Wie viele CDs (Downloads, Files, etc.) "braucht" man wirklich?

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    • Wie viele CDs (Downloads, Files, etc.) "braucht" man wirklich?

      Ich habe gestern aus der Naxos-Haydn Box intensiv die Orgelmesse und die Heiligenmesse hintereinander gehört und war perplex, wie unterschiedlich diese beiden Werke klingen und welch kühne Lösungen Haydn gefunden hat. Hätte mich zuvor jemand gefragt, ob ich diese Werke "kenne", hätte ich bejaht - aber eigentlich kannte ich sie gar nicht richtig. Dazu muss man schon intensiv hören - und wie oft haben wir (ich) dazu wirklich die Muse? Ich würde für mich antworten: Im Durchschnitt für allerhöchstens 6 CDs pro Woche.

      Als die Automarke meines Vertrauens noch CD-Player verbaut hat, ist es öfters vorgekommen, dass eine Scheibe längere Zeit nicht gewechselt wurde. Und ich habe festgestellt, dass man selbst bei wenig komplexer Musik (im Auto ziehe ich Motörhead Haydn vor) nach 10 Durchläufen noch so viel Neues entdeckt und Musik völlig anders erfährt. Und als es noch kein Internet und keine Ramschpreise gab, konnte man Fehlkäufe nicht einfach so hinnehmen. Da hat man einer zunächst enttäuschenden LP eine zweite und dritte Chance gegeben, sie sich nach dem zehnten mal regelrecht schön gehört und damit ganz nebenbei den Horizont erweitert - und oft haben sich diese "erarbeiteten" Platten am nachhaltigsten in der persönlichen Top-Liste etabliert. Ich denke, unter -sagen wir mindestens- fünfmal hören kennt man eine CD nicht.

      Wenn ich also 312 (6x52) mal pro Jahr zum intensiven Musikhören komme und eine CD -auch wenn sie nicht auf Anhieb gefällt- fünfmal hören sollte, um sie wirklich zu kennen -und wenn das ist die Ambition ist- dann reichen mir 64 CDs pro Jahr. Was machen Leute bloß mit Terra-Byte schweren Festplatten oder aus allen Nähten platzenden Regalen mit einer hoch vierstelligen Zahl von Tonträgern? Entweder sie haben Unmengen mehr Zeit als ich oder sie hören nicht intensiv oder sie horten Mengen, die sie niemals abarbeiten können. Gedanken?
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:


      Wenn ich also 312 (6x52) mal pro Jahr zum intensiven Musikhören komme und eine CD -auch wenn sie nicht auf Anhieb gefällt- fünfmal hören sollte, um sie wirklich zu kennen -und wenn das ist die Ambition ist- dann reichen mir 64 CDs pro Jahr. Was machen Leute bloß mit Terra-Byte schweren Festplatten oder aus allen Nähten platzenden Regalen mit einer hoch vierstelligen Zahl von Tonträgern? Entweder sie haben Unmengen mehr Zeit als ich oder sie hören nicht intensiv oder sie horten Mengen, die sie niemals abarbeiten können. Gedanken?
      Das dürfte der Grund sein, warum ich - gerade als Musiker - so selten noch Aufnahmen höre. Nebenbei geht es kaum mehr, und zum intensiven Hören fehlt die Zeit, bzw. die Ruhe. Ich stimme zu, dass man CDs mehrmals hören muss, um sagen zu können, man kenne sie (oder die jeweilige Interpretation). Bei mir ist es auch so, dass das genüssliche Musikhören am Abend mit einem Glas Wein ebenfalls nie stattfindet, denn da bin ich im Allgemeinen zu müde, und in diesem Zustand höre ich erst recht ungern Musik.
      Meistens habe ich Phasen, in denen ich dann nur ein einziges Album für einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen höre (das sind dann die glücklichen Zeiten, wo das überhaupt geht). Ich stimme also zu: man braucht eigentlich nicht viele Aufnahmen. Aber auch ich horte solche, um sie hoffentlich irgendwann mal hören zu können.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Natürlich stimmt das mit der fehlenden Zeit (momentan könnte ich ein lautes Lied davon singen, wenn die Kehle es hergäbe). In meinen Regalen schlummern unzählige Aufnahmen, die ich schon ewig nicht mehr gehört habe. Dennoch: Das Bewußtsein, jederzeit auf sie zugreifen zu können, und der Genuß, sich an verborgenen oder neu gehobenen Schätzen aus den eigenen Beständen wieder erfreuen zu können, ohne lange Beschaffungsmodalitäten durchlaufen zu müssen, ist schon Goldes wert. Von Zeit zu Zeit gönne ich mir auch solche Momente und bin dankbar für meinen Fundus. Wenn ich dann auf die Stapel noch ungehörter Scheiben schaue, dann vermindert sich mein diesbezügliches schlechtes Gewissen beträchtlich, und die Hemmung gegenüber neuen Anschaffungen schwindet. Ergo bin ich lieber als spinnerter Sammler verschrien als auf einer einsamen Insel im Ozean mit ausgewählten zehn CDs zu deren Superexperten zu werden. :J
    • Hallo Waldi,

      das ist eine entspannte Haltung und das dürfte auch das Argument der Sammelwütigen sein, dass sie eben -wenn es mal die Gelegenheit zum ausgiebigen Hören gibt- eine große Auswahl haben. Man weiß ja nicht, worauf man im nächsten Monat Hör-Lust hat, also lieber vorsorgen.
      Ich war mal an einem Punkt, an dem meine Sammlung zur fast pathologischen Belastung wurde. Da konnte ich wie in Trance eine Stunde vor den Regalen auf und ab gehen und überlegen, was ich jetzt hören will - solange bis die freie Zeit herum war. Irgendwann wurde mir klar, dass ich einen Großteil der CDs, die ich nach dem ersten Hören unter "unbedingt nochmal intensiver hören" verbucht habe, nie mehr werde hören können. Da half dann nur noch eins: ein paar große Reisekoffer hinstellen und sortieren in die Fraktion, die ich "wirklich unbedingt nochmal intensiver hören" will und den Rest. Seinerzeit arbeitete Momox mit Offline-Shops, wo man ganze Koffer hinbringen konnte und die haben es gescannt und dann ein Angebot gemacht: alles für X € oder nichts. Diese Aktion habe ich dann 1-2 Jahre später wiederholt. Das schaffte wirklich Erleichterung. Freilich steht seither immer noch das meiste vom Rest nicht wieder gehört herum und es wurde munter Neues gekauft. So sind wir Maniacs halt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Erfahrung - nicht nur mit Platten - hat mich gelehrt, mit dem Aussortieren sehr, sehr vorsichtig zu sein. Das boshafte Schicksal will es halt, daß man nämlich irgendwann just gerade das vermeintlich Unbenötigte liebend gern zur Hand hätte und dann nicht hat...das sind dann Momente des Selbsthasses...
    • :)
      Gute Frage. Tja, was *braucht* man wirklich?

      Seit Jahren wandle ich jedenfalls alles in MP3 um, weil sich dann der Zugriff erheblich vereinfacht. CDs selbst höre ich fast gar nicht mehr, sondern nur noch MP3. Wenn ich mal pensioniert bin, werde ich auch meine ganzen alten LP in MP3 umwandeln, der Plattenspieler ist schon da... ;)

      Im Auto ist das Hören mit MP3 sehr leicht möglich, und auch während des Aufenthaltes zu Hause spielt der Lappi gern MP3.

      Ich bin da nicht so ein Hifi-Freak wie Cetay, habe auch nicht so eine tolle Anlage. Mir reicht MP3-Qualität doch tatsächlich aus, kaum zu glauben! :)

      Neue Anschaffungen höre ich sehr sehr oft immer wieder, bis ich denke, ich kann die Stücke mitsingen. Dann greife ich zu einer anderen Anschaffung. Im Laufe der Zeit sind natürlich hunderte von Werken zusammengekommen, und es haben sich halt Lieblingssstücke herauskristallisiert. Dann freue ich mich über alternative Einspielungen, gern auch auf historischen Instrumenten bzw. Nachbauten.

      Tja, ich denke mal, diese Lieblingsstücke "brauche" ich schon irgendwie. :) Aber wieviele sind das? Gute Frage...
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)
    • Ja, Rentner muss man sein, da hat man im Prinzip den ganzen Tag Zeit Musik zu hören und zu lesen!

      Wie viele CDs (Downloads, Files, etc.) "braucht" man wirklich?
      Nicht genug! :D
      Meine Sammlung beträgt mittlerweile ca.14 000 CDs eher mehr und Platz habe ich nun nach meinem Umzug sehr viel mehr und noch jede Menge Platz übrig!!
      Nix mit Downloads, MP3 usw. ich muss die CD in den Händen haben, haptische Wahrnehmung nennt man das wohl!
      Und jetzt hat sich mein Musikgeschmack auch noch radikal verändert, nur noch Renaissance und Barock :thumbsup: , also habe ich einen riesigen Nachholbedarf!
      Und nach unzähligen Jahren singe ich auch wieder im Chor, das war auch wohl der Hauptauslöser meiner musikalischen Umorientierung!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • 14000 CDs...

      Rechnen wir mal nach:

      CD-Cover-Breite is normal ca. 7mm. Der Einfachheit halber rechnen wir mal 5mm.

      14000 x 5mm = 14 * 5 m = 70m

      Das war nur die Breite, also wenn man alle nebeneinander stellen würde.

      Berücksichtigt man eine CD-Hüllengröße von ca. 120x120mm, ergibt sich ein Raumbedarf von:

      120 x 120 x 5mm * 14000 = ca. 10,08 Kubikmeter

      Wenn man Regale nimmt mit einer passenden Tiefe, dann benötigt man bei einer angenommenen Raumhöhe von 2,70m theoretisch:

      70 m / 2,70 m = ca. 26 Regale mit 2,70 m Höhe.

      Berücksichtigt man aber Regalböden mit ca. 1cm Dicke und 1cm "Luft" über den CDs, dann ergibt sich:

      2700mm / (120mm + 20mm) = ca. 19 CD-Reihen pro Regal

      ===

      So, nun aber:

      14000 CDs, aufgeteilt auf 19 CD-Reihen = ca. 737 CD-Säulen

      737 Säulen mal 5mm CD-Breite = ca. 3,70m Breite

      Ergo: Platzbedarf von einem Zimmer mit ca. 4m Breite und Deckenhöhe von 2,70 reicht.

      Muß kein Schloß sein...
      ;)
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)
    • Meine Regale haben Schiebewände, nein man braucht kein Schloß, nur nen guten Schreiner :thumbsup:
      der meine Vorstellung fantastisch umgesetzt hat!
      Da gab es nichts vorgefertigtes, alles Eigenbau! Einmal in den Baumarkt und er nahm alles mit nach Hause, und einen Samstag zum Einbau und alles stand!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Ich rechne mal mit: 14.000 CDs mit einer durchschnittlichen Spieldauer von einer Stunde, 8 Stunden am Tag, 250 Tage im Jahr = 7 Jahre, um einmal durchzukommen und in der Zeit wirklich nichts hinzukaufen und nichts doppelt hören. Letzteres ist wohl nicht anzunehmen (man hat seine Lieblinge), vielmehr ergibt sich mit dem Pareto-Prinzip, dass in diesen 7 Jahren nur 5600 CDs "abgearbeitet" werden - für den Rest gehen nochmals 4 Jahre drauf. Da kann ich dir, lieber palestrina, nur wünschen, dass du lange bei guter Gesundheit bleibst. :P
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Guenther schrieb:

      Ich bin da nicht so ein Hifi-Freak wie Cetay, habe auch nicht so eine tolle Anlage. Mir reicht MP3-Qualität doch tatsächlich aus, kaum zu glauben! :)

      Neue Anschaffungen höre ich sehr sehr oft immer wieder, bis ich denke, ich kann die Stücke mitsingen.
      Ja, als Hifi-Freak mit Fledermausohren erziehe ich mich zwangsläufig zur Bescheidenheit hinsichtlich Quantität. Ich kaufe nämlich alles, das ich haben muss, als bestklingendste Aufnahme (Transfer/Remaster/Format), die es zu bekommen gibt. Diese Tonträger kommen oft aus Japan, wo die Audiophilen dicke und stets offene Geldbeutel haben, weswegen man meint, das auch den Westlern abverlangen zu müssen.
      Allein wegen der stattlichen Investition ist es geboten, sich das immer und immer wieder anzuhören - und für die Begrenzung der Gesamtinvestition ist 64 pro Jahr ein ganz vernünftiger Wert. Also musste ich im Rückschluss definieren, welches die 64 Tonträger sind, die ich ganz wirklich haben muss. Und so unglaublich es klingt: es ist mir gelungen. ^^
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • im Vergleich habe ich eine eher kleine Sammlung mit aktuell knapp 700 CDs, aber prinzipiell sehe ich das so wie Waldi: Natürlich ist da viel dabei, was ich de facto nie höre, aber alleine die Möglichkeit zu haben, jederzeit drauf zugreifen zu können, ist mir das wert. Hat sich durchaus auch schon gelohnt. Und grade im Fall von Boxen ist es auch interessant plötzlich feststellen zu können, "oh, das habe ich ja auch schon" :D
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)