Léopold Simoneau - der Poet

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    • Léopold Simoneau - der Poet

      Léopold Simoneau, Tenor, wurde am 03. Mai 1916 in Kanada geboren, wo er auch am 24. August 2006 starb.
      Ab 1939 nahm er Gesangsunterricht, debütierte dann 1941 in 'Lakmé' in der er mit seiner Frau, der Sopranistin Pierrette Alarie, auftrat und sang 1943 unter Beecham seine erste Mozartpartie im 'Figaro'.

      1949, nach weiteren Studien, ging er nach Europa, genauer nach Paris an die Opéra-Comique. Von dort aus gastierte er in den folgenden Jahren quasi an allen großen, bedeutenden Opernhäusern der Welt.

      Neben Mozart waren es vor allem die Partien des lyrischen Tenorfachs der italienischen wie auch v.a. der französischen Oper in denen er in den folgenden Jahren bis 1970 international Triumphe feierte.

      Zahlreiche Aufnahmen bezeugen zum Glück seine außerordentlichen Qualitäten im lyrischen Fach. Simoneau verfügte nicht nur über eine Stimme von großer Stimmschönheit, sondern v.a. über einen wohlausgebildeten, stilsicheren und auch hochgelobten Tenor, der die 'Voix mixte' gekonnt und durchaus ausdrucksvoll einsetzen konnte. Gerade das, wie auch der Charme und Esprit seiner Stimme prädestinierte ihn für Mozart, aber auch v.a. für das französische Fach.

      George Thill, Alain Vanzo, Albert Lance, Nicolai Gedda (der Große, der gerade nun auch noch Geburtstag hätte) oder eben auch Léopold Simoneau haben u.a. den besonderen Stil der französischen Oper noch einmal in das Bewusstsein der Hörere rücken können. Im eher heldischen Bereich gibt es mit Ben Heppner, Roberto Alagna oder Bryan Hymel durchaus Nachfolger. Aber der lyrische Bereich scheint mir, wie auch in der italienischen Oper, zur Zeit verwaist.

      Aber man sollte Simoneaus Mozart nicht vergessen. Allein sein Auftritt als Ottavio unter Mitropoulos in Salzburg sollte ein absolutes Muss für jeden sein, der gepflegten, ausdrucksvollen Mozartgesang erleben möchte oder wie Jens Malte Fischer schrieb: '...wenn Simoneau dabei ist, sollte man ungehört zugreifen.'



      Neben den Furtwängler-Aufnahmen für mich der faszinierendste 'Giovanni' der 'alten' Generation. Nicht nur wegen der außerordentlichen Sängerbesetzung, sondern auch weil beide das Stück zum 'Glühen' bringen. Und Simoneau bringt hier eine lyrische Eleganz hinein, die Dermota (in den Furtwängler-Aufnahmen) geradezu hölzern erscheinen lässt. (Und Dermota war ein richtig guter Ottavio.)

      :hello Falstaff

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Falstaff ()

    • Für alle Simoneau-Verehrer dürfte die 7 CD-Box unverzichtbar sein:

      Da gibt es zwar etliche Doubletten, die sich mit der 10 CD-Collection überschneiden, aber hier sind auch die schönen Mozart-Lieder mit Simoneau-Ehefrau Pierette Alarie dabei, und vor allem ein umfangreiches, höchst aufschlussreiches Booklet, während die Membran-Ausgabe ohne jede Textbeilage ist. Z.Zt. ist sie für schlappe 8,79 € + Porto bei amazon zu haben!

      Wer sich mit Auszügen aus der DG-Box begnügen will, der ist hiermit gut bedient:


      Auch diese Ausgabe ist mit einem guten Beiheft ausgestattet.
    • Und hier noch ein seltenes Simoneau-Schmankerl:

      Mozart: DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL, Gesamtaufnahme
      mit Lois Marshall (Constanze), Ilse Hollweg (Blonde), Léopold Simoneau (Belmonte), Gottlob Frick (Osmin), Gerhard Unger (Pedrillo)
      Dirigent: SIR THOMAS BEECHAM, mit dem Royal Philharmonic Orchestra und der Beecham Choral Society.
      Es ist eine Stereo-Aufnahme aus 1956, auf CD 2 gibt es zusätzlich noch 5 Mozart-Arien mit Simoneau. Das ganze ist momentan bei Amazon für lachhafte € 2,79 + Porto zu haben!! Leider gibt es kein Original-Cover zum Abbilden, es ist eine originale EMI-Produktion (mit einem schönen Textheft einschließlich Libretto).
      Die Besetzung ist großartig, Frick singt viel besser als in der späteren Krips-Aufnahme, und Simoneau war ein begnadeter Mozart-Tenor; da macht es nichts, dass sein Deutsch ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist.
    • Ich stelle mal ein LP Cover von der Aufnahme als Ø ein mit einem verschmitzten Frick als Osmin ....



      und da sind wir gleich beim Highlight der Aufnahme, >ich habe auch noch die EMI Ausgabe von 1990 die vom Klang ganz hervorragend ist für ihr Alter< Frick ist ein Osmin wie aus dem Lehrbuch, mir gefällt er auch immer am besten in den Spielopern und dem Feld drumherum. Lieber Don irgendwie kommt mir Fricks Stimme ziemlich hervorgehoben vor!?Was meinst du?
      Ich zähle die Aufnahme zu den Guten aber nicht zu den besten, mir ist Beecham zu gleichförmig und eigensinnig, er bemüht sich zwar um Differenziertheit aber das gelingt ihm nicht so ganz, darunter leiden auch auf die Sänger.
      Simoneau ist stilistisch ein sehr guter Belmonte, na ja Mozart konnte er singen, aber bei seinem deutsch muss man halt oft schmunzeln, in manchem gelingt es besser im anderen schlechter. Sind wir in dieser Hinsicht sehr pingelig!?
      Die ebenfalls aus Kanada stammende Lois Marshall ist eine fmB tadellose Kostanze, ich bin der Meinung das unter einem anderen Dirigenten mehr herausgekommen wäre.
      Ilse Hollweg die zu der Zeit auch schon die Konstanze sang, ist mMn trotzdem bei der Blonde besser aufgehoben, denn das macht sie sehr gut, und Gerhard Unger DER Pedrillo seiner Zeit mit schönem Timbre. Die Hollweg und Unger sind die einzigen die selbst ihre Rollen sprechen, aber wieso hat man Frick nicht sprechen lassen (wegen dem Schwäbeln)?
      Alles in allem ein schönes Dokument von Simoneau als Belmonte!

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      Die Box von der DG ist wirklich fantastisch, bei Dokuments sind das leider immer nur überspielungen, aber wie immer sollte man froh sein über die Box! :)

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Guten Abend, palestrina!

      Ich besitze die Beecham-GA noch auf LP, diese hier:

      habe sie mir aber später auf CD neu angeschafft, hauptsächlich wegen Simoneau und Frick. Was letzteren und die Konstanze von Lois Marshall angeht, so stimmen wir völlig überein.
      Fast noch besser gefällt mir Fricks Osmin in dem alten Electrola-Querschnitt von 1953, den Wilhelm Schüchter dirigiert:

      während er in der GA aus Wien von 1966 unter Josef Krips m.E. nicht seinen besten Tag hatte.

      Sir Thomas Beecham ist einer meiner Lieblingsdirigenten, vielleicht bin ich da ein bisschen voreingenommen. Ich finde seine "Entführung" fabelhaft, verstehe aber nicht, warum er dem Belmonte die Baumeister-Arie gestrichen hat (zum Glück wird sie in der Doppel-CD von Simoneau "nachgereicht", wenn auch mit einem anderen Dirigenten). "Pingelig" würde ich es nicht nennen, wenn man Simoneaus Deutsch zum Schmunzeln findet, aber ich kann wegen seines herrlichen Gesangs leicht darüber hinweghören.

      Die Trennung zwischen Sing- und Sprechrollen halte ich generell für eine schlimme Verirrung; zum Glück hat man das nicht zur Tradition werden lassen. Bei Simoneau könnte man es mit seinem sprachlichen Defizit erklären, doch Fricks Schwäbeln war ja nun absolut nicht weiter störend. Aber so waren die Bräuche damals, in den "goldenen 50ern".

      Alles in allem ist die Beecham-Produktion schon allein wegen Simoneau fast ein Muß, wie auch die Böhm-Zauberflöte (Decca) und Karajans Cosi (EMI).


      LG, Perlimplin
    • Hallo,
      ich staune,dass niemand über den einmaligen Gluck-Interpreten Simoneau spricht.
      Beim Mozartgesang fällt mir noch ein Sänger ein ,der ganz in Vergessenheit geraten ist,
      der ungarische Tenor Jozsef Reti.Neben den Opernarien hat er vor allem die Konzert-
      arien Mozarts ganz wundervoll interpretiert.
      Ausserdem schätze ich ihn als Gluck-(Ifigenia in Aulide) und Haydn -(Orlando paladino) Sänger.
    • Hallo bernd ferrier,

      ich denke mal, dass der Eingangsthread dazu verleitet hat, hier etwas einseitig über Simoneaus Mozart-Gesang zu schreiben. Natürlich kenne und besitze ich folgende legendäre Aufnahme, die bereits in meiner LP-Sammlung vertreten war:

      Sie ist nicht nur wegen Simoneau, sondern auch und vor allem durch den Dirigenten Hans Rosbaud ein Juwel. Nicht zu vergessen Suzanne Danco als Eurydike und Simoneaus Ehefrau Pierrette Alarie in der kleinen Rolle des Amor.

      Obwohl es eine Mono-Produktion ist, kann man klanglich eigentlich nicht meckern. Für das Aufnahmejahr 1956 klingt sie sehr ordentlich, wenn man auch bedauert, dass PHILIPS damals noch keine Stereotechnik zur Verfügung hatte. Weiters handelt es sich um die französische Fassung der Oper, mit einem Tenor als Orphée.

      Übrigens gibt es noch einen Mitschnitt von "Iphigénie auf Tauris" aus Aix-en-Provence unter Carlo Maria Giulini aus 1952, in dem Léopold Simoneau den Achille singt. Auszüge daraus sind in der von Falstaff in Beitrag 2 erwähnten 10 CD-Box zu finden.

      Was József Réti betrifft, so meinst Du wohl diese CD:

      Er war ein außergewöhnlicher, großartiger Mozart-Tenor, der leider früh, 48-jährig, verstorben ist.
      Die auf dieser CD enthaltenen Aufnahmen sind aus 1970 und 1973, dem Todesjahr des Sängers. Es ist traurig, dass er weiten Kreisen gar nicht bekannt ist, was z.T. mit seinem frühzeitigen Tod, aber auch mit den damals begrenzten Wirkungsmöglichkeiten für Künstler aus dem Ostblock zu tun haben dürfte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Don Perlimplin ()

    • Hier nun wieder Simoneau als Mozartsänger. Aber bevor ich aus aktuellem Anlass zur Callas abdriftete, hörte ich diese Aufnahme:



      Auch wenn ich Cantelli spannender finde, ist es eine sehr schöne Aufnahme. Die Schwarzkopf klingt wesentlich angenehmer als in der weitgerühmten Böhm-Aufnahme, in der sie doch schon recht 'säuerlich' rüberkommt. Aber es ist v.a. auch Simoneau, der diese Platte zu einem Ereignis macht. Das ist solch ein gepflegtes Singen, immer auf Linie, ganz beseelt, die 'Voix mixte' so unnachahmlich einsetzend. Oftmals reine Poesie. Wobei Karajan ihm da wirklich auch den entsprechenden 'Teppich' bereitet.

      :hello Falstaff