Dieter Schnebel gestorben

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    • Dieter Schnebel gestorben

      deutschlandfunk.de/musik-kompo…e.html?drn:news_id=884617

      Soeben habe ich gelesen, dass Dieter Schnebel im Alter von 88 Jahren gestorben ist.
      Da ich ihn persönlich kannte, will ich hier an ihn erinnern. Zum ersten mal "live" erlebte ich ihn in einer Vorlesung. Es war eigentlich der Kurs von Elmar Budde, der die Vorlesung eröffnete mit dem Satz: "Es ist so, als hätte ich eigentlich etwas über Mozart erzählen wollen, und dann kommt Mozart selber her."
      Dieter Schnebel erzählte dann aus seinem Leben, in gewohnt bedächtiger Art.
      Ich kannte seine "Glossolalie" und einige andere Werke. Zwar hatte Schnebel nie zu meinen Lieblingskomponisten gehört. Seine Werke konnten aber manches Programm wieder auflockern. Bei einer Veranstaltung zum Geburtstag von Joachim Sartorius etwa wurde ein Werk für Steptänzerin aufgeführt, das virtuos und originell war.
      Der persönlichste Moment mit ihm war einer, den ich dem Zufall verdankte: mein früherer Professor und guter Freund Walter Zimmermann hatte ein kleines französisches Bistro bei ihm um die Ecke. Dort bereitete der Chef Flammkuchen zu, allerdings nur für mindestens 4 Personen. Nun hatte Walter eben Dieter Schnebel und Ernstalbrecht Stiebler eingeladen, es fehlte aber eine vierte Person, und die war ich dann. Nach den diversen köstlichen Flammkuchen wurde ich von Dieter Schnebel persönlich zu einer Ensembleprobe chauffiert, da diese in der Nähe seiner Wohnung stattfand. Viel gesprochen wurde nicht während der kurzen Fahrt. In seinem breiten Schwäbisch sagte er irgendwann: "Sie sind aber auch kein Berliner, gell?".
      Ein wenig bestürzend ist, dass es jüngst einen Eklat gab, als nach einem Konzert mit Werken von W. Zimmermann, Aribert Reimann, Gabriel Iranyi und Schnebel eine frustrierte ehemalige Studentin der Universität der Künste auf Facebook postete, diese Komponisten seien ja "ohnehin bald tot". Leider scheint diese Dreistigkeit sich nun als - im Fall von Dieter Schnebel - prophetisch erwiesen zu haben.

      Möge Dieter in Frieden ruhen.

      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Satie schrieb:

      Viel gesprochen wurde nicht während der kurzen Fahrt. In seinem breiten Schwäbisch sagte er irgendwann: "Sie sind aber auch kein Berliner, gell?".
      Das breite Schwäbisch kann man wunderbar auf der CD-Aufnahme seines Movimento nachhören. Der 17. Teil "Klingeln" beginnt mit einem ebensolchen und am Apparat meldet sich der Komponist höchst selbst: Hallo, hier ischdr Diedr. Wie gohts? Henai, jo, kenner mo scho macha. Das Werk ist eine Auftragskomposition für eine Neue Musik AG an einem Gymnasium und wurde im Beisein des Komponisten aufgenommen. Das ist auch nicht alltäglich.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
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