Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2018

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    • Nach längerer Zeit endlich mal wieder aufgelegt:
      2x die beiden Klavierkonzerte von Franz Xaver Mozart


      Henri Sigfridsson, International New Symphony Orchestra Lviv - Gunhard Mattes (CD, INSO, 2003)


      Klaus Hellwig, Kölner Rundfunk Sinfonieorchester - Roland Bader (LP, koch schwann, 1982)

      Das erste Konzert C-dur op. 14 entstand in seinem 15. Lebensjahr. Wieviel von einer eigenen charakteristischen Note kann man also erwarten? So klingt hier auch noch deutlich der Stil seines Vaters durch. Dennoch bereits bemerkenswert die erstaunliche Tiefe der Empfindung & eine sanfte Schwermut des langsamen Satzes. Das Hauptthema des Finales hat Ähnlichkeit mit "Bald nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit". Im Klaviersatz zeigt sich der virtuose Könner, es hat viele rasche Läufe.

      Eindrücklich die Weiterentwicklung, welche das um dreizehn Jahre jüngere zweite Konzert Es-dur op. 25 markiert.
      Hier ist ein entschiedener Schritt der Emanzipation vom Übervater zurückgelegt. Schade, dass der Mittelsatz eher knapp ausfällt. Dort hätte ich mir noch mehr Versinken in melancholische Tiefen erhofft. Allenthalben weht schon romantischer Geist - der Einfluss seines Lehrers Hummel wird hörbar, man geniesst ein bezauberndes Beispiel eines Werkes auf der Entwicklungslinie hin zum Grand Concert, am Horizont winken bereits Moscheles, Kalkbrenner & Chopin. Da ist sogar das nicht gerade geistblitzende Thema des Schlusssatzes (Allegretto) verkraftbar. Es steht im reizvollen Polacca-Rhythmus. Was Mozart daraus macht, macht staunen. Er verfügt hier über eine breite musikalische Ausdruckspalette, ist souveräner in der Orchesterbehandlung, das Ganze ist abwechslungsreich, unterhaltend, spannend, macht ganz einfach Spass! Gegen Ende erlaubt Mozart sich noch einen Scherz: auf eine Generalpause folgt ein Tutti-Akkord in H-dur. Der Hörer glaubt, nun werde noch ein neues Kapitel aufgeschlagen. Doch zwei Takte später wird wieder zur Grundtonart zurückgekehrt & eine knappe Coda führt zum auftrumpfenden Schluss.
      Bedauerlich, dass sein Werkkatalog recht überschaubar blieb.

      Beide Einspielungen bewegen sich auf hohem, selten aber höchstem Niveau.
      Hellwig spielt gediegen, Sigfridsson mit einer Spur mehr Emphase. Vom Kölner RSO bin ich etwas enttäuscht, es kommt doch etwas zu brav rüber. Anders die Lemberger (übrigens die Stadt, in der Mozart mehr als die Hälfte seines Lebens verbrachte & wo er wohl massgeblich am Aufbau/Ausbau des Musiklebens beteiligt war): man spürt das Engagement & die Frische dieses (eigentlich Jugend-) Sinfonieorchesters. Nur, dass zu einem gewachsenen Ensembleklang 2003 (5 Jahre nach der Gründung) noch ein paar Schritte zu machen sind, wird eben auch hörbar.
      Klanglich liegen ebenfalls die Lemberger vorn - die Kölner Aufnahme klingt etwas dumpf - den Höhenregler musste ich bis zum Anschlag hochdrehen. Sigfridsson mit einem Spitzenorchester wäre meine Wunschkombination.

      Mutter Constanze meinte übrigens, ihren Sohn, als sich seine musikalische Begabung zeigte, in Wolfgang Amadeus umtaufen zu müssen (zu dürfen). Wie er dazu stand & ob er dies selbst so beibehielt, geht aus keiner der mir vorliegenden Quellen hervor.


      Die MGG, 1. Auflage, charakterisiert ihn wie folgt:

      Wolfgang Amadeus Mozart d. J. brachte es trotz seines Fleisses nicht zu grossen kompositorischen Leistungen, und da man ihn immer wieder mit dem Vater und dessen Schaffen verglich, wurde ihm der Name des Vaters zur Bürde. Eine schwere Enttäuschung in einem Liebesverhältnis (er blieb ledig) und fortwährende wirtschaftliche Sorgen lähmten seine Schaffenskraft. Als Pianist bewies er beachtliches Können, als Lehrer und Vermittler zwischen Künstler und Laien machte er sich sehr verdient. Im Vater sah er das hehrste Vorbild, ihm zu dienen als seine Verpflichtung. Die Lauterkeit seines Charakters und die Liebenswürdigkeit seines Wesens sicherten ihm wertvolle Freundschaften, so auch die von R. Schumann, F. Grillparzer, J. Spaun u. a. Wolfgang Amadeus Mozart d. J. gehörte nicht zu den grossen der Zeit, überragte aber den Durchschnitt des üblichen Schaffens. Als Persönlichkeit und Komponist verdient er auch das Interesse der Gegenwart. (Walter Hummel)


      Interessant der Umstand, dass es ein auch finanziell sehr erfolgreiches Konzert mit Werken seines Vaters in Wien war, das dem 14jährigen erlaubte, Studien bei Salieri & Hummel zu betreiben.
      Die Mozart-& Hummel-Experten mögen mich korrigieren: Hummel selbst wurde doch als Knabe in den 1780ern im Hause Mozart beherbergt & genoss kostenlosen Unterricht. Wäre es da nicht zu erwarten gewesen, dass der Sohn des einstigen Lehrers gleiche Rechte geniesst?

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    • Haydn 2032, Vol. 4: Il Distratto
      Il Giardino Armonico, Giovanni Antonini
      • Joseph Haydn; Sinfonie C-Dur, Hob I:60 "Per la commedia intitola Il distratto"
      • Joseph Haydn; Sinfonien D-Dur & E-Dur, Hob I:70 & 12
      • Domenico Cimarosa; Il Maearto di Capella
        + Riccardo Novaro (Bariton)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Jules Massenet/Édouard Blau/Paul Milliet/Georges Hartmann: Werther

      Werther - José Carreras
      Charlotte - Frederica von Stade
      Albert - Thomas Allen
      Sophie - Isobel Buchanan
      Le Bailli - Robert Lloyd
      Schmidt - Paul Crook
      Johann - Malcolm King
      Käthchen - Linda Humphries
      Brühlmann - Donalson Bell

      Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden; Sir Colin Davis

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Umberto Giordano/Sem Benelli: La cena delle beffe ("Das Mahl der Spötter")

      Neri Chiaramantesi - Marco Chingari
      Giannetto Malespini - Fabio Armiliato
      Ginevra - Rita Lantieri
      Gabriello Chiaramantesi - Francesco Piccoli
      Lisabetta - Giovanna Manci
      Laldomine - Maria Augusta Micelli
      Fiammetta - Gigliola Caputi
      Cintia - Patrizia Gentile
      Fazio - Alberto Carusi
      Il Tornaquinci - Enrico Marini
      Il Calandra - Carlo Micalucci
      Il Trinca - Gabriele de Julis
      Il Dottore - Guido Mazzini
      Lapo - Piero Manghesi
      Un cantore - Francesco Piccoli

      Orchestra Sinfonica di Piacenza, Gian Paolo Sanzogno

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Die Gmünder sind momentan meine Spielpartner und sind beim Preis-Leistungs-Verhältnis in der Oberliga sicher unschlagbar. Aber mich dürstet es nach dem Aufstieg in die Champions League.

      Mit Brahms kann mich niemand überzeugen. :D Und der Tokyoter Beethoven hat sich auch nicht in meinem Hörrepertoire verankert. Aber dieser Haydn ist was ganz besonderes. Vor allem die problematischen Menuette werden sensationell gelöst. Für mich ist das eine der beiden Top-Empfehlungen in puncto Opus 76.

      Hier läuft das Mozartsche und nur das Mozartsche Requiem - nix ergänzt, nix hinkomponiert.


      Wolfgang Amadeus Mozart; Requiem K. 626
      (Introitus, Kyrie & originale Fragmente von Mozarts Hand)
      Iride Martinez, Monica Groop, Steve Davislim, Kwangchul Youn,
      Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Christoph Spering
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Umberto Giordano/Sem Benelli: La cena delle beffe

      Giannetto Malespini - Antonio Annaloro
      Neri Chiaramantesi - Anselmo Colzani
      Gabriello Chiaramantesi - Enzo Cuagni
      Ginevra - Gigliola Frazzoni
      Lisabetta - Mafalda Micheluzzi
      Laldomine - Liliana Pellegrino
      Fiammetta - Pina Leo Tanco
      Cintia - Mafalda Micheluzzi
      Fazio - Antonio Sacchetti (bei dieser Ausgabe nicht angegeben)
      Il Tornaquinci - Franco Calabrese
      Il Calandra - Arrigo Cattelani
      Il Trinca - Enzo Cuagni
      Il Dottore - Aldo Corelli
      Lapo - Walter Artioli
      Un cantore - Walter Artioli

      Orchestra Sinfonica di Milano della RAI, Oliviero De Fabritiis
      1955

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Umberto Giordano/Nicola Daspuro: Mala vita

      Vito Amante - Maurizio Graziani
      Annetiello - Massimo Simeoli
      Cristina - Paola di Gregorio
      Amalia - Maria Miccoli
      Nunzia - Tiziana Portoghese
      Marco - Antonio Rea

      Coro Lirico Umberto Giordano

      Orchestra Lirico Sinfonica della Capitanata, Angelo Cavallaro

      Ein interessantes Frühwerk Giordanos, das sich deutlich an die Cavalleria anlehnt. Die Sänger sind nicht herausragend, aber rollendeckend und hörenswert ist die Oper allemal. Es wird die Urfassung gespielt (trotz der damaligen Beliebtheit veristischer Stoffe ging dem Publikum die Handlung um eine betrogene Prostituierte zu weit und in dem Handlungsort Neapel, wo das Publikum seine Heimat beleidigt sah, kam es bei der Aufführung zu einem Theaterskandal, woraufhin Giordano später in der 2. Fassung die "kritischen" Stellen entfernte).

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

    • Morton Feldman; Late Works with Clarinet
      Carol Robinson
      • Three Clarinets, Cello & Piano
        + Olivier Voize, Pierre Dutrieu, Elena Andreyev & Vincent Leterme
      • Bass Clarinet & Percussion
        + Françoise Rivalland, Peppie Wiersma
      • Clarinet & String Quartet
        + Quatuor Diotima
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Pietro Mascagni/Luigi Illica: Le maschere

      Pantalone de' Bisognosi - Carlos Chausson
      Rosaura - Maria Josè Gallego
      Florindo - Vincenzo La Scola
      Dottor Graziano - Nelson Portella
      Colombina - Amelia Felle
      Brighella - Oslavio di Credico
      Il Capitan Spavento - Angelo Romero
      Arlecchino Battocchio - Giuseppe Sabbatini
      Tartaglia - Enzo Dara
      Giocadio - Antonio Pierfederici

      Orchestra e Coro del Teatro Comunale di Bologna, Gianluigi Gelmetti

      Mascagnis einzige Komödie in hervorragender Besetzung.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)