J.S. Bach: Die Konzerte für Tasteninstrumente (BWV 1052 - 1061)

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    • J.S. Bach: Die Konzerte für Tasteninstrumente (BWV 1052 - 1061)

      Liebe Musikfreunde,

      BWV 1052-1061 - Das sind die Konzerte, die hier besprochen werden sollen. Hier stellt sich natürlich die Frage nach dem Instrument. Ursprünglich sind sie für das Cembalo konzipiert. Ich oute mich hier als jemand, der dem modernen Flügel den Vorzug gibt. Heute habe ich mir eine CD besorgt, die mich an meine Schulzeit erinnert. Der junge Sviatoslav Richter spielt

      Konzert f. Klavier und Orchester d-moll BWV 1052 (Staatl. SO der UdSSR unter Kurt Sanderling, 1959)

      Konzert f. 2 Klaviere und Orchester C-Dur BWV 1061 (Anatoli Vedernikov, 2. Klavier, Moskauer Kammerorch. unter Rudolf Barshai, 1959)

      Das Konzert für 2 Klaviere erinnert in der Gestaltung der Themen und des Zusammenspiels sehr an Antonio Vivaldi. Wieder ein Beweis, wie sehr J.S. Bach die Werke des Italieners kannte und schätzte. Die Orchester werden herrlich trocken geführt, woraufhin sich der Flügel sehr gut kontrastiert. Richter spielt mit den modernen Möglichkeiten, also auch etwas Pedal, ohne die Strukturen zu verwischen. Fantastischer motorischer Drive. Ich kenne noch eine Interpretation eines der Konzerte für 2 Klaviere mit Sviatoslav Richter und Lev Oborin ! Mal schauen, ob ich es auftreiben kann.



      gruß, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • hallo,



      diese brandaktuelle einspielung mit martin stadtfeld und den festival strings lucerne unter a. fiedler ist IMO sensationell stark. das 1. konzert BWV 1052 wird deutlich rascher in den ecksätzen genommen als bei z.b. s. richter. beide ansätze finde ich exzellent. bei stadtfeld beeindruckt die terrassendynamik und die rhythmische finesse. im zweiten konzert BWV 1053 wird von stadtfeld ein regelrechter tanz auf den tasten zelebriert, was dem hellen charakter des werkes voll gerecht wird. im umgearbeiteten violinkonzert nimmt der pianist eine lyrischere gangart und zeigt hier einen wunderbaren gesang im mittelsatz. ich kann diese aufnahme wärmstens empfehlen. seine beiden präludien und fugen aus dem WTK und auch bergs sonate z.b. sind vom feinsten. wirklich sehr beeindruckend, auch wenn Jeremias das anders sieht !

      gruß, siamak :engel
    • Gestatte mir den Hinweis, dass ich Stadtfeld sehr "draufgängerisch" und überzogen finde, bereits kurze Ausschnitte haben mir die Lust auf mehr verdorben....

      Ich bevorzuge da doch eher die klassische, etwas zurückhaltendere Variante von Andras Schiff, für mich klar die Nr.1 bei den Konzerten!
    • lieber Jeremias,

      ich respektiere deine beurteilung. so, wie du es hier formulierst, kann ich es auch bestätigen. stadtfeld spielt tatsächlich draufgängerisch, ja wie in einem rauschzustand. mir sagt es zu. wenn ich die ruhigere bis getragenere variante hören will, dann bin ich mit sviatoslav richter sehr gut bedient, obwohl er nicht alle konzerte einspielte. so empfehle ich hier die umgearbeiteten violinkonzerte, BWV 1054 und 1058 (d-dur und g-moll) mit dem alten s. rchter auf yamaha mit dem orchestra di padova e del veneto unter yuri bashmet. diese disc ist wohl nicht mehr erhältlich. richter präsentiert hier ein absolut unprätentiöses geradliniges bach-spiel.



      gruß, siamak :)
    • Ich habe gerade in meiner Mittagspause die Gunst der Stunde genutzt und einmal lange in die Stadtfeld-CD reingehört. Die Beweisaufnahme hat dabei meine bisherige Meinung im vollen Umfang bestätigt. Stadtfeld's bach hört sich an, als würde er gerade eine Czerny-Etüde bearbeiten, in welcher die Fingerfertigkeit beim Staccato trainiert werden soll. Dies läuft jedoch der Partitur zuwider. Insbesondere im d-moll Konzert soll v.a. ohne Staccato gearbeitet werden. Bei Stadtfeld hat dies die Folge, dass ihm eine Differenzierung zwischen den beiden Händen nicht gelingt, er schafft es zudem nicht, über mehrere Takte deutlich die Melodie zu führen. es ist einzig dem Orchester zu verdanken, dass hier und da ein homogener Spielfluss entsteht. Und bisweilen geht insbesondere im f-moll Konzert im Klang des Orchesters nahezu unter....

      Nach meinem Eindruck:

      Interpretation: 3/10
      Klang: 9/10
    • lieber Jeremias,

      bei martin stadtfeld werden wir also nicht auf einen gemeinsamen nenner kommen. dafür wohl bei folgender platte perahias:



      js bach

      konzert für flöte, violine und klavier a-moll BWV 1044
      brandenburgisches konzert nr.5 d-dur BWV 1050

      murray perahia, piano, academy of st.martin in the fields unter m. perahia

      sony, DDD, aufn. 2003

      diese interpretationshaltung orientiert sich nicht an HIP sondern an differenziertem und eher leisem spiel. dabei wird viel mit legato gearbeitet. höhepunkt ist IMO das 5. brandenburgische konzert mit der ausgedehnten solo-kadenz des klaviers vor der coda im ersten satz. dieses konzert gilt im allgemeinen als erstes klavierkonzert der musikgeschichte !

      gruß, siamak :engel
    • Original von Jeremias
      Gestatte mir den Hinweis, dass ich Stadtfeld sehr "draufgängerisch" und überzogen finde, bereits kurze Ausschnitte haben mir die Lust auf mehr verdorben....

      Ich bevorzuge da doch eher die klassische, etwas zurückhaltendere Variante von Andras Schiff, für mich klar die Nr.1 bei den Konzerten!


      @Jeremias, Siamak,

      gestern hörte ich auch in verschiedene Aufnahmen rein! U.A. Hewitt, Schiff und die o.g. Stadtfeldaufnahme!

      Ich erinnerte mich an die positive Erwähnung Stadtfelds Du Siamak habe gestern aber eher einen ähnlichen Eindruck gewonnen wie ich ihn hier von Jermemias lese.

      "Draufgängerisch" ist eine recht passende Beschreibung! Mir erschien sie "wild" und IMO nimmt Stadtfeld völlig das "edle" Element aus Bach's Musik!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von AcomA
      hallo,



      diese brandaktuelle einspielung mit martin stadtfeld und den festival strings lucerne unter a. fiedler ist IMO sensationell stark. das 1. konzert BWV 1052 wird deutlich rascher in den ecksätzen genommen als bei z.b. s. richter. beide ansätze finde ich exzellent. bei stadtfeld beeindruckt die terrassendynamik und die rhythmische finesse. im zweiten konzert BWV 1053 wird von stadtfeld ein regelrechter tanz auf den tasten zelebriert, was dem hellen charakter des werkes voll gerecht wird. im umgearbeiteten violinkonzert nimmt der pianist eine lyrischere gangart und zeigt hier einen wunderbaren gesang im mittelsatz. ich kann diese aufnahme wärmstens empfehlen. seine beiden präludien und fugen aus dem WTK und auch bergs sonate z.b. sind vom feinsten. wirklich sehr beeindruckend, auch wenn Jeremias das anders sieht !

      gruß, siamak :engel


      @Siamak,

      in der aktuellen Piano News gibt es eine Besprechung dieser Aufnahme i.d. Herr Stadtfeld gar nicht gut weg kommt. Eine Bewertung 2 von 6 liest man wahrlich in dieser Zeitschrift eher selten.

      Erster Satz:


      Vielleicht wollte Martin Stadtfeld ja lieber Beethoven als Bach spielen, aber man hat ihn nicht gelassen"

      Piano News 01/2007
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Ich hörte Ausschnitte der Bach-Konzerte mit martin stadtfeld wiederholt im Radio, teils angekündigt, teils "blind". Stets hat mir sein Spiel großen Spaß bereitet. Einmal war sogar ein langsamer Satz im unmittelbaren Vergleich mit dem berückenden, "religiösen" Spiel Edwin Fischers zu hören. Selbst da war beides so unterschiedlich, dass beides vor meinen Ohren bestand hatte. Wie auch immer man sein Bach-Spiel als solches bewerten mag, zum Hören bereitet es mir stets großes Vergnügen - und mehr noch als sein angebliches Vorbild Gould!
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • Mir bereitet die Stadtfeld-Aufnahme auch großes Vergnügen. Stadtfeld spielt mitreißend, voller Spielfreude und Präzision. Auch an der Orchester-Begleitung gibt es nichts auszusetzen, Achim Fiedler lässt mit Begeisterung aufspielen. Bach-Puristen dürften Stadtfelds Aufnahme ablehnen, da sie doch eher poetisch/romantisch gespielt ist.
      Aber ähnlich gelagert ist der Fall ja mit Tzimon Bartos Rameau-Scheibe. Hier scheiden sich ebenso die Geister, wobei man bei Bach vielleicht strengere Kriterien anlegt.

      An weiteren Aufnahmen besitze und empfehle ich:



      Eine ganz hinreißende Interpretation des jungen Ashkenazy (BWV 1052)!

      Dann diverse Aufnahmen von Sviatoslav Richter, u.a. die von Siamak oben genannten. Lange nicht gehört habe ich die Perahia-Aufnahmen, habe sie jedoch in positiver Erinnerung.

      Und auf alten Instrumenten diese hier, die mir auch gut gefällt (obwohl ich moderne Instrumente bevorzuge):



      Cembalokonzerte BWV 1052-1058, 1060-1065
      (Konzerte f. 1, 2,3 oder 4 Cembali)
      Pinnock, Gilbert, Mortensen, Kraemer,
      The English Concert, Pinnock

      Ich merke gerade, dass ich hier Nachholbedarf habe. Vielleicht kommen ja noch ein paar Hinweise. :)

      Gruß, Cosima
    • Forianer,

      in den letzten Tagen hörte ich immer wieder die Aufnahme der "Klavierkonzerte" von J.S. Bach mit der Pianistin Angela Hewitt und derm Australian Chamber Orchestra geleitet von Richard Tognetti.



      Die recht ordentlich klingende Aufnahme vernittelt eine schöne aufspielendes, recht schlank klingendes Orchester mit einem "Barocken-Klang". Das gefällt mir recht gut.

      Hewitt spielt recht brav, teilweise für mich etwas ar farblos, ohne viel Klangfarbe, was mit dem eingesetzten Fazioli wohl fast schon eine gewisse Leistung gewesen sein muss. Mir ist das hier und da etwas zu farblos.
      So hochdifferenziert, technisch ausgereizt klingt ihr Spiel da auch nicht, daß ich das Gefühl habe das passt. So ist es am Ende nicht Fisch, nicht wirklich Fleisch.

      Insgesamt aber eine recht ordentliche Aufnahme wie ich meine!

      Interpretation: 7-8
      Klang: 8
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • 7. Clavierkonzert g-moll BWV 1058

      Soeben verglichen:



      Murray Perahia leitet The Academy of SMiF, Steinway
      Angela Hewitt und das Australian Chamber Orchestra, geleitet von Richard Tognetti, Fazioli

      Das 7. Konzert mag ich gern, vielleicht auch deshalb, da es auf Bachs 1. Violinkonzert in a-moll aufbaut. Perahia betont mehr das Spielerische,Leichte, des Konzerts, die Melodien strömen dahin. Die Sätze 2 und 3 sind etwas schneller genommen als bei seiner Kollegin. Das Klangbild ist bei Perahia offen, bei Hewitt eher etwas gedeckt. Sie spielt etwas akzentuierter, zackiger als Perahia, vielleicht auch "historischer", was mir jedoch nicht so zusagt. Wenn man nur zwischen beiden zu wählen hätte, würde ich Perahia vorziehen.

      Sonntägliche Grüße Amadé
    • Hallo

      Drei hervorragende Einspielungen von BWV 1052:

      In konzertanten Fassung für Cembalo, gespielt von der Akademie für alte Musik Berlin mit Raphael Alpermann als Solisten:



      einer konzertanten für Violine, gespielt vom gleichen Ensemble mit Midori Seiler als Solistin:



      und einer solistischen für Violine, gespielt von Gli Incogniti mit Amadine Beyer als Solistin



      Alle drei Aufnahmen zeichnen sich durch eine kraftvollen, ja fast schon wilden Zugriff aus ohne dabei die Schönheit als solche aus dem Auge zu verlieren.
      Und obwohl ich normalerweise die Cembalokonzerte höher einschätze, als ihre diversen Ursprungsfassungen, sage ich in diesem Fall auch zu den beiden Violinfassungen uneingeschränkt ja.

      Beste Grüße
      Uhrwerker
      non serviam
    • Ich höre mich gerade mit höchstem Vergnügen quer durch die Icon-Box mit Edwin Fischer. Fünf der 12 CDs sind JSB gewidmet, davon die ersten beiden den Konzerten für Tasteninstrumente (die anderen drei gehen ans WTC, auch ganz exquisit). Das ist natürlich ganz und gar nicht nach Lehrbuch - mit modernem Konzertflügel, getragenen Tempi und verschommenen Rhythmen. Recht bedeutungsschwanger kommt das daher, 'romantisch', nuanciert, expressiv... "Moment mal, so was gefällt dir doch gar nicht" meldet sich eine innere Stimme. "Da kannste mal sehn. Generalisierung ist halt blöd. Vor dem Urteil kommt das hören."
      So isses. Mancherorts kann man lesen, diese Aufnahmen taugten nur noch dazu, aus historischem Interesse zu erfahren, wie man das damals halt gespielt hat. Sehe ich nicht so. Sie haben für mich ihren ganz eigenen Wert und zwar einen recht vollen. Der Mono-Klang aus den 30ern ist nicht ganz exakt audiophil; egal. Ein weiterer Riss ist im Damm - langsam wird der Bach zum Meer.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

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