Kurt Moll, ein großer deutscher Baß

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    • Kurt Moll, ein großer deutscher Baß

      Kurt Moll, geboren am 11. April 1938 in Buir bei Köln, gestorben am 5. März 2017 in Köln.

      Seine musikalische Begabung tritt früh zutage, aber erst schlägt er die Laufbahn eines Cellisten ein. Doch dann entdeckt man seine Stimme, und so studiert er schließlich Gesang an der Kölner Hochschule für Musik. Sein Debüt gibt er in Aachen, 1961, und ist anschließend Gast an diversen Bühnen in Deutschland und im westlichen Ausland.
      Nach einem Engagement in Hamburg tritt er erstmals 1968 in Bayreuth in Erscheinung. Sein König Marke (Tristan) wird schnell bekannt, und in dieser Rolle wird er an allen großen Bühnen der Welt gefeiert. Doch auch als Mozartsänger (u.a. Komtur, Bartolo und Sarastro) sowie in den Opern von Richard Strauss (Ochs auf Lerchenau) ist er begehrt, der Osmin in Mozarts "Entführung" wird zu einer seiner Paraderollen.
      Der englische Musikkritiker William Mann schreibt zu seiner Interpretation dieser Rolle unter Karl Böhm (DGG): "Molls strenge Vehemenz schließt Legato und saubere Projektion der Noten ein, hoher, mittlerer, tiefer. Er leistet sich keine Mätzchen für falsche Espressivo-Effekte: ein ehrlicher und bemerkenswert vollständiger Osmin".
      Und Jürgen Kesting lobt ihn in seinem Standardwerk "Die großen Sänger" mit folgenden Worten: " .... er singt für die Einbildungskraft, suggestiv, schön, expressiv. Vor allem aber: Er singt! Singt mit makellos gerundetem, reichem, fein schattiertem und farblich oszillierendem Klang und läßt uns, wie Alexander Kipnis, spüren, welch krude Klänge zu akzeptieren wir gelernt oder uns gewöhnt haben."
      Auch als Rocco (Fidelio), Eremit (Freischütz), Gurnemanz (Parsifal), Daland (Holländer) und Hunding (Walküre) war er an den großen Bühnen der Welt bekannt und beliebt. Durch Gastverträge ist er vor allem der Hamburger, Wiener und Münchner Oper langfristig verbunden und feiert dort große Erfolge.
      Nicht zu vergessen schließlich sein Liedgesang: er singt u.a. Schuberts "Winterreise" (auch auf CD, mit Cord Garben als Begleiter) und setzt sich für die Balladen von Carl Loewe vehement ein, die heute leider im Konzertleben nur noch ein Schattendasein führen.

      Vorgestern ist der große Baßsänger im Alter von 78 Jahren von uns gegangen. Requiescat in Pace.

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    • Hallo, Jürgen,

      ja, Kurt Moll war auch ein bedeutender Wagner-Sänger. Unvergessen sind sein Landgraf im "Tannhäuser", der König Heinrich im "Lohengrin" und vor allem der König Marke in Carlos Kleibers großartiger Aufnahme von "Tristan und Isolde".
      Kurt Moll glänzte aber auch in komischen Rollen, wie auf dieser CD zu hören:


      Auf diesem alten, hörenswerten Querschnitt der Nicolai-Oper (in der Gottlob Frick den Falstaff singt) gibt es am Schluß vier Zugaben mit Kurt Moll: aus "Der Waffenschmied", "Zar und Zimmermann", "Die lustigen Weiber von Windsor" und "Eugen Onegin" aus den 1970er Jahren. Es sind wunderbare Zeugnisse von Molls Gesangs- und Gestaltungskunst. Vor allem die berühmte Arie des Baculus "Fünftausend Taler" aus dem "Waffenschmied" wir so saft- und kraftvoll gesungen, daß es eine wahre Freude ist.

      LG :hello Cavaradossi

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    • Was für eine fürchterliche Nachricht.

      Ich hatte das große Glück, Kurt Moll über quasi Jahrzehnte in Hamburg in allen seinen großen Partien immer wieder zu hören Und auch in vielen, die er ausprobierte oder nur relativ selten sang.

      Kurt Moll war für die Hamburgische Staatsoper ein absoluter Glücksfall. Wir alle lagen ihm zu Füßen. Welch ein balsamisches Timbre, welch eine Technik, welch ein Tonumfang, welch ein Ausdruck, welch eine Dramatik und welch ein Witz!!!

      Ochs, Sarastro, Osmin, Gurnemanz - ohne Frage gehört er hier zu den besten Vertretern dieser Partien im letzten Jahrhundert. Aber auch sein Daland, Rocco, van Bett, Boris, Philipp II., Marke, Heinrich, Schaunard, Hunding, Marke, Komtur waren Sternstunden.

      Ich bin wirklich zutiefst bestürzt. Wir werden ihn nie vergessen.

      Möge er in Frieden ruhen.

      Falstaff
    • Hallo,

      ich zähle Kurt Moll zu den besten Bassisten des 20. Jahrhunderts und teile J. Kestings Einschätzung bzgl. seiner außerordentlich guten Qualitäten als Sänger.

      Bei einer der letzten Opernvorstellungen an der Hamburger Staatsoper Molls als Daland unter Ph. Auguin mit T. Stensvold, I. Nielsen, K. F. Vogt, J. Sacher, O. Friedricks u. a. am 13.03.2005 war ich dabei und begeistert.

      Von den sehr vielen sehr guten und guten Aufnahmen mit K. Moll höre ich eine besonders gern: K. Moll als Raphael in J. Haydns „Die Schöpfung“ unter A. Dorati. Es ist eine meiner Lieblingsplatten.

      Bis dann.
    • Hallo, Keith M.C.,

      die von Dir zu Recht gerühmte "Schöpfung" unter Antal Dorati gibt es u.a. hier preiswert als Doppel-CD:


      Doch auch in anderen Ausgaben kann man die schöne Einspielung erwerben, so z.B. aus der Serie "The Originals":




      Da ist sie allerdings ein bißchen teurer, und auf der weiter oben von mir abgebildeten ist sozusagen als Zugabe noch ein schönes "Salve Regina" dabei (allerdings ohne Kurt Moll).

      Und wer Kurt Moll als imposanten König Philipp in Verdis "Don Carlos" erleben möchte, dem sei dringend zu dieser CD geraten, die es beim großen Urwaldfluß für z.Zt. für schlappe 2,50 € zu haben ist.




      Moll singt die große Arie mit solcher Intensität und Majestät, daß man richtig traurig ist, daß die anschließende große Szene Philipp/Großinquisitor auf diesem ansonsten wunderbaren Querschnitt nicht enthalten ist. Er wird in deutsch gesungen, aber bei diesem herrlichen Gesang stört das überhaupt nicht, zumal der Italiener Giuseppe Patané das Radio-Symphonie-Orchester Berlin mit südlichem Feuer anheizt. Unbegreiflich finde ich, daß Kurt Molls Name weder auf der Vorder- noch der Rückseite der CD erwähnt wird. Dazu muß man erst das Booklet zur Hand nehmen. Aber, trotz so prominenter Mitwirkender wie Nicolai Gedda, Fischer-Dieskau und Edda Moser ist es allein der Auftritt des Philipp, der diese Scheibe so unverzichtbar macht.

      LG, Cavaradossi

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    • Übrigens, wer Kurt Moll als Sarastro erleben möchte, der hat die Qual der Wahl. Es gibt m.W. mindestens drei GA, die älteste unter Sawallisch (EMI), dann die 2. Solti-Produktion (Decca) und diese hier:


      mit Sir Colin Davis und der Staatskapelle Dresden. Alle Aufnahmen haben ihre Stärken und Schwächen (am wenigsten kann ich mich mit der Solti-Version anfreunden), aber Kurt Moll ist in allen drei Fällen ein großartiger Sarastro. Letztlich würde ich der PHILIPS-Produktion die Palme geben, wegen der herrlichen Pamina von Margaret Price.
      In der Sawallisch-Aufnahme ist es die Königin der Nacht von (der von mir ansonsten nicht sonderlich geschätzten) Edda Moser, die ich neben Kurt Moll und Walter Berry besonders hervorheben möchte.

      Lieber Falstaff,
      Du bist wirklich zu beneiden, daß Du Kurt Moll mehrfach auf der Bühne erleben durftest. Er war für mich einer der bedeutendsten deutschen Bässe der 2. Hälfte des 20. Jhdts. Auch mich hat die Nachricht von seinem Tod überrascht. Allerdings war es in den letzten Jahren still um ihn geworden (Gottlob Fricks Karriere hat wohl noch länger gedauert). Er hat sich wohl bereits 2005 von seinem Publikum verabschiedet.

      LG :hello Cavaradossi
    • Und hier ist noch zu erleben, wie Kurt Moll es versteht, aus der Nebenrolle des Grafen Monterone fast eine Hauptrolle zu machen (obwohl die gesamte Besetzung dieser Aufnahme hervorragend ist):



      Nicht umsonst wird er hier auf dem Cover ausdrücklich genannt!

      Und beim Stöbern habe ich noch folgende Aufnahme gefunden, in der Kurt Moll eine Nebenrolle ganz gehörig aufwertet:


      Er tritt hier nur im 1. Akt auf, als Marchese di Calatrava. Mir scheint, Kurt Moll hatte mehr Nebenrollen im Repertoire als mancher seiner Kollegen Hauptrollen. So schön Bonaldo Giaiotti auch den Pater Guardian singt, diese Rolle wäre Kurt Moll wie auf den Leib geschrieben gewesen. Es hat wohl nicht sollen sein .........
      Umso glücklicher sollten wir sein, daß er zumindest den Marchese singen durfte, als Deutscher in einer RCA-Produktion ohnehin eine Rarität (zumindest damals).

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