Merzdorf Tafelklavier - Teil 3

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    • Merzdorf Tafelklavier - Teil 3

      Auf der rechten Seite des Instruments befindet sich der Resonanzboden, die Wirbel sowie eine Einrichtung, um den Klang zu verändern (ich nenne sie einfach mal "Moderator").



      Bei diesem Klangveränderer handelt es sich um ein geschwungenes Stück Holz mit sehr weichen Textilfäden auf der Unterseite. Dieses Holzstück wird mittels zweier Stahlstifte an einem Hebelarm gehalten, der im Gehäuse drehbar gelagert ist. Dadurch kann man die Textilfäden mehr oder weniger auf die Saiten aufsetzen und damit den Klang verändern (mehr oder weniger leicht dämpfen). Sitzen die Fäden ganz auf, ist Maximaldämpfung gegeben und hört sich der Klang an wie ein "pizzicato" auf einer Violine. Bei den Klangbeispielen werde ich noch einmal darauf zurückkommen. Während des Spielens kann man da allerdings nichts verändern, das muß vorher eingestellt werden.

      Hier ein Bild, wo der Moderator ganz hochgeklappt ist:



      Und hier das Visitenkärtchen des Klavierbauers:





      (Fortsetzung folgt)
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      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")
    • Interessant. Ich wusste nicht, dass solche Klangveränderer bei Hammerklavieren weitverbreitet waren. Eine Rolle aus Pergament oder Hadernpapier bezogen mit Seide auf den Saiten erzeugt eine schnarrende Klangfarbe; das hätte ich jetzt eher von John Cage erwartet, ist aber eine Beschreibung des Fagott-Zug genannten Klangeffekts bei Wiki.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Eine interessante Übersicht über die Tafelklavier-Besonderheiten gibt es z.B. auch hier:

      pianomuseum.eu/tafelklaviere.htm

      Leider ist das Museum/die Sammlung derzeit nicht zu besichtigen, da der Eigentümer gewechselt hat.

      Einige interessante Stellen aus dem Text:

      Wie beim (Wiener) Hammerflügel haben Tafelklaviere des 18. und frühen 19. Jahrhunderts keine Pedale, sondern unter dem Instrumentenboden angebrachte Kniehebel, die die "Veränderungen" bewirken. Hierbei treten zwei Formen von Kniehebeln auf: vertikal zu bewegende und horizontal zu bewegende. Vertikal zu bewegende sind typisch für Instrumente mit Wiener Mechanik, finden sich aber zh.B. auch bei frühen Erard-Tafelklavieren.


      Das mit dem Kniehebel ist übrigens wirklich "so eine Sache": Es spielt sich nicht so leicht, wenn man diese Form, dazu noch am linken Knie, nicht gewohnt ist. Der Weg, den der Kniehebel zurückliegt, ist auch wesentlich geringer als ein normales rechtes Pedal. Man kann den Hebel auch nicht so einfach wieder "loslassen", es ergibt sich ein knallender Effekt, wenn die Dämpferlade wieder nach unten fällt. Versuche mit Schaumstoff endeten bei mir leider kläglich. ;)

      Also mehr üben!
      :)

      Wie auch zunächst bei Flügeln und aufrechten Klavieren zu beobachten, hat sich auch beim Tafelklavier die Positionerung des Dämpferaufhebungspedals erst spät nach "rechts von der Mitte" orientiert. Es ist davon auszugehen, dass viele Pianisten das "Forte"-Pedal bzw. den "Forte"-Kniehebel (Broadwood) durchaus mit dem linken Fuß bzw. Knie zu betätigen hatten bzw. zu betätigen wussten.


      "Forte" ist hier also als Aufhebung der Dämpfung zu verstehen. EIn "echtes" Forte durch entsprechenden Anschlag ist mit den dünnen Saiten (bei mir einchörig) auch (zumindest im Diskant) nicht zu erreichen, die Saiten fangen dann an zu klirren.

      Im Gegensatz zu Flügel und Klavier ist beim Tafelklavier der Bau der "Verschiebung" / des "Una-Corda"-Pedals (oft als "Piano"-Pedal bezeichnet) problematisch, da der Abstand der Saiten zueinander vom Bass bis zum Diskant kontinuierlich abnimmt. Ein Piano-Effekt ist beim Tafelklavier stattdessen - in Adaption von Cembalo bzw. Spinett - durch eine dem Lautenzug verwandte Abdämpfung der Saite unmittelbar an ihrem Anfang (Verringerung der sich bildenden Obertöne) möglich. Diese Veränderung wird "Moderator", seltener "Harfenzug" bezeichnet.


      Bei meinem Klavier ist die Klangänderung nur dauerhaft einzustellen, da dieser Moderator eben nicht über einen Kniehebel bedient wird. Die Stellung, bei der er ganz auf den Saiten aufliegt, macht aus dem Klavier allerdings eine Art "Zupfinstrument" und dürfte daher nur selten verwendet worden sein.

      Demnächst einige Klangbeispiele dazu.
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      "Seine Arbeit ist genial! Nur hie und da... nur hie und da, so schien es mir..." - "Was meinen Eure Majestät?" - "Rosenberg, wie drückt man das aus?" - "Zu viele Noten, Majestät!" - "Exakt! Glänzend formuliert!"
      (Aus "Amadeus")