Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2018

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    • Hallo Dekyi.
      willkommen im Forum! Ich freue mich auf interessante Beiträge.

      Herzliche Grüße
      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch


    • Gaetano Donizetti/Felice Romani: Lucrezia Borgia

      Don Alfonso I. d'Este - Ingvar Wixell
      Lucrezia Borgia - Joan Sutherland
      Gennaro - Giacomo Aragall
      Maffio Orsini - Marilyn Horne
      Jeppo Liverotto - Graham Clark
      Apostolo Gazella - Lieuwe Visser
      Ascanio Petrucci - John Bröcheler
      Oloferno Vitellozzo - Piero De Palma
      Gubetta - Richard Van Allan
      Rustighello - Graeme Ewer
      Astolfo - Nicola Zaccaria
      Un usciere - David Wilson-Johnson
      Un coppiere - Paul Taylor

      London Opera Chorus
      National Philharmonic Orchestra, Richard Bonynge

      Diese düstere Oper Donizettis zieht alle Register des Schaurigen: eine inzestuöse Liebe, unklare Identitäten, Gifte, Gegengifte und ein Massenmord am Ende, bei dem eine ganze Festgesellschaft vergiftet wird. Die Handlung ist dabei nicht immer logisch (wieso sagt Lucrezia ihrem Mann nicht einfach, dass Gennaro ihr Sohn ist?), während die Musik mit dem Donizetti-typischen Koloratur-Feuerwerk aufwartet. Die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie bis in die Nebenrollen hinein, die im Gegensatz zu anderen Donizetti-Opern relativ viele Auftritte haben. Joan Sutherland war bei dieser Aufnahme schon über 50, klingt aber noch deutlich frischer als in der wenig später entstandenen Sonnambula. Ihr teilweise eher kaltes Timbre passt gut zu der unnahbaren Figur, der Tenor Aragall besticht durch eine sehr schönklingende Stimme mit müheloser Höhe und darf hier auch zwei Arien singen, die häufig gestrichen werden.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Josef Bohuslav Foerster (1859 - 1951) - Sinfonie Nr. 4 c-moll "Veliká noc" ("Osternacht"), 1905
      Symfonický orchestr hlavního města Prahy Film Opera Koncert - Václav Smetáček (LP, Supraphon, 1970)

      Nach Penderecki & Brunner erfährt meine kleine Oster-Serie eine denkbar schroffe Kehrtwende: Zum einen hat man es bei Foerster mit einem rein instrumentalen Werk zu tun. Dann aber eben auch mit einer emotionsschwangeren Spätest-Romantik: Foerster schloss als Lehrer & Kritiker um die Jahrhundertwende in Hamburg Freundschaft mit Gustav Mahler. & das dringt in diesem Werk offenkundig durch. Auch werden Anklänge an, Humperdinck & Dvořák, stellenweise sogar Skrjabin hörbar.
      Die 4 Sätze tragen programmatische Titel: I. "Kreuzweg". Bewegte Thematik spiegelt den Widerstreit von Gut & Böse. II. "Kartfreitag eines Kindes": Der scherzoartige Satz wartet mit allerlei Folkloristischem auf - der stellenweise heiter-verspielte Grundton mag auf den ersten Blick nicht so recht zum tragischen Grundkontext passen. Foerster wählte aber selbst den Untertitel "Karfreitag eines Kindses". Laut Klappentext sei dies eine Anspielung auf österliche Festtagsbräuche & Kindheitserinnerungen. III. "Zauber der Einsamkeit" wird als inbrünstiges Gebet & als Evokation Christi im Garten von Gethsemane gedeutet. IV. "Sieg des Karsamstags": Heldische Motivik im Sinne Mahlerscher Erlösungs-Dramen wird effektvoll von einem Paukenschlag unterbrochen. Hierauf baut sich, von der Orgel ausgehend, eine hymnische Apotheose auf, die unter dröhnender Kathedralen-Kuppel im vollen Orchester ihren triumphalen Abschluss findet.
      Das Ganze geht für mich in Ordnung, rufe ich mir den übergeordneten Kontext ins Bewusstsein: Christi Sieg über alles Irdische. Denn rein stilistisch ist Foerster gerade in diesem Finalsatz doch wieder sehr nahe an Mahler (mit dem ich immer schon meine Mühe hatte/habe). Bei Mahler steht hinter allem Weltumspannenden am Ende doch immer ein selbstmitleidtrunkener Ich-Schrei - hier darf man wenigstens nominell ein höheres Prinzip als Leitgedanken annehmen (Foerster mag es als tiefgläubiger Christ wohl ernst gemeint haben).

      Mag ich diese Musik: Ja. Die übergeordnete Klammer Ostern lässt die Dramaturgie sinnfällig erscheinen. Die in mir schlummernden Mahler-Allergene kauern somit knapp unter der Aktivierungsschwelle...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()


    • Johannes Kalitzke; Bericht über den Tod des Musikers Jack Tiergarten
      Szenische Moritat für zwei Schauspieler, Sopran, Bariton und Kammerorchester
      Werner Eggenhofer, Till Krabbe, Brigitte Jäger, Espen Fegran,
      Ensemble musikFabrik (NRW), Johannes Kalitzke

      Streng genommen könnte man auch diese in die Auswahlliste für Falstaffs Einstiegsdrogen-Opernprojekt aufnehmen. Ich kenne zumindest eine Person, die mit der Oper gar nichts am Hut hat, aber diese Platte zu den wertvollsten seiner Sammlung zählt. Die Handlung bietet ebenso viel Tiefgang wie klassischer Stoff und kommt dabei ganz ohne Adelige und Heldinnen aus.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:

      und kommt dabei ganz ohne Adelige und Heldinnen aus.
      Na, das is' 'n Kriterium. :P

      Cetay schrieb:

      Streng genommen könnte man auch diese in die Auswahlliste für Falstaffs Einstiegsdrogen-Opernprojekt aufnehmen.
      Lieber Cetay, würde ich glatt machen und Moderne kommt in der Runde immer sehr gut an. Nur leider kenne ich das Stück nicht und bei YouTube finde ich es auch nicht. Bislang kenne ich von Kalitzke nur die Filmmusik zu 'Schatten' und habe nun ein wenig 'Labyrinth der Lieder' gehört. Was mich sofort veranlasst hat, den 'Bericht' zu bestellen. Werde die Runde damit vielleicht beim nächsten Treffen überraschen. Wo sie doch immer nur Callas von mir erwarten. :D

      LG Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Weiter mit meiner Haydn-Entdeckertour:

      :hello Falstaff
      Eine Lebensaufgabe ist das, aber eine lohnende.

      Das "Problem" ist, dass es bei Haydn kein Frühwerk gibt, in dem Sinne, dass es sich um qualitativ weniger hochstehendes Material handelt. Schon unter den ersten 20 Sinfonien finden sich allerlei Juwelen - und selbst die Scherzandi, die es nicht in die offizielle Zählung geschafft haben, möchte ich nicht verpasst haben. Und damit ist noch kein Streichquartett und kein Klaviertrio gehört und Nebenschauplätze wie die Concerti a Due Lire oder Baryton-Oktette unergründet. Haydns Gesamtwerk kann ich in meinem Normalhörerleben auch nicht mal ansatzweise erfassen, aber egal was ich weglasse: ich weiß, ich verpasse etwas.
      Ach ja, er hat auch einen ganzen Sack voller Opern geschrieben. ;)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:


      Gustav Mahler; Sinfonie Nr.8
      Mormon Tabernacle Choir, Utah Symphony Orchestra, Thierry Fischer
      Nachdem ich gestern den Schreifritz ganz unterhaltsam fand, hatte ich noch Lust auf etwas mehr "mit Chor". Warum ich den von mir weitgehend geschassten Mahler und die noch nie sehr geliebte 8. ausgewählt habe, kann man wohl nur Intuition nennen. Die hat mich wirklich schier vom Stuhl gerissen - nicht (nur) wegen des Spektakels, sondern weil ich auf einmal das Gefühl hatte vom Mahler-"Schaf", das nichts "capirt" zum Eingeweihten zu mutieren. Sicher ist aus die Achte ein Ich-Geschrei, aber schreit hier nicht das Universum durch Mahler?
      Egal, die Interpretation ist herausragend, weil sie ohne das ganze Psycho-Gedöns auskommt und ein weiteres Indiz dafür, dass man den Intentionen des Komponisten möglicherweise am nächsten kommt, indem man sich heraushält. Utah ist eine feine Adresse im Mahler-Kosmos. Schon Maurice Abravanel hat dort einen ganz vorzüglichen Sinfonien-Zyklus vorgelegt, der heute etwas schepps angesehen wird, weil ihm das Abgründige und Doppelbödige abgehen würde - sprich, weil er sich ganz klassisch gibt und den kompositorischen Exzessen Mahlers eben nicht noch interpretatorische (und effekthascherische) aufsetzt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

    • 4 x Wolfgang Amadeus Mozart; Sinfonie Nr. 6 F-Dur, K. 43
      Wiener Philharmoniker, James Levine // The English Concert, Trevor Pinnock // RIAS-Symphony-Orchester, Ferenc Ficsay // Danish National Chamber Orchestra, Adam Fischer
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)