Stravinsky - Ödipus Rex

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    • Stravinsky - Ödipus Rex

      'Ödipus Rex' ist eine Mischung aus Oper und Oratorium von Igor Stravinsky nach dem Drama von Sophokles und dabei ein gemeinsames Libretto von Jean Cocteau und Igor Stravinsky vertonend.

      Die konzertante UA fand 1927 in Paris, die szenische 1928 in Wien unter Franz Schalk statt.

      Die Handlung gibt die bekannte Geschichte des Ödipus wieder.

      Ödipus befreit Theben von der Sphinx und wird deshalb zum König gewählt. Er schickt dann seinen Schwager Kreon zum Orakel in Delphi, um einen Weg, die in der Stadt wütenden Pest zu finden. Kreon bringt den bekannten Spruch mit, dass die Pest erst verschwinden wird, wenn der Mord an dem Vorgänger Ödipus gerächt wird. Selbst der Seher Teiresias, der sich in zunächst Schweigen hüllt, bringt keine Hilfe.

      Erst Jokaste, die Ehefrau Laios und dann des Ödipus, aber gleichzeitig seine Mutter, enthüllt ihrem Sohn/Ehemann dessen Geschichte. Dieser, nachdem Jokaste sich das Leben genommen hat, blendet sich selber und verlässt Theben.

      'Ödipus Rex' ist fast durchweg in lateinischer Sprache geschrieben. Das gibt ihr einen faszinierend fremdartigen, aber auch statischen Charakter. Die scheinbar einfache Musik, die Rhythmik betonend, verstärkt diesen Eindruck, auch den des Oratoriums noch, gibt dem Ganzen aber auch einen gewissen mystischen Charakter. Stravinsky hat, für mich, hier keine Oper im herkömmlichen Sinn geschrieben, in der Protagonisten bedingt durch das ihnen widerfahrende Geschick eine Handlung vorantreiben. Hier sind sie schlichte Verkünder dessen, was ihnen geschieht. Und trotzdem hat diese 'Oper' eine unglaubliche Wucht, die aber, für mich, v.a. durch die Protagonisten entsteht.

      Die einzelnen Musiknummern werden übrigens von einem Sprecher verbunden, der eigentlich in der jeweiligen Landessprache die Texte von Jean Cocteau vortragen soll.

      :hello Falstaff
    • Stravinsky hat übrigens ab 1929 sein Werk immer wieder selber dirigiert.

      So zum Beispiel hier in meiner Lieblingsversion:



      Cocteau ist der Sprecher und erschafft durch seine Art des Sprechens eine ganz besondere Aura, die sehr stark an seine 'Orphée' -Verfilmungen erinnert. Martha Mödl, Peter Pears, Heinz Rehfuß sind die Sänger, Stravinsky dirigiert und das Kölner Rundfunk Sinfonieorchester dirigiert.

      Vielleicht ist die Mödl nicht die geeigneste Sängerin für den statuarischen Charakter des 'Ödipus', aber sie überwältigt einen einfach durch ihre direkt Ausdrucksfähigkeit. Und auch der 'Rest' ist bezwingend. Mehr als bezwingend!

      :hello Falstaff
    • Bei YouTube findet sich übrigens noch ein Mitschnitt aus Paris:



      Auch wieder mit Cocteau und Stravinsky aber diesmal mit Leopold Simoneau, Eugenia Zareska und Bernard Cottret ist er vielmehr dem französischen Gesangsideal verpflichtet. Auch wenn bei YouTube nicht anders angegeben, denke ich, dass er in etwa aus dem selben Zeitraum stammt.

      Aber unabhängig davon packt er einen auch direkt. Anders als der Mittschnitt aus Köln, der für mich wesentlich direkter wirkt, bewahrt dieser hier eine gewisse Distanz, eine Fremdartigkeit, die fast in Künstlichkeit übergeht. Aber das soll in keiner Weise negativ wirken. Kunst kommt vielleicht von künstlich, von einer gewissen Verfremdung. Und wenn das stimmt, dann ist das hier wirkliche Kunst.

      :hello Falstaff
    • Eine Version, die ich vor Jahren einmal im Fernsehen gesehen habe:



      Ich erinnere mich an eine eher opernhafte Deutung, an bildgewaltige, packende Szenen und an eine Jessye Normann, die mit großem Pathos, fast schon ein wenig pathetisch die Jokaste interpretierte. Aber vielleicht passt es sogar. Ich weiß, wie intensiv Langridge auf der Bühne wirkte, seitdem ich ihn als Peter Grimes gesehen habe. Und das vollbringt er auch hier.
      Die Zwischentexte werden übriigens, entsprechend der Idee Stravinskys, auf japanisch gesprochen und tragen entsprechend, jedenfalls für mich, dessen Japanisch mehr als eingerostet ist :D , sehr zu der verfremden, mystischen Atmosphäre bei.

      :hello Falstaff
    • Das ist einer der ganz wenigen Fälle, dass ich eine CD nur wegen eines Namens gekauft habe, ohne das Werk zu kennen. Schwer zu glauben, aber vor 10 Jahen wars nix mit vorher reinhören bei YT oder Spotify...
      Das Zugpferd war Esa-Pekka Salonen - seinerzeit eine große Hoffnung, dann von der gelblabeligen Mediocrität befallen. Das Werk hat mich sehr beeindruckt, aber ich müsste es mal wieder hören, um was dazu sagen zu können. Was hiermit für das Wochenende angekündigt ist.
      :hello

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Ich hab mir diese Aufnahme nochmal zu Gehör geführt und kann dem Werk an sich durchaus etwas abgewinnen, aber es ist halt ein Opern-Oratorium und zu dieser Gattung kriegt man mich auf meine alten Tage wahrscheinlich nicht mehr bekehrt. Spätestens wenn sich der Tenor im non reperias vetus scelus in die Höhe schraubt, fangen meine Ohren an zu flattern.
      Interessant ist, dass hier einige der ritualistischen Elemente zu finden sind, die dann in Les Noces fast die ganze Kompositon domnieren und auch in Carl Orffs Spätwerk, namentlich Trionfo di Afrodite zu finden sind. Eine Gruppe von französischen Rockmusikern hat auf Basis dieser Elemente (vor allem die hypnotisch-repetitiven Chöre, aber auch bestimmte harmonische Wendungen) und unter Einbeziehung von Elementen der Minimal Music und des (Free) Jazz einen einzigartigen Stil geschaffen, der den Namen Zeuhl erhalten hat (Schlüsselwerk & erster Einstieg: Magma; Mekanïk Destruktïw Kommandöh). Dort stört mich der exaltiert-theatralische Gesang merkwürdigerweise überhaupt nicht.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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