Was höre ich gerade jetzt - Jahr 2018

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      Bemerkenswert ist, daß die Spontaneit der Einfälle die mehrfachen Umarbeitungen des "Antar" überlebt hat. Die ursprüngliche Fassung entstand nämlich bereits 1868 (wurde allerdings erst 1949 veröffentlicht) [...] 1875 unterzog er das Werk einer gründlichen Umarbeitung: diese Fassung erschien 1880 im Druck [...] Eine weitere, drastischere Umarbeitung folgte jedoch 1897 & nunmehr hieß das Werk "Symphonische Suite". Unter den vier Fassungen des "Antar" handelt es sich hier zweifellos um die beste: dennoch ist sie äußerst selten zu hören. Herausgegeben von Maximilian Steinberg erschien sie 1913, fünf Jahre nach dem Tod des Komponisten, in einer Druckausgabe. Daß sie nicht zu Lebzeiten Rimsky-Korsakovs herauskam, lag am Widerstand seines Verlegers, der die Umarbeitung von 1875 veröffentlicht hatte & die Kosten eines neuen Stichs der Platten scheute, den die zahlreichen Änderungen der Fassung von 1897 erforderlich gemacht hätten. Infolgedessen führte der Komponist eine weitere Umarbeitung durch, wobei er die Platten der Fassung von 1875 zugrunde legte. Diese 1903 erschienene Version [...] wird in vielen Ausgaben irrtümlicherweise mit 1897 datiert. Diese "Kompromiß-Lösung" ist die heute am häufigsten gespielte.
      Max Harrison (Klappentext zur Zinman-Aufnahme)

      Verwirrend, oder?
      Daß ausgerechnet bei dieser dazugehörigen Platte nicht erwähnt wird, welche Version denn nun eingespielt wurde, ist so daneben, dass es fast schon wieder komisch ist.

      Im Booklet zur Järvi-Einspielung wird Claude Debussys Kommentar zu "Antar" zitiert:
      Hier haben wir ein vollkommenes Meisterwerk, das die traditionelle Gattung der Symphonie erneuert, indem es sie zum Teufel jagt.

      Man muß diese Einschätzung nicht teilen, selbst, wenn man ihr eine etwas provokante Würze zugesteht.

      Ich habe den "Antar" immer gemocht. & sei's allein schon, weil er nicht (die arg überstrapazierte) "Sheherazade" ist. Aber das greift natürlich zu kurz. Beide Werke sind sich nicht einmal unähnlich in der Klangsprache, selbst in der Dramaturgie: dort ein patriarchales Vorzeichen mit Happy End, hier ein matriarchales ohne Happy End aber mit einem quasi versüßten Tod des Titelhelden, da er (der Tod) die Weisung / den Wunsch Antars erfüllt, nämlich zu sterben, sobald er nicht mehr vorbehaltlos liebt. Der orientalistische Märchenzauber wirkt im "Antar" kongruenter, weniger plakativ.

      @ Amadé
      Swetlanows Aufnahme kenne ich nicht. Trotzdem ist er doch eigentlich der Spezialist für spätromantischen Überschwang. Drum könnte sich meine Befürchtung bewahrheiten: wenn er's nicht schafft, Dich für das Werk zu begeistern - wer dann?

      Järvis wie Zinmans Einspielungen bezeichne ich als sehr gut bis luxuriös:

      Zinman mit den Rotterdamern: klasse Aufnahmen bspw. von Rimskiij bis Bartok - nicht eine Platte dieses Gespanns, die mich nicht begeistert, zudem sind sie praktisch alle audiophil geraten. Seine Zürcher Zeit hielt diese Höhe beileibe nicht immer, das gilt ebenso für die Aufnahmen aus seiner Zeit als Chef in Baltimore.

      Bei Järvi ist der Von-Haus-aus-Schlagzeuger nicht zu verleugnen: grosse Trommel & Pauken haben im "Antar" nicht gerade wenig zu tun - Järvi lässt es entsprechend krachen, legt das Schwergewicht klar auf Klang-Spektakel. Auf der anderen Seite entkommt er auch hier nicht ganz (meinem) Vorurteil der Oberflächlichkeit. Zinman hat am Ende doch mehr feine Details zu bieten.
      Einzig bei Järvi wird die gespielte Fassung erwähnt nämlich die von 1897 Angesichts des oben beschriebenen Wirrwarrs mit den Fassungen darf man aber wohl vorsichtig zweifeln...

      Bělohlávek erhält schließlich die Note "Dabei sein ist alles": die Brünner Staatsphilharmonie spielt(e) nicht in einer Liga mit den Holländern & den Schweden. Spieltechnisch nicht über die letzten Zweifel erhaben bspw. der 2. Satz mit den raschen Tonrepititionen im Holz. Der gleich darauf folgende Alla-Marcia-Satz ist dagegen noch am besten gelungen: angemessen markiges, schneidiges Musizieren! & trotzdem: das Märchen-Parfum kommt nicht so recht ins Schweben. Weder Klang noch Interpretation ziehen einen in illusionierende Traumbilder.

      Ohne Kenntnis der Partituren vermute ich dieselbe Ausgabe bei allen drei Aufnahmen.
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      Lieber Sfantu,

      ganz herzlichen Dank für die umfassende Recherche, Du scheinst wohl die meisten "Antars" zu besitzen. Ich habe mal in meinen alten Bielefelder Katalogen geblättert und kann folgende Ergebnisse melden: 1966 1 Aufn. (Scherchen), 1977 0 Aufn., 1985 1 Aufn. (Zinman), 1993 3 Aufn.(Järvi, Maazel, Svetlanov-POL), 2001 6 Aufn. (Butt, Järvi, Kitajenko, Svetlanov-POL, Svetlanov-UdSSR, Zinman), im letzten Katalog von 2014 sind es nur noch 4 CDs. Also scheint das Interesse nicht groß zu sein, Scheherazade drängt alles zurück.
      Ich selbst besitze 3 Aufnahmen: Beecham (EMI) ein Mitschnitt von 1951, Svetlanov-Melodya/BMG und Järvi. Bei Svetlanov-POL ist im Bielefelder Fassung 1897 vermerkt, dann wird er in Moskau (1977) auch diese Version benutzt haben. Dietmar Holland berichtet im Booklet dueser Einspielung nur von einer grundlegenden Überarbeitung 1876, welche Svetlanov tatsächlich spielen lässt, darüber schweigt sich das Booklet aus.
      Bisher hat mich "Antar" nicht überzeugen können, aber ich werde mich noch einmal bemühen.

      Gruß Amadé
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      Lieber Sfantu,

      ich habe mir überlegt, wie ich zur Ehrenrettung des Antar beitragen könnte, aber du hast ja schon ganze Arbeit geleistet.
      Die fehlende Wiener Form darf man dem Werk keineswegs per se als Schwäche vorwerfen, denn R-K hat sie ganz bewusst vermieden (zum Teufel gejagt). Dass die Themen und Motive weniger ausgeprägt und einprägsam als bei der Sheherazade sind, stimmt wohl, aber es ist ebenso richtig festgestellt, dass sie weniger plakativ wirken. Die Orientalismen bleiben in den Fluss eingebettet, der teilweise etwas zäh und repetitiv ist, aber dadurch auch eine eigenartige innere Spannung bewahrt. Das Beste ist, dass das zwar akribisch auf Grundlage eines Programms konstruiert wurde und dennoch als absolute Musik glänzend funktioniert. Allzu gerne würde ich dieses narkotisierende Klangfarbenfest im Konzertsaal erleben. Auf Konserve wird die Helios-CD (auch mit Svetlanov) klanglich ganz hoch gehandelt:

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
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      Lieber Amadé,

      nach Adam Riese haben wir beide gleich viele Antar-Aufnahmen. Allerdings wird sich das höchstwahrscheinlich ändern, da Bělohlávek bei mir wohl bald weichen muss. Es sei denn, Du

      lieber Cetay,

      begeisterst mich / uns noch für die Ansermet-Aufnahme. Wie fandest Du sie? Eigentlich sind OSR & Ansermet für meinen Geschmack immer eine sichere Bank. Beim Antar, könnt' ich mir auch gut vorstellen, mit "nur" 2 Einspielungen gut leben zu können. Falls Du sagst: "Diese (Ansermet) oder keine!", wär' ich jedoch schnell wieder in Versuchung (zumal sie sicher auch noch auf Vinyl aufzutreiben ist)...

      Gruß, Sfantu
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      Obwohl ich seit Tagen komplett "abgenervt" von klassischer Musik bin - höre ich nun dieses - irgendwie "schizo" - angezogen - abgestoßen - oder auch mit innerer Glaswand dazu - zu Teilen auf dieser, wie auf jener Seite.
      immerhin ertrage ich heute Worte wie Jesus und Messias. Auch habe ich bei Messiaen schon öfters hinein gehört und nicht wirklich Zugang gefunden und jetzt aber irgendwie "dann doch".




      Album
      Messiaen : Edition

      daraus - Messiaen : 20 regards sur l'enfant Jésus

      Künstlerin
      Yvonne Loriod

      ____________________________________

      Bingo - nun auch von mir ein überdimensioniertes Cover-Bild - weil auch für mich keine Zahl in dieser Adresse ersichtlich, mit der man die Größe justieren könnte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()

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      Puccinis Il trittico wurde genau heute vor 100 Jahren in New York uraufgeführt. Grund genug, mir die drei Einakter heute wieder einmal anzuhören, und zwar in dieser Aufnahme:



      Giacomo Puccini/Giuseppe Adami: Il tabarro

      Michele - Tito Gobbi
      Giorgetta - Margaret Mas
      Luigi - Giacinto Prandelli
      Il Tinca - Piero de Palma
      Il Talpa - Plinio Clabassi
      La Frugola - Miriam Pirazzini
      Un venditore di canzonetta - Renato Ercolani
      Due amanti - Piero de Palma, Silvia Bertona

      Coro e Orchestra del Teatro dell’Opera di Roma, Vincenzo Bellezza

      Giacomo Puccini/Giovacchino Forzano: Suor Angelica

      Suor Angelica - Victoria de los Ángeles
      La zia principessa - Fedora Barbieri
      La badessa - Mina Doro
      La suora zelatrice - Corinna Vozza
      La maestra delle novizie - Mina Doro
      Suor Genovieffa - Lidia Marimpietri
      Suor Osmina - Santa Chissari
      Suor Dolcina - Anna Marcangeli
      La suora infermiera - Lidia Marimpietri
      Due suore cercatrici - Lidia Marimpietri, Santa Chissari
      Due converse - Silvia Bertona, Maria Huder
      Una novizia - Santa Chissari

      Coro e Orchestra del Teatro dell'Opera di Roma, Tullio Serafin

      Giacomo Puccini/Giovacchino Forzano: Gianni Schicchi

      Gianni Schicchi - Tito Gobbi
      Lauretta - Victoria de los Ángeles
      Zita detta La vecchia - Anna Maria Canali
      Rinuccio - Carlo del Monte
      Gherardo - Adelio Zagonara
      Nella - Lidia Marimpietri
      Gherardino - Claudio Cornoldi
      Betto di Signa - Saturno Meletti
      Simone - Paolo Montarsolo
      Marco - Fernando Valentini
      La Ciesca - Giuliana Raymondi
      Maestro Spinelloccio - Alfredo Mariotti
      Messer Amantio Di Nicolao - Alfredo Mariotti
      Pinellino - Virgilio Stoco
      Guccio - Paolo Caroli

      Orchestra del Teatro dell'Opera di Roma, Gabriele Santini

      Ob es sich hier um eine geplante Gesamtaufnahme oder nachträgliche Kompilation handelt, weiß ich nicht. Zwar spielt bei allen drei Aufnahmen das selbe Orchester, aber unter drei verschiedenen Dirigenten; zudem sind die ersten beiden Teile Mono, der Schicchi eine Stereoaufnahme. Andererseits scheinen die drei Aufnahmen nur zusammen erhältlich. Verbindendes Element sind die beiden Sänger Tito Gobbi und Victoria de los Ángeles, die in jeweils zwei Teilen eine Hauptrolle haben. Sie sind auch der Grund, warum das bisher mein Lieblings-trittico ist. Insbesondere Gobbis Michele ist für mich unerreicht. Als einzigen Nachteil neben der nicht idealen Tonqualität empfinde ich den Umstand, dass die von Puccini geforderten Hintergrundgeräusche in Il tabarro wie Schiffssirenen, Autohupen oder Glockenläuten hier komplett weggelassen wurden.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)