Tägliche Erinnerung an Aksel Døvsen ((1847(?)-1939(?)

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    • Tägliche Erinnerung an Aksel Døvsen ((1847(?)-1939(?)

      Es wird Zeit, dass Aksel Døvsen endlich aus dem Schatten heraustritt, in dem er seit dem 19. Jahrhundert steht. Ein Avantgardist der ersten Stunde, war er seiner Zeit voraus, um dann schmerzlich von ihr eingeholt zu werden.


      Aksel Døvsen im Jahr 1923, im Pfarrerskostüm

      Heute vor 100 Jahren uraufgeführt: das Trompetenkonzert:

      (Fragment der Partitur)

      Mehr dazu und Audio-Beispiele finden sich hier:
      zy.bromskloss.de/?p=68

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      Tagebucheintrag vom 11.12.1917:
      "fire, seks, ni. diarré, ost købte."
      (aus: Aksel Døvsen: dagbog 1916-1925, Hrsg.: Z.Y. Bromskloss, Verlag Bozzello 1973, vergriffen)
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • ENDLICH!!!!

      Längst überfällig kommt diese Ehrenrettung eines der ganz Grossen! Ohne Døvsen wären buchstäblich alle weiteren Entwicklungen in der Kunstmusik ab 1900 nicht denkbar. Nach den Dodekaphonisten-Pogromen 1912 des Landes verwiesen, war Døvsen auf Freunde & Gönner angewiesen. Zeitweise von seinem Schüler Schönberg in Wien beherbergt, bereitete er seine Rehabilitierung & seine schliesslich triumphale Rückkehr in die Heimat vor. Anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für Knut XXIV schrieb er das heute als Nationaloper glühend verehrte Weihe-Festspiel "Slagt fra Legoland", welches seinen Ruhm endgültig festigte - unverständlicherweise bis heute nicht über Dänemark hinaus.

      Geradezu sprichwörtlich heisst es nicht umsonst:

      Og Lumbye fra de smøre
      Og Nielsen blä verdamme!
      Fran Døvsen ha de Ähre
      Og cigarettens flamme



      zu deutsch:


      Lumbye wird gelobt
      Nielsen lässt sich loben
      Doch Døvsen nur allein
      Ist übers Lob erhoben


      Werter Satie,

      verzeih’, dass ich die Stirn hatte, hier so mir nichts dir nichts meine Gedanken beizusteuern. Ich überlasse es natürlich Dir allein (und gleichsam wir alle sollten das), ob Du als ausgewiesene Døvsen-Conifere Beiträge von Fremden, Nicht-Wissenden duldest. Nur zu verständlich wäre es, dass deine hehre Døvsen-Ehrenpforte nicht fremdbesudelt sei.

      In Demut und heissem Dank!!!!
      Sfantu
    • Lieber Sfantu,

      ich muss gestehen, dass ich zunächst meine Bedenken hatte, als ich da so mir nichts, dir nichts einfach eine Antwort hier im Thread erspähte, aber die Bedenken erwiesen sich als unnötig, ebenso sind es Deine, denn Du sprachst ja ausschließlich lobende Worte für den "Mozart aus Kølvrå", wie ihn einst Maxim Chujkowskij sehr zu recht nannte.

      Ich staune, dass Du von seiner Lehrtätigkeit in Wien Kenntnis hast! Selbst Schönberg hat ihn totgeschwiegen. Die Stadt hatte sich ja alle Mühe gegeben, sämtliche Informationen zu Døvsens Aufenthalt in Wien verschwinden zu lassen, nicht zuletzt, weil Døvsen gerne als Begründer des modernen Regietheaters angesehen wird, obwohl dies nachweislich auf eine Fehlinterpretation seiner (nach der Uraufführung verbotenen und dann verschollenen) Oper "Casanova in Halberstadt" zurückgeht, die in den Regieanweisungen tatsächlich Barockgewänder und Rasierapparate, Waschmaschinen, Landschaftskulissen und mit Radios gefüllte Mülltonnen vorschreibt. Verkannt bis heute wird es Zeit, ihn wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so weit es eben möglich ist anhand der spärlich verfügbaren Quellen.



      Jugendbildnis Aksel Døvsen’s (Einschulung, 1902 ca.)

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      Tagebucheintrag vom 12.12.1917:
      "Kaffe, bitter. Vorte opdaget på venstre fod. Miniature skrevet til jøds harpe, endnu ikke tilfreds. 3265. Åh åh nogensinde ..."

      Übers.: "Kaffee, bitter. Warze am linken Fuß entdeckt. Miniatur für Maultrommel geschrieben, noch nicht zufrieden. 3265. oh je oh je..."

      (aus: Aksel Døvsen: dagbog 1916-1925, Hrsg.: Z.Y. Bromskloss, Verlag Bozzello 1973, vergriffen)

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      Hvis musik ikke lyder godt, kan den stadig smag godt.
      ("Wenn Musik nicht gut klingt, kann sie trotzdem schmecken.")
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Wenn ich mich doch auch einmal kurz einklinken dürfte. Ich gelobe, gelobe, gelobe auch strikt, nichts annähernd Negatives beitragen zu wollen. Wie auch, bei diesem Meister, diesem Schwan, diesem Barden der Avantgarde.

      Auch ich habe jahrelang gerätselt, warum Dovsen (verzeiht, ich bekomme es mit dem Querstrich nicht hin und hoffe, dass das kein Ausschusskriterium ist) nie international die Anerkennung erfahren hat, die seinen Zeitgenossen aus der 'Zweiten Wiener Schule' längst zuteil wurde. Aber ich denke nun, es liegt doch einfach auf der Hand.

      Wie sah es damals in Wien vor dem erwähnten Dodekaphonisten-Progrom aus? Einerseits konservativ, rechtsnational bis auf die Knochen. Eine bürgerliche (Schein-)Elite, die geradezu auf den bekannten Hobbymaler Schicklgruber wartete, andererseits die aufrührerischen Neutöner um Zemlinsky, Webern, Schönberg und Berg und dazwischen das Knallweib Alma Mahler-Werfel-Zemlinsky-Kokoschka-Gropius mit ihrer jeweiligen Helden-/Lover-Verehrung.

      Und da taucht nun dieser 'Gnom' (verzeiht, verzeiht, verzeiht das böse Wort, es soll nur die Sicht der Damaligen wiedergeben) auf, der bei seiner verspäteten Einschulung 1902 als immerhin etwa 55-jähriger noch nichts von seinem Genie ahnen ließ und dann innerhalb von gut 10 Jahren die europäische Musikwelt durcheinanderwirbelte. Natürlich hieß das den Hass aus Unverständnis einerseits und den Neid andererseits hervorzurufen. Und wie wenig großzügig Schönberg sein konnte, wissen wir ja spätestens seit seinem Doktor-Faustus-Streit mit Thomas Mann. Es gibt übrigens neue Forschungsergebnisse, die besagen, dass Mann eigentlich Dovsen porträtieren wollte, aber dann völlig entnervt den Zickereien Schönbergs nachgab. Ergebnis bekannt. Schönberg war damit auch nicht zufrieden. Wäre Mann nur bei seinem ursprünglichen Plan geblieben. Dovsen, ein, trotz all der Rückschläge, die er auf internationalem Parkett erleben musste, generöser und bescheidener Mann (also jetzt nicht Thomas) hätte sich sicherlich über diese Darstellung Manns (also jetzt Thomas) gefreut und sie hätte ihm jedenfalls eine größere Aufmerksamkeit beschert. Und natürlich eine verdiente, verzeiht, dass ich das nicht erwähnte!

      So aber wurde seine epochale Leistung durch eine konzertierte Aktion von Rechts bis Links in Wien geradezu ausradiert. Ein Vorgang, der zweifelsohne noch genau untersucht werden müsste. Brigitte Hamann wäre sicherlich dazu in der Lage gewesen, aber durch ihren frühen Tod fehlt nun diese Stimme der Aufarbeitung und Rehabilitierung.

      So können wir nur hoffen, dass die wohl im Dänischen Radio-Archiv noch schlummernden Mitschnitte einiger Dovsen-Konzerte, v.a. der Konzertouvertüren 'Aus dem kurzen Leben einer Rod Polse', 'Sturmfahrt nach Lummerland' und vor allem 'Ich und Hamlet in Helsingborg' noch veröffentlicht werden.

      Mit devotem :hello
      Falstaff
    • Wertester Satie, vortrefflichster Sir John,

      darf Brüder im Geiste ich euch heissen?? Es steht uns Grosses noch bevor!!
      Übrigens: "Sturmfahrt nach Lummerland": unvergessen - dieser aus tief empfundener Blähung genährte Odem, diese Emphase bei doch strengster Zurücknahme - hach...doch fügt es sich leider in das Bild unseres verkannten Genius, dass nach dem Hinscheiden des Meisters der BR sich erdreistete, aus eben diesem Meisterwerk, diesem Schlüsselwerk des mittleren Døvsen, den Abschnitt "Glückliche Heimkehr zu Lummerlands grauen Gestaden" (ihr wisst, das Andante leggiero nach der wilden Sturmpassage) als Titelmelodie für seine unsägliche "Augsburger Puppenkiste" zu kopieren. Bis heute keine Scham, kein Unrechtsbewusstsein, nicht eine Øre
      an den Døvsen-Fond, der neben unzähligen soziokulturellen Projekten auch die notleidenden Nachfahren des Erhabenen unterstützt...beschämend!

      Es gibt noch viel zu tun...

      Mit dem Ausdruck staatstragenden Ernstes & innigster Verbundenheit grüsst
      Sfantu
    • Sfantu und Sir John, ich muss mich nicht schämen zu gestehen, dass es mir ein Tränlein aus dem trüben Auge drückte, zu sehen, dass es doch wenigstens eine kleine Handvoll Menschen gibt, die den wahren Genius in Døvsen erkannt haben. Seid umarmt und willkommen in diesem kleinen erlauchten Kreise!
      Ja, es ist wahr, zu viele Werke harren ihrer Wiederentdeckung, so etwa das "Konzert für Akkordeon, Mandoline, Kontrafagott, Trautonium und großes Orchester, sechs Chöre, Lichtspiel, Akrobaten, dressierte Katzen und Pantomimen", welches wie so manches Werk Døvsens als unaufführbar galt (in diesem Fall wurde die Uraufführung jedoch durhc eine Intrige des städtischen Tierschutzverbands in Aarhus verhindert, nur offen deklariert wurde das Ganze natürlich anders). Døvsens Meisterschaft zeigt sich velleicht am exemplarischsten in seinem Oratorium "Als die Hostie Trauer trug", jenem berühmten Werk für 37 Gesangssolisten und 7 präparierte Harfen und obligatem Trumscheit, welches seine schockierende Handlung in 23 Sekunden Gesantdauer zu erzählen vermag und ganz eindeutig die Isnpiration für Ligetis Requiem war.
      Wie ich erfuhr, sind einige neue Werke bereits für Tonträgerveröffentlichungen vorgesehen, hierzu mehr in Kürze.

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      Tagebucheintrag vom 13.12.1917:
      "

      Warp stadig der. Lever i dag meget bitter og allerede kold. Fisksuppe spist, lidt bøjende og flatulens. Idé til en ny symfoni med alferkvartett, hurdy gurdy og Heckelphone septet, muligvis næste år. Åh, ondt ..."

      Übers.: "Warze immer noch da.Kaffee heute sehr bitter und schon kalt.Fischsuppe gegessen, leichtes Aufstoßen und Blähungen. Idee für eine neue Symphonie mit Alphornquartett, Drehleier und Heckelphon-Septett, eventuell nächstes Jahr. 67456352453. Oh weh oh weh...."

      (aus: Aksel Døvsen: dagbog 1916-1925, Hrsg.: Z.Y. Bromskloss, Verlag Bozzello 1973, vergriffen)
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Dass ihr Halbwissenden nur den Mainstream seiner Kompositionen und den nur sehr oberflächlich betrachtet, wird dem Rang dieses Komponisten nicht gerecht. Ich habe mir deshalb erlaubt, zunächst einen Faden zu seinem Liedschaffen aufzumachen. Weitere werden folgen!

      :hello
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Satie schrieb:

      Ja, es ist wahr, zu viele Werke harren ihrer Wiederentdeckung, so etwa das "Konzert für Akkordeon, Mandoline, Kontrafagott, Trautonium und großes Orchester, sechs Chöre, Lichtspiel, Akrobaten, dressierte Katzen und Pantomimen", welches wie so manches Werk Døvsens als unaufführbar galt (in diesem Fall wurde die Uraufführung jedoch durhc eine Intrige des städtischen Tierschutzverbands in Aarhus verhindert,

      Liebe hochverehrte Mit-Enthusiasten, genau dies Werk war es, dass eine Gruppe von Dovsen-Liebhabern (Ja, die gibt es durchaus!) aus der Nachbargemeinde versucht hat, zur Aufführung zu bringen. Und ich stehe nicht an, meine, wenn auch sehr geringen Mitwirkung an diesem Projekt zu verheimlichen. Aber aus den oben genannten Gründen, auch bei uns gibt es radikale Tierschützer ohne jeglichen Kunstverstand, entschloss wir uns zu strengster Geheimhaltung was Ort und Zeit dieser verspäteten Uraufführung anging.

      Über verschlungene Pfade durch Wald und Flur erreichten die Auszuführenden einzeln eine Scheune, in der das große Ereignis, zwar ohne Publikum, aber vor einer laufenden Kamera stattfinden sollte. Leider, ach leider, gab es dann doch ernstzunehmende Probleme, so dass auch diese Aufführung des genialen Werkes nicht beendet werden konnte.

      Sechs Mitwirkende hatte man immerhin überzeugen können, ihre Katzen zur Verfügung zu stellen. Der örtliche Schlachter, ein Hobby-Akrobat, wurde ebenso wie ein taubstummer Herr aus dem nahegelegenen Pflegeheim, dieser für die Pantomime, zur Teilnahme überredet.

      Leider wurde die Pikkolo-Flöte beim Anschleichen an den Aufführungsort (Meine Güte, welche Umstände und alles nur wegen dieser bl... Tierschützer.) von einem Wolf angefallen, der es allerdings weniger auf ihn als auf die mitgeführte Katze absah. Unser Kollege Waldemar verteidigte sein geliebtes Haustier so gut er konnte, zerschlug sogar seine Flöte auf dem Schädel des Untieres, konnte aber nur noch einige Fellreste sowie den linken Hinterlauf retten.

      Aber es gab ja noch 5 andere Katzen. Bedauerlicherweise war unser Schlachter, der Akrobat, nicht mehr in der Form seiner goldenen Jugendtage. Vielleicht waren es auch die Auswirkungen des Feuerwehrballes, der am Abend und in der Nacht zuvor stattgefunden hatte. Zudem hatte er gelinde Schwierigkeiten, seinen sich doch sehr massiv über der Hose wölbenden Bauch ins Gleichgewicht zu bringen und vor gefährlichen Schwingungen zu bewahren. Kurz – gerade als es zu dieser tief ergreifenden Fortissimo-Stelle im zweiten Satz (Takt 384) kam, verlor er das Gleichgewicht auf dem Hochseil und platschte direkt auf die Katze unseres Dorfpfarrers. Diese konnte zwar ihren Part mit einem langgezogenen Jaulen (nicht unbedingt tonschön, aber extrem ausdrucksvoll) gerade noch beenden, war danach aber nicht mehr in der Lage, überhaupt noch etwas von sich zu geben.

      Natürlich (und das muss man verstehen) konnte unserer Herr Pfarrer nun nicht mehr an sich halten. Eigentlich ja ein herzensguter Mann, nahm er nun in einem Fall von geradezu alttestamentarischer Raserei seine Mandoline (und er hatte bislang so herzerweichend darauf gespielt) und zerschlug sie, wie einst Moses die Gesetzestafeln am Felsen, auf dem Kopf unseres Schlachters. (Seitdem müssen wir unser Fleisch nun immer bei ALDI kaufen, aber das nur nebenbei.)

      Das rief natürlich seine sieben Töchter (alle in etwa sein Körperkaliber), die die Alt-Sektion in unserem Chor bildeten, auf den Plan. Sie stürzten sich vereint auf den armen Geistlichen (wörtlich gemeint, denn er lag, als der Staub der Scheune sich wieder legte, direkt ganz unten), wobei die Zweitjüngste, Yvonne-Charlotte, gerade noch eine der Katzen am Schwanz packen konnte und damit wahllos auf alles eindrosch, was sie erreichen konnte. Dirigent, Tuba-Spieler, Grete, die Dorfkuh, die dem allen bislang sehr interessiert gefolgt war, unser armer Pflegefall, der weiterhin, nichtsahnend, seine Pantomime vollführte und sogar ihre älteste Schwester, Nicole-Jutta. Die kam zwar mit einem blauen Auge davon, aber Katze Nr. 3 war nun auch nicht mehr zu gebrauchen.

      Oh, erspart mir den Rest. Immerhin ist die Scheune in der Zwischenzeit wieder aufgebaut, aber das Leben im Dorf hat sich seit dem Tag doch grundlegend geändert. Ich habe auch lieber das Weite gesucht und bin als Exilant drei Dörfer weiter gezogen.

      Es scheint ein Fluch auf diesem Werke zu liegen. Und nicht auf diesem. Gerade deshalb ist dieser Faden und der, nun so überaus löblich von Cetay begonnene, so wichtig, damit wenigstens wir das Lob dieses Genies singen können. Möge wenigstens ein schwacher Abglanz unserer Bemühungen in die Welt dringen und den Namen des uns so Teuren vor dem ewigen Verblassen zu bewahren helfen.

      Tief ergriffen
      Falstaff
    • Erschuetternd!
      Aber glaub' mir - auch und gerade an solch harten Pruefungen wachsen Geist & Glaube.
      Jedenfalls habt ihr alle der Musik des Erlauchten unschaetzbare Dienste geleistet. Das wahrhaft Grosse musste so oft schon unueberwindbar geglaubte Widerstaende durchbrechen um sich am Ende umso wunderbarer zu entfalten.
      O wie ich das nachempfinden kann: Gewaltsam wuetende Schlachterstoechter: da brechen alte Traumata wieder bei mir hervor - ach, wenn ihr wuesstet...

      Uebrigens war dieses einzigartige Gesamtkunstwerk (ich kann nicht anders, als es so zu nennen) Frucht einer Schaffenskrise des Meisters: urpruenglich, um Exerzitien an sich zu praktizieren (die von Satie in den ergreifenden Tagebuchnotizen erwaehnten Warzen sollten mit schwarzer Magie in die Flucht geschlagen werden), zog sich Døvsen fuer einen Monat in eine verlassene Einsiedelei auf der wuesten & von grausigen Medusen umschwommenen Insel Tønderslund zurueck mit nichts als Notenpapier, Tinte/Feder & je einer Palette Finncrisp & Faxe-Bier.
      Das Ergebnis dieser selbstauferlegten Innenschau & Selbstsuche duerfen wir heute in Gestalt dieses Meisterwerks bewundern!

      Drum:
      Verachtet mir die Warzen nicht
      Und ehrt mir ihre Kunst
    • Sfantu schrieb:

      Aber glaub' mir - auch und gerade an solch harten Pruefungen wachsen Geist & Glaube.
      'Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen...' Wie wahr, wie wahr!

      Oh, lieber erleuchteter Mitbruder, auch wenn es das dörfliche Miteinander zerrissen hat, 'we few, we happy few', um mal einen ebenso begnadeten Barden wie unseren so heiß verehrten Meister zu zitieren, wir bleiben standhaft.

      Wir planen sogar eine neue Aufführung. Natürlich in weit kleinerem Rahmen. Ausgespäht haben wir nun das 3. Quintett für Klavier, Glasharfe, Xylophon und zwei mechanische Schreibmaschinen. Allerdings haben wir mit der Besetzung noch einige Schwierigkeiten, weil niemand mehr eine Schreibmaschine hat. Deshalb grasen wir gerade die Antiquitätengeschäfte in der näheren Umgebung ab. Gefunden haben wir bislang nur eine elektrische. Aber das wäre ja so, als spielte man ein Violinkonzert von Mozart auf Stahlsaiten. Völlig undenkbar. Also suchen wir weiter. Unverzagt und in stiller Hoffnung.

      Aber ich bin mir sicher, dass wir in naher Zukunft das Problem gelöst haben werden und dann wird es eine hoffentlich glanzvolle und, da ohne Katzen und Wölfe, erfolgreiche Aufführung geben. Wir überlegen noch, ob wir den dänischen Honorarkonsul einladen sollen. Aber wie man munkelt, steht der eher auf Gitte.

      Ich werde jedenfalls berichten.

      LG Falstaff
    • Lieber Falstaff,
      ich denke, es dürfte Dich interessieren, dass von der von Dir beschriebenen Aufführung (ich hatte ja keine Ahnung, dass das in Deinem Dorf stattfand!!!) ein in Japan unter dem Ladentisch verkauftes Bootleg gibt. Mir wurde dieses vor einigen Wochen von einem Bekannten, der es sich kopiert hatte, weitergereicht. Da es sich hierbei um den einzigen Mitschnitt immerhin einer fragmentarischen Aufführung handelt, ist das natürlich von einem gar nicht zu beziffernden Wert. Ich hätte da die Möglichkeit, Dir evtl. eine Kopie zukommen zu lassen, aber das müssten wir dann besser nicht in der Öffentlichkeit weiter klären. Aber ich musste immerhin davon kurz berichten.

      Dass Cetay unseren "Dänischen Orpheus" kennt, wie Cici Bozzello (ebenfalls ein zu Unrecht vergessenes Genie) ihn liebevoll immer nannte, verwundert mich ob seines erwiesenermaßen breiten musikalischen Horizonts natürlich nicht. Selbstverständlich ist die Vokalmusik (bei Døvsen gemeinhin ähnlich als Randwerk wie etwa bei Beethoven betrachtet) nicht minder grandios als seine bekannteren Werke.

      Sehr löblich ist, dass Ihr das 3. Quintett endlich einmal wieder aufführen wollt. Die Sache mit der Schreibmaschine könnte tatsächlich schwierig werden. Wirklich authentisch ist die Aufführung nur mit einer original "Torpedo" aus dem Jahr 1903 mit breitem Wagen, bei der das F klemmt und die Klingel für das Zeilenende stimmbar ist. Aber ich kann ja einmal meine Fühler ausstrecken.

      Heute erhielt ich ich erfreulicherweise eine Einspielung des 17. Streichquartetts von Døvsen , eingespielt vom Ensemble Mødernsen. Da neben dem Streichquartett noch etliche Perkussion, Tonbandeinspielung, Tänzer und live-Töpferei erforderlich sind, ist auch dieser Live Mitschnitt ein kleines Wunder, das ich gerne mit euch teilen möchte:

      zy.bromskloss.de/wp-content/up…7/12/Dovsen_Strq_17-1.mp3
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Satie schrieb:

      Da es sich hierbei um den einzigen Mitschnitt immerhin einer fragmentarischen Aufführung handelt, ist das natürlich von einem gar nicht zu beziffernden Wert. Ich hätte da die Möglichkeit, Dir evtl. eine Kopie zukommen zu lassen
      Lieber Satie, dass das schon in Japan kursiert, davon hatte ich keine Ahnung. Aber welch eine Genugtuung, dass man sich selbst am anderen Ende der Welt für den Meister interessiert. Ganz herzlichen Dank für dein Angebot, aber selbstverständlich besitze ich auch eine Kopie. In all dem Trubel dachte natürlich niemand daran, die Kamera auszuschalten. So ist wenigstens das erhalten geblieben. Allerdings habe ich den Mitschnitt bislang mir noch nicht ansehen können. Einfach zu schmerzlich.

      Satie schrieb:

      Sehr löblich ist, dass Ihr das 3. Quintett endlich einmal wieder aufführen wollt. Die Sache mit der Schreibmaschine könnte tatsächlich schwierig werden. Wirklich authentisch ist die Aufführung nur mit einer original "Torpedo" aus dem Jahr 1903 mit breitem Wagen, bei der das F klemmt und die Klingel für das Zeilenende stimmbar ist. Aber ich kann ja einmal meine Fühler ausstrecken.
      Das genau ist das große Problem. Wir entdeckten sogar schon eine 'Rasant' aus dem Jahr 1915 (die spielte allerdings am Zeilenende immer den Kaisermarsch), aber das ist es ja nicht. Und wir brauchen ja auch schließlich zwei. Also, wenn du da Beziehungen hast. Aksel Dovsen und wir werden dir immer dankbar sein.

      LG Falstaff