Opernaufnahmen - kurz vorgestellt

    • Auch diese eher vergessene Oper des mittleren Verdi ist sehr außergewöhnlich ...

      AD Scala 1961

      UA 27.1.1849 Teatro Apollo Rom
      ....marzialische Klänge, patriotische Chöre, (1 Akt „ Viva Italia!) Schwüre, Liebe und die Ermordung F.Barbarossas* im letzten Akt, also das ganze Programm für diese heroische Oper, die es lohnt kennengelernt zu werden.
      Hier ist Corelli in seinem Element, Bastianini ein würdiger Freund/Rivale, und die Stella macht da gekonnt mit.
      *Barbarossa starb allerdings nicht wie in der Oper angedeutet, sondern erst 1190 während des 3. Kreuzzugs.
      Nach der Schlacht von Legnano, hielt die siegreiche Situation nicht lange an und die Oper durfte nur noch
      in Rom (römische Republik) gespielt werden. Im restlichen Italien wurde sie mit neuem Titel und Protagonisten in die spanisch besetzten Niederlande verlegt, mit dem Titel „ L'assedio di Arlem" !
      Nach gänzlicher Änderung der politischen Situation zu Ungunsten der Italiener verschwand die Oper weitgehend von den Spielplänen. Verdi hielt viel von seiner Oper und wollte sie fünf Jahre später für eine Wiederaufführung bearbeiten, es kam aber nicht dazu.
      Als Anhang große Szenen und Arien mit Leyla Gencer aus einer Aufführung aus Triest unter F.Molinari-Pradelli vom 8.3.1963.

      LG palestrina

      PS: ganz Preiswert beim Urwaldfluss!
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

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    • Der Patriotismus geht in die zweite Runde „Viva Italia" ...

      AD 1977

      Carreras legt die Partie des Arrigo differenzierter an als Corelli und bildet mit Ricciarelli ein hervorragendens
      Paar, denn was die Ricciarelli und Carreras hier abliefern ist ganz großartig. Manuguerra ist natürlich nicht so feinfühlig und wohltönend wie Bastianini, aber hier darf man schon mal auf den Putz hauen! :D
      Den herzerweichenden 4.Akt gestaltet Carreras unnachahmlich wie immer , den sterben (wie auch in der Lucia als Edgardo )konnte er immer gut! :love:

      Allerdings hätte ich mir hier ein italienisches Orchester gewünscht das noch diesen Patriotismus im Blut hat!
      Sollte man sich unbedingt anhören!

      LG palestrina
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      Oolong

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    • Zunächst eine tolle Besetzung. Und Pavarotti oder Cappuccilli halten auch, was sie versprechen. Obraztsova war sicherlich keine Sängerin für die eleganten und feinen Zwischentöne. Aber sie schmiss sich immer mit Vehemenz in eine Partie und bestach durch wirkliches dramatisches Singen. So auch hier. Ihre Szene im II. Akt ist beeindruckend und packend.

      Schwierigkeiten habe ich mit Verrett als Amelia, die mir, v.a. in ihrer ersten Arie viel zu dramatisch ist. Da klingt vieles nach Lady Macbeth und wenig nach Amelia, wobei sie in diesen Abschnitten entsprechend von Abbado begleitet wird. Was mir wiederum auch nicht so gefällt. Hier bremst die Wucht manchmal die feinere Dramatik aus.

      :hello Falstaff
    • War mal wieder im KH ...somit hatte ich heute erheblich Nachholbedarf ...



      hier die Umarbeitung von „ I Lombardi alla prima crociata " zur Grand Opéra, auch eine der patriotischen Opern die selten zu hören sind. Es ist musikalisch eine Steigerung gegenüber den Lombarden, das Libretto wurde auch mit anderem Text versehen. Verdis erste Grand Opéra war kein großer Erfolg, aber dennoch ein Erfolg um seinen Weg fortzusetzen!
      Die Besetzung hier ist nicht ganz einheitlich, Giordano und Scandiuzzi sind auf gewohnt gutem Niveau, aber die Mescheriakova vibriert sich doch etwas viel durch die Oper, was man allerdings etwas vergisst durch die schmissige Darbietung Luisis mit dem Orchester.

      LG palestrina
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      Oolong

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    • Eine sehr gewöhnungsbedürftige Inka Oper aus Verdis Galeerenjahren, so richtig Begeisterung hat sie allerdings bei mir nie hervorgerufen, obwohl es einige sehr schöne Melodien gibt.
      Der Alzira (Uraufführung 12. Februar 1845 Neapel, Teatro San Carlo) war auch schon bei der UA kein Erfolg beschieden, auch bei einigen anderen Aufführungen nicht, in Rom sogar abgelehnt, auch das Ausland war nur mit wenigen Inszenierungen dabei!



      Diese war 1967 die szenische Wiederbelebung der Oper in Rom mit Virginia Zeani, Cornell MacNeil und Gianfranco Cecchele.
      Hatte mir damals die Aufnahme als Fan von Virginia Zeani gekauft, aber speziell auch wegen der Bonus Tracks.
      Also diese Aufnahme ist mir dann doch noch die liebste, habe noch zwei.
      Cecchele ist ein sehr guter Zamoro, gegenüber Araiza in der Gardelli GA, und die Zeani ist eine fulminante Alzira, nichts gegen die Cotrubas bei Gardelli, einzig Bruson bei Gardelli ist McNeil überlegen.

      Es gibt noch eine Aufnahme ...die ich nicht besitze! ;)

      1938: Zum 125. Geburtstag von Giuseppe Verdi nimmt der Reichssender Berlin die gekürzte Fassung der Oper auf. Elisabeth Schwarzkopf wird kurzfristig engagiert, lernt die Partie im Taxi vom Flughafen und singt die Titelpartie prima vista.

      Vielleicht kann der liebe Falstaff etwas dazu beitragen als ausgewiesener Schwarzkopf Enthusiast!

      LG palestrina
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      Oolong

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    • Heute angekommen und gleich mal gehört:



      Da bin ich doch bitter enttäuscht von. Die Milanov besaß natürlich eine wirklich wunderschöne Stimme und glänzt auch in manchen Passagen. Aber wenn es zum großen Duett kommt, ist mir das alles zu opern-/divenhaft und zu wenig dramatisch.

      Mit Björling werde ich hier auch nicht warm. Leidenschaft würde ich ihm hier einmal nicht unterstellen wollen. Aber schockiert hat mich v.a. die Unsauberkeit seines Singens, die ewigen Vokalverfärbungen und die immer wieder zu hörenden Schwierigkeiten, wenn es darum geht, eine Phrase tonrein zu beenden.

      Merrill ist mir persönlich zu wenig italienisch, aber das kann man wohl auch unter Geschmackssache verbuchen.

      Also insgesamt eine Aufnahme, auf die ich auch verzichten könnte. Aber bei 0,09 € kann man immerhin nicht von rausgeschmissenem Geld reden. :D

      :hello Falstaff
    • palestrina schrieb:

      Ich komme nochmal auf die Butterfly zurück ...

      , AD 1963

      diese meine allerliebste Madama Butterfly GA, mit zwei ganz hervorragenden Sängern als Butterfly L.Price und R.Tucker als Pinkerton,
      Nach der Erfahrung mit der Cavalleria dann aber ein wirklicher Glücksmoment.

      Lieber Palestrina, ein wirklich toller Tipp. Price und Tucker sind zum :down :down :down Leinsdorf ebenso. Eine Aufnahme, die die große Klasse dieser Oper wirklich verdeutlicht.

      LG Falstaff
    • palestrina schrieb:

      Mich auch nicht, und dann noch Frau Schwarzkopf als Alzira!
      Aber was machen Fans nicht alles um die Sammlung zu vervollständigen, ich gehe mal von mir aus!
      Ich hab' jetzt mal in den 1. Teil hineingehört. (Mein Eindruck wird sich aber wohl nicht grundlegend ändern.)

      Die Aufnahme ist ja kriegsbedingt nicht vollständig. Was, glaube ich, auch kein großer kultureller Verlust ist. :D Keine Ahnung, was sie damals geritten hat, ausgerechnet Alzira aufzunehmen.

      Glawitsch als Tenor klingt häufig nach Operette, der Bass Gravello klingt mehr als unangenehm und zum Bariton bin ich noch nicht vorgedrungen. Tja, und die Schwarzkopf? In ihrem Debütjahr aufgenommen und wenn die Sache mit dem 'im Taxi gelernt', stimmt, ist das eine ganz anständige Leistung für eine junge Sängerin. Mehr aber auch wahrlich nicht. Und mit Verdi und italienischer Oper hat dies nun wirklich nicht viel zu tun. Es bleibt als Aufnahme ein Kuriosum.

      LG Falstaff
    • palestrina schrieb:

      Als Anhang große Szenen und Arien mit Leyla Gencer aus einer Aufführung aus Triest unter F.Molinari-Pradelli vom 8.3.1963.
      Lieber Palestrina, ich habe mir jetzt deine weiter oben gepostete Aufnahme von 'La Battaglia di Legnano' zu Gemüte geführt. Tolle Sänger, aber irgendwie werde ich trotzdem nicht warm mit der Oper. Das hakt mir doch zu sehr. Wobei die Gencer wiederum ganz toll ist und es für mein Empfinden sogar schafft, ein wenig Schwung in die ganze Sache reinzubringen.

      LG Falstaff
    • Hallo lieber Falstaff, was meinst du mit „Das hakt mir doch zu sehr" !
      Weiter sagst du, die Gencer bringt mehr Schwung in die ganze Sache, ich meine Schwung ist auch in der anderen Aufnahme, wogegen die Gencer die schlechteren Partner hat.

      Die Oper muss man sich erarbeiten, ;) das heißt öfter anhören, es funktioniert nicht alles gleich!

      In dem Zusammenhang: wenn so mancher sagt, ach mit dem frühen Verdi kann ich nichts anfangen, sage ich immer wieso, gefällt dir der Nabucco nicht, ja, aber der Gefangenenchor ist doch so schön, also besteht für viele der Nabucco nur aus dem Gefangenenchor.

      Also, ich mag das sehr, hatte auch immer schon ein Faible für die meisten der vor „ Rigoletto " Opern! :)

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong

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    • palestrina schrieb:

      Hallo lieber Falstaff, was meinst du mit „Das hakt mir doch zu sehr" !
      Lieber Palestrina, damit meine ich einfach, dass der musikalische Fluss, wie ich ihn aus anderen seiner Frühwerke kenne und von daher annehme, dass er ihn auch hier angestrebt hat, zu oft unterbrochen wird. Es kommt irgendwie kein Schwung in die Melodienbögen. Allerdings ist das ein erster Eindruck und deshalb:

      palestrina schrieb:

      Die Oper muss man sich erarbeiten, das heißt öfter anhören, es funktioniert nicht alles gleich!
      hast du damit zweifellos recht. :)

      palestrina schrieb:

      wenn so mancher sagt, ach mit dem frühen Verdi kann ich nichts anfangen
      ... dann ist das eigentlich nur schade. Immerhin befinden sich darunter Werke wie Nabucco, Macbeth, Luisa Miller, Ernani, Giovanna d'Arco. Und auch die weniger bekannten, weil seltener gespielten, sind allemal eine Entdeckung wert. Zweifellos befinden sie sich nicht immer auf dem Niveau der späteren Opern, aber hören sollte man sie schon.

      Im Moment läuft bei mir 'Un Giorno di Regno' in dieser Aufnahme (ich höre die Oper erstmalig):



      und ich kann das negative Urteil, dass immer wieder darüber gefällt wird, nicht nachvollziehen. Da ist viel Donizetti enthalten (vielleicht zu viel für einen Verdi ;) ), aber die Oper hat Charme und eine gewisse Leichtigkeit und unterhält ziemlich gut.

      LG Falstaff
    • Fast ganz gehört, gebe ich trotzdem schon einmal meinen Senf zu dieser Aufnahme hinzu:



      (1955)

      Also, so richtig warm werde ich damit nicht. Barbieri singt eine wunderbare Amneris, volltönend und trotzdem ausdrucksvoll. Anders als die Milanov, deren Stimme für mich zunächst einmal ein wahrer Genuss ist. Das ist von der reinen Stimmschönheit her mit das Beste, was ich in dieser Partie je gehört habe. Aber Stimmschönheit und Ausdruck scheint selten zusammenzugehen. Vielleicht verließ sich die Milanov auch zu oft auf ihr wunderbares Organ und war zu wenig bereit, sich richtig in die Figur hineinzubegeben. So bleibt mir das zu opernhaft.

      Christoff ist dagegen wieder auf der Positivseite. Das ist wieder einmal prächtig und durchaus bedrohlich gesungen, voller Autorität.
      Warren finde ich ok. Aber auch bei ihm würde ich mir im Nil-Akt mehr Engagement, mehr Bedrohung wünsche.

      Größter Schwachpunkt ist für mich aber wieder Björling. Ich kann den Hype um seine Person in diesen Partien nicht verstehen. Ähnlich wie bei seinem Turriddu 'schleudert' er wunderbare Spitzentöne (Arie) heraus, singt aber in der oberen Mittellage und darüber dermaßen gepresst und mit großer Kraftanstrengung, dass die Linien unsauber werden und der Klang auf der Strecke bleibt. Da habe ich mir von ihm wirklich anderes erwartet.

      Das habe ich von Perlea allerdings auch. Ein bisschen mehr Tempo und Leidenschaftlichkeit täten dem Werk sicherlich keinen Abbruch.

      :hello Falstaff
    • Gerade frisch erstanden und deshalb heute mal gehört:



      Ich bin mir noch nicht sicher, was ich mit dieser Aufnahme anfangen soll. Noch schwanke ich zwischen Kopfschütteln und Faszination. Es ist also alles noch drin. :D

      Die durchweg langsamen Tempi Klemperers sind wirklich sehr speziell. Sie haben einerseits den Vorteil die unglaublich schöne Musik Mozarts immer wieder deutlich werden zu lassen, gerade bei bestimmten Passagen, in denen man nun geradezu schwelgen kann bzw. bei denen man fassungslos diesen Stellen lauscht. Das ist dann fast schmerzlich schön und man hat das Gefühl, dass hier Zeit völlig nebensächlich wird.

      Das heißt nun allerdings überhaupt nicht, dass Klemperer hier eine Aufnahme vorlegt, die dem reinen Schönklang verpflichtet wäre. Die Abgründe, die ja nun wirklich auch in dieser Musik vorhanden sind, werden durchaus herausgearbeitet und offengelegt.

      Aber andererseits kommt einem doch immer wieder das langläufig mit seinem späten Wirken verbundene Wort 'Altersstarrsinn' in den Sinn. Überall passt das Tempo einfach nicht. Ab und an müsste er schon einmal anziehen. Was er durchaus tut, aber das ist, da es sich dann auf das Grundtempo bezieht, nun auch nicht besonders rasch.

      Klemperer hatte das Glück, ein Sängerensemble dirigieren zu können, das seine Auffassung wunderbar umsetzte, das v.a. auch den Atem hatte, in dem Tempo auch noch singen zu können. :)

      Besonders Price und Minton sind ein Hochgenuss. Aber letztlich gibt es keinen Ausfall, so dass eine wirkliche Ensembleleistung entsteht.

      Wie sieht das Urteil also aus? Kurz zusammengefasst so:

      ;( ?( :thumbdown: :thumbup: :down :S

      :hello Falstaff
    • Hallo lieber Falstaff, zu Klemperers Tempi ist alles gesagt :D , das Damentrio ist vorzüglich, aber bei den Herren dann, stimmt die Besetzung für mich nicht mehr, L.Alwa war nie einer meiner Favoriten, G. Evans wäre ein guter Don Alfonso gewesen und Sotin passt so garnicht ins Ensemble, der klingt mir irgendwie zu deutsch. Eigentlich schade um das gesanglich wunderbare Damentrio.
      Ich pers.mag die Cosi schon flotter! :)

      LG palestrina
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      Oolong
    • Lieber Palestrina, was Sotin angeht, muss ich dir schon recht geben. Das ist nicht ideal, was die Verkörperung der Rolle angeht. dagegen finde ich Evans durchaus passend und Alva hat bei mir sowieso immer einen gut. :) Aber unabhängig davon, finde ich, macht er seine Sache wirklich gut. Aber das geht schon in den Bereich der Geschmackssache. Ich kann durchaus verstehen, dass die Stimme nicht jedem zusagt.

      LG Falstaff
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