Merzdorf Tafelklavier - Teil 2

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Merzdorf Tafelklavier - Teil 2

      Weiter geht's... :)

      Das Klavierchen ist ein Nachbau eines Vorbilds aus dem Hause Schiedmayer, die Mechanik ist der von Mahr nachempfunden.
      Die Anfänge der Fa. Schiedmayer & Söhne geht bis auf den Orgel- und Klavierbauer Balthasar Schiedmayer aus Erlangen zurük, der 1735 sein erstes Intrument erbaute. Seine Söhne erlernten Das Handwerk ebenfalls. Johann David Schiedmayer (1753-1805) fertigte ab 1797 in Nürnberg, von ihm sind fünf Hammerklaviere, ein Clavichord und ein Tafelklavier erhalten.

      Johann Andreas Mahr arbeitete als "Claviermacher" in Wiesbaden. Einige seiner erhaltenen Tafelklaviere sind z.B. in der Sammlung Michael Günther zu finden:

      clavier-am-main.de/sammlung/sammlung.html

      Die verwendete Mechanik ist eine "Prellmechanik" (oder auch "Wiener Mechanik"):

      de.wikipedia.org/wiki/Klaviermechanik

      Ich habe einmal eine Taste ausgebaut:



      Der Ausbau ist sehr einfach: Die Taste wird einfach aus dem Mittellager herausgehoben. Das ist ein kleiner Metallzapfen, der in das Loch in der Mitte des gesamten Tastenhebels unmittelbar nach dem Ebenholzbelag eindringt. Dort ist der Drehpunkt.

      Hier die Taste kurz vor dem Ausbau:



      Und hier der gesamte Tasten"schacht" nach dem Ausbau, man sieht den Metallzapfen und die Tastenauflage in rotem Filz:



      Drückt man die Taste nieder, so wird der kleine ovale befilzte Hammer nach oben gegen die Saite geschleudert und erzeugt so den Ton. Gleichzeitig sorgt die Holzleiste nach dem Hammer (also das Ende des gesamten Tastenhebels) dafür, daß weiter hinten die Dämpfung (Einzeldämpfung= jede Taste wird einzeln ge- und entdämpft) nach oben geschoben wird und so die Saite entdämpft wird.

      Unmittelbar nach dem Anschlagen des Hammers auf die Saite fällt er aufgrund seines Eigengewichts wieder herab, so daß die Saite frei schwingen kann (Auslösung).

      Die Hebel, an denen die Hämmer befestigt sind, sind in dem kleinen messingfarbenen Lager gelagert und müssen ab und
      zu eingefettet werden, damit die Hämmer wieder vollständig in ihre Ruhelage zurückfallen (der kleine Holzquader mit dem Filz oben drauf).



      Dies ist natürlich eine mehr oder weniger rudimentäre Prellmechanik und nicht mit heutigen Klaviermechaniken vergleichbar. Repetitionen sind nur begrenzt machbar, der Anschlag muß auch mehr oder weniger "bestimmt" erfolgen, sonst prellt der Hammer nicht genügend auf die Saite, und es kommt kein Ton.

      Die Dynamik des Instruments ist dadurch (und auch natürlich durch die Einchörigkeit) eher begrenzt. Ein echtes Kammermusikinstrument also.

      Betätigt man den Kniehebel, so werden alle Dämpfer, die sich in einer Extra-Schublade befinden, angehoben und dadurch alle Saiten gleichzeitig freigegeben.

      Hier sieht man, wie die Schublade auf Metallstiften (links sind zwei sichtbar) nach oben geführt wird:



      Während bei der Einzeldämpfungsaufhebung während des Anschlagens nur der einzelne Dämpfer (hier im Bild die Leisten mit dem weißen Filz vorne unten und dem roten Filz oben hinten) angehoben wird, wird beim Betätigen des Kniehebels die gesamte Lade mit allen Dämpfern nach oben geschoben.

      (Fortsetzung folgt)
      --
      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Guenther ()