Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2018

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    • Joseph Martin Kraus; Sinfonie c-Moll VB142
      Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini

      Dieses unter Haydns Sinfonien Hob. I: 19 & 80-81 geschmuggelte Meisterwerk von Kraus ist der Superstar auf dieser CD. Das ist einfach unfassbar gut und wieder mal schüttelt man den Kopf über die Musikwissenschaft, die den Komponisten eines solchen Geniestreichs an den Rand der Geschichte schreibt. Unbedingt hören!
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Charles Gounod/Jules Barbier/Michel Carré: Faust

      Faust - Franco Corelli
      Méphistophélès - Nicolai Ghiaurov
      Marguerite - Joan Sutherland
      Valentin - Robert Massard
      Siebel - Margreta Elkins
      Marthe - Monica Sinclair
      Wagner - Raymond Myers

      Ambrosian Opera Chorus
      London Symphony Orchestra, Richard Bonynge

      Corelli und Sutherland stehen mit der französischen Sprache auf Kriegsfuß, ich höre sie trotzdem gerne. Ghiaurov und Massard singen hervorragend. Besonders gefällt mir in dieser Aufnahme das sehr leidenschaftliche Schlussterzett, aber die Cluytens-Aufnahme bleibt als Gesamtpaket überzeugender.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

    • Balz Trümpy - Nachtgesang
      Sinfonie Orchester Biel - Marc Kissoczy
      (CD, SRI, 1994)

      9'47

      Der Grundpuls dieser Musik ist ein schreitendes alla breve. Zunächst sind allerlei kraus meandernde Stimmen in allen Instrumentengruppen zu hören - alles recht leise & geheimnisvoll. Die Stimmung einer Nachtwanderung durch eine verzauberte, surreale Szenerie kommt auf. Nach etwa 1/3 beginnt ein Abschnitt, der mich schaudern lässt - grausig & wohlig zugleich: nach einer Generalpause nehmen die Kontrabässe den vertrauten Puls wieder auf. Tun sie das entlang des untersten Frequanzspektrums, so tun das zur gleichen Zeit im anderen Extrem die hohen Streicher mit lang gehaltenen, schrillen, fiependen Noten. Dazwischen klafft ein gigantischer Spalt. Allmählich bekommen die Bässe Unterstützung durch die Celli, das Holz, das Blech, der Klang kehrt zu einem an Extremen verlierenden Gemisch zurück. Nicht aber zu einem Spannungsabfall. Mehr Wirrwarr, mehr Widerstreit, mehr Bedrohliches macht sich breit, in Wellenbewegungen, bis es irgendwann ohne wirkliche Auflösung mit vielen, kleiner & leiser werdenden Fragezeichen verebbt.

      Mir gefällt die Idee des Concours international d'éxecution musicale Genève (hier dokumentiert: die 50. Ausgabe), dass Nachwuchs-Dirigenten sich explizit mit zeitgenössischen Kompositionen auseinander zu setzen haben.



      Balz Trümpy (* 1946)

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    • Heavy Rotation:


      John Cage; Solo für Cello
      Friedrich Gauwerky
      • Solo for Cello (aus dem Concert for Piano and Orchestra)
      • 59 1/2 Seconds for a String Player
      • Altas Eclipticalis (Version für Violoncello und Violoncello Playback)
      • Variations I (Realisierung für Violoncello Solo)
      • Études Boréales
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Arrigo Boito: Mefistofele

      Mefistofele - Nicolai Ghiaurov
      Faust - Luciano Pavarotti
      Margherita - Mirella Freni
      Marta - Nucci Condò
      Wagner - Piero De Palma
      Elena - Montserrat Caballé
      Pantalis - Della Jones
      Nereo - Robin Leggate

      London Opera Chorus, Trinity Boy's Choir
      National Philharmonic Orchestra, Oliviero De Fabritiis

      Boitos Oper ist durch ihren episodischen Aufbau, den Einbezug von Szenen aus Faust II und der an vielen Stellen fast wörtlichen Übernahmen näher an Goethe als Gounods Version. Die Aufnahme hat keine Schwachstelle, die zahlreichen Chöre klingen genug abwechslungsreich und die Solisten singen traumhaft.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Umberto Giordano/Luigi Illica: Andrea Chénier

      Andrea Chénier - Franco Corelli
      Maddalena di Coigny - Antonietta Stella
      Carlo Gérard - Mario Sereni
      La contessa di Coigny - Luciana Moneta
      Bersi - Stefania Malagù
      Madelon - Anna Di Stasio
      Roucher/Fouquier Tinville - Giuseppe Modesti
      Pietro Fléville - Dino Mantovani
      Mathieu, detto Populus - Paolo Montarsolo
      Un Incredibile/L'abate - Piero De Palma
      Il maestro di casa/Schmidt/Dumas - Paolo Pedani

      Orchestra e Coro del Teatro dell'Opera di Roma, Gabriele Santini

      Vielleicht Corellis beste Aufnahme, aber auch Antonietta Stella und vor allem Mario Sereni, eine der schönsten Baritonstimmen, sind hier ideal. Dazu kommen die durchweg überzeugenden Nebenrollen (besonders Piero De Palma) und eine exzellente Aufnahmequalität.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

    • Olivier Messiaen:

      Turangalîla-Symphonie

      Yvonne Loriod (Klavier)
      Jeanne Loriod (Ondes Martenot)
      Orchestre de l'Opéra Bastille, Myung-Whun Chung

      Quatuor pour la fin du temps

      Gil Shaham (Violine)
      Paul Meyer (Klarinette)
      Jian Wang (Violoncello)
      Myung-Whun Chung (Klavier)

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

    • Edgard Varèse; The Varèse Album
      Columbia Symphony Orchestra, Robert Craft


      Daraus CD 1:
      • Ionisation für 41 Schlaginstrumente (13 Spieler)
      • Density 21.5 für Solo-Flöte
      • Intégrales für 11 Bläser und 17 Schlaginstrumente (4 Spieler)
      • Octandre für 7 Bläser und Kontrabass
      • Hyperprism für 9 Bläser und 18 Schlaginstrumente (7 Spieler)
      • Poème Électronique für Tonband


      Das wurde gerade zum ersten Mal über die neue Anlage gehört und ich bin schier ausgerastet. Das ist und bleibt eines meiner Allzeitfavoriten-Alben. Bei Craft klingt das wie eine einzige zusammenhängende Komposition. Er zeigt auf, wie sehr Varèse aus der Zeit gefallen war, ohne ihn als gewollten Avantgardisten dastehen zu lassen (vgl. Boulez) oder ihn irgendwie doch an die Tradition hängen zu wollen (vgl. Nagano). Hier treffen zwei Singularitaten aufeinander und kreieren einen folgerichtigen Ereignisstrudel, der in der Geschichte der Tonaufzeichnung senesgleichen sucht.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Rachmaninov schrieb:


      _____

      Administrator: Das Klassikforum

      Sfantu schrieb:

      Hallo Rachmaninov,

      was machen die Bostoner aus Schostakowitsch? Wie kommt das Ergebnis bei Dir an?

      VG, Sfantu
      Na, dann dskutier' ich das mal mit mir selbst:
      In unserem hiesigen Kulturradio kam dieser Tage eine Besprechung mit Hörbeispielen. Da ganz altmodisch via Tuner über die HiFi-Anlage verfolgt, kam ich dann auch in den vollen klanglichen Genuss dieser Aufnahme. Ich muss schon sagen: das Boston Symphony seziert diese Musik messerscharf, alles (genauer: die martialischen Knalleffekte beider Werke) wird exemplarisch herausgespielt. Es herrscht eine quasi Letztgültigkeit an Detailschärfe & Transparenz, die staunen macht.
      Ohne etwas darüber zu wissen, wie Nelsons die ruhigeren Passagen angeht, würde ich die Einspielung ohne Weiteres zumindest mal für den Einstieg empfehlen.
      Über die Elfte sag' ich hier & heute nichts - mit ihr bin ich nie so richtig warm geworden. Stattdessen habe ich an zwei Tagen "meine" beiden Aufnahmen der Vierten nach gehöriger Pause mal wieder durchgehört:


      London Philharmonic Orchestra - Bernard Haitink
      (CD, Decca, 1979)

      "Detailschärfe, Transparenz, Ausspielen der Knalleffekte" - kann es da überhaupt noch eine Steigerung geben angesichts Haitink?
      Diese Version bleibt meine Nummer Eins. Mehr noch als die erwähnten Extreme an Schall-& Alpdruck schlägt mich der Schlussabschnitt des Finales in den Bann mit diesem drückenden, geheimnisvollen Verebben (oder besser: Ersterben?). Da ist am Ende so garnichts geklärt, es bleiben alle Fragen offen...Souveräne Gestaltung! Formidabler ADD-Stereo-Klang!



      Philadelphia Orchestra - Eugene Ormandy
      (LP, CBS, 1963)

      Eine famose Orchesterleistung ist hier zu erleben! Schade nur, dass die Aufnahmequalität dem etwas hintan steht: keine optimale Balance, nicht die gleiche hockerstürmende Dynamik wie bei Haitink. Hie & da werden einzelne Abschnitte gehighlightet, so bspw. die Klanghölzer gegen Ende des langsamen Satzes oder das Glockenspiel im leisen Verklingen des Finales. Das wirkt ein wenig cineastisch, hat irgendwo aber auch seinen Reiz.

      Fazit: neben Haitink brauche ich keine weitere Schostakowitsch 4. Insgesamt werde ich mir künftig diesen Klang gewordenen Seelenstrip nur noch nach reiflicher mentaler Einstimmung geben & wer weiss, wie oft noch in diesem Leben? 2x in 48 Stunden geht jedenfalls an meine persönlichen Grenzen.
      Ein Koloss, dieser Dmitrij Dmitrijewitsch!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()

    • Aus aktuellem Anlass:



      Gioachino Rossini/Étienne de Jouy/Hippolyte Bis: Guillaume Tell

      Guillaume Tell - Gabriel Bacquier
      Hedwige - Jocelyne Taillon
      Jemmy - Mady Mesplé
      Mathilde - Montserrat Caballé
      Arnold Melchthal - Nicolai Gedda
      Melchthal - Gwynne Howell
      Gessler - Louis Hendrikx
      Walter Furst - Kolos Kovacs
      Ruodi - Charles Burles
      Leuthold - Nicolas Christou
      Rodolphe - Ricardo Cassinelli
      Un chasseur - Leslie Fyson

      Ambrosian Opera Chorus
      Royal Philharmonic Orchestra, Lamberto Gardelli

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Sfantu schrieb:

      Rachmaninov schrieb:


      _____

      Administrator: Das Klassikforum

      Sfantu schrieb:

      Hallo Rachmaninov,

      was machen die Bostoner aus Schostakowitsch? Wie kommt das Ergebnis bei Dir an?

      VG, Sfantu
      Na, dann dskutier' ich das mal mit mir selbst:In unserem hiesigen Kulturradio kam dieser Tage eine Besprechung mit Hörbeispielen. Da ganz altmodisch via Tuner über die HiFi-Anlage verfolgt, kam ich dann auch in den vollen klanglichen Genuss dieser Aufnahme. Ich muss schon sagen: das Boston Symphony seziert diese Musik messerscharf, alles (genauer: die martialischen Knalleffekte beider Werke) wird exemplarisch herausgespielt. Es herrscht eine quasi Letztgültigkeit an Detailschärfe & Transparenz, die staunen macht.
      Ohne etwas darüber zu wissen, wie Nelsons die ruhigeren Passagen angeht, würde ich die Einspielung ohne Weiteres zumindest mal für den Einstieg empfehlen.
      Über die Elfte sag' ich hier & heute nichts - mit ihr bin ich nie so richtig warm geworden. Stattdessen habe ich an zwei Tagen "meine" beiden Aufnahmen der Vierten nach gehöriger Pause mal wieder durchgehört:


      London Philharmonic Orchestra - Bernard Haitink
      (CD, Decca, 1979)

      "Detailschärfe, Transparenz, Ausspielen der Knalleffekte" - kann es da überhaupt noch eine Steigerung geben angesichts Haitink?
      Diese Version bleibt meine Nummer Eins. Mehr noch als die erwähnten Extreme an Schall-& Alpdruck schlägt mich der Schlussabschnitt des Finales in den Bann mit diesem drückenden, geheimnisvollen Verebben (oder besser: Ersterben?). Da ist am Ende so garnichts geklärt, es bleiben alle Fragen offen...Souveräne Gestaltung! Formidabler ADD-Stereo-Klang!

      ...

      Fazit: neben Haitink brauche ich keine weitere Schostakowitsch 4. Insgesamt werde ich mir künftig diesen Klang gewordenen Seelenstrip nur noch nach reiflicher mentaler Einstimmung geben & wer weiss, wie oft noch in diesem Leben? 2x in 48 Stunden geht jedenfalls an meine persönlichen Grenzen.
      Ein Koloss, dieser Dmitrij Dmitrijewitsch!
      Dann werfe ich mal etwas ein:

      Ich habe Andris Nelsons mit dem Boston Symphony Orchestra im September live in Paris erlebet - eben mit dieser 4. Sinfonie.
      Das war eines der intensivsten Musikerlebnisse, die ich bisher hatte, einfach überwältigend (und ich gebe dir Recht: auch ich stoße da eine meine persönlichen Grenzen...).

      Das liegt natürlich an dieser großartigen Musik (v.a. der letzte Satz, nicht nur das Finale, sondern auch die Steigerungen davor!!), aber - davon bin ich überzeugt - auch an der kompromisslosen Interpretation durch Nelsons und sein Orchester.
      Die Spannungsbögen waten teilweise kaum zu ertragen (s.o.), und er gestaltete die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Stimmungen so, dass das ganze nicht auseinanderfielen.

      Haitinks Aufnahme habe ich auch, ebenfalls großartig!
      Im Vergleich wäre bei mir Nelsons vorne, aber eben mit dem live-Erlebnis. Deshalb habe ich mir die Aufnahme bestellt und kann dann besser vergleichen.

      Gruß, Nikolaus.


    • Amilcare Ponchielli/Arrigo Boito: La Gioconda

      La Gioconda - Montserrat Caballé
      La Cieca - Alfreda Hodgson
      Enzo Grimaldo - Luciano Pavarotti
      Alvise Badoero - Nicolai Ghiaurov
      Laura Adorno - Agnes Baltsa
      Barnaba - Sherrill Milnes
      Zuàne - John Del Carlo
      Isèpo - Regolo Romani
      Un pilota - Neil Jenkins
      Prima voce dalla laguna - Neil Jenkins
      Seconda voce dalla laguna - Geoffrey Shaw
      Un cantore - Stephen Varcoe
      Un barnabotto - Rodney Macann

      London Opera Chorus, Finchley Children's Music Group
      National Philharmonic Orchestra, Bruno Bartoletti

      Eine sehr gelungene Aufnahme, auch wenn Caballé die Gioconda weniger dramatisch angeht als andere, letztlich überzeugendere Rollenvertreterinnen (wie Cerquetti, Callas).

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)


    • Heitor Villa-Lobos:

      Bachianas brasileiras No. 4
      Bachianas brasileiras No. 5
      Bachianas brasileiras No. 6
      Bachianas brasileiras No. 7

      Barbara Hendricks (Sopran), Eldon Fox (Cello)
      Lisa Hansen (Flöte), Susan Bell (Fagott)
      Royal Philharmonic Orchestra, Enrique Bátiz

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)