Richard Tauber - Du bist die Welt für mich

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Richard Tauber - Du bist die Welt für mich

      Tauber wurde 1891 in Linz geboren und starb 1948 in London an Lungenkrebs.

      1913 debütierte er in Chemnitz als Opernsänger als Tamino, wechselte danach nach Dresden und sang dann v.a. in Berlin und Wien. Obwohl getaufter Katholik wurde er aufgrund seines jüdischen Vaters während der Nazizeit verfolgt, musste nach Österreich ausweichen und später nach England emigrieren. Dort v.a. sang er in den folgenden Jahren. 1947 gab er, schon nur noch mit einer Lunge, noch einmal den Don Ottavio unter Josef Krips bei einem Gastspiel der Wiener Staatsoper. Im folgenden Jahr starb er und wurde in einem Ehrengrab in London beerdigt.

      Spärliche Daten, die eigentlich nichts über den Lebensweg und seine überragende Position als Künstler v.a. damals im deutschsprachigen Raum aussagen. Tauber war, in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren der wohl mit Abstand populärste Sänger (neben Josef Schmidt) in Deutschland und Österreich. Superstar würde man heute sagen. (Und bei RTL wäre er sogar ein Megastar. :D ) Und das in einem Genre, dass nun ja nicht unbedingt die Massen anzieht.

      Aber Tauber hat immer in unterschiedlichsten Bereichen reüssiert. Oper, Operette, Volkslied und populärer Schlager. Nichts war ihm fremd und überall hat er seine Spuren bis heute hinterlassen.

      Obwohl in der Höhe doch relativ kurz, spricht die Stimme auch heute noch an. Hört man seine Aufnahmen klingen sie doch sehr nach einem vergangenen Jahrhundert. Aber dann nimmt einem dies einzigartige Timbre gefangen. Dieser Charme, dieser volle Mittellage, diese Rhetorik. Tauber bannt einen durch die Selbstverständlichkeit seines Singens, durch den Ernst und die Leichtigkeit, durch seine Phrasierungskunst, durch das direkte Ansprechen, durch seine Intelligenz und durch seine Liebe zu allen Bereichen der 'ernsten' Musik.

      Irgendwie hat man immer die Idee, dass das alles nicht perfekt ist, dass man es wahrlich schon besser gehört hat. Und trotzdem packt er einen. Vielleicht ist das nur den wirklich großen Künstlern beschienen. Das man so viele Dinge beschreiben kann und trotzdem immer ein Geheimnis bleibt. Das Geheimnis, warum es gerade diese Stimme ist, die einen in den Bann zieht.

      Was sollte man von Tauber hören? Zunächst einmal alles, was man in die Hände bekommt. Aber natürlich ist es sein Mozart. Dann die Operette. Er und Lehar - eine ganz besondere Beziehung. Dann natürlich Lieder, auch Volkslieder. Und dann eben auch das populäre Genre, in dem er neben Schmidt zu seiner Zeit schlichtweg unvergleichlich war.



      Das ist nicht alles gut. Vor allem als Wagnersänger finde ich ihn nicht optimal. Und trotzdem....



      Hier ein wunderbarer Überblick über sein Opern- und Operettenschaffen.



      V.a. die Korngold-Ausschnitte mit Lotte Lehmann sind zum :down :down :down . Beide sangen die Uraufführung der 'Toten Stadt''.

      Aber auch deutsche Volkslieder.


      Wie auch in den Operetten oder den Schlagern nimmt Tauber die jeweiligen Genres ernst ohne sie zu überlasten. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, so muss es sein. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

      :hello Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Spärliche Daten, die eigentlich nichts über den Lebensweg und seine überragende Position als Künstler v.a. damals im deutschsprachigen Raum aussagen.
      Lieber Falstaff,

      seit meiner frühen Jugend bin ich ein Verehrer von Richard Tauber. Mein Vater besaß aus der Vorkriegszeit eine Menge 78er Schellackplatten mit ihm, und so war mir seine Stimme schon als Kind vertraut. Ich freue mich, dass Du einen Thread über ihn eröffnet hast und hoffe, dass er nicht, wie so viele andere hier, gleich wieder im Sande verläuft .....
      Ich weiß nicht, ob Du folgendes Buch von Michael Jürgs kennst. Wenn nicht, so kann ich es nur wärmstens empfehlen. Für mich eine wunderbare Biographie mit vielen Details aus Taubers Leben, die mir ganz unbekannt waren.

      Ich habe das Buch mit großem Gewinn schon mindestens zweimal gelesen. Es ist bei Amazon gebraucht für einen lächerlichen Preis zu haben.
      Folgende 10 CD-Box ist ebenfalls höchst empfehlenswert:


      Auch die gibt es bei Amazon für einen Spottpreis. Sie enthält nicht nur "Schlager, Film, Operette, Konzert", wie auf dem Cover zu lesen, sondern auch sehr viele seiner besten Opernarien und -szenen. Als Trouvaille ist sogar ein Mitschnitt von seinem allerletzten Auftritt in Covent Garden mit der Wiener Staatsoper vom September 1947 enthalten, und zwar die Arie des Ottavio aus Don Giovanni "Folget der Heißgeliebten", deutsch gesungen. Da sang er bereits nur noch mit einem Lungenflügel, aber so schön und frisch wie zu seinen besten Zeiten. Wenige Monate später starb er an Lungenkrebs.
      Ich bin jetzt etwas in Zeitnot, komme aber später noch auf einmal auf Tauber zurück.
    • Falstaff schrieb:

      Vor allem als Wagnersänger finde ich ihn nicht optimal. Und trotzdem....
      Hallo Falstaff,

      natürlich stimmt es, dass Tauber kein typischer Wagner-Sänger war, und doch erteilt er in seinen wenigen Wagner-Aufnahmen manchem "geborenen Heldentenor" eine Lektion in Wagner-Gesang. So besonders die beiden in dieser CD enthaltenen Meistersinger-Arien "Am stillen Herd" und "Morgenlich leuchtend":

      Ich kenne keine einzige Version, die an diese heranreicht oder sie gar übertrifft. Für den "Stimmen-Papst" Jürgen Kesting "kommen sie einer Offenbarung gleich", und er sagt weiter "Keine andere Aufnahme hat diese Glut und verinnerlichte Spannung".
      Taubers Gesang macht die klägliche Technik total vergessen.
      Hervorragend gelingt ihm auch "Winterstürme wichen dem Wonnemond" aus der "Walküre", obwohl die technische Beschaffenheit noch bescheidener ist als bei den Meistersinger-Stücken. Weniger gelungen scheint mir die Gralserzählung von 1938 zu sein; da fehlt ihm ganz einfach die Durchschlagskraft, obwohl auch hier seine Stimme einen ganz seltsamen Glanz ausstrahlt. Weitere Wagner-Ausschnitte mit Tauber sind mir nicht bekannt.

      Seine Ausflüge in die Welt der Operette sind bekannt, vor allem sein Einsatz für die Musik von Franz Lehár. Keiner hat diese Schmalzlieder so glaubwürdig und unpretentiös gesungen wie Tauber. Und doch ist mir auf diesem Gebiet eine Tauber-Aufnahme ganz besonders teuer; es ist das "Uhrenduett" aus der "Fledermaus" mit Vera Schwarz, das u.a. auf dieser CD zu hören ist:


      Mit einer unnachahmlichen Leichtigkeit legt Tauber hier ein wahres Kunststück hin, das höchster Bewunderung wert ist. Seine Stimme tanzt sich ganz einfach durch diese Musik.


      Was die beiden Stücke aus der "Toten Stadt" mit Lotte Lehmann angeht, so geht es mir genauso wie Dir, das ist zum Niederknien!


      Sehr interessant ist auch die folgende CD:



      Ganz unverhofft sahen sich Richard Tauber und Franz Lehár nach dem Krieg in Zürich wieder. Spontan entschloss sich Radio Beromünster, ein Konzert der beiden zu arrangieren. Es fand am 5.6.1946 statt und wurde aufgezeichnet. Hier kann man es in voller Länge hören. Tauber singt, Lehár dirigiert. Erstaunlich ist, dass Taubers Stimme so frisch und unverbraucht klingt wie in seinen besten Vorkriegszeiten.

      Die beiden "Musiker im Geiste" trafen sich hier zum letzten Mal. Zum Glück war Richard Tauber nicht nachtragend: Als es ihm wähend seiner Emigration finanziell recht dreckig ging, bat er seinen Freund Lehár um Hilfe. Statt Geld schickte ihm der schwerreiche Komponist aus Wien eine Reihe signierter Fotokarten mit seinem Porträt nach London. Welcher Engländer mag in diesen Kriegszeiten dafür Geld ausgegeben haben! Lehár war für seine Knauserigkeit bekannt .....


      Zum Schluss will ich noch auf eine kurze Arie aufmerksam machen, die (für mich) so untrennbar mit Richard Tauber verbunden ist wie keine andere; es ist das kurze Stück "Ha, wie in meiner Seele" aus Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" (es ist in der oben zuerst abgebildeten EMI-CD enthalten).

      Auch hier kann man nur staunend und bewundernd lauschen. Das ist Poesie in ihrer reinsten Form, beglückend und bezaubernd gleichermaßen. Vom leuchtenden Piano bis zum strahlenden Forte, Tauber erfasst jede Nuance dieses Liebesliedes, und das ohne den leisesten Anflug von Sentimentalität.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Don Perlimplin ()

    • Don Perlimplin schrieb:

      Ich kenne keine einzige Version, die an diese heranreicht oder sie gar übertrifft. Für den "Stimmen-Papst" Jürgen Kesting "kommen sie einer Offenbarung gleich", und er sagt weiter "Keine andere Aufnahme hat diese Glut und verinnerlichte Spannung".
      Lieber Don Perlimplin, die Glut und die verinnerlichte Spannung höre ich (meistens) auch, allerdings auch immer wieder unklare Vokale (z.B. bei Duft) und gerade Schwierigkeiten bei den Aufschwüngen in die Höhe (z.B. bei 'von aller Wonne'), wie auch immer wieder eine Enge dort (z.B. Muse des Parnass). Da fehlt mir einfach der leichte, selbstverständliche Umgang mit der Höhe, der in dieser Partie so wichtig ist. Aber es stimmt natürlich, dass vom Ausdruck her es eine außergewöhnliche Aufnahme ist.

      Don Perlimplin schrieb:

      Hervorragend gelingt ihm auch "Winterstürme wichen dem Wonnemond" aus der "Walküre",
      Das stimmt wirklich. :)

      Don Perlimplin schrieb:

      Ganz unverhofft sahen sich Richard Tauber und Franz Léhar nach dem Krieg in Zürich wieder. Spontan entschloss sich Radio Beromünster, ein Konzert der beiden zu arrangieren. Es fand am 5.6.1946 statt und wurde aufgezeichnet. Hier kann man es in voller Länge hören. Tauber singt, Léhar dirigiert. Erstaunlich ist, dass Taubers Stimme so frisch und unverbraucht klingt wie in seinen besten Vorkriegszeiten.
      So oft hatte ich die CD in der Hand und dachte, dass es sich nur wieder um eine weitere Zusammenstellung altbekannter Aufnahmen handeln würde. Ich sollte doch häufiger auch die Rückseite betrachten. :D Jedenfalls vielen Dank für den Tipp.

      Don Perlimplin schrieb:

      Zum Schluss will ich noch auf eine kurze Arie aufmerksam machen, die (für mich) so untrennbar mit Richard Tauber verbunden ist wie keine andere; es ist das kurze Stück "Ha, wie in meiner Seele" aus Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" (es ist in der oben zuerst abgebildeten EMI-CD enthalten).
      Sehr guter Hinweis. Hier kann man wirklich all die Qualitäten seiner Stimme hören.

      LG Falstaff