Massenet, Jules „Werther" Aufnahmen vorgestellt und kommentiert!

    • Massenet, Jules „Werther" Aufnahmen vorgestellt und kommentiert!

      Ich stelle noch den Werther Wiki Link voran!

      Falstaff hat mich auf die Idee gebracht mal wieder eine meiner liebsten franz.Opern anzuhören, und so entstand dieser Thread.
      Massenet musste sogar nach Wien wie bekannt ist ausweichen, damit die Uraufführung (in deutscher Sprache)seines Werther auf die Bühnenbretter gelangte und sich seither großer Beliebtheit erfreut!
      Ich habe den Werther sehr oft live gehört, unter anderem mit Alfredo Kraus und danach wollte ich das von keinem anderen Tenor mehr hören.
      Bis ich mich dann wieder auf die Aufnahmen mit C.Davis und G.Prêtre besann, und dann hatte ich auf einmal drei Lieblingsaufnahmen, das ist im großen und ganzen für mich bis heute auch so geblieben.
      Die Aufnahme die nicht nur mMn die gelungenste Interpretation des Werther ist, ist folgende ...

      AD 2/1980

      Werther José Carreras
      Charlotte Frederica von Stade
      Albert Thomas Allen
      Sophie Isabella Buchanan
      Le Bailli Robert Lloyd
      Schmidt Paul Crook
      Johann Malcolm King
      Käthchen Linda Humphries
      Brühlmann Donaldson Bell
      Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden
      Sir Colin Davis

      Hier stimmt wahrlich alles, von den ganz hervorragenden Sängern bis zum formidablen Orchester! :times10
      Hier der Kommentar zur Aufnahme von Karl Löbl...
      Die in jeder Hinsicht ideale Werther Aufn.: Ein glaubhaftes, gefühlvolles, aufeinander abgestimmtes Paar, vokale Sinnlichkeit ohne falsches Pathos, jugendlicher Charakter der Stimmen, ein zwischen Lyrik und Dramatik vorbildlich Balance haltender, intensiver Dirigent.
      Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer das Carreras und von Stade göttlich und zum :I schön singen!

      Ja, auch die Nebenrollen sind bestens besetzt, wie z.B. der schönstimmige T.Allen als Albert, ein Genuss!

      Ein Anspiel Tip ...
      nach dem Clair de lune die Szene Charlotte/Werther,
      Werther ......
      >Rêve! Extase! Bonheur! Je donnerais mal vie /Traum! Verzückung! Glück! Ich gäbe mein Leben,
      Pour garder à jamais ces yeux, ce front charmant /wenn ich als einziger diese Augen für immer
      Cette bouche adorable, étonnée et ravie, /sehen könnte, diese zauberhafte Stirn,
      Sans que nul à son tour les contemple un moment! /diesen anbetungswürdigen Mund, erstaunt und entzückt!
      Le céleste sourire! /Das himmlische Lächeln!
      Oh, Charlotte, je vous aime et je vous admire! /Oh, Charlotte, ich liebe und bewundere Euch!<

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Hier meine zweite Lieblingsaufnahme ...

      AD 8u.9 1979

      Werther Alfredo Kraus
      Charlotte Tatiana Troyanos
      Albert Matteo Manuguerra
      Sophie Christine Barbaux
      Le Bailli Jules Bastin
      Schmidt Philip Langridge
      Johann Jean-Philippe Lafont
      Brühlmann Michael Lewis
      London Philharmonic Orchestra
      Michel Plasson

      ...hier spielt A.Kraus die erste Geige, er singt einen noblen innehaltenden Werther der aber trotzdem auch zu großer Leidenschaft und Gefühl fähig ist. Die Troyanos ist der Obraztsova nicht unähnlich, das heißt, mir ist das vom Timbre her zu emanzipiert, das ist nicht so natürlich wie bei der von Stade, aber immer noch gut, wogegen die Obraztsova mit Domingo gar nicht geht. (vielleicht hat da ja jemand eine andere Meinung )
      Und zu Manuguerra den ich nicht in jeder Partie liebe, habe ich auch hier ein sehr gespaltenes Verhältnis, das ist mir auch zu dick aufgetragen.
      Das sollte hier wahrlich nicht die Gesammtleistung schmälern, denn A.Kraus ist allein schon genug! Wenn ich allerdings die Tränen Arie von der Troyanos nur für sich allein höre ist das ganz toll, sie war halt in den extrovertierten Partien besser!

      Die kleinen Partien sind sehr gut besetzt, und Plasson weiß auch wie man Massenet darbietet, sehr emotional!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      Ich habe den Werther sehr oft live gehört, unter anderem mit Alfredo Kraus und danach wollte ich das von keinem anderen Tenor mehr hören.
      Lieber Palestrina, ich habe den Werther bislang erst 4x gehört, allerdings 3x mit Kraus und das sind bis heute Sternstunden geblieben.

      Da der Werther allerdings und trotz Kraus keine meiner Lieblingsopern geworden ist, habe ich denkbar wenig andere Tenöre gehört, war ich doch, genau wie du, mit Kraus immer sehr zufrieden. Nun ist mir aber ja diese Aufnahme untergekommen:



      und sie haut mich ziemlich um. Also, im positiven Sinne. :)

      Ich habe in den letzten Jahren/Jahrzehnten einen ziemlichen Bogen um französische Oper gemacht, die mich irgendwie nicht ansprach. Erst in der letzten Zeit habe ich die besondere Qualität des französischen Stils wertschätzen gelernt. Und da offenbart sich mir nun plötzlich eine ganz andere Welt. So bin ich zur Carmen gekommen (meine Güte, so oft gehört und nie hat sie mich angesprochen und plötzlich...) , so habe ich den Faust ganz anders wahrgenommen, die Perlenfischer schätzen gelernt, Lakmé entdeckt etc. Plötzlich sprechen diese Werke mich an. Und so geht es mir auch mit dem Werther.

      Dies ist eine Aufnahme, die noch ganz in der wohl lange durch eher italienisch geprägte Sänger verdrängten französischen Gesangstradition steht. Thill, ein Vorgänger von Vanzo, Gedda, Kraus geht diese Partie ganz im französischen Gesangsstil an und erreicht dabei und dadurch eine große Emotionalität. Gleiches gilt für Ninon Vallin und die anderen Beteiligten.

      Damit will ich ihn übrigens gar nicht gegen die wohl eher direkte Emotionalität von Carreras hervorheben. Ich kenne die Aufnahme nicht, kann mir aber gut vorstellen, wie eindringlich und stimmschön er sie darbringt. Es ist letztlich wohl auch eine Geschmackssache, wie man diese Partie angelegt haben möchte. Für mich ist im Moment, auch geprägt durch Kraus, Georges Thill eine wirkliche Option. Aber mit Sicherheit komme ich auch noch zu Carreras. :)

      LG Falstaff