Klaus Huber gestorben

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    • Klaus Huber gestorben

      Eben habe ich es gelesen: Klaus Huber ist gestorben.
      Ein Nachruf findet sich z.B. hier: zeit.de/kultur/musik/2017-10/k…ist-klaus-huber-gestorben

      Klaus Huber hat für mich eine besondere Bedeutung, allerdings gar nicht in erster Linie als Komponist, aber dazu muss ich etwas ausholen.
      Als in der Schweiz aufgewachsener und zunächst dort ausgebildeter Musiker (ich habe Klavier in Winterthur studiert) war mir Klaus Huber bekannt. Als wichtiger Lehrer hatte er einige meiner Lehrer als Schüler gehabt, etwa Hans Wüthrich und Cornelius Schwehr, beide interessante Komponisten. Ich kann nicht mehr rekapitulieren, wann es war, auf jeden Fall in den frühen bis mittleren 90er-Jahren, da wurde an der Musikhochschule eine Studienwoche mit Klaus Huber angekündigt. Mit einem Komponisten direkt zu arbeiten, war damals noch für uns Studenten etwas ganz besonderes, und ich hatte zwei Werke vorbereitet: "Ein Hauch von Unzeit" (solo) und "Beati Pauperes" für Flöte, Viola, Klavier und Perkussion. Letzteres war doppelt spannend, weil Klaus Huber selber den Bratschenpart übernahm.
      Die Proben waren sehr interessant, Klaus war am Ende auch recht zufrieden mit meinem "Hauch von Unzeit", bei "Beati Pauperes" musste er sich selbst alle Mühe geben, da er auf der Bratsche schon etwas eingerostet war. Spaß hat es allemal gemacht, nach den gemeinsamen Proben gingen wir zusammen Essen, was in Winterthur damals zu später Stunde nicht so einfach war (dort wurden die Bürgersteige um 22 Uhr hochgeklappt, sozusagen). Ich erinnere mich wie heute, wie wir in der "Spaghetti Factory" saßen, ziemlich miese Nudeln aßen und Klaus mit uns weiter diskutierte, als hätte er nicht bereits seit 14 Stunden geprobt und unterrichtet. Bei eben jenem Essen schaute mich Klaus plötzlich durchdringend an und sagte: "Und was machst Du sonst noch?" Ich wusste nicht, worauf er hinaus wollte und stutzte. "Komponierst Du?" Ich war extrem erstaunt, dass er mir das irgendwie anmerkte (unsere Gespräche hatten davon nichts offenbart). Natürlich war das damals noch kein Komponieren, eher Gehversuche, und ich hütete mich, Klaus davon etwas zu zeigen, obwohl er mehrfach nachfragte. Ein Impuls, dranzubleiben war es dennoch.
      Zu seinem 80. Geburtstag traf ich ihn im Berliner Konzerthaus im Foyer, und er erinnerte sich sogar noch an seinen Auftritt als Bratschist mit uns. Für ein längeres Gespräch war allerdings keine Zeit. Erstaunt war ich, wie fit er für sein Alter noch war, beim Applaus sprang er über mehrere Stufen ziemlich behende auf die Bühne, seine Frau Younghi Pagh-Paan, die sich mit meinem Freund und ehemaligen Professor Walter Zimmermann und mir unterhielt in der Pause meinte nur: "Tai Chi!" das sei das Geheimnis.
      Ein paar Jahre später durfte ich (mehr aus Zufall) in Darmstadt einen Vortrag über meine Musik halten, allerdings war es ein ziemliches Fiasko, weil die Technik versagte und ich keines meiner optischen wie akustischen Beispiele zeigen konnte. Im Publikum: Klaus Huber, der mich diesmal nicht mehr erkannt hatte, obwohl ich ihn an Winterthur erinnerte. Er war nun seltsam unangenehm und irritiert, fragte mich im Plenum wirre und unsachliche Dinge, was meinen Vortrag vollends zerstörte. Klaus wurde wie ein König behandelt, da dachte keiner mehr daran, dass er mir vielleicht Unrecht tun könnte... Der Vortrag - wenigstens mit den Abbildungen- wurde dann in der Jahresschrift "Sinnbildungen - Spiritualität in der Musik heute" veröfffentlicht, immerhin. Klaus blieb mir von dort an allerdings in sehr unangenehmer Erinnerung.

      Soweit meine persönlichen Begegnungen mit einem Komponisten, dessen Werke mich entweder extrem ansprechen (so die oben erwähnten), besonders seine durch die Beschäftigung mit der arabischen Musik entstandenen, oder aber mir überhaupt nicht gefallen, darunter fallen vor allem jene, die besonders starke politische Botschaften enthalten. Sein berühmtes Oratorium Erniedrigt – Geknechtet – Verlassen – Verachtet... (1975/1978–1983) auf Texte von Ernesto Cardenal etwa hat mir noch nie zugesagt.

      Viele seiner Werke kenne ich gar nicht, ein Ansporn, sich noch einmal stärker mit dem Werk zu befassen.

      Klaus, ruhe in Frieden!

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Klaus Huber hatte ich mal auf dem Radar (die Suchfunktion bringt zu Tage, dass ich hier vor fast zehn Jahren was zu ihm geschrieben habe), aber mittlerweile völlig den Hörkontakt verloren. Deine Einschätzung zu dem Oratorium teile ich; wenn Kunst zu direkt politisch wird, dann wirkt es auf mich sehr schnell platt. Ich halte ihn lieber für seine James Joyce Kammermusik für Harfe, Horn & Kammerorchester in Erinnerung und werde die gleich mal wieder auflegen.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)