W.A. Mozart: Klavierkonzerte - keine Gesamtaufnahmen !

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    • Mozart und Pollini - Vol.2

      Liebe Forianer,
      Vol.2 von Pollinis Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmoniker ist erschienen, sie spielen die Konzerte A-dur KV 414 (24’35’’) sowie c-moll KV 491 (29’46’’), beides sind live-Mitschnitte vom Juni 2007 aus Wien.



      Hier einige Anmerkungen: Der Streicherapparat ist zu groß besetzt, zumindest klingt er zu dick, als geschlossener Block, wenig aufgefächert, die Bläser sind in Tutti-Stellen fast nicht auszumachen.
      KV 414: 1.Satz: erst in T.165 Oboen zum erstenmal klar zu hören. Gleich zu Beginn spielen die 2.Vl. Achtelstaccati, was kann ein Orchester (mit Dirigent) daraus machen! Beim Erscheinen des 2. Themas wird dieses regelmäßig ab dem 5.Takt leiser, warum? In den Noten steht davon nichts, es gibt auch keinen besonderen Effekt. 2. Satz: das Orchester sekundiert nur dem Pianisten.
      KV 491: man kann oft eine Bläserstimme nicht bis zum Ende 2-3 Takte später verfolgen, da sie von einer anderen überlagert wird, hier hätte der Tonmeister helfend eingreifen müssen. Insgesamt klingt der Satz hektisch. Zum Vergleich habe ich mir die alte Kempff/Leitner Platte aufgelegt, da hört man alles, wie es Mozart aufgezeichnet: die Proportionen stimmen, kein Instrument drängt sich vor, Bläser und Streicher sind ausgewogen, Kempff kann mit ihnen in einen Dialog treten. In der Pollini-Aufnahme müssen wir damit bis zum 2.Satz warten, der endlich gelöst klingt und klanglich zufrieden stellt. Der 3.Satz läuft anfangs auch passabel, bis in T.72 das pralle Orchester-Tutti alle guten Eindrücke zunichte macht.

      Pollini wird hier unter Wert verkauft! und der Käufer wird getäuscht! Schade, dass der Künstler sich vor den Karren der Kommerzialisierung spannen lässt und künstlerische Maßstäbe hintan stellt. Pollinis Mozart-Beiträge verdienen es, in einem künstlerisch abgesicherten Ambiente präsentiert zu werden, dazu gehört ein aufmerksamer Dirigent. An anderer Stelle dieses Forums habe ich schon einmal das künstlerische Gewissen der heutigen Produzenten und Aufnahmeleiter beklagt, heute muss ich dies wiederholen.

      Grüße Amadé
    • RE: Mozart und Pollini - Vol.2

      Lieber Amadé:

      In Unkenntnis der Pollini-Aufnahme und ohne Blick in die Partituren: Besten Dank für Deine Höreindrücke! Ganz klar ist mir allerdings nicht, wen genau hier die Schuld treffen soll. Pollini, der die Aufnahmen offensichtlich zur Veröffentlichung freigegeben hat? Oder den Universal-Konzern?

      Pollini hat wie Mozart die Konzerte ohne einen Dirigenten gespielt, diese Tatsache ist also eigentlich erst einmal nicht weiter verwerflich. Die Aufnahmen sind als Live-Mitschnitte gekennzeichnet. Getäuscht würde hier der Käufer allenfalls, wenn etwa Material aus mehreren Konzerten zusammengeschnitten worden wäre oder post festum die notorischen "patching sessions" stattgefunden hätten. Bei Live-Aufnahmen geht in der Regel nicht alles völlig glatt vonstatten, es macht nicht recht Sinn, sich auf Einzelheiten zu konzentieren, die vielleicht bedauerlich sind. Im ganzen gehe ich davon aus, daß Pollini die Aufnahmen bei wachem Verstande freigegeben hat und daß der Künstler hinter ihnen steht. Der Kommerz dürfte gerade ihn recht kalt lassen. Natürlich ist Kritik erlaubt, es sei allerdings darauf hingewiesen, daß die CD im "Diapason" 5 Stimmgabeln bekommen hat, es gibt also Hörer, denen Pollinis Konzept etwas zu sagen hat.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      Pollinis Spiel ist nichts vorzuwerfen, bei einer besseren Orchesterbegleitung würde es mir auch gefallen. Im großen Musikvereinssaal wie auch in jedem anderen Saal beim öffentlichen Konzert ist für den Zuhörer der akustische Eindruck sicher ein anderer als der von den Mikrofonen eingefangene. In diesem Saal wurden viele live-Aufnahmen gemacht und auf Tonträgern veröffentlicht, die klanglich mehr oder weniger befriedigten (Bernstein, Abbado, Giulini...). Hier bei Pollini ist das nicht der Fall. Das Orchester spielt nicht immer auf seiner gewohnten Höhe und das Klangbild lässt zu wünschen übrig. Ich möchte jedoch nicht verheimlichen, dass mir die zuerst veröffentliche CD besser gefällt als diese.
      Gerade weil man bei Pollini höchste Anforderungen in Bezug auf eine perfekte Produktion stellen darf, enttäuscht mich diese CD, da das gewohnt sehr hohe Niveau seiner anderen Platten keinesfalls erreicht wurde. Die Verantwortung dafür liegt m.E. weniger beim Pianisten als beim Produzenten. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass es Pollinis Idee war, gleichzeitig als Pianist und Dirigent zu fungieren, das war eher, denke ich, ein Wunsch der DGG und ihrer Verantwortlichen.

      Grüße Amadé
    • Lieber Amadé:

      Herzlichen Dank für Deine Erläuterungen! Ich bleibe aber doch etwas skeptisch, was die Dirigentenfrage angeht. Ich glaube nicht, daß sich Pollini da Vorschriften machen lassen würde. Daß die Personalunion von Solist und Dirigent die DG billiger kommt, ist allerdings wahrscheinlich.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Hallo Mozart Freunde,


      Klavierkonzerte Nr. 20 & 24
      Alfred Brendel, Scottish Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras
      1998


      Klavierkonzerte Nr. 22 & 27
      Alfred Brendel, Scottish Chamber Orchestra, Sir Charles Mackerras
      2000

      Ich besitze seit kurzem sämtliche Aufnahmen der Klavierkonzerte Mozarts mit Alfred Brendel und Sir Charles Mackerras mit dem Scottish Chamber Orchestra.
      In diesem Beitrag beschränke ich mich ersteinmal auf die Klavierkonzerte 20, 22, 24 und 27.

      Mein erster Eindruck, als ich diese Aufnahmen hörte war ganz und garnicht der, den ich erwartet hatte.

      Brendel klingt hier garnicht so perfektionistisch und makellos - Ausschauend wie noch bei den Marriner Aufnahmen.
      Unter Charles Mackerras entfaltet er sich richtig. Ich höre gegenüber den frühen Mozartaufnahmen unter Neville Marriner eindeutig mehr Gelassenheit und Ruhe bei Brendel herraus. Diese andere Seite macht auch seine wiederholten Mozartaufnahmen auf eine andere Art sehr wertvoll. Aufnahmen die ich gerne hervorhole, mit einem Alfred Brendel, der nicht so perfekt hervorstürmend wirkt als bei denen mit Sir Neville Marriner.
      EInzig und allein wünschte ich mir manchmal mehr Nähe zur Aufnahme von dem Scottish Chamber Orchestra wie z.B bei so manchem schönen Klarinettenpart. Aber man kann ja nicht alles haben.
      Jede der beiden "Fast - Zyklen" haben etwas besonders schönes an sich, jede auf seine Weise. Keinen der beiden "Fast - Zyklen" würde ich über die andere stellen.

      Den Eindruck über die Klavierkonzerte 9, 12, 17, 25 liefer ich nach. Hab ich noch nicht genau reingehört.

      Ansonsten hat sich der Kauf für mich sehr gelohnt! :times10

      Grüße
      Daniel
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Heute im Radio gehört:



      Konzert C-Dur KV 467

      Mit dieser Aufnahme tut man dem jungen Pianisten keinen Gefallen, Dirigent und Orchester stehen Lisiecki zu Diensten, mehr auf keinen Fall. Alles korrekt, das reicht aber nicht für diese lebendige Musik, Mozarts Musik ist nie korrekt! Wäre Mozart bei der Aufnahme dabeigewesen, er hätte den Saal schnell verlassen, oder Zacharias den Taktstock entrissen und selbst dirigiert.

      Gruß Amadé
    • Es geht mir jetzt weder um Musiktheorie noch um HIP, sondern um etwas anderes.

      Ich habe, weil ich mich mit der Naturtonreihe vom Es-Horn (das hier im KV 271 Verwendung findet) beschäftigt habe, auch nachgesehen, wie Mozart diese zwei Hörner nun verwendet, welche Töne er nimmt.
      Dabei ist mir eine besonders schöne Stelle aufgefallen:



      Mozart verwendet hier bei den Hörnern lauter Naturtöne, aber darum geht es mir jetzt nur sekundär.

      Was mich besonders interessiert ist, wie er die Oboen verwendet! In diesem Konzert gibt es nur zwei Bläser: Oboen und Hörner. Ich finde das Harnoncourt-Zitat leider nicht mehr, aber er sagte irgendetwas davon, dass die bei Beethoven und wohl auch bei Mozart zusammen eine ganz wichtige Einheit bilden.

      Was mich nun interessiert: wie geht Mozart hier mit den Oboen und den Hörnern um? In dem Notenbeispiel spielen die Oboen etwa den Ton C, der den Hörnern verwehrt bleibt. Sieht Mozart beide Instrumente quasi als eines, und lässt die Oboen fehlende Horntöne ergänzen? Oder führt er beide Instrumente eigenständig, bzw. mal eigenständig, mal zusammen, wie etwa an dieser Stelle gleich zu Beginn des Werkes in Takt 7:




      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Jetzt geht's. Na, er macht all das, mal harmonische Auffüllung, mal eigene melodische Linie, mal geht es zusammen mit den Hörnern, je nach Bedarf natürlich. Oder verstehe ich die Frage nicht? Ich meine, dass Mozart nicht nach einem bestimmten Schema orchestriert hat, müsste doch klar sein.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Na beides. Die Oboen doppeln auch die 1. Violinen, also die Hauptstimme, aber das c ist gleichzeitig ein "fehlender" Hornton.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Mir gefällt dieses Beispiel auf jeden Fall sehr gut, weil es m.E. auch zeigt, wie man mit einem beschränkten Tonvorrat auf einem Instrument dennoch großartige Musik schreiben kann. Klar wird man beim Hören nicht denken "Wahnsinn, alles Naturtöne", aber sich das mal genauer anzusehen lohnt sich auf jeden Fall.
      Mich haben hier besonders eben Oboen und Hörner interessiert, weil es die einzigen Bläser in dem Konzert sind, und wie er mit ihnen umgeht. Ob die Oboen vielleicht (unterstützt durch die Verschmelzung des Klanges mit den Hörnern) ein bisschen "vortäuschen", dass die Hörner auch das C spielen können, bzw. anders ausgedrückt, ob Mozart hier die Beschränkungen des Hornes ein bisschen kaschiert.
      Oder aber ob man doch deutlich hören soll, dass die Oboen "freier" sind, die Hörner dagegen nicht - dagegen spräche allerdings dass Mozart gerade die Hörner gerade mit Oboen mischt.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Das Stück ist übrigens auch ein schönes Beispiel dafür, dass Komponisten mitunter einfach nehmen müssen, was da ist. Dass nämlich hier keine Flöten oder Klarinetten (diese sind eh erst später etabliert) vorkommen, liegt daran, dass das Salzburger Orchester (es ist das letzte dort entstandene Klavierkonzert) einfach keine hatte.
      Also, ich würde da nicht zu viel hineininterpretieren. Wenn außer den Oboen keine Holzbläser da sind (die Fagotte blende ich mal aus, weil sie auf die tieferen Bereiche beschränkt sind), ist sonst nicht viel zu machen, als dass sie eben flexibel eingesetzt werden, und die Hörner sind eben beschränkt in ihrem Tonvorrat.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Naja, "hineininterpretieren" ist vielleicht zu viel gesagt. Zugegeben, ich weiß über Mozarts unterschiedliche Orchester und deren Besetzung, über Mozart generell praktisch nichts, aber ich bin jetzt nicht davon ausgegangen, dass er Oboe und Hörner einfach nur so verwendet hat. Eigentlich bin ich von gar nichts ausgegangen. Mir gefiel nur wie mit dem beschränkten Tonvorrat kreativ umgegangen wird, und, wie ich meine, das mit den Oboen und deren Verschmelzungsfähigkeit mit den Hörnern auch irgendwie kaschiert wird. Zumindest war das mein Höreindruck vom Notensatzprogramm.



      LG,
      Hosenrolle1