Renata Tebaldi - 'Voce d'angelo'

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    • Renata Tebaldi - 'Voce d'angelo'

      Renata Tebaldi * 01.02.1922 in Pesaro - +19.12.2004 in San Marino

      Als Kind einer Orcherstermusikerfamilie kam sie früh mit Musik in Berührung. Nach einer Erkrankung an Kinderlähmung studierte Gesang am Konservatorium in Parma, debütierte 1944 und wurde dann schlagartig berühmt, als sie unter Toscanini im Eröffnungskonzert der wiederaufgebauten Mailänder Scala sang. Bei dieser Gelegenheit prägte Toscanini dann auch das sie stets begleitende Worte von der 'voce d'angelo', der Engelsstimme.

      Die Tebaldi wich nach ersten großen Erfolgen an der Scala und den anderen bedeutenden italienischen Opernhäusern Mitte der fünfziger Jahre nach New York aus und fand an der MET ihre künftige Wirkungsstätte bis 1973. Drei Jahre später hatte sie ihren letzten Auftritt mit einem Lied an der Scala. 2004 verstarb sie nach langer Krankheit.

      Vor allem Verdi und Puccini waren ihre Komponisten, darüber hinaus reüssierte sie auch mit Boito und Ponchielli und den wichtigsten Komponisten des Verismo. Wobei es auch zwei Live-Mitschnitte der Elsa und Elisabeth aus den entsprechenden Wagner-Opern gibt.

      Tebaldi und Callas. Der 'Engel' und die 'Tigerin'. Dies war das große 'Duell' der fünfziger Jahre und sicherlich auch das Schicksal der Tebaldi. War sie in den frühen Jahren dieser Epoche noch die uneingeschränkten Königin an der Scala, sah sie sich in den folgenden Jahren doch immer stärker dem Vergleich mit der Callas, dem zumindest von den Medien hochgeputschten Kampf beider ausgesetzt, so dass sie eben 1955 an die New Yorker MET auswich und dort in den folgenden knapp zwei Jahrzehnten ihre künstlerische Heimat fand.

      Inwieweit es auch eine persönliche Rivalität zwischen Tebaldi und Callas gab will ich hier gar nicht einmal besprechen. Zu vieles ist dabei Spekulation. Fakt ist wohl, dass die Tebaldi der Callas in Ausdrucksintensität, Bühnenwirkung, in technischer Hinsicht, Breite des Repertoires, in der Höhe und Tiefe und selbst in der Phrasierungskunst weit unterlegen war. Vielleicht auch in der Hemmungslosigkeit des Auftretens und der Durchsetzungsfähigkeit. Aber die letzten zwei Punkte sind reine Spekulation. Unbestritten ist, dass die Tebaldi über die weitaus 'schönere' Stimme verfügte, über mehr Weichheit und Wärme, über mehr Samt und ausgeglichenen Klang.

      Aber letztlich hat das wohl nicht gereicht. Die Tebaldi ging nach New York, setzte ihre große Karriere fort (die Callas war dagegen aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Geburtsstadt ja nie so richtig erfolgreich) und hinterließ eine ganze Reihe berühmter Aufnahmen.

      Die Tragik ihres Lebens war oder ist aber wohl nicht nur die Auseinandersetzung mit der Callas in den fünfziger Jahren, sondern dass sie heute eigentlich immer noch vor allem in Verbindung mit der Callas berühmt ist. Als Gegenpol und als das ob der Schönheit des Instruments hemmungslos zu liebende Gegenteil der 'Tigerin'.

      Ich bin ja nun einmal ein hemmungsloser Callas-Verehrer (und gerade ich muss nun endlich einen Thread über die Tebaldi eröffnen ;) ) und frage mich natürlich, was es denn mit dieser 'voce 'd'angelo' auf sich hat und hatte.

      Zunächst einmal denke ich, dass, wenn es keine Callas gegeben hätte, wir Opern-Aficionados alle, wirklich alle hemmungslose und bedingungslose Tebaldi-Fans wären. Wenn eben nicht die Callas jemals dagewesen wäre. Aber so vergleiche ich natürlich. Und leider, leider verliert die Tebaldi gegen Callas in den meisten 'Kategorien'. Aber wir sind ja nicht bei der Olympiade. Vielleicht sind Vergleiche, 60 Jahre später sowieso nicht mehr angebracht. Beide waren unterschiedliche Typen und brachten unterschiedliche Dinge mit.

      Aber wo sie sie 'schlägt', das ist eben diese unglaubliche Schönheit des Timbres. Zunächst einmal und das ist wahrlich nicht zu gering zu bewerten. Gerade in den Verismo-Partien ist es überwältigend sich von dieser strömenden Schönheit einfach nur überwältigen zu lassen. Und Oper hat auch immer etwas mit bedingungsloser Hingabe zu tun. Und das schafft die Tebaldi. Man hört sie und man kniet nieder. Nicht wegen des Ausdrucks, wegen des Dramas, sondern wegen der Schönheit einer menschlichen Stimme, die sich äußert im Gesang.

      Und dann, schiebt man mal die Callas zur Seite und vergleicht lieber mit den anderen und v.a. auch den heutigen Sängerinnen des Repertoires. Und dann bleibt diese unglaubliche Musikalität, dieses Wissen um die Werke und Komponisten, die zu ihrer Zeit teilweise ja noch Zeitgenossen waren. Und es bleibt die Sicherheit, auch die vokale, mit der sie diese Partien interpretiert, die Geschmeidigkeit und Selbstverständlichkeit der Phrasierung, diese Autorität des 'Ich weiß, wie es geht'.

      Und es bleibt die unglaubliche Schönheit.... Das ist mit Sicherheit ungerecht, sie v.a. auf dieses Merkmal zu reduzieren. Und vielleicht ist das gerade die Tragik der Tebaldi. Die Tragik einer überragenden Sängerin, die zur falschen Zeit geboren wurde.

      :hello Falstaff
    • Natürlich müssen nun Empfehlungen kommen. Und da tue ich mich durchaus schwer. Klar gibt es rein technische, sprich rein altersmäßige Unterscheide. Aber letztlich hört man die unglaubliche Qualität ihrer Stimme in den meisten ihrer Aufnahmen, mal frischer, mal eben weniger frisch.
      Fangen wir halt mal an. Da ich sie besonders im Verismo liebe:







      :hello Falstaff
    • Während ich die Tebaldi im Verismo, auch im späten Verdi durchaus gerne höre, empfinde ich sie in diesem Repertoire völlig fehlbesetzt:



      Weder besaß sie die technischen Voraussetzungen für den verzierten Gesang, noch die Ausdrucksfähigkeiten, die Personen glaubhaft zu interpretieren. Das hätte sie nicht singen sollen. Aber natürlich musste (muss) eine Diva des italienischen Gesangs auch diese Werke im Repertoire haben.

      :hello Falstaff
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