Spielt das Orchester so schlecht?

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    • Spielt das Orchester so schlecht?

      Daß Fazil Say schon mal ein wenig seltsame Gesichtsausdrücke hat, ist bekannt.

      Hier aber mußte ich dann doch lachen:



      Am Anfang geht's noch gut, er wendet sich dem Orchester zu, schaut sich scheinbar alle an. Ab Minute 0:33 aber wendet er sich wieder ab, schaut auf den Boden, scheint dem Geschehen nicht mehr folgen zu wollen. Ganz witzig: Minute 0:44 zieht er die Wange hoch, und es schien uns hier beim Zusehen so zu sein, als würde ihm da eine Passage gar nicht gefallen... ;)

      In den folgenden Passagen schließt er immer wieder die Augen, schaut nach unten, während die Arme lässig über dem zurückgeklappten Notenpult des Flügels ruhen. So, als ginge ihn das alles nichts an, als gehöre er nicht dazu. :)

      Selbst bei 2:03, als die Schlußpassage des Orchesters kommt, schaut er immer noch scheinbar gelangweilt nach rechts, so als wäre er ein gelangweilter Zuhörer. Ich an seiner Stelle wäre längst mit voller Konzentration an den Tasten, denn gleich kommt der Solopart der Exposition...

      Er aber zieht erneut den Mundwinkel nach oben, läßt den rechten Arm noch einmal locker durchschwingen, und dann geht's los.
      Und kaum ist er selbst dran, lächelt er, seine Laune scheint sich zu heben!

      Ist das Orchester soooo schlecht? Ich finde nicht.

      Tolle Aufnahme übrignes, ein begnadeter Pianist!

      Aber hat der eine Ruhe weg!
      ;)
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)
    • Mein Liebling... ich frage mich bei diesem Pianisten immer wieder dieselben Dinge:
      1. Trat, tritt oder wird er jemals nicht bekifft auftreten?
      2. Warum hat er sich Fou Ts'ong als Stilberater und nicht lieber als Klavierlehrer ausgesucht?
      3. Wird er sich jemals mit Dynamik ernsthaft auseinandersetzen und nicht nur Mätzchen damit treiben?

      Zur Mimik: am Anfang dachte ich, er würde sich gleich in Richtung Publikum übergeben müssen, gepaart mit einem Heulkrampf. Wahrscheinlich war ihm das Gras doch nicht so gut bekommen sein. Bei 10:22 ist er nicht im Bild, aber man hört, dass es da dann passiert ist, obwohl er beim zweiten Satz bis zu seinem Einsatz eingenickt war. Auch ne Kunst...

      Mir fehlen die Holzbläser. Man darf das Konzert zwar auch nur mit Streichern aufführen, aber irgendwie ist mir das zu dünn, wirkt noch mehr weichgespült, was natürlich dem unnötig klangberaubten Flügel wiederum eher ebenbürtig ist...
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Vielleicht bin ich da zu altmodisch, aber ich finde, solch eine Haltung am Klavier gehört sich nicht. Weder dem Orchester noch dem Publikum gegenüber.

      Aber letztlich kann man natürlich auch viel da hinein interpretieren. Nehmen wir mal zu seinen Gunsten an, ihm erging es genauso wie einst Montserrat Caballé, die einen verspäteten Konzertbeginn mit den Worten entschuldigte: 'Tut mir leid, aber ich habe vor dem Konzert eine Gulaschsuppe gegessen und musste schnell nochmal irgendwo hin.'

      Nur kam er natürlich nicht mehr vom Klavier weg. ;)

      :hello Falstaff