'...and let the sounds of music creep in our ears.' - Shakespeare in der klassischen Musik

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    • '...and let the sounds of music creep in our ears.' - Shakespeare in der klassischen Musik

      Shakespeare als Vorlage, als Inspiration für die klassische Musik.

      Nur kurz betrachtet, fallen einem doch sofort unzählige Beispiele ein. Opern, die seine Theaterstücke adaptieren, Konzertouvertüren, Lieder, sinfonische Dichtungen oder natürlich Filmmusiken von Komponisten der klassischen Musik. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es wohl kaum einen bedeutenden Komponisten, der sich nicht in irgendeiner Form mit seinem Werk auseinandergesetzt hat.

      Wie steht ihr zu Shakespeare? Welches sind eure liebsten Vertonungen und warum? Gibt es überhaupt welche, die euch ansprechen oder lässt er euch, lassen euch Vertonungen nach Shakespeare eher unberührt? Warum ist gerade dieser Dramatiker in der klassischen Musik so präsent?

      Was ist mit den Werken, die noch direkt zu seinen Stücken komponiert wurden? Oder mit den Kompositionen, die Themen der elisabethanischen Epoche abhandeln?

      Welche Kompositionen gibt es, die dem bezugnehmenden Werk wirklich gerecht werde? Oder ist es stets nur eine Annäherung, ohne die Qualität des Originals zu erreichen? Oder ist es gerade umgekehrt? Gibt es Stücke, die die Vorlage veredeln?

      Ich bin gespannt auf eure Antworten.

      :hello Falstaff
    • Bei diesem Thema fällt mir stets und immer zunächst einmal der 'Falstaff' (kein Wunder bei dem Titel :D ) von Giuseppe Verdi ein. Keine direkt Vertonung eines Stückes, sondern der Librettist Arrigo Boito schöpfte aus 'Die lustigen Weiber von Windsor' und 'Heinrich IV.'.

      Dies ist für mich eine der ultimativen Shakespeare-Vertonungen, weil Verdi es schafft, einen Menschen typischer Shakespeare-Manier wirklich adäquat auf die Bühne zu bringen. Prall und lebensnah, voller Charme und voller Abgründe, jemand, den man eigentlich verabscheut und den man gleichzeitig liebt. Eigentlich ein richtiger 'Sack'. Aber letztlich verkörpert er das Leben selber. Und Verdi erfindet sich in der Vertonung dieses 'Typen' völlig neu, erschafft eine für ihn neue Tonsprache (und er war bei Beginn der Komposition immerhin schon 76 Jahre alt) und steht plötzlich geradezu gleichberechtigt neben Shakespeare mit diesem Augenzwinkern und dieser Altersweisheit.

      Meine Lieblingsversion dieser Oper war, ist und bleibt (höchstwahrscheinlich) die Aufnahme, mit der ich den 'Falstaff' einst kennengelernt habe. Und obwohl ich den Dirigenten eigentlich so gar nicht mag, wird er immer ein Kämmerchen in meinem Herzen alleine für diese Aufnahme habe. ;)



      Das funkelt und sprüht, das ist voller Witz und Humor, letztlich voller Leben. Und es ist grandios gesungen und wunderbar musiziert. Das ist bester Verdi und bester Shakespeare. Das ist zum :down :down :down

      :hello Falstaff
    • Und wieder ist es der späte Verdi mit der Vertonung eines der für mich grandiosesten Dramen Shakespeares, dem 'Othello'. Drei Personen sind es eigentlich nur, die interessieren. Othello, Desdemona und Jago. Und in ihnen liegt jeweils eine ganze Welt. Liebe und Hass, Eifersucht und Neid, Ehrgeiz und Verlustangst, Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplex, Aufstiegsfantasien und -hoffnungen und...und...und...

      Ich kann gar nicht einmal sagen, welche Aufnahme ich für ideal und passend halte. Zunächst sind es Aufführungen, die ich selber erlebt habe. Domingo und Price oder mit Benackowa, Atlantow und te Kanawa oder auch andere, die mich schlicht überwältigt haben. Auf Platte gepresst, halt ohne die Überwältigung des Live-Erlebnisses würde ich folgende empfehlen:





      Dabei bleiben es wohl nur Annäherungen an das Werk von Verdi. Wobei dieses dem Shakespeare'schen Werk in der inneren Wahrheit schon sehr nahe kommt.

      :hello Falstaff
    • Als Opern- und Programmmusik-Muffel sind meine bewussten musikalischen Begegnungen mit Shakespeare an einer Hand abzählbar.
      John Cage hat während einer Identitätskrise kurz nach der Scheidung von seiner Frau Xenia den Charakter Ophelia im gleichnamigen Klavierstück vertont. Die Pianistin Margret Leng Tang bekam auf die Frage, warum sein Portrait so viel schroffer als Shakespeares' sei, zur zur Antwort: ‘all madness is inherently violent, even when it is not directed towards others, for it invariably ravages the sufferer internally.’ Sie hat das Stück auf ihrer CD Daughters of the Lonesome Isle eingespielt. Deutlich flotter gespielt ist die Interpretation von Joshua Pierce.



      Als meine Ohren noch alles vernehmen wollen, was Jean Sibelius je geschrieben hat, wehte auch auch öfters mal Der Sturm um sie. Die komplette Schauspielmusik wird wenig gespielt und erlebte erst im Jahr 1992 im Rahmen der Sibelius-Gesamteinspielung von BIS ihre CD-Premiere unter Osmo Vänskä. Häufiger begegnet man den Orchestersuiten und hier will ich dir die zwar unvollständige und klanglich bescheidene, aber musikalisch sensationelle ganz frühe Beecham-Aufnahme empfehlen. Damit könnte die Shakespeare-Brücke ein (Um-)Weg zur Verwirklichung eines deiner Vorsätze für nächstes Jahr werden.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:

      und hier will ich dir die zwar unvollständige und klanglich bescheidene, aber musikalisch sensationelle ganz frühe Beecham-Aufnahme empfehlen. Damit könnte die Shakespeare-Brücke ein (Um-)Weg zur Verwirklichung eines deiner Vorsätze für nächstes Jahr werden.
      Danke für den Tipp, lieber Cetay. Beecham als Sibelius-Dirigent ist ja wohl eh jemand, an dem man nicht vorbeikommt.

      LG Falstaff
    • Eine der berühmtesten Shakespeare-Vertonungen ist sicherlich diese hier:



      Während die Ouvertüre ein Werk des 17-jährigen Mendelssohn ist, entstand die restliche Bühnenmusik erst 16 Jahre später. Danach wurde sie regelmäßig im Theater zu Sommernachtstraum-Aufführungen gespielt, bis die Nazis dies verboten. Geradezu populär ist natürlich der Hochzeitsmarsch geworden, ohne den geradezu Generationen von Amerikanern wohl nur eine halb so schöne Hochzeit gehabt hätten. :D

      :hello Falstaff
    • Bevor Wagner zum allseits bekannten Wagner wurde, schrieb er bekanntlich drei Opern, die er ja nicht für Bayreuth tauglich hielt. Nr. 2 ist dabei 'Das Liebesverbot' nach 'Measure for Measure' von Shakespeare. Noch ganz der Spieloper und Weber verpflichtet aber auch der Opéra comique, unterscheidet sie sich in der Tonsprache wirklich erheblich von seinen späteren Werken. Dementsprechend schwer hat sie es auf den Bühnen gehabt, bzw. hat sie es.



      Und auch ich muss bekennen, dass mich dieses Werk nicht zum Wagnerianer gemacht hätte. :D Auch wenn sie als Vorstufe natürlich interessant ist.

      :hello Falstaff
    • 'Romeo and Julia'

      Berlioz, Gounod, Bellini, Benda, Sutermeister, Tschaikowsky und Prokofiev und natürlich Bernstein. Und mit Sicherheit habe ich noch eine ganze Reihe vergessen. Wie wohl kaum ein anderes Werk von Shakespeare hat diese Tragödie die Komponisten inspiriert.

      Ich muss gestehen, ich kenne viele Vertonungen nicht. Gounod fand ich damals banal (was heute möglicherweise anders wäre), bei Prokofiev finde ich bislang nur die Ball-Szene toll, Berlioz steht auf meiner Liste, Tschaikowsky fand ich langweilig. Wirklich lieben tue ich eigentlich nur Bellini und Bernstein.



      Damit habe ich damals den Bellini kennengelernt. Wirklich begeistert hat mich dann aber erst eine Aufführung in Dresden mit Lucia Aliberti und Vesselina Kasarova in einer Version für Sopran und Mezzo. Und da habe ich diese endlosen Melodien Bellinis als adäquates Ausdrucksmittel für die Liebestragödie schätzen gelernt.

      Die 'West Side Story' lernte ich natürlich zunächst durch den Film und die Filmmusik kennen.




      Eigentlich hasse ich Aktualisierungen, aber diese ist wirklich gelungen. Das ist einfach richtig gut. Musikalisch wie dramatisch. Die Bernstein-Version hat wahrlich ihre sentimentalen Momente, aber auch das passt. Und letztlich ist es immer eine Frage der Interpretation.


      :hello Falstaff