Rossini: Il barbiere di Siviglia

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    • Rossini: Il barbiere di Siviglia

      Während einige selten gespielten Opern wie Guillaume Tell, Semiramide und sogar Matilde di Shabran hier eigene Threads haben, fehlt tatsächlich noch der zu Rossinis bekanntester Oper: Il barbiere di Siviglia.

      Das Libretto basiert auf dem Drama Le Barbier de Séville von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Der eigentliche Titel der Oper lautet Almaviva o sia L’inutile precauzione (Almaviva oder Die nutzlose Vorsicht), da es zur Zeit der Entstehung bereits einen Il barbiere di Siviglia von Giovanni Paisiello gab, der auf der gleichen Vorlage basiert. Bei der Uraufführung am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom fiel das Werk beim Publikum durch, was unter anderem auf die Anwesenheit zahlreicher Anhänger Paisiellos zurückgeführt wird. In der Folge wurde der barbiere schon zu Rossinis Lebzeiten sein erfolgreichstes Werk und blieb es bis heute; operabase listet ihn auf Platz 6 der weltweit meistaufgeführten Opern in der Spielzeit 2014/15, damit ist er die meistaufgeführte komische Oper. Nach Rossinis eigenen Angaben komponierte er die ganze Oper in nur dreizehn Tagen.

      Personen:

      Der Graf von Almaviva (Tenor)
      Figaro, Barbier von Sevilla (Bariton)
      Rosina, reiche Waise (Alt)
      Dr. Bartolo, Arzt und Rosinas Vormund (Bass)
      Don Basilio, Rosinas Musiklehrer (Bass)
      Berta, Bartolos Haushälterin (Sopran)
      Ambrogio, Bartolos Diener (Bass)
      Fiorello, Almavivas Diener (Bass)
      Ein Offizier (Bass)
      Ein Alkalde (stumme Rolle)
      Ein Notar (stumme Rolle)
      Ort & Zeit der Handlung: Sevilla im 18. Jahrhundert

      Die Handlung:

      Akt I

      Ein Platz in Sevilla

      Der Graf von Almaviva verliebt sich in die Waise Rosina und folgt ihr bis nach Sevilla, wo sie bei ihrem Vormund Dr. Bartolo lebt. Nachdem auf ein nächtliches Ständchen keine Reaktion folgte, begegnet er seinem ehemaligen Diener Figaro, der nun als Barbier arbeitet. Es gelingt der von Bartolo streng bewachten Rosina, eine Nachricht vom Balkon fallen zu lassen, in der sie ihren Verehrer nach seinem Namen fragt. Er und Figaro hören, dass Bartolo selbst plant, Rosina zu heiraten. Der Graf antwortet ihr mit einem Lied, in dem er sich als armer Student Lindoro ausgibt. Er beauftragt Figaro damit, ihm Zutritt zu Bartolos Haus zu ermöglichen. Figaro schlägt eine Verkleidung als betrunkener Soldat vor.

      Im Haus Bartolos

      Rosina schreibt einen Brief an „Lindoro“, in den sie sich verliebt hat. Sie wird von Figaro aufgesucht, der sich versteckt als Bartolo mit dem Musiklehrer Basilio erscheint. Basilio berichtet, der Graf von Almaviva, in dem Bartolo Rosinas Liebhaber vermutet, sei in Sevilla. Basilio schlägt vor, ihn durch eine Verleumdung unschädlich zu machen. Figaro bestätigt Rosina, dass „Lindoro“, den er als seinen Cousin ausgibt, sie liebt und fordert sie auf, ihm eine Nachricht für ihn mitzugeben. Zu seiner Überraschung hat sie bereits einen Brief geschrieben. Bartolo erkennt an dem fehlenden Papier und einem Tintenfleck an Rosinas Finger, dass sie an jemanden geschrieben hat und fordert sie auf den Namen des Empfängers zu nennen. Als sie schweigt, kündigt er an, sie einzusperren.
      Der Graf betritt als betrunkener Soldat das Haus und zeigt einen gefälschten Einquartierungsbefehl; Bartolo kann jedoch beweisen, dass er von der Einquartierungspflicht befreit ist. Es gelingt Almaviva Rosina eine weitere Nachricht zukommen zu lassen. Da er sich weigert zu gehen, kommt es beinahe zum Kampf mit Bartolo, der von Figaro verhindert wird. Schließlich erscheint die Wache und nimmt Almaviva fest; sie lässt ihn aber gleich wieder frei, als er dem Offizier seine Identität offenbart. Der Akt endet in allgemeiner Verwirrung.

      Akt II

      Im Haus Bartolos

      Almaviva gibt sich als Don Alfonso, ein Schüler und Vertretung des angeblich erkrankten Basilio aus. Um Bartolos Vertrauen zu erlangen, gibt er ihm einen Brief, mit dem er Rosina die Untreue ihres Geliebten beweisen will. Bartolo ist begeistert und ruft Rosina zur Musikstunde. Während dem Unterricht, in dem Rosina eine Arie aus einer neuen Oper singt, schläft Bartolo ein, was Rossina und „Lindoro“ zu gegenseitigen Liebesbeteuerungen nutzen. Bartolo singt daraufhin eine alte Arie aus seiner Jugend, wird aber von Figaro unterbrochen, der Bartolo zu einer Rasur nötigt und ihm den Schlüssel zu Rosinas Balkon entwendet. Zur allgemeinen Überraschung steht plötzlich Basilio in der Tür. Almaviva gelingt es, Bartolo davon zu überzeugen, dass Basilio eine Gefahr für den gemeinsamen Plan darstellt, und Basilio aus dem Haus zu komplimentieren. Während Figaro Bartolo rasiert, verabreden Almaviva und Rosina die gemeinsame Flucht. Bartolo hört das Gespräch jedoch teilweise mit an, und jagt alle aus dem Haus.
      Die Haushälterin Berta besingt ihren eigenen Liebeskummer. Bartolo schickt nach Don Basilio, der in dem falschen Musiklehrer Almaviva vermutet und berichtet, Figaro wolle diese Nacht eine Nichte verheiraten. Bartolo fordert Basilio auf, den Notar zu holen und überzeugt Rosina mit Hilfe des von ihr an "Lindoro" geschriebenen Briefs davon, dass Lindoro sie für den Grafen entführen will. Rosina gesteht daraufhin den Fluchtplan und erklärt sich bereit, Bartolo zu heiraten. Als Almaviva mit Figaro über den Balkon ins Haus gelangt, entdeckt er ihr seine wahre Identität. Bartolo entfernt unterdessen die Leiter vom Balkon, sodass die drei nicht mehr fliehen können. Als Basilio mit dem Notar erscheint, gibt Figaro Rosina als seine Nichte aus und die Ehe zwischen ihr und Almaviva wird mit Hilfe des bestochenen Basilio geschlossen. Als Bartolo mit der Wache zurückkehrt, ist es schon zu spät. Almaviva fordert Bartolo auf, seinen Widerstand aufzugeben und überlässt ihm großzügig Rosinas Mitgift.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Nummern:

      Sinfonia
      Akt I
      1 Introduktion Piano, pianissimoEcco, ridente in cielo (Fiorello, Almaviva, Chor)
      2 Cavatina Largo al factotum (Figaro)
      3 Canzone Se il mio nome saper voi bramate (Almaviva)
      4 Duett All’idea di quel metallo (Figaro, Almaviva)
      5 Cavatina Una voce poco fa (Rosina)
      6 Arie La calunnia è un venticello (Basilio)
      7 Duett Dunque io son... tu non m’inganni? (Rosina, Figaro)
      8 Arie A un dottor de la mia sorte (Bartolo)
      9 Finale I Ehi di casa... buona gente... (Almaviva, Bartolo, Rosina, Berta, Basilio, Figaro, Chor, Offizier)
      Akt II
      10 Duettino Pace e goia sia con voi (Almaviva, Bartolo)
      11 Arie Contro un cor che accende amore (Rosina)
      12 Arietta Quando mi sei vicina (Bartolo)
      13 Quintett Don Basilio!... (Rosina, Almaviva, Figaro, Bartolo, Basilio)
      14 Arie Il vecchiotto cerca moglie (Berta)
      15 Temporale
      16 Terzett Ah! Qual colpo inaspettato (Rosina, Almaviva, Figaro)
      17 Accompagnato-Rezitativ Il Conte!... ah, che mai sento!... (Almaviva, Bartolo)
      18 Arie Cessa di più resistere (Almaviva, Chor)
      19 Finaletto II Di sì felice innesto (Almaviva, Rosina, Figaro, Bartolo, Basilio, Berta, Chor)

      Der Barbier von Sevilla war eine der ersten Rossini-Opern, die ich hören konnte, und ist nachwievor eine meiner liebsten komischen Opern. Besonders gefallen mir Almavivas Cavatine Ecco, ridente in cielo, Rosinas Una voce poco fa, das Quintett im 2. Akt und Almavivas oft gestrichene Schlussarie, die ihn als eigentliche Hauptfigur ausweist.

      Ein witziges Detail am Rande: Kürzlich habe ich gelesen, dass am Schluss des Satzes Fossilesvon Saint-Saëns Karneval der Tiere die Arie Una voce poco fa parodiert wird, und zwar die Stelle Ma se mi toccano dov'è il mio debole sarò una vipera… Wäre mir von selbst nie aufgefallen.

      Ich besitze folgende Aufnahmen:



      Diese von Alceo Galliera geleitete Aufnahme lebt vor allem von der expressiven Darstellung durch Maria Callas und Tito Gobbi. Für die Rolle der Rosina ziehe ich aber Mezzosoprane bzw. Altistinnen vor. Maria Callas gelingt dennoch eine sehr lebendige Interpretation - wenn schon eine Sopran-Rosina, dann bitte so! Luigi Alvas sehr leichte, etwas eigenwillige Stimme passt für mich sehr gut zu Rossini; es gelingt ihm aber nicht, seiner Figur eine ähnlich markante Persönlichkeit zu verleihen wie seine beiden Kollegen, sodass Almaviva etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Als kleinen Schwachpunkt empfinde ich Fritz Ollendorff, der als Bartolo etwas blass bleibt. Besonders gelungen finde ich dagegen den Basilio von Nicola Zaccaria, der stellenweise geradezu unheimlich klingt. Die Secco-Rezitative und Bartolos rasante Arie wurden gekürzt, die Tenor-Arie Cessa di più resistere und das vorherige Recitativo strumentato fehlen. Die Tonqualität ist für das Aufnahmejahr (1957) sehr gut und im Gegensatz zu Callas’ Il turco in Italia-Aufnahme in Stereo.



      Die Marriner-Aufnahme zeichnet sich durch einen vollen Orchesterklang und größere Vollständigkeit aus. Alle Musiknummern sind enthalten, gekürzt wurden nur die Secco-Rezitative. Agnes Baltsa kommt meiner Ideal-Rosina am nächsten, eine sehr leidenschaftliche und verschmitzte Darstellung. Thomas Allen als Figaro steht ihr in nichts nach und klingt in seiner Arie Largo al factotum müheloser als Gobbi. Die übrige Besetzung mit Francisco Araiza, Domenico Trimarchi und Robert Lloyd lässt eigentlich keine Wünsche offen. Ein weiterer Vorteil dieser Aufnahme ist, dass sie durch einige nette Einfälle deutlich lebendiger klingt; so singt Trimarchi den Beginn seiner Kastraten-Arie im Falsett und in der Musikszene hört man Almaviva auf dem Klavier spielen.



      Die Ponnelle-Verfilmung mit dem Scala-Orchester unter Abbado hat ebenfalls Luigi Alva als Almaviva und hier überzeugt er mich mehr als in der früheren Aufnahme, was aber sicher auch an dem zusätzlichen optischen Eindruck liegt, denn Alva spielt seine Rolle sehr überzeugend. Teresa Berganza gefällt mir stimmlich sehr gut, schauspielerisch bleibt sie eher blass. Bei ihr macht sich außerdem unangenehm bemerkbar, dass Ton und Bild getrennt voneinander aufgenommen wurden: An einigen Stellen hat sie den Mund fast geschlossen, während sie mit voller Stimme singt. Hermann Prey kommt für mich nicht an andere Rollenvertreter heran, hier ziehe ich dunkler timbrierte Stimmen wie Gobbi, Allen oder Roberto Servile vor. Enzo Dara und Paolo Montarsolo überzeugen mich dagegen mit ihrer herrlich überdrehten Darstellung sehr. Besonderes Lob gebührt Stefania Malagù als Berta, ihre Arie ist ein Highlight des Films. Ponnelles Verfilmung ist relativ traditionell und besticht durch einige witzige Einfälle wie z. B. dem Gemälde Bartolos, das stark an Dalís Selbstporträt erinnert. Die Nummern 17 und 18 fehlen auch hier, die Rezitative sind vor allem im ersten Akt (Balkonszene) deutlich vollständiger als bei den oben genannten Aufnahmen.



      Die Naxos-Aufnahme unter Will Humburg sticht in mehreren Punkten besonders heraus: Zum einen ist Ramón Vargas der für mich überzeugendste und schönklingenste Almaviva. Zum anderen wurde hier versucht, alle Geräusche, die man auch bei einer Live-Aufnahme hören würde, mitaufzunehmen. Das Ergebnis ist mit dem Solti-Ring vergleichbar: Man hört in der ersten Szene die Musiker ihre Instrumente stimmen; das Klappern von Münzen immer dann, wenn Geld den Besitzer wechselt; das Knistern von Papier, wenn ein Brief geöffnet wird; etc. Außerdem hört man immer, wenn eine Person den Raum verlässt oder betritt, das Schließen einer Tür; wobei die verschiedenen Türen durchaus anders klingen und von den einzelnen Personen unterschiedlich geschlossen werden (z. B. schlägt Bartolo die Türen wutentbrannt zu).

      Zitat aus einer Gramophone-Rezension:

      Richard Osborne schrieb:

      „Whoever improvised these sounds for Naxosduring the sessions must be to the hinge-and-door what Paganini was to the violin.”

      Zudem gibt es immerwieder improvisierte Zwischenrufe auch in die Musik hinein (z. B. erschrockenes Murmeln Bartolos während Basilios Arie oder ein erleichtertes „finalmente!“, als Rosina ihre Arie beendet, die von Bartolos Schnarchen begleitet wird), was sicher nicht jedem gefallen wird, dafür aber auch einiges an Komik erzeugt, was den anderen Audio-Aufnahmen in dieser Form nicht gelingt. Es ist der Aufnahme schon mehrfach gelungen, mich beim Hören zum Schmunzeln zu bringen, was bei einer Komödie ein gutes Zeichen ist. Die Rezitative werden völlig ungekürzt gesungen. Roberto Servile verfügt als Figaro über eine sehr kernige, kraftvolle Stimme mit einem an Gobbi erinnernden Timbre. Sonia Ganassi finde ich bei Rossini (z. B. in La donna del lago) immer hörenswert, so auch hier. Die übrige Besetzung (Angelo Romero als Bartolo, Franco de Grandis als Basilio, Ingrid Kertesi als Berta) ist durchschnittlich ohne die Interpreten der anderen Aufnahmen vergessen zu lassen.

      Welche Aufnahme des Barbier gefällt euch am besten? Hört ihr lieber Sopranistinnen oder Mezzosopranistinnen als Rosina?

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amonasro () aus folgendem Grund: Kursivierung

    • Hallo in die Runde!

      Bevor ich zu meinen Aufnahmen komme möchte ich noch zuerst ein paar Anekdoten und Geschichten zu dieser Oper erzählen.

      Vor der Premiere der Oper hatte Rossini beim Impresario des Teatro Argentino, wo die Uraufführung stattfand, verlangt die Ouvertüre der "Italiana in Algeri" dem Stück voranzustellen. Diese war jedoch nicht verfügbar, also bat Rossini um die des "Turco in Italia". Als ihm kurz vor der Vorstellung (manche Quellen sagen gar erst am Vormittag der Premiere) mitgeteilt wurde, dass auch die Noten dieses Stückes nicht verfügar seien, meinte Rossini nur lapidar "Was habt ihr denn da?" - "Den Aureliano in Palmira hätten wir da" - "Dann spielt halt den, Hauptsache es ist von mir..."

      Die Premiere wurde nicht zum Erfolg (woran die Premiere sabotierenden Anhänger Paisiellos regen Anteil nahmen), erst die zweite Vorstellung geriet zum Triumph. Den Almaviva in der Uraufführung gab übrigens Manuel Garcia, selbst auch Komponist und eine schillernde Gestalt der Opernwelt der damaligen Zeit.


      1822 besuchte Rossini Wien und löste ein wahres "Rossinifieber" aus, wie in den meisten anderen Städten auch, die er besuchte. Zelmira wurde gegeben, die Cenerentola ebenso. Rossini selbst dirigiert einige Vorstellungen, seine Herzensdame stand auf der Bühne. In ganz Wien wurde seine Melodien gesummt, gesungen, gepfiffen. "Überall in den Straßen hört man nur Figaro hier, Figaro da", soll er gesagt haben.
      Als eben Rossini (mitsamt seiner Gemahlin Isabella Colbran) in Wien weilte, kam es zu einem Treffen mit Ludwig van Beethoven. Beethoven hatte Rossinis Schaffen aufmerksam verfolgt und war ein großer Bewunderer des "Barbiers". Er soll Rossini den Rat gegeben haben: "Schreiben Sie mehr Opern im Stile des Barbier von Sevilla! Ihre komischen Opern sind herausragen, das ernste Fach liegt ihnen nicht!"


      Zu guter letzt möchte ich noch einen Namen in die Runde werfen, den die wenigsten wahrscheinlich schon einmal gehört haben werden:
      Francesco Morlacchi (1784 - 1841)
      Dieser Komponist brachte im Mai 1816 im Dresdner Hoftheater eine Oper auf die Bühne..."Il barbiere di Siviglia" nach einem Libretto von Petrosellini. Damals als Abklatsch von Rossinis Oper verunglimpft wurde sie jedoch bereits 1815 komponiert. Sie geriet, genauso wie ihr Schöpfer, in Vergessenheit, obwohl diese Premiere von Erfolg gekrönt war und die Oper auch einige Jahre lang noch gegeben wurde.

      Gegen Rossinis unsterbliche Melodien hatte sie aber, das muss man ehrlich sagen, nie wirkliche eine Chance auf den Spielplänen zu bestehen...
    • Da werfe ich doch gleich meine Lieblingsaufnahme ins Rennen:


      Sesto Bruscantini (Figaro), Victoria de los Angeles (Rosina), Luigi Alva (Conte), Carlo Cava (Basilio), Jan Wallace (Bartolo)
      Glyndbourne Festival Chorus & Royal Philharmonic Orchestra, Dirigent: Vittorio Gui (Aufnahme 9/1962).
      Eine ganz wunderbare, leichte und inspirierte Einspielung, vor allem finde ich Sesto Bruscantini in der Titelrolle großartig. Nichts gegen Gobbi und Callas, das ist ebenfalls eine tolle Aufnahme, doch diese hier, so finde ich, ist besonders liebenswert.
      Der Dirigent Vittorio Gui (1885-1975) hat übrigens so weit wie möglich auf die Originalfassung zurückgegriffen. Er setzte sich zeitlebens für das Werk Rossinis in besonderer Weise ein. Viele über die Jahrzehnte eingeschlichene falsche Traditionen hat er bei seinen Aufführungen beseitigt, so auch hier.
    • Die Aufnahme unter Galliera gehört für mein Empfinden jedenfalls in die Spitzengruppe; vor allem die Ensembles sind Spitze! Die Szene "Don Basilio, come state?" bleibt für mich unübertroffen.

      Trotz ihres Alters sehr gut und kaum bekannt ist diese ein bißchen gekürzte Einspielung, die unter mehreren Labels veröffentlicht wurde:
    • Cavaradossi schrieb:

      Da werfe ich doch gleich meine Lieblingsaufnahme ins Rennen:


      Sesto Bruscantini (Figaro), Victoria de los Angeles (Rosina), Luigi Alva (Conte), Carlo Cava (Basilio), Jan Wallace (Bartolo)
      Glyndbourne Festival Chorus & Royal Philharmonic Orchestra, Dirigent: Vittorio Gui (Aufnahme 9/1962).
      Singt Alva hier die Arie Cessa di più resistere? Die würde ich ja gerne mal von ihm hören. Bei Galliera und Abbado singt er sie leider nicht.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Amonasro schrieb:

      Singt Alva hier die Arie Cessa di più resistere? Die würde ich ja gerne mal von ihm hören. Bei Galliera und Abbado singt er sie leider nicht.
      Hallo Amonasro,

      leider nein. Luigi Alva hatte ja in den 1950/60er Jahren sowas wie ein Patent auf die Rolle, mir sind mindestens 5 GA mit ihm bekannt. Aber diese Arie hatte er wohl nicht im Repertoire.
      Eine sehr schöne Version findest Du in dieser insgesamt ausgezeichneten Aufnahme von 1959, glänzend gesungen von Cesare Valletti (CD 3, Track 19): :down :down :down


      Es ist m.W. die einzige völlig ungekürzte Einspielung der Oper, mit einer internationalen, aber sehr ausgewogenen Besetzung:
      Robert Merrill (Figaro), Roberta Peters (Rosina), Cesare Valletti (Conte), Giorgio Tozzi (Basilio), Fernando Corena (Dr. Bartolo) u.a.
      Erich Leinsdorf mit dem Ensemble der Metropolitan Opera New York.

      :hello LG, Cavaradossi

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cavaradossi ()

    • Danke für den Tipp, die Naxos-Aufnahme ist m. W. auch ungekürzt.

      Die Arie scheint so etwas wie Rossinis Allzweckwaffe gewesen zu sein. Die Musik taucht in abgewandelter Form auch in La Cenerentola, Adelaide di Borgogna und der Kantate Le nozze di Teti e di Peleo auf. Hier wurden die verschiedenen Versionen nebeneinander gestellt: "https://www.youtube.com/watch?v=oR4Ru_W11_0"

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Hallo Amonasro,

      auch dies ein hörenswerter, leider fast vergessener "Barbier" aus der Anfangszeit von Stereo:


      mit der Italo-Amerikanerin Gianna d'Angelo als Rosina, Renato Capecchi (Figaro), Nicola Monti (Graf), Carlo Cava (Basilio), Giorgio Tadeo (Dr. Bartolo),
      Chor und Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent: Bruno Bartoletti (Aufnahme: 1959).
      Nicola Monti singt einen wirklich betörenden Almaviva (die von Dir reklamierte Arie singt er leider ebenfalls nicht), aber auch die übrigen Mitwirkenden leisten Vorzügliches. Der italienische Dirigent macht den Bayern ordentlich Feuer, so daß eine spritzige, feinnervige Aufführung zustande gekommen ist. Bei ihrem ersten Erscheinen wurde auf die leuchtende Klangwirkung besonders hingewiesen.
      Schade, daß sie in der Überfülle des Angebots inzwischen total an den Rand gedrängt wurde.

      LG, Cavaradossi
    • Amonasro schrieb:

      Danke für den Tipp, die Naxos-Aufnahme ist m. W. auch ungekürzt.

      Die Arie scheint so etwas wie Rossinis Allzweckwaffe gewesen zu sein. Die Musik taucht in abgewandelter Form auch in La Cenerentola, Adelaide di Borgogna und der Kantate Le nozze di Teti e di Peleo auf. Hier wurden die verschiedenen Versionen nebeneinander gestellt: "https://www.youtube.com/watch?v=oR4Ru_W11_0"

      Gruß Amonasro :hello
      Lieber Amonasro!

      Das "von sich selbst abschreiben" war eine Modeerscheinung in der damaligen Opernwelt. Bellini hat nur 10 Opern und immer wieder findest du Motive und Arien von einer Oper in der anderen. Als ich das erste Mal die Zaira gehört habe gings bei mir dauernd nur..."moment - das hab ich doch schon mal gehört" 8o

      Und bei Rossini verhält es sich nicht anders. Im ersten Akt vom Ory ist beinahe die ganze "Viaggio a Reims" enthalten...;)

      LG



    • Eine der besten Inszenierungen dieser Oper mit der jungen Cecilia Bartoli - sie ist umwerfend - und Robert Lloyd als Basilio aus dem Jahr 1988. Der Figaro (Gino Quilico) spielt gut und singt ordentlich, kommt aber an die anderen Protagonisten nicht heran, denn die sind brillant.




      Ebenfalls ausgesprochen sehens- und hörenswert dieser Zürcher "Barbiere" unter Nello Santi, 2001.
    • Es gibt noch eine Aufnahme von 1952 mit der Los Angeles ...


      Coro Sinfonica Di Milano Della Rai, Orchestra Sinfonica Di Milano Della Rai,
      Victoria De Los Angeles, Nicola Monti, Gino Bechi, Nicola Rossi-Lemeni, Melchiorre Luise
      Tullio Serafin

      Eine etwas betuliche Aufnahme, die nur von den Sänger Höhepunkten lebt und das sind einige.
      Auch hier fehlt natürlich die Schluss Arie des Grafen, hat man halt damals weggelassen, ich bin ja der Meinung dass der Barbiere zum Schluss schon etwas abfällt und die Arie macht das Kraut auch nicht mehr fett.
      Der Clou der Aufnahme ist Rossi-Lemeni als Bartolo, einfach köstlich, Monti ist sehr gut und verlässlich, die Los Angeles singt hier in der Mezzo Lage, was sie sehr gut macht, einzig Bechi, der ist mir zu brutal in seinem singen, in den Duetten und Ensembles ist das zu akzeptieren und dann noch Melchiorre Luise als kauzigen Bartolo, das war der Bartolo vom Dienst in jener Zeit.
      Also keine Aufnahme zum Spaß haben am ganzen.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von palestrina ()

    • Kennt jemand von den Barbiere Enthusiasten diese Aufnahme...

      1987 Live Turin

      Eine interessante, voll von Bühnengeräuschen, schwungvolle Wiedergabe (nichts für Studio Puristen), die mir auch ziemlich gut gefällt!
      Gesanglich ist das sehr gut, obwohl sich wohl an Rockwell Blake die Geister scheiden!?

      Aber da ist etwas aus dem ich nicht schlau werde, schon die ganzen Jahre, unmittelbar vor der Temporale singt Rosina eine Arie, ich glaube es zu kennen aber woher? und was soll sie da?, kann auch nicht den Text verstehen, also hat jemand eine Ahnung?

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Ich kenne die Aufnahme zwar nicht, habe aber gelesen, dass Rossini für die Sopranistin Joséphine Fodor-Mainvielle, die die Rolle 1818 in London und 1820 in Paris gesungen hat, eine Arie an dieser Stelle nachkomponiert hat. Bei Rossini wäre es ja nicht überraschend, wenn die Musik Anleihen aus anderen Opern enthält.

      Ist das der Text?

      Ma forse, ahimè, Lindoro avrà perduto
      Questo dell'amor mio pegno soave.
      Troppo il poter d'un vivo amore ei sente!
      Oh, me lo dice il cor: egli è innocente!

      Ah se è ver che in tal momento
      Ti scordasti, oh Dio, di me,
      Il rimorso, il pentimento,
      Mi ritorni la tua fé.

      Se innocente è il caro bene
      Qual maggior felicità:
      Più non sento le mie pene.
      Di più il cor bramar non sa.

      L'innocenza di Lindoro
      Deh tu svela, amor pietoso.
      Per te l'alma avrà riposo,
      Per te il cor giubilerà!
      Ah se riede il caro bene,
      Qual maggior felicità!

      Gruß Amonasro :hello

      Edit: In dieser Aufführung wird die Arie von Maria Bayo gesungen: "https://www.youtube.com/watch?v=9VTuNhuILFI&t=2681s" (etwa bei 2h11).
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amonasro ()

    • BINGO Amonaso! :thumbsup: :down

      Wenn man jetzt den Text vor sich hat, kann man auch die Worte verstehen!

      Ich DANKE dir ganz herzlich!

      Werde mir jetzt mal den Weinstock/Rossini vornehmen ob ich da auch was finde!

      LG palestrina :hello
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von palestrina ()

    • Cavaradossi schrieb:

      leider nein. Luigi Alva hatte ja in den 1950/60er Jahren sowas wie ein Patent auf die Rolle, mir sind mindestens 5 GA mit ihm bekannt.
      Lieber Cavaradossi, zwanzig Jahre später immer noch. Ich habe ihn in den 80iger Jahren noch häufig in Hamburg im Barbier erlebt. In meiner Erinnerung hatte er seine Stimme ausgesprochen gut konserviert, wenn auch die Leichtigkeit natürlich nicht mehr so vorhanden war. Aber es klang alles schon ein wenig betulich.
      :hello Falstaff
    • Amonasro schrieb:

      Ich kenne die Aufnahme zwar nicht, habe aber gelesen, dass Rossini für die Sopranistin Joséphine Fodor-Mainvielle, die die Rolle 1818 in London und 1820 in Paris gesungen hat, eine Arie an dieser Stelle nachkomponiert hat. Bei Rossini wäre es ja nicht überraschend, wenn die Musik Anleihen aus anderen Opern enthält.

      Ist das der Text?

      Ma forse, ahimè, Lindoro avrà perduto
      Questo dell'amor mio pegno soave.........
      Gruß Amonasro :hello

      Edit: In dieser Aufführung wird die Arie von Maria Bayo gesungen: "https://www.youtube.com/watch?v=9VTuNhuILFI&t=2681s" (etwa bei 2h11).

      palestrina schrieb:

      BINGO Amonaso! :thumbsup: :down

      Wenn man jetzt den Text vor sich hat, kann man auch die Worte verstehen!

      Ich DANKE dir ganz herzlich!

      Werde mir jetzt mal den Weinstock/Rossini vornehmen ob ich da auch was finde!

      LG palestrina :hello
      Um nochmals auf diese wunderschöne Arien zurück zukommen, ich wusste ja irgendwie kannte ich das, aber woher, es ließ mir keine Ruhe, und dann kam die Erleuchtung...




      die Horne hat diese Superscheibe mit Alternativ Arien 1982 in den RAI Studios in Turin aufgenommen, mit dem genialen Dirigat von Alberto Zedda, es war eine Arie w.o.gesagt für Sopran, die Horne singt sie nach unten transponiert, eine Scheibe die sich allemal lohnt, auch die Informationen zu den einzelnen Arien im Booklet sind sehr informativ. Habe das heute etliche Male im Player gehabt (und gehört :D ).

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • AD 1956

      Eine der Aufnahmen die nur in Teilen gelungen ist, das fängt bei dem unseligen Tenor A.Misciano an der die ganze Aufnahme keine Linie in sein singen bringt, nicht nur in den Arien, nein auch in den Duetten!
      Was ich zu Bastianini sagte, ist im Figaro Arien Thread, hinzufügen möchte ich noch, das schöne Duett
      „ All'idea di quel metallo " toll von Bastianini gesungen, wird durch den Tenor völlig zerstört! :(
      Simionato ist in meinen Ohren auch nicht das gelbe vom Ei, das klingt ältlich und wenig keck und spritzig, wie die ganze Aufnahme. Die einzigen die diese GA noch retten :D sind Siepi und Corena die immer wieder versuchen das Ruder rum zu reißen, was aber Erede wohl nicht zulässt, somit bleibt es eine ziemlich routinierte Angelegenheit!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Mon Dieu, fast hätte ich ja meine Lieblingsaufnahme vergessen ...

      LIVE konzertant 21.-23.11.1997
      Philharmonie im Gasteig, München

      Rosina: Edita Gruberova
      Berta: Rosa Laghezza
      Conte Almaviva: Juan Diego Flórez
      Figaro: Valdimir Chernov
      Don Bartolo: Enric Serra
      Don Basilio: Francesco Ellero d'Artegna
      Fiorello, Ambrogio, Un Ufficiale: James Anderson

      Christian Brembeck, Hammerklavier :thumbsup:
      Männerchor des Bayerischen Rundfunks
      Michael Gläser
      Münchner Runfunkorchester
      Ralf Weikert

      Der 24jährige Flóres und die 51jährige Gruberova, passt das zusammen, oh ja es passt wunderbar, der Grubsi hört man ihr Alter überhaupt nicht an, ( oder bin voreingenommen ;) ) ! Die Arie „ Una voce poco fa " singt sie mit fantastischen Verzierungen, und das Publikum ist am Ausrasten!
      Und Flóres am Anfang seiner Karriere, (ein Jahr nach seinem Debüt in Pesaro) singt wie der Liebling der Götter, einfach göttlich, wie er die Schlussarie „ Cessa di più resistere " singt das ist zum dahinschmelzen!
      Und der damals an der Bayerischen Staatsoper engagierte Chernov singt den Figaro einfach fulminant, mit Witz und Biss. Ellero d'Artegna mit seinem dunklen Bass ist ein prachtvoller Basilio, der aber aus dem Ensemble etwas herausfällt, da fehlt so ein wenig das Hintergründige.
      Enric Serra als Basilio fügt sich gut ins Ensemble, sowie auch Rosa Laghezza als Berta.
      Insgesamt ist es eine prachtvolle Aufnahme, und das Publikum dankte es ihnen mit ungeheuerem Applaus!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong