Opernperlen - Momente, die ich einfach liebe

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    • Hoiho! Hoihohoho! Ihr Gibichsmannen, machet euch auf!




      Hagen als Hochzeitsrufer, eine Aufgabe, die er auf seine ganz eigene Art erledigt.
      Ein schwarz gefärbter Bass, der die Gibichsmannen zu einer fröhlichen Hochzeit
      zusammenruft, ohne dabei die Bosheit in seiner Stimme zu verleugnen.
      Dieser
      Drahtseilakt gelingt nur Wenigen. Obendrein gibt es die Textzeile "Schafe aber schlachtet für Fricka, dass gute Ehe sie gebe!",
      bei deren letztem Wort den meisten Sängern die Luft ausgeht. Sie retten sich indem sie "gehehehebe" singen.
      Auch Josef Greindl, der beherrschende Hagen der 50er Jahre hatte hier seine Schwierigkeiten. Aber dafür klang er richtig böse.
      Der Wechselgesang mit dem Chor der Gibichsmannen ist auch deswegen so erfrischend, weil es nach 10 Stunden Nibelungenring der erste Choreinsatz überhaupt ist.
      Mein Lieblingsinterpret des Hagen ist jedoch Gottlob Frick. Er hatte das schwarze Timbre, aber auch den langen Atem für obige Szene.

      Greindl:
      youtube.com/watch?v=qRJcWQXPGq8

      Frick:
      youtube.com/watch?v=JSXLZkOfUHw

      Überflüssig, zu erwähnen, dass mich nach Greindl und Frick kein Hagen mehr in dieser Szene zu überzeugen wusste.
      Früher war halt alles besser. Aber ich kenne auch nicht alle Aufnahmen.

      Grüße
      Jürgen
    • Jürgen schrieb:

      Überflüssig, zu erwähnen, dass mich nach Greindl und Frick kein Hagen mehr in dieser Szene zu überzeugen wusste.
      Früher war halt alles besser. Aber ich kenne auch nicht alle Aufnahmen.
      Lieber Jürgen, das sind aber auch zwei, an denen man kaum vorbeikommt. Was hältst du indes von Salminen? Von den Hagens, die ich live erleben konnte, war er für mich mit Sicherheit der derjenige, der noch am ehesten an die beiden heranreichte.

      LG Falstaff
    • Ich habe mir zwischenzeitlich Salminens Interpretationen angehört:
      • Unter Janowski 1983: Leider ist das Tempo für meinen Geschmack zu hoch. Gerade der Chor wirkt etwas gehetzt. Aber immerhin kann Salminen die Phrasen sauber zu ende singen.
      • Unter Sawallisch 1989: Hier stimmt das Tempo m.E.
      • Unter Levine 1989: Noch etwas langsamer, der arme Hagen.
      Grundsätzlich fällt mir bei Salminen auf, dass er die Boshaftigkeit Hagens gut rüberbringen kann. Z.B. bei "rasch seid zur Rache", das klingt er extrem gehässig. Passt prima.
      Aber er hält das nicht komplett durch, zwischendurch fällt er ins Lyrische/Liebliche (bzw: Wie Fasolt).

      Daher gebe ich Falstaff recht: Salminen ist ganz dicht hinter Greindl/Frick. Ich wäre froh, ihn live gesehen zu haben.

      Grüße
      Jürgen

      P.S: Die Stierhörner sind natürlich bei Solti am beeindruckendsten.
    • Hallo,

      vermutlich wie bei sehr vielen Opernbegeisterten habe ich eine ungezählte Anzahl von Lieblingsstücken.

      Herausstellen möchte ich das kurze Vorspiel aus "Das Rheingold". Ein phantastischer, bewegender Anfang eines der größten Opernwerke (Tetralogie) der Musikgeschichte.

      Sehr gerne höre ich dieses Vorspiel von den Berliner Philharmonikern unter Karajan von 1967 (veröffentlicht 1968).

      Bis dann.
    • Hallo,

      also bei diesem Thema weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Es gibt zu viel, dass man nennen könnte.

      Kürzlich bin ich auf diese Perle gestoßen:



      Giuseppe Di Stefano und Rosanna Carteri singen das Duett aus dem 2. Akt von Mascagnis Iris. Besser und schöner habe ich das noch nicht gehört, obwohl ich mich durch etliche andere Versionen auf Youtube (auch mit Di Stefano) und meine Gesamtaufnahme mit Domingo/Tokody gehört habe. Das einzige Problem ist, dass Di Stefanos Osaka für einen pädophilen Entführer viel zu sympathisch klingt. Rosanna Carteri kannte ich bisher gar nicht. Die beiden scheinen leider nur dieses Duett zusammen aufgenommen zu haben und keine Gesamtaufnahme.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Danke Falstaff für die Recherche. Den Mitschnitt mit Petrella/Di Stefano habe ich in ganzer Länger bei Youtube gefunden. Das Duett mit Carteri finde jedoch nochmal besser. Von Di Stefanos Apri la tua finestra war ich außerdem etwas enttäuscht, das ist mir zu sehr im Dauerforte gesungen.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Amonasro schrieb:

      Von Di Stefanos Apri la tua finestra war ich außerdem etwas enttäuscht, das ist mir zu sehr im Dauerforte gesungen.
      Lieber Amonasro, das ist richtig und gleichzeitig erstaunlich, konnte selbst der späte di Stefano doch auch anders. Ich habe im Moment Pavarotti, Domingo und Caruso im Ohr. P. klingt mir zu sehr nach neapolitanischer Canzone, aber Domingo (der frühe) und Caruso bieten die Arie schon differenzierter dar.

      LG Falstaff
    • Keith M. C. schrieb:

      Hallo,

      vermutlich wie bei sehr vielen Opernbegeisterten habe ich eine ungezählte Anzahl von Lieblingsstücken.

      Herausstellen möchte ich das kurze Vorspiel aus "Das Rheingold". Ein phantastischer, bewegender Anfang eines der größten Opernwerke (Tetralogie) der Musikgeschichte.

      Sehr gerne höre ich dieses Vorspiel von den Berliner Philharmonikern unter Karajan von 1967 (veröffentlicht 1968).

      Bis dann.

      Womöglich habe ich es schon einmal erwähnt: Das Rheingold-Vorspiel war meine Einstiegsdroge in die Musikwelt Wagners.

      Ich war in der 11.Klasse, mein Musiklehrer spielte die Böhmsche Interpretation vom Band. Es hat keine 20 Sekunden gedauert und ich war infiziert.

      Am liebsten höre ich es unter Janowski (1980).

      Grüße
      Jürgen
    • Falstaff schrieb:

      P. klingt mir zu sehr nach neapolitanischer Canzone

      :J :leb :D :) :rofl
      So ungern ich das tue über Big P.was schlechtes zu sagen, aber hier Stimme ich stimme ich dir vollkommen zu !

      Aber Domingo ist auch nicht mein Fall, und Di Stefano ist, sorry, im Verismo oftmals fehl am Platz! :ignore

      Ich bin wahrlich kein Cura Fan, obwohl er gerade im Verismo sehr gut war, habe ihn auch Live gehört, er war immer so draufgängerisch!

      So auch hier ...
      AD 1996

      ...hier war Cura begeisternd, so stelle ich mir Verismo vor, nicht der schöne Gesang, sondern Ausdruck!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Noch eine Duett Perle ...aber nichts für Feministinnen ....



      ARABELLA setzt sich und winkt Mandryka, sich zu setzen.
      Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater
      Ja haben Sie denn eine Ahnung wer wir sind?
      Wir sind nicht grad sehr viel, nach dem Maß dieser Welt –
      wir laufen halt so mit als etwas zweifelhafte Existenzen!

      MANDRYKA.

      Ihren Stammbaum, Arabella,
      den tragen Sie in Ihr Gesicht geschrieben!
      und wenn Ihnen genug ist über einen zu gebieten
      der selbst wieder gebietet über viele
      so kommen Sie mit mir und sei'n die Herrin!
      Sie werden Pfauen weiden auf seidenem Boden
      und das wird nicht geschehen daß jemand sich dünkt über Ihnen
      es sei denn der König und Kaiser und seine Kaiserin! – aber sonst niemand!

      ARABELLA vor sich.

      Der Richtige, wenns einen gibt für mich,
      der wird auf einmal da sein,
      und wird mich anschaun und ich ihn
      und keine Winkelzüge werden sein und keine Fragen,
      nein, alles hell und offen, wie ein lichter Fluß, auf dem die Sonne blitzt!

      MANDRYKA.

      So fließt der helle stille Donau mir beim Haus vorbei,
      und hat mir dich gebracht! du Allerschönste!

      Geheimnisvoll.

      Und heute abend noch, vor Schlafenszeit –
      wärst du ein Mädchen aus der Dörfer einem meinigen,
      du müßtest mir zum Brunnen gehen hinter deines Vaters Haus
      und klares Wasser schöpfen einen Becher voll
      und mir ihn reichen vor der Schwelle, daß ich dein Verlobter bin vor Gott
      und vor den Menschen, meine Allerschönste!

      ARABELLA.

      So wie Sie sind, so hab ich keinen Menschen je gesehn!
      Sie bringen Ihre eigene Lebensluft mit sich
      und was nicht Ihnen zugehört, das ist nicht da für Sie.

      MANDRYKA.

      Darum kann ich erst leben wenn ich etwas Herrliches
      erhöhe über mich, und so in dieser Stunde
      erhöh ich dich, und wähle dich zu meiner Frau
      und wo ich Herr bin, wirst du Herrin sein
      und wirst gebieten, wo ich der Gebieter bin!

      ARABELLA ganz leise, mit ihm.

      <3 Und du wirst mein Gebieter sein und ich dir untertan
      dein Haus wird mein Haus sein,
      in deinem Grab will ich mit dir begraben sein
      so gebe ich mich dir auf Zeit und Ewigkeit. <3 :I


      ....und NUR in dieser Konstellation :love: Della Casa / London! :love: Das ist nicht wiederholbar!


      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Nachdem ich gestern obiges Duett aus Arabella (und den 2.Akt zuende) gehört hatte,
      brauchte ich unbedingt noch etwas härtere Kost:



      Richard Strauss: Elektra (Allein! Weh, ganz allein), Solti / Nilsson 1967

      Dieses Wehklagen Elektras zählt für mich zu den Opernperlen, an denen ich mich nicht satthören kann.
      Allein diese gruseligen Agamemnon-Rufe.... und was Solti dabei aus den Wiener Philharmonikern "herauskitzelt" ist überwältigend.
      Da deutet sich musikalisch schon die gesamte Opernhandlung an: Liebesentzug, Demütigung, Hass, Brutalität & Rachsucht

      Grüße
      Jürgen
    • Falstaff schrieb:

      palestrina schrieb:

      ARABELLA setzt sich und winkt Mandryka, sich zu setzen.
      Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater
      :down :down :down
      Wobei, lieber Palestrina, ich persönlich Schwarzkopf-Metternich gleichwertig neben della Casa-London setzen würde. Aber das ist nun wirklich auch Geschmackssache. :)

      LG Falstaff
      Also für mich liegen da Ozeane und Welten dazwischen, die Schwarzkopf hat überhaupt keine Natürlichkeit in ihrem Singen, das klingt viel zu geziert, und z.T.auch überheblich (damit habe ich mit der Schwarzkopf > einzig wo ich sie voll und ganz akzeptiere ist ihre Marschallin < immer meine Probleme ), aber das Problem dieses Ø fängt schon bei Matačić an, ein uninspieriertes Dirigat, setzt sich bei Schwarzkopf fort und endet bei Metternich, da ist ja Poell besser, ihm geht die Figur des Mandryka ganz daneben, ganz im Gegensatz zu London der den Mandryka sowas von perfekt rüberbringt, in allen seinen Schattierungen :) . Ein hartes Urteil von mir, fürwahr aber ich kann leider damit garnicht anfangen, sorry lieber Falstaff, aber so für dich als Schwarzkopf Fan ein Muss, das verstehe ich natürlich ;) .
      Ich frage mich in diesem Zusammenhang, warum hat die Schwarzkopf keine Gesammtaufnahme gemacht?, wahrscheinlich weil sie wusste dass sie gegen die Della Casa nicht ankommt . :ignore

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong