'Me too' - und die Klassikwelt

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    • Hier nun die Fortsetzung in der Causa Siegfried Mauser:
      zeit.de/2018/22/siegfried-maus…-sexuelle-noetigung-metoo

      Drei Jahre haben sie ihm nun aufgebrummt. Dass der Fall kontrovers ist, ist bekannt. Ich bin jetzt gespannt, was mit Hans-Jürgen von Bose wird, das kann allerdings noch dauern.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • MaJu1997 schrieb:

      Ich finde, dass Personen, die offensichtlich ihre Macht missbrauchen und nachgewiesenermaßen sexistisch handeln oder handelten, keine Plattform mehr im öffentlichen Raum geboten werden sollte.
      Lieber MaJu1997, gilt das nur für 'sexistische' Verfehlungen? Warum wiegen die schlimmer, als andere Dinge, wie z.B. aktives Unterstützen diktatorischer Regime, Antisemitismus, Rassismus etc.? Und wo fängt eine sexistische Handlung an? Und ist das, was wir heute so bezeichnen und ansehen, vor 30, 40, 50 Jahren auch schon so gesehen worden?

      Kleine Geschichte dazu:

      In einem größeren Opernhaus eines südeuropäischen Landes war eine Sängerin als Cover engagiert. (Sie erzählte uns vor gut 30 Jahren diese Geschichte unter Lachen selber.)
      Der Intendant des Hauses sah sie bei einer Probe und lud sie ('Weil ich das immer so mache mit Künstlern, die erstmalig an meinem Haus sind.') zu sich zum Tee ein. Und nahm die Einladung an und wurde dann in seinem Appartement empfangen. Nach der ersten Tasse Tee entschuldigte er sich für einen Moment und kam kurz danach wieder, nur mit einem T-Shirt bekleidet. So stellte er sich dann vor ihr auf den Couchtisch, nahm eine entsprechende Pose ein und meinte, sie möchte sich doch bitte vorstellen, sie wäre in einem Museum, er eine griechische Statue und sie sollte sich ihn (bzw. die Staue) doch bitte genau von allen Seiten betrachten. Was sie dann auch tat. Er daraufhin: 'Sie können mich auch anfassen.'. Antwort: 'Das mache ich im Museum auch nicht.', schnappte ihre Sachen und ging.

      Auswirkungen auf das Engagement hatte es nicht, zu weiteren kam es aber nicht. Wobei da niemand die genauen Gründe kennt.

      Wie ist das nun zu bewerten? Eindeutig sexistisch und übergriffig aus unserer heutigen Sicht. Das ist wohl eindeutig. Aber sie lachte aus vollem Halse, als sie es erzählte. Nun war sie schon älter und erfahrener, als ihr das passierte. Eine blutjunge Anfängerin hätte da wohl anders reagiert. Und er wird es mit Sicherheit häufiger gemacht haben. Gehe ich mal von aus. Aber in diesem speziellen, uns einzig bekannten Fall, hatte es keine negativen Auswirkungen. Weder auf ihre Persönlichkeit noch auf ihr Engagement. Und nur darüber kann man urteilen. Alles andere ist Spekulation.

      Also, klar, es geht nicht und ist völlig daneben. 'Nachgewiesenermaßen'! Aber hat er nun jegliches Recht auf eine 'Plattform im öffentlichen Raum' verloren? Letztlich hat er seine Macht ja nicht missbraucht, versteht man es eng gefasst. Vielleicht war es nur eine plumpe und bizarre Form der Anmache eines Menschen, den er an sich attraktiv fand.

      Was ich damit sagen will, ist, dass es oftmals, nicht immer, sehr viele Schattierungen gibt, die eben nicht unbedingt eindeutig sind, so dass eine Verurteilung nicht immer einfach ist. Das gilt für 'Taten' aus dem 'Me-too-Bereich', ebenso wie z.B. für schuldhaftes Verhalten von Künstlern im Dritten Reich (oder anderen Ortes).

      LG Falstaff
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