Handbewegungen beim Klavierspiel

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    • Handbewegungen beim Klavierspiel

      In diesem Video:



      ist mir augefallen, wie ruhig die Handhaltung und die Bewegungen von Ashkenazy sind. Wie macht er das nur? Darin scheint mir höchste Effizienz des Handeinsatzes zu liegen.

      EIn Gegenbeispiel:




      Der Unterschied ist deutlich wahrnehmbar, was sich dann auch beim Hören widerspiegelt.


      Ich möchte nicht nach "gut" und "besser" oder "hervorragend" unterscheiden. Beide Musiker spielen hervorragend. Darum geht es mir nicht.

      Ich selbst neige eher zu der Spielweise der Dame, frage mich allerdings, ob das bei Klassik angemessen ist und ob nicht die ganz unaufgeregte und ruhige Anschlagsvariante die angemessenere ist. Wenn ich da an mein Tafeklavier denke, so sind dort die Tastenhübe wesentlich geringer, und man könnte mit wesentlich weniger Handeinsatz und mehr "aus dem Finger" vermutlich mehr Effizienz herausholen.

      Muß doch noch viel mehr auf dem Tafelklavier üben. Jedenfalls bewundere ich Ashkenazys Spielweise.
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      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Guenther ()

    • Tatsächlich, lieber Guenther, ist das ein Phänomen, das auch spaltet. Ich kenne Lehrer*innen, die dieses ewige Handgelenk-Spiel fordern und als einzig richtig sehen, während andere die ruhige Hand propagieren (ich ebenfalls).
      Wir können also tatsächlich nicht von richtig oder falsch sprechen, zumal klanglich beide Techniken überzeugen. Bei der ruhigen Hand besteht evtl eher die Gefahr, das Handgelenk zu blockieren, weshalb manche Leute das beim Unterricht durch bewussten Handgelenk-Einsatz vermeiden wollen. Es gibt ja nach wie vor den Streit, der im 19. Jahrhundert begann, was denn überhaupt alles Einfluss auf den Klavierklang hat und haben kann. Das führte hin zu regelrechten physikalischen Abhandlungen, und es ist schon eine berechtigte Frage, inwiefern wir denn manuell den Übersetzungsmechanismus überhaupt beeinflussen können. Offenbar gewaltig, denn die Klangnuancen, die man erzeugen kann, sind vielfältig, auch wenn die Physik manches eigentlich als Quatsch entlarvt. Aber hey, Hummeln können schließlich auch fliegen, obwohl das eigentlich unmöglich sein sollte...

      Mir ist in puncto Handgelenk noch aufgefallen, dass deutlich mehr Frauen diese Art des Spiels an den Tag legen. Vielleicht hat es auch mit Körpergefühl und Optik zu tun.

      Herzluche Grüße
      Satie
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Hehe,

      bei der Hummel ging man eben fälschlicherweise davon aus, daß sich wie beim Starrflügler die Flügel nur wenig und dann auch noch nur auf und ab bewegen. Dann wäre die Fläche im Verhältnis zur Körpergröße tatsächlich zu klein.

      Erst nachdem man Superzeitlupe hatte, konnte man den komplizierten Mechanismus der Flügelbewegungen studieren, der der wahre Grund dafür ist, daß Hummeln fliegen (so wie andere Insekten auch).

      Tja, ich habe die verschiedenen Lehrmethoden (so nach ca. 45 Jahren Klavierspielen mit ca. 20 Jahren Unterrricht durch verschiedenste Lehrer, darunter 4 Herren und 3 Damen) auch zur Genüge kennengelernt.

      Allerdings hatten die Lehrer(innen) eben ihre gute Begründung jeweils für die Musik, also das Stück, das ich spielen sollte. Uni-Prüfung waren eine Hindemith-Sonate, eine Beethoven-Sonate (die mit dem Marcia Funebre) und noch etliches, was ich vergessen habe, Chopin war auch dabei.

      Ja, der Hindemith ging nicht mit ruhigem Handgelenk, der Chopin auch nicht so einfach. Beethoven und Mozart gehen dagegen sehr gut.

      Aber.

      Viele Menschen reagieren auf den visuellen Vortrag viel stärker als auf den auditiven. Spielt man vor Publikum, so bekommt man oft nachher zu hören, wie "emotional" doch der Vortrag gewesen sei. Ich führe das auf die visuellen Reize zurück, also Körperbewegungen, Augen, Blick, Kopf, Handbewegungen.

      Bei längeren Stücken entspanne ich gern zwischendurch einmal eine Hand. Das geschieht fast immer unwillkürlich. Ich hebe die Hand ein wenig hoch und lasse sie langsam wieder auf die Tasten gleiten. Nachher wurde mir das oftmals als "emotional" und "dem Stück angemessen" ausgelegt (was gar nicht stimmt, ich habe das nicht absichtlich gemacht, und schon gar nicht, weil ich meinte, es sei angemessen, hihi).

      Zurück zu Ashkenazy. In dieser Aufnahme finde ich die "Verinnerlichung" so gut. Er wirkt für mich wie ganz dem Stück und seinem Instrument hingegeben, aber dennoch voll auch auf das Orchester konzentriert. Also kein "Theater fürs Publikum", sondern nur dem Werk zugewandt. Und dazu paßt eben diese ganz kleine Bewegung, die so einfach aussieht. Da ich das Stück gerade selbst einstudiere, kenne ich die "kleinen Fallen" darin, aber bei ihm wirkt es so selbstverständlich. Das Tempo ist nicht zu hoch, die Musik fließt bei ihm wunderbar dahin, es ist ein andauernder Fluß, und eben hierzu paßt die ruhige Art. Eine für mich sehr anspechende Art, Mozart zu spielen.

      Die Spielerin geht anders an das Stück heran. Auffällig ihre Strukturierung nach Einheiten, oft mit Rubati "garniert". Sie trägt nicht nur vor, sie "inszeniert". Auch eine sehr interessante Art des Vortrags, sie ist auch häufig in Konzerten zu finden.

      Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, auf einem Nachbau eines Walter-Hammerflügels zu spielen. Leider war dieser für den Verkauf nach China vorgesehen, so daß er mir nur für wenige Minuten zur Verfügung stand. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, allzugroße Bewegungen sind hier nicht angebracht. Die Tasten sind schmaler, enger zusammen. Der Anschlag kommt früh, Läufe sind hier keine allzu große Herausforderung. Aber große Bewegungen sind auch nicht nötig, bzw. unangebracht. Möglicherweise haben die Pianisten gegen Ende des 18. Jhdts. auch eher mit kleinen Bewegungen gespielt, die Mechaniken mit leichten Hämmern (tw. waren die Hämmer innen hohl!) mögen dem beweglichen Fingerspiel eher als dem "Armgewicht" entgegengekommen sein.
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      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)

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