Callas - und nochmal Callas und nochmal Callas und nochmal...

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    • Callas - und nochmal Callas und nochmal Callas und nochmal...

      Seit vorgestern läuft eine neue Dokumentation in den deutschen Kinos.



      Diesmal hat sich ein gewisser Tom Volf mit der Callas auseinandergesetzt. Also eine weitere filmische Auseinandersetzung mit ihr, natürlich mit völlig neuen, überraschenden Einsichten. ;(

      Ich habe den Film (noch) nicht gesehen. Frage mich allerdings, was er denn wohl noch bringen kann an neuen Einsichten und geradezu revolutionären Neuentdeckungen. Mit anderen Worten: Was bringt das?

      Ich denke, das Callas künstlerisch wie auch persönlich vollständig ausgeleuchtet wurde. Visuell von Werner Schroeter bis Tony Palmer, audiomäßig sowieso. Also eine Belanglosigkeit, etwas völlig Überflüssiges. Inhaltlich, ich befürchte es, ja.

      Interessant ist aber, warum gerade Callas wohl immer wieder künstlerische Auseinandersetzungen bis in unsere heutige Zeit herausfordert. Theater, Ballett, Ausstellungen, Dokumentationen, Spielfilme, Fotobildbände, Biographien - es reißt ja nicht ab. Was hatte diese Frau, dass sie, selbst 40 Jahre nach ihrem Tod, über 50 Jahre nach ihrem künstlerischen Aus die Menschen immer noch fasziniert. Und es scheint ja kein Ende zu nehmen, auch wenn selten neue Erkenntnisse hinzukommen.

      Mir scheint es, wie der verzweifelte Versuch, einem Geheimnis, einem Mysterium, einer Frage näher kommen zu wollen. Als würden Menschen geradezu wie vom Blitz getroffen sich auf eine notwendig-verzweifelte Ursachensuche begeben. Der Drang, eine geradezu lebensnotwendige Frage beantwortet zu bekommen.

      Immer und immer wieder die Frage woher diese Faszination kommt, wie diese Kraft der Überwältigung möglich war, was sie dazu befähigt hat.

      Aber vielleicht sollte man sich auch fragen, warum man sich gerade diese Fragen stellt, warum man verfallen, warum man zur Überwältigung bereit ist. Und warum vielleicht gerade die Oper diese Hemmungslosigkeit der Verzückung und Bewunderung entfacht.

      Callas ist dabei vielleicht nur ein Synonym für das was 'adulation', Sucht, Faszination, andauerndes Hingegebensein, Verfallensein an eine Person, eine Sache meint. In diesem Fall finde ich es allerdings erfreulich, das es hier um Kunst geht. Speziell um Oper. Also was zwingt uns Oper-Afficionados eigentlich immer wieder in die Knie?

      Uuh, eine Menge Fragen und nicht nur die letzte soll hier Thema sein. Es geht auch um das Phänomen Callas, um das Verstehenwollen eines Geheimnisses, um die Hingebung an einen Künstler, eine Kunst, um die Sucht nach einer bestimmten Musik.

      Vielleicht zu viele unterschiedliche Fragen für einen einzelnen Thread. Aber vielleicht kommt ja doch was zustande.

      :hello Falstaff (der ja nun ein hemmungsloser 'Callas-Witwer' ist und jede 'Annäherung' an dieses Phänomen nur zu gut verstehen kann. :D )
    • Falstaff schrieb:



      Immer und immer wieder die Frage woher diese Faszination kommt, wie diese Kraft der Überwältigung möglich war, was sie dazu befähigt hat.

      Aber vielleicht sollte man sich auch fragen, warum man sich gerade diese Fragen stellt, warum man verfallen, warum man zur Überwältigung bereit ist. Und warum vielleicht gerade die Oper diese Hemmungslosigkeit der Verzückung und Bewunderung entfacht.
      Diese Frage habe ich mir auch schon häufig gestellt. Ohne das jetzt mit handfesten statistischen Daten belegen zu können, habe ich über die Forenjahre den Eindruck gewonnen, dass es speziell rund um die Oper besonders häufig zu Streitereien, die schnell völlig außer Kontrolle geraten, kommt. Der Arschloch-Anteil ist unter den Fans dieses Genres besonders hoch, zumindest wenn man die Forenlandschaft als Grundlage nimmt. Von wegen die Beschäftigung mit Hochkultur macht uns zu edleren Menschen. Die Hysterie um Sänger habe ich noch nie verstanden. Sicher können sie uns auf einer Ebene berühren, die sich dem rationalen Verständnis entzieht, aber das sollte eigentlich nur für die Dauer des Vortrags gelten. Die Nachwirkungen finden in uns statt, da ist sollte es eigentlich egal sein, was das Star zu Mittag gegessen hat oder was im Bett getrieben wurde.

      Da ich gegen Starkult weitestgehend immun bin, kann bei der Antwortsuche nicht behilflich sein. Bei Stars, die stellvertretend das Leben führen, das wir uns nicht selbst nicht zu leben trauen, macht es noch einen Restsinn sie über ihre Kunst hinaus zu verehren. Aber sonst?
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:

      Ohne das jetzt mit handfesten statistischen Daten belegen zu können, habe ich über die Forenjahre den Eindruck gewonnen, dass es speziell rund um die Oper besonders häufig zu Streitereien, die schnell völlig außer Kontrolle geraten, kommt.
      Lieber Cetay, es ist schon richtig, dass Opernfans oftmals besonders engagiert sind. Allerdings ja nicht nur im negativen Sinne. Ich glaube das es daran liegt, dass die menschliche Stimme doch eine ganz besondere Wirkung auf den Menschen ausübt. Für mich jedenfalls kann ich sagen, dass sie ganz besonders in mir auch noch lange nachwirkt und mich über den eigentlichen Anlass sehr intensiv beschäftigen kann. Was die Streitereien angeht, gibt es die nicht aber auch bei Pianisten oder Dirigenten? Interessanterweise wohl nicht bei Cellisten, vielleicht auch nicht bei Geigern. Liegt vielleicht auch an dem Material, das Solo-Cellisten und Solo-Geigern zur Verfügung steht.

      Cetay schrieb:

      da ist sollte es eigentlich egal sein, was das Star zu Mittag gegessen hat oder was im Bett getrieben wurde.
      Klar ist das egal. Wobei ich erregte Diskussionen um Sänger wahrlich erlebt habe. Um das ging es dabei allerdings nie. Kenne ich eigentlich eher aus dem Pop-Bereich.

      LG Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Cetay schrieb:

      Ohne das jetzt mit handfesten statistischen Daten belegen zu können, habe ich über die Forenjahre den Eindruck gewonnen, dass es speziell rund um die Oper besonders häufig zu Streitereien, die schnell völlig außer Kontrolle geraten, kommt.
      Lieber Cetay, es ist schon richtig, dass Opernfans oftmals besonders engagiert sind. Allerdings ja nicht nur im negativen Sinne.
      Das ist richtig. Da habe ich oben versäumt, die Querverbindung herzustellen und die Mutmaßung, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt, aufzustellen. Also die Frage, ob - ich drücke es mal freundlicher aus - schwierige Charaktere besonders anfällig für diese Überwältigung sind. Ich meine, dass beides bei der Oper mehr ausartet als anderswo, wobei es natürlich einschlägige Gegenbeispiele (Karajan!) gibt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Falstaff schrieb:


      Cetay schrieb:

      da ist sollte es eigentlich egal sein, was das Star zu Mittag gegessen hat oder was im Bett getrieben wurde.
      Klar ist das egal. Wobei ich erregte Diskussionen um Sänger wahrlich erlebt habe. Um das ging es dabei allerdings nie. Kenne ich eigentlich eher aus dem Pop-Bereich.
      LG Falstaff
      Ich hatte die Aussage, dass Callas persönlich vollständig ausgeleuchtet sei, so verstanden, dass sie eben wie ein Popstar seziert wurde. Dann gibt es ja vielleicht doch noch neue Einsichten, wenn auch keine von Belang. :P
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Sie wurde und wird wie ein Popstar seziert, das ist schon wahr. So gibt es Dokumentationen, die sich v.a. um sie und Onassis drehen, um die Fehlgeburt (oder erzwungene Abtreibung, ich weiß das gar nicht mehr so genau), aber auch Bücher mit ihren Kochrezepten etc.

      Wobei ich gar nicht bestreiten will, dass das Private durchaus eine Bedeutung hinsichtlich der Karriere hat. So kommt der beschleunigte Verfall der Stimme Ende der 50iger Jahre wohl nicht von ungefähr, lernt sie doch in diesem Zeitraum Onassis kennen und genießt zum ersten Mal eine Art Privatleben, entdeckt sich wohl auch erstmalig als Frau, vernachlässigt die Arbeit etc. Da wird der Kerl dann wirklich auch für ihre Kunst relevant.

      Auch dreht sich bei den Callas-Fans immer wieder alles um die Frage, woher sie 'es' eigentlich genommen hat. Eigentlich eine einfache Frau, wenig Bildung - und dann dieses unglaubliche emotionale Eindringen in die Figuren, dieses spontane (?), instinkthafte (?) oder intellektuell erarbeitete (?) Wissen um die Abgründe der Figuren und die Fähigkeit, dies gesanglich zu vermitteln. (Letzteres vielleicht noch einfacher zu erklären.) Also geht man dann in Richtung Charakter, Persönlichkeitsstruktur usw.

      Bei all diesen Fragen werden natürlich private Hintergründe mit bedacht. Aber wir sind uns natürlich einig, dass die Pudel oder das Tanzen im 'Maxims' dabei völlig irrelevant sind. Nur eben zu gerne in so vielen Dokumentationen wieder aufgewärmt werden. Und von daher bin ich mir überhaupt nicht sicher, was der obige Film eigentlich noch bringen soll.

      LG Falstaff