeiten schon mehr als hundertmal nachgewiesen hat“) ist ziemlich unglaubwürdig und unnötig kompliziert. Die Geschichte ist sehr ähnlich wie die von Rossinis L’inganno felice (Libretto ebenfalls von Foppa), Schumanns Genoveva und Webers Euryanthe.

      Handlung:

      Vorgeschichte:
      Aufgrund einer Intrige seines Premierministers Ladislao (Tenor) aus enttäuschter Liebe, hält der polnische König Sigismondo (Alt) seine Frau Aldimira (Sopran) für untreu und verurteilt sie zum Tode. Obwohl alle Aldimira für tot halten, hat sie überlebt (wie das alles genau ablief, wird nie erklärt) und lebt nun mit dem in Ungnade gefallenen Adeligen Zenovito (Bass) als dessen Tochter Egelinda in einem Wald an der Grenze zu Ungarn. Die Handlung spielt 15 Jahre später.

      1. Akt: Sigismondo wird von Schuldgefühlen geplagt, glaubt Geister zu sehen und verfällt immer mehr dem Wahnsinn. Ladislao hat zwar deutliche Gewissenbisse, hofft aber dennoch, ihn mit seiner Schwester Anagilda (Sopran) verheiraten zu können. Aldimiras Vater Ulderico (Bass), König von Ungarn, hat Polen den Krieg erklärt, um den Tod seiner Tochter zu rächen. Sigismondo beschließt im Rahmen einer vermeintlichen Jagd das Grenzgebiet zu erkunden. Er und sein Gefolge machen vor der Hütte Zenovitos Halt. Beim Anblick Egelindas sind alle erstaunt über deren Ähnlichkeit mit der toten Königin. Zenovito schlägt vor, Ulderico zu besänftigen, indem man Egelinda als Aldimira ausgibt. Sigismondo möchte Aldimira an seinen Hof mitnehmen. Der Akt endet mit einem Angriff der Ungarn.

      2. Akt: Uldericos Truppen waren siegreich und bedrohen nun die Hauptstadt Gesna. Um das Täuschungsmanöver zu testen, präsentiert Sigismondo Egelinda seinen Höflingen, die in ihr die Königin zu erkennen glauben. Sigismondo gesteht Egelinda seine Liebe. Der Höfling Radoski (Tenor), der einst Ladislao bei seiner Intrige unterstützt hat, ist überzeugt, die echte Aldimira vor sich zu haben und gibt ihr einen Brief, mit dem Ladislao sie vor 15 Jahren umworben hat. Um den Plan zu sabotieren, erzählt Ladislao Ulderico, dass man ihm eine andere Frau als seine Tochter präsentieren will. Daraufhin erkennt Ulderico bei dem Treffen mit Sigismondo und Aldimira seine Tochter nicht und begrüßt sie als Egelinda (???). Der Krieg bricht erneut aus. Während Sigismondo von Ulderico gefangengenommen wird, versucht Ladislao in dem Chaos Aldimira zu töten (wieso bleibt unklar, da er sie ja nach wie vor für Egelinda hält), fällt dabei jedoch über einen Stein und gesteht nun (möglicherweise in Folge einer Gehirnerschütterung?), dass er Aldimira zu Unrecht der Untreue beschuldigt hatte. Sigismondo macht sich nun schwere Selbstvorwürfe, wird aber etwas von Aldimiras/Egelindas Liebesbetäuerung getröstet. Aldimira gelingt es nun endlich durch Vorzeigen des Briefes, Ulderico davon zu überzeugen, dass sie seine Tochter ist (wieso ein 15 Jahre alter Liebesbrief Ladislaos das beweisen soll, erschließt sich mir nicht). Ulderico vereint nun Aldimira wieder mit Sigismondo, der nun ihre wahre Identität erfährt und Ladislao, anstatt ihn zu töten, zu Kerkerhaft begnadigt.

      Musiknummern:

      Akt I:

      1. Introduzione O prence misero (Chor, Anagilda, Radoski, Ladislao)
      2. Cavatina Non seguirmi! (Sigismondo mit Anagilda, Ladislao, Radoski)
      3. Cavatina Oggetto amabile (Aldimira)
      4. Coro di cacciatori Al bosco! (Chor, Zenovito)
      5. Aria Vidi...ah no, che allor sognai (Ladislao)
      6. Duettino Un segreto è il mio tormento (Sigismondo, Aldimira)
      7. Aria Tu l'opra (Zenovito)
      8. Duetto Perché obbedir disdegni? (Ladislao, Aldimira)
      9. Finale I Quale, o Ciel (Tutti)

      Akt II:

      10. Introduzione In segreto a che (Chor)
      11. Chor Viva Aldimira! (Chor, Anagilda, Radoski)
      12. Duetto Tomba di morte (Aldimira, Sigismondo) oder
      12a. Duetto Se ricuso i doni tuoi (Aldimira, Sigismondo)
      13. Rondo Sognava contenti (Anagilda)
      14. Aria Giusto ciel (Ladislao)
      15. Aria Ah signor, nell'alma mia (Aldimira, Chor)
      16. Quartetto Genitor, deh, vien! (Aldimira, Sigismondo, Ladislao, Ulderico)
      17. Coro, Gran scena e Aria O sorte barbara!... Alma rea! (Sigismondo mit Ulderico, Ladislao, Aldimira, Chor)
      18. Finale II Qual felice amico giorno (Aldimira, Sigismondo, Ulderico, Ladislao, Chor)

      Auch von Sigismondo existiert eine Aufnahme aus Wildbad:



      Sigismondo - Margarita Gritskova
      Aldimira - Maria Aleida
      Ladislao - Kenneth Tarver
      Ulderico/Zenovito - Marcell Bakonyi
      Anagilda - Paula Sánchez-Valverde
      Radoski - César Arrieta

      Camerata Bach Choir, Poznán
      Virtuosi Brunensis, Antonio Fogliani
      Fortepiano: Michele D’Elia

      So krude die Handlung auch sein mag, liefert sie einige interressante Szenen, vor allem jene die um Wahnsinn und Schuldgefühle kreisen. Sigismondo scheint ständig den Geist Aldimiras vor seinem inneren Auge zu sehen. Bereits seine Auftrittsarie ist eine Wahnsinnsarie, in der seine Höflinge ihn gerade noch abhalten können, mit dem Schwert um sich zu schlagen, und besteht überwiegend aus unzusammenhängenden Satzfetzen, was sich auch in der stockenden Musik widerspiegelt. Margarita Gritskova gefällt mir sehr gut in der Rolle. Sie hat eine starke Tiefe und betont gerade in dieser ersten Arie sehr expressiv. Die Arie mit Gritskova ist hier zu hören:



      In der folgenden eher lyrischen Arie Aldimiras gefällt mir die Sopranistin Maria Aleida weniger. Sie steigert sich im späteren Verlauf aber deutlich. Der folgende Jägerchor ist später in La Cenerentola eingegangen, scheint mir aber aufgrund des prominenten Hörnereinsatzes besser zur Jagdszene in Sigismondo zu passen. Ein Higlight der Oper ist die Arie Ladislaos, als dieser, nachdem er von Sigismondo in Zenovitos Hütte geschickt wurde und dort Aldimira erblickt hat, völlig von Sinnen zurückkehrt und nun glaubt, selbst ebenfalls Geister zu sehen. Auch diese „Wahnsinnsarie“ klingt abgehackt und gehetzt. Kenneth Tarver singt das mit seiner hellen, schneidenden Stimme hervorragend und gefällt mir hier noch besser als in Bianca e Falliero. Diese Arie mit Tarver ist hier zu hören:



      Es folgen ein kurzes Duettino von Aldimira und Sigismondo und eine Arie Zenovitos, die mit einem Kontrabass-Solo beginnt und endet. Marcell Bakonyi singt neben Zenovito auch Ulderico mit sonorer Stimme. Beide Rollen wurden schon bei der Uraufführung von einem Sänger gesungen, was sich auch anbietet, da beide Rollen Väterfiguren sind und nur in jeweils einem Akt auftreten. Das dramatische Duett, in dem Ladislao „Egelinda“ davon überzeugen will, sich als Aldimira auszugeben, woraufhin sie ihn durch Andeutungen seiner Verbrechen aus dem Konzept bringt, ist ein weiterer Höhepunkt dieser Aufnahme. Maria Aleida klingt hier sowohl deutlich klangschöner als auch ausdrucksstärker als in ihrer Auftrittsarie. Sie zeigt Aldimira hier deutlich als sehr selbstbewusste, kämpferische Frau; man fragt sich, warum sie überhaupt zum wahnsinnigen Sigismondo zurück möchte.

      Das finale primo, in dem die anderen Figuren den verwirrt vor sich hinbrütenden Sigismondo beobachten, fällt gegenüber anderen aus Rossinis Feder etwas ab, zumal die Stretta mit dem obligatorischen Crescendo von einem äußeren Ereignis (dem feindlichen Angriff) ausgelöst wird und nicht aus der dramatischen Situation heraus.

      Im zweiten Akt ragt das Duett Sigismondo-Aldimira heraus, aus dem übrigens auch die Melodie von Basilios Verleumdungs-Arie entnommen ist. (Das war eine Verwechslung, die Melodie stammt aus einem Duett aus Aureliano in Palmira.) Rossini schrieb später ein alternatives Duett (12a), das ich aber nicht kenne. Das Rondo der Anagilda ist eine typische sorbetto-Arie, in der sie ihre Hoffnung besingt, Sigismondo vielleicht doch noch heiraten zu können. Dramatischer Höhepunkt dieses Aktes sind das Quartett und die Gran scena Sigismondos Alma rea!, von Gritskova hervorragend gesungen. Der allgemeine Jubel-Gesang mit dem Happy-End ist von den vielen finali dieses Typs, die Rossini geschrieben hat, nicht gerade der beste. Fogliani und die Virtuosi Brunensis spielen wie immer tadellos, der Chor klingt teilweise etwas unkoordiniert. Das Klangbild ist trotz einiger Bühnengeräusche etwas besser als bei Bianca e Falliero.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Amonasro () aus folgendem Grund: Falschinformation

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      Amonasro schrieb:

      Hier mal etwas Statistik:

      Bei Wikipedia hat sich jemand die Mühe gemacht, die Opern Rossinis nach der Anzahl Produktionen im 19. Jahrhundert in Italien zu sortieren. Ich habe das mal zu einer Liste zusammengefasst:

      Mosè in Egitto/Moise et Pharaon/Mosè > 130*

      (...)

      operabase.com listet für die Spielzeiten 2012/13 bis 2016/17 folgende Anzahl an Inszenierungen (weltweit):

      (...)

      Rest: 10 oder weniger

      Wie man sieht, waren Rossinis drei erfolgreichsten Opern Tragödien, während heute fast nur die Komödien gespielt werden.

      Der ehemalige Champion Mosè bringt es in diesem Zeitraum gerade auf eine Inszenierung. Allerdings scheint es aktuell eine Renaissance zu geben, denn 2018 sind es schon 5 Inszenierungen und eine konzertante Aufführung. Ich hab mal quergehört und fand es gar nicht so übel, vor allem die Chöre machen mächtig Eindruck. Die CD (lokalpatriotisch und die Underdogs unterstützend natürlich mit den Württemberger Philharmonikern) ist bestellt und wird in Ruhe angehört. Eine weitere Chance für die italienische Oper.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
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      Eine sehr gute Wahl (sowohl was die Oper als auch die Aufnahme angeht)! Der Mosè ist sicher eine der bemerkenswertesten Opern Rossinis. Er ist in Rossinis neapolitanischer Zeit entstanden, in der er einige Konventionen über Bord warf. Fast keine Arien, überwiegend Ensembles, keine Ouvertüre und ein rein instrumentaler Schluss. Der Chor hat tatsächlich eine deutlich größere Rolle als in seinen anderen Werken.

      Trotz geringer Aufführungszahlen ist der Mosè auf Tonträger zahlreicher vertreten als die meisten anderen ernsten Rossini Opern. Es gibt sogar schon min. 4 DVDs. Während zu Rossinis Zeit wohl die Grand-Opéra-Fassung bzw. deren Rückübersetzung ins Italienische beliebter war, scheint heute bevorzugt die ursprüngliche Neapel-Version gespielt zu werden.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Ricciardo e Zoraide

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      Die zu Rossinis Lebzeiten durchaus erfolgreiche Oper Ricciardo e Zoraide (1818) dürfte von seinen 9 neapolitanischen Opern heute die unbekannteste sein. Das Libretto schrieb wie bei seinem Otello Hobby-Librettist Francesco Maria Berio Marchese di Salsa, basierend auf dem damals populären Versroman Il Ricciardetto von Niccolò Forteguerri.

      Handlung:

      1. Akt:

      Nubien im 13. Jahrhundert. Der nubische König Agorante (Tenor) hat Zoraide (Sopran), Tochter des asiatischen Fürsten Ircano (Bass) entführt. Zoraide verbindet eine Liebesbeziehung mit dem christlichen Kreuzritter Ricciardo (Tenor), die von ihrem Vater abgelehnt wird.
      Agorante kehrt siegreich aus dem Krieg gegen Ircano in die nubische Hauptstadt Dongala zurück. Er plant Zoraide zu heiraten, obwohl er schon mit Zomira (Alt) verheiratet ist. Dieses spielt Zoraide Freundschaft vor, plant aber heimlich Rache. Als Agorante verkündet, Zoraide als Zweitfrau nehmen zu wollen, reagieren beide reserviert. Ricciardo gelangt verkleidet als afrikanischer Führer des mit ihm befreundeten christlichen Gesandten Ernesto (Tenor) in den Palast. Hier fordert Ernesto die Freilassung aller christlichen Gefangenen, andernfalls würde die derzeitige Waffenruhe beendet. In seinem Thronsaal bittet Agorante Zoraide erneut vergeblich, seine Frau zu werden. Ernesto teilt er mit, Zoraide nicht freizulassen, was zur gegenseitigen Kriegserklärung führt.

      2. Akt:

      Nach Ernestos Abreise ist Ricciardo in Dongala zurückgeblieben und erzählt Agorante, der ihn für seinen Landsmann hält, ein Gegner Ricciardos zu sein, da dieser ihm die Frau geraubt habe. Agorante bittet ihn, Zoraide von Ricciardos vermeintlicher Untreue zu berichten, was Ricciardo ein Vieraugengespräch mit Zoraide ermöglicht, das jedoch von einer Vertrauten Zomiras belauscht wird. Als Agorante zurückkehrt, empfiehlt ihm Ricciardo, Zoraide Gleichgültigkeit vorzutäuschen. Als Agorante ihr anbietet, zu ihrem Vater zurückzukehren und sie darauf eingeht, wird er jedoch so wütend, dass er ihre Hinrichtung befiehlt, sollte kein Ritter für sie kämpfen wollen. In diesem Moment erscheint ein unbekannter Ritter mit schwarzer Rüstung und kündigt an, für Zoraide kämpfen. Agorante wählt Ricciardo als seinen Kämpfer, Zoraide wird in den Kerker geführt. Ricciardo besiegt den Unbekannten, der anschließend als Ircano enttarnt wird. Zomira, die nun Ricciardos Identität kennt, täuscht vor, Ricciardo und Zoraide zur Flucht verhelfen zu wollen, lässt dann beide festnehmen und liefert sie Agorante aus.
      Zoraide, Ricciardo und Ircano werden zum Richtplatz geführt. Ircano wirft seiner Tochter vor, der Grund seines Unglücks zu sein. Agorante droht alle hinzurichten, sollte Zoraide ihn nicht heiraten. Zoraide gibt schließlich nach, als sie jedoch betont, dass sie ihn niemals lieben wird, befiehlt Agorante dennoch die Hinrichtung, die durch einen Angriff der Christen unterbrochen wird. Ricciardo verhindert, dass Agorante von Ernesto getötet wird und gibt ihm sein Schwert zurück. Ircano ist von dieser Großmut so beeindruckt, dass er dem Bund von Ricciardo und Zoraide nun zustimmt.

      Musiknummern:

      1. Ouvertüre und Introduktion Cinto di nuovi allori (Chor)
      2. Cavatina Minacci pur (Agorante, Chor)
      3. Chor Quai grida! (Chor, Zoraide, Fatima)
      4. Duett Invan tu fingi (Zoraide, Zomira)
      5. Terzett Cruda sorte! (Zoraide, Agorante, Zomira, Chor)
      6. Chor Che recate?
      7. Cavatina S'ella m'è ognor fedele (Ricciardo, Ernesto)
      8. Chor Se al valor
      9. Finale I Cessi omai quel tuo rigore (Agorante, Ricciardo, Ernesto, Zoraide, Zomira, Chor)
      10. Duett Donala a questo core (Agorante, Ricciardo)
      11. Duett Ricciardo! Che veggo? (Zoraide, Ricciardo)
      12. Quartett Contro cento e cento prodi (Ircano, Agorante, Ricciardo, Zoraide, Chor)
      13. Szene und Arie Più non sente (Chor, Zomira)
      14. Chor Il tuo pianto (Chor, Zoraide)
      15. Chor, Gran Scena und Finale II Qual giorno, ahimè, d'orror (Chor, Zoraide, Ricciardo, Ircano, Agorante, Zomira, Ernesto)

      Ricciardo e Zoraide zeigt die typischen Merkmale von Rossinis neapolitanischen Opern: ausschließlich orchesterbegleitete Rezitative, wenige Arien, viele Ensembles, etc. Über die ganze Oper verteilt sind zahlreiche eigenständige Chöre, die zu Rossinis effektvollsten zählen. Hervorzuheben sind vor allem der Chor Che recate!, ein Dialog der Soldaten auf der Stadtmauer und einem Erkundungstrupp außerhalb; der mystisch klingende Chor Il tuo pianto in der Gefängnisszene und der Chor zum Trauermarsch im 2. Finale (ähnlich gut wie der Trauermarsch in La gazza ladra). Die Oper ist wie alle Opern, die Rossini für Andrea Nozzari und Giovanni David schrieb, sehr tenorlastig, wobei der eine (Agorante) auch für einen Tenor ungewöhnlich tiefe Töne singen darf, während der andere (Ricciardo) einen Spitzenton nach dem anderen abfeuert. Die Protagonistin hat auffälligerweise überhaupt keine Arie. Die Ouvertüre, die Rossini hier wieder einführt (nachdem er sie beim im selben Jahr komponierten Mosè weggelassen hatte), ist diesmal durch ein Marschthema musikalisch eng mit der Introduktion verknüpft. Auch ist Ricciardo eine der ersten Opern, in der Rossini die Banda in größerem Umfang einsetzt, die in allen folgenden Opern eine wachsende Rolle einnimmt. Höhepunkte sind das Terzett im 1. Akt, das zunächst mit einer Reihe kurzer, abgehackter Phrasen beginnt und dann von einem feierlichen Frauenchor aus dem Off unterbrochen wird, der in scharfem Kontrast zur angespannten Situation auf der Bühne steht; das erste Finale, das zunächst als Quartett für 3 Tenöre und Sopran beginnt, in dem die Stimmen von Agorante, Ricciardo, Ernesto und Zoraide kanonartig erst nacheinander mit der selben Melodie einsetzen (ein ähnliches Quartett findet sich in der Introduktion von Semiramide), und das später mit einer von Rossinis dramatischsten Stretten endet; das ganze ausgedehnte 2. Finale und das Quartett im 2. Akt, dass Ricciardo in einer Zwickmühle zeigt: Siegt er gegen Ircano, wird Zoraide hingerichtet; verliert er, stirbt er wahrscheinlich selbst. Ircanos von allen missverstandener Satz „Sie gehört mir!“, bringt Ricciardo dann so in Rage, dass er den Kampf gewinnt. Insbesondere der a-capella gesungene Mittelteil hat eine sehr schöne Melodie. Rossini arbeitet hier häufig mit Musik hinter der Bühne: die Banda in der Introduktion, der Chor im Terzett, die militärische Bühnenmusik im ersten Finale, die die Protagonisten aus ihrer Kontemplation auffahren lässt und der Chor in der Kerkerszene.



      Agorante - Randall Bills
      Zoraide - Alessandra Marianelli
      Ricciardo - Maxim Mironov
      Ircano - Nahuel Di Pierro
      Zomira - Silvia Beltrami
      Ernesto - Artavaszd Sargsyan
      Fatima - Diana Mian
      Elmira - Anna Brull
      Zamorre - Bartosz Zolubak

      Camerata Bach Choir, Poznán
      Virtuosi Brunensis, José Miguel Pérez-Sierra

      Ricciardo gehört zu den längeren Rossini-Opern und kommt daher auf 3 CDs. Die neue Aufnahme aus Wildbad überzeugt auf ganzer Linie und gehört für mich in die Reihe der besten Rossini-Aufnahmen aus Wildbad (neben La donna del lago, Semiramide und L’Italiana in Algeri). Gegenüber der einzigen anderen (sehr statischen und zudem sündhaft teuren) Aufnahme von Opera Rara, die man sich auf YouTube anhören kann, besticht diese Aufnahme durch die jugendlichen Stimmen und die leidenschaftliche Interpretation sowohl der Solisten als auch des Orchesters.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)