Lotte Lehmann - „Sie hat gesungen, daß es Sterne rührte.“

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    • Lotte Lehmann - „Sie hat gesungen, daß es Sterne rührte.“

      Lotte Lehmann, vielleicht die Wiener Sängerin wurde 1888 in Perleberg in Brandenburg geboren. 1910 debütierte sie an der Hamburgischen Staatsoper als 2. Knabe in der Zauberflöte, fand aber vier Jahre später ihre künstlerische Heimat in Wien, das dann für sie bis 1938 Mittelpunkt ihres Wirkens blieb.

      Da sie sich den Nazis verweigerte, konnte sie schon ab 1933 nicht mehr in Deutschland, nach dem 'Anschluss' auch nicht mehr in Österreich auftreten. Sie emigrierte in die USA, um an der MET weiterhin große Erfolge zu feiern, bis sie 1951 ihren Bühnenabschied verkündete. Danach wandte sie sich dem Unterricht zu (Grace Bumbry, Jeanine Altmeyer, Judith Beckmann waren u.a. Schülerinnen). 1976 starb sie in Santa Barbara, wurde aber auf eigenem Wunsch in Wien beerdigt.

      „Sie besaß das Geheimnis, das einzige Geheimnis, das wir haben: Herz. Ein Ton, der aus dem Herzen kommt, geht dem Hörer zu Herzen, vielleicht weiß er nicht einmal, was eigentlich ihm solche Freude bereitet, was ihn so zufrieden und glücklich macht.“ So schrieb Leo Slezak einmal über sie.

      Und genau das ist es wohl, was an der Lehmann, neben allen vokalen Qualitäten, auch heute noch so fasziniert und berührt. Die Lehmann war immer ein Mensch, sang mit aller Schlichtheit, nahm und nimmt mit ihrem Ton und ihrer Wahrhaftigkeit gefangen.

      Zum Glück gibt es reichlich Aufnahmen, auch GA's mit ihr, so dass man sich weiterhin der Faszination dieser Stimme und dieser Künstlerpersönlichkeit versichern kann.

      Sie war die Marschallin im Rosenkavalier bevor die Schwarzkopf, ganz anders geartet, die Rolle besetzte. Hier gibt es die gekürzte Studio-Aufnahme unter Robert Heger, aber auch eine GA von der MET von 1939. Das ist ein Gesang, der wirklich unmittelbar zu Herzen geht.

      Aber sie war natürlich auch die Sieglinde, nicht nur in der legendären Studio-Aufnahme des 1. Aktes unter Bruno Walter. Und die Elsa, wieder mit Melchior und wieder von der MET, diesmal 1935.

      Und natürlich gibt es all die Einzelaufnahmen von Opern, die sie entweder nie gesungen hat oder von denen keine weiteren Aufnahmen vorliegen. Ihre Fidelio-Leonore ist schlichtweg ein Wunder in der vokalen Bewältigung dieser nun wirklich schweren Partie wie auch in der menschlichen Aussage. Ihr 'Liebestod' ein ebensolches 'Muss'.

      Aber man sollte auch nicht die Liedsängerin Lehmann vergessen. Sie war wohl eine der ersten, die die 'Winterreise' als Frau eingespielt hat, die 'Frauenliebe und -leben' (wenn mich nicht alles täuscht mit Bruno Walter als Begleiter) fast zu einem Werk der Frauenemanzipation machte (wie ein Kritiker einmal schrieb).

      Wer bereit ist, sich von einer Stimmer bezaubern, verzaubern zu lassen, wer bereit ist, sich auf Uraltaufnahmen einzulassen, wer noch nicht verlernt hat ehrliches, direktes, von Herzen kommendes Singen wertzuschätzen, der wird mit dieser Stimme überreich belohnt, der wird diese Künstlerin lieben. Ich tue es jedenfalls. Immer wenn ich sie höre, überkommt mich eine Ahnung von dem, was der Mensch ist oder auch sein könnte.

      Aber bevor ich zu pathetisch werde, schließe ich hier lieber. ;)

      :hello Falstaff