George Gershwin - Klavierkonzert in F-Dur

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • George Gershwin - Klavierkonzert in F-Dur

      Ein Jahr nach der 'Rhapsody in Blue' komponierte Gershwin sein 'Klavierkonzert' und führte es als Solist mit Walter Damrosch als Dirigenten in der Carnegie Hall 1925 erstmalig auf.

      Das 'Klavierkonzert' ist klassisch strukturiert und ebenso orchestriert. (Anders als die 'Rhapsody' orchestrierte Gershwin es selber, nachdem er sich autodidaktisch die entsprechenden Voraussetzungen angeeignet hatte.) Aber ebenso sehr ist es vom Jazz inspiriert und bietet, wie immer wieder in seinem Werk, eine wirkliche Verschmelzung beider Musikrichtungen.

      Für mich ist es damit ein Sinnbild für das, was die USA immer angestrebt hat. Die Verschmelzung unterschiedlichster Kulturen. Das mag gesellschaftlich nicht unbedingt funktioniert haben, aber hier gelingt es künstlerisch. Gershwin erschafft damit einen völlig eigenen Stil, scheinbar unbeeindruckt von zeitgenössischen europäischen Musikmoden. Er benutzt vielmehr das aus beiden Kulturen für ihn adäquate Material, bringt es auf seine unnachahmliche Weise zusammen und erreicht damit, dass eine neue, eine amerikanische entsteht. Und erreicht es, die damalige amerikanische Lebenswirklichkeit auf einer quasi elaborierten Ebene darzustellen. Man lese nur einmal parallel dazu 'Manhattan Transfer' von John Dos Passos. Das ist genau die Musik zum Buch und damit wohl auch die Musik zum amerikanischen Leben damals.

      Die Frage dann ist natürlich nach der Relevanz Gershwins für das heutige Amerika. Verschmelzung ist wohl mit Sicherheit immer noch ein Thema. Aber man höre nur einmal den dritten Satz des Klavierkonzertes. Diese Quirligkeit, dieses Gehetztsein, dieses einem Traum, einer Idee hinterherlaufen und dabei unterschiedlichste Quellen benutzend. Das ist wohl weiterhin aktuell.

      :hello Falstaff
    • Fast möchte man sagen, dass diese Musik Bernstein natürlich besonders lag. Eben dieses Zusammenführen von amerikanischer 'U- und E-Musik', die für ihn, wie auch für Gershwin kein Widerspruch war. Und in der Tat ist das eine tolle, unglaublich vitale Aufnahme. Breiter, rauschhafter im Orchesterklang als bei Toscanini, aber sie lebt, sie atmet und sie hat noch etwas, was mir bei der älteren Aufnahme fehlt. Schlichte Freude.



      Auch wenn das Klavierkonzert auf dem Cover nicht erwähnt wird, ist es bei dieser Ausgabe mit dabei.

      :hello Falstaff
    • Ebenso liebe ich die Aufnahme mit Previn als Dirigenten und Solisten.



      Obwohl von europäischer Herkunft, hat Previn ja immer wieder große Wertschätzung für u.a. den Jazz gezeigt. Und das merkt man auch hier. Auch ihm gelingt diese Melange. Vielleicht in manchen Partien nachdenklicher als Bernstein, aber das gleicht er auch sofort mit einer unglaublichen Dynamik aus.

      :hello Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Das 'Klavierkonzert' ist klassisch strukturiert und ebenso orchestriert. (Anders als die 'Rhapsody' orchestrierte Gershwin es selber, nachdem er sich autodidaktisch die entsprechenden Voraussetzungen angeeignet hatte.)
      Der Orchestrator der Rhapsody, Ferdinand Rudolf von Grofé hat auch von dem Konzert ein alternatives Arrangement für Jazzband erstellt. Es wird behauptet, er habe das in Absprache mit Paul Whiteman absichtlich schlecht gemacht, um sich an Gershwin zu rächen, weil dieser ihn nicht mit der Uraufführung beauftragt hat. Whiteman hatte die Rhapsody in Auftrag gegeben und Grofé sowohl die klassische Orchestrierung als auch die Jazzband Version erstellt und damit hatten sie entschieden zum Ruhm von Gershwin beigetragen. Möglicherweise waren sie deswegen wirklich angepisst, aber ihnen zu unterstellen sie hätten das Stück absichtlich verhunzt, deutet auf zu viel Konsum von Seifenopern hin. Es bleibt die erste, wenn auch gekürzte, re-orchestrierte und um-arrangierte Aufnahme auf Schallplatte, anhand derer sich jeder sein eigenes Hörbild machen kann. Der Solist ist Roy Bargy.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Cetay schrieb:

      Es bleibt die erste, wenn auch gekürzte, re-orchestrierte und um-arrangierte Aufnahme auf Schallplatte, anhand derer sich jeder sein eigenes Hörbild machen kann.
      Lieber Cetay, irgendwie finde ich das ganze Ding nicht so gelungen. Für mich klingt es sehr hölzern und insgesamt zu wenig nach Gershwin.

      Übrigens gibt es wohl immer noch Gerüchte, dass Gershwin bei der Aufnahme selber mitgemacht hat. Wenn das stimmt, würde es die Idee, sie hätten das Stück absichtlich verhunzt, um ihm eins auszuwischen, ja völlig widerlegen.

      LG Falstaff
    • Lieber Falstaff,
      zur Qualität der Interpretation kann ich leider wenig Substanzielles beisteuern, da mir Vergleiche fehlen. Ich kenne diese Geschichten, weil ich mich für Whiteman interessiere, war der doch Arbeitgeber von Trompeter Bix Beiderbecke, der als eine der schillerndsten und tragischsten Persönlichlichkeiten des frühen Jazz Legendenstatus erreicht hat. Auch um seine Teilnahme bei der Aufnahme des Konzerts gibt es nie restlos geklärte Spekulationen.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Da werfe ich doch mal meine Lieblingsaufnahme in die Diskussion:

      Sie ist leider hierzulande kaum bekannt, aber mir gefällt sie ganz außerordentlich. Das liegt gleichermaßen am Pianisten als auch an Ormandys großartiger Begleitung. Ich würde die Aufnahme sogar noch eine Spur über die berühmte mit Previn stellen. Sie wurde 1971 produziert und klingt ausgezeichnet. Interessant auch die Koppelung: mit den beiden Klavierkonzerten von Ravel, wobei das für die linke Hand von Boulez dirigiert wird.