Aufnahmequalität versus Interpretationsqualität

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    • Hallo!

      Vinding schrieb:

      wenn man nicht allzu hochwertiges Hifi-Equipment verwendet. Wenn man jedes Detail hört, hört man eben auch jeden Fehler ganz genau und helles Rauschen besonders deutlich.

      Das sehe ich ganz anders, ich finde das es egal ist ob ich eine aktuelle, -sehr gut gelungene und entsprechend hochwertige Aufnahme abhöre oder eine sehr alte mit all ihren Fehlern daß das Equipment beide male gar nicht gut genug sein kann.

      Bei sehr gutem Equipment treten die Aufnahmemängel quasi hinter die Musik zurück, gerade den Rauschteppich nehme ich nach einer gewissen "Einhörzeit" gar nicht mehr bewusst wahr da er sauber von der Musik getrennt erscheint. Crackler, subsonische Störungen und ähnliche Sachen die vor allem bei Umschnitten von alten Schellacks vorhanden sein können kann man bei hochwertigem Equipment m.E. leichter vom musikalischen Geschehen trennen.

      An den "topfigen" Klang und die stark beschnittenen Hoch- sowie Tieftöne habe ich mich ohnehin längst gewöhnt.

      MFG Günther
    • Ich kann natürlich nur über mein subjektives Empfinden berichten ... ich habe mir jedenfalls extra für die historischen Einspielungen einen nicht allzu transparenten und eher wenig höhenbetonten Midprize-Sennheisser-Kopfhörer zugelegt, ansonsten höre ich mit feiner auflösenden und auch teureren Hörern von AKG, jedenfalls was Klassik betrifft. Mein Gehirn vermag es auch nicht, Störgeräusche etc. erfolgreich zu verdrängen, vielleicht kannst du das besser. Mich stört alles was in den tiefen Lagen schief geht wesentlich weniger als z.B. Rauschen in den eher höheren Frequenzen. Am nervigsten finde ich übersteuert eingefangene Frauenstimmen, die der Sennheiser recht gnädig weichspült.
      ............Das führt unvermeidlich zur Einebnung der jeweiligen Komponistenpersönlichkeit zugunsten der Hervorhebung der sie umgebenden zeitgebundenen Konventionen, soweit wir diese heute verstehen, also zur interpretatorischen Nivellierung der kompositorischen Qualität (Christoph Schlüren)


      Gruß
      Vinding
    • Hallo!

      Möglicherweise ist das einfach eine Sache der Gewohnheit,Während ich z.B. eine Aufnahme wie z.B. Alban Bergs Violinkonzert unter dem Dirigat von Webern mit Lois Krasner als Solist von 1936 noch recht erträglich finde bringt mich z.B. Furtwänglers Aufnahme der 9.Symphonie vom 19.04.1942 an die Grenze meiner Fähigkeit die Störgeräusche auszublenden das ist einfach von Fall zu Fall unterschiedlich.

      Ich denke mal mit der Menge an historischen Aufnahmen die man hört steigt auch die Toleranz für solche Eigenheiten, das Hören findet halt wie auch das Sehen zum größten Teil im Gehirn statt denn hier sitzt die Rechenmaschine die die punktuellen Hör- und Sehvorgänge erst zu einem sinnvollen Ganzen extrapoliert.

      Lautsprecher oder Kopfhörer die etwas zudeckeln können zwar im ersten Moment einen angenehmen Höreindruck vermitteln sind aber in letzter Konsequenz zumindest für mich nicht zielführend, ich möchte schließlich von der jeweiligen Interpretation soviel als möglich mitkriegen. Sonst muß ich mich schließlich doch gar nicht erst hinsetzen und mir die alten Aufnahmen anhören.

      MFG Günther
    • Ich sehe das ähnlich wie Hörbert. Als ich angefangen habe, in größerem Stil CDs zu kaufen, habe ich sehr viele Aufnahmen von Heifetz, Menuhin, Oistrakh und all den anderen großen Geigern aus dieser Generation gekauft. Mich stört das inzwischen überhaupt nicht mehr, selbst so Aufnahmen wie die aus den 1900er Jahren von Sarasate, Joachim etc. kann ich genießen, ohne mich auch nur das geringste bisschen am Klang zu stören. Inzwischen stört es mich sogar manchmal fast, wenn die Aufnahme "zu" "sauber" klingt, irgendwie fehlt mir da manchmal das Flair, auch wenn ich die Aufnahme an sich großartig finde.
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Hallo!


      Nicolas_Aine schrieb:

      Inzwischen stört es mich sogar manchmal fast, wenn die Aufnahme "zu" "sauber" klingt, irgendwie fehlt mir da manchmal das Flair, auch wenn ich die Aufnahme an sich großartig finde.
      Ja, so ähnlich geht es mir auch, -und zwar immer dann wenn ich einige Tage lang ausschließlich alte Aufnahmen die zum guten Teil noch aus der Prä-HiFi-Ära stammen angehört habe-. Dann kommen mir die neueren Aufnahmen zuweilen etwas zu "unmittelbar" vor und es dauert gewöhlich seine Zeit bis ich "umgeschaltet" habe.

      MFG Günther
    • In irgend einem Forum las ich einmal sinngemäß, es sei eine der Tragiken des 20. Jahrhunderts, dass die UdSSR nicht ein Promill dessen, was sie an Geld in die Raumfahrttechnik gepumpt hat, für die Entwicklung der Tontechnik ausgegeben habe... :D

      Was wäre doch die Aufnahmegeschichte ärmer, wenn nicht solche Aufnahmen überliefert worden wären wie die Streichquartette Beethovenes durch das Busch Quartett, dessen Klaviersonaten durch Schnabel, die Debussy-Cellosonate durch Maréchal oder das Tchaikovsky-Violinkonzert durch Elman, usw.!

      Mich stören an alten Aufnahmen nur die frühen Remaster-Arbeiten, bei denen zu sehr das Rauschen auf Kosten der Höhen eliminiert worden sind. Davon gekomme ich Kopfweh so wie auch von der Unart heute, in der Musik die Dynamik unnatürlich angehebend zu nivelieren oder durch ausgedürrte Tongerippe mieser mp3 mittels Handys oder Minianlagen die Luft zu verschmutzen :evil:
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Hallo!


      ab schrieb:

      ass die UdSSR nicht ein Promill dessen, was sie an Geld in die Raumfahrttechnik gepumpt hat, für die Entwicklung der Tontechnik ausgegeben habe...
      Hmm, ich habe sehr gute alte (mono) Melodiya-Aufnahmen (noch auf Schallplatten) die den "westlichen" Aufnahmen in nichts nachstehen.

      Erst mit der Ära der Digitalaufnahmen geraten die "Ostaufnahmen" so richtig ins Hintertreffen aber wenn ich einige der wenigen alten Melodiya-Aufnahmen aus den späten 60gern bis zum Ende der 70ger Jahre die ich besitze mit zeitgleichen Aufnahmen aus dem Westen vergleiche sind sie zumeist auch nicht schlechter als sagen wir mal die Machwerke der CBS.

      Klanglich furchtbar waren allerdings die "Übernahmen" der Melodiya-Aufnahmen durch die "Ariola" .



      ab schrieb:

      Mich stören an alten Aufnahmen nur die frühen Remaster-Arbeiten,

      Na ja Restaurationsmaßnahmen sind eigentlich immer ein zweischneidiges Schwert. Gut gemacht wie z.B. bei den alten Aufnahmen des Busch-Quartetts die Warner gerade wieder einmal verlegt können solche Maßnahmen durchaus ein Gewinn sein wie ja auch Chesky mit der Leibowitz-GA der Beethoven-Symphonien bewiesen hat. Wenn es allerdings nur darum gewht das mehr oder weniger historische Klangbild alter Aufnahmen aus der prä-digital-Ära zu kaschieren und die Sachen noch einmal an den/die Mann/Frau zu bringen ohne das es sofort auffällt wie alt die Sachen schon sind hört bei mir der Spaß auf, hier wird m.E. in aller Regel mehr kaputt gemacht als gerettet.

      Dann doch lieber die Rohaufnahmen mit Kratzern Cracklern und schleichgeräuschen und was der Dinge mehr sind.

      MFG Günther
    • Hörbert schrieb:

      Hallo!

      Anlässlich des Durchhörens einiger Aufnahmen des Busch-Quartetts ( alte Schellack-Umschnitte auf CD´s) habe ich mir die Frage gestellt wie ihr das wohl so seht, sind für euch die Interpretationsqualität ungeachtet der Aufnahmequalität der wichtigste Punkt oder gibt es hier eine Grenze die durch die Qualität der Aufnahme gesetzt wird?

      Die von mir erwähnten alten Aufnahmen aus den 30-40ger Jahren sind so z.B. weit unterhalb dessen was man als HiFi-Qualität bezeichen kann und für einige meiner Freunde und Bekannten eine (wie sie sich ausdrücken) "unerträgliche Zumutung".

      MFG Günther
      Meine Leidensfähigkeit ist in dieser Hinsicht fast unbegrenzt. Die klangtechnisch schlechteste Aufnahme in meinem Fundus ist die wütende Neunte unter Toscanini aus dem Teatro Colon von 1941. Die ist wirklich mies, aber ich schmeiße jede andere sterile Nachkriegsproduktion dafür weg. Wahrscheinlich täuscht sie sogar wegen der Verzerrungen und den unnatürlich präsenten Pauken (man könnte meinen, das Mikrophon sei innerhalb der Pauken platziert gewesen) mehr dramatische Wucht vor, als tatsächlich an diesem Tag zu hören war. Aber was solls - die Aufnahme erfüllt den Auftrag, dem Hörer das selige Lächeln auszutreiben, mit Bravour.
      ;)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Cetay schrieb:

      Meine Leidensfähigkeit ist in dieser Hinsicht fast unbegrenzt.
      Dem kann ich mich nur anschließen. Mein Einstieg in die Klassikwelt war ja Callas und als ich anfing sie zu sammeln, landete ich ganz schnell bei ihren Live-Aufnahmen. Die sind ja bekanntermaßen von teilweise unterirdischer Tonqualität. Das hieß es dann tapfer sein oder sich zu beschränken. Ich entschied mich für's Tapfer sein und gewöhnte mich in den nächsten Jahren dann an's Rauschen. Ungern, aber dafür wird man in der Regel durch eine ganz besondere Dramatik entlohnt. Nicht nur bei der Callas.

      Heute sammele ich aus allen Epochen. Eine meiner ältesten Aufnahme ist ein kurzer Otello-Ausschnitt (diesmal Shakespeare) gesprochen von Edwin Booth (dem Bruder des Lincoln-Mörders) vor 1893. Man hört in diesem Fall quasi gar nichts. Und trotzdem fasziniert mich beim Anhören die Idee, dass hier noch einmal das 19. Jhrdt. direkt zu einem spricht.

      Zudem finde ich es interessant, gerade im Gesangsbereich, Entwicklungen kennenzulernen, unterschiedliche Gesangstechniken auch in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu setzen und letztlich auch durch das Hören 'ferner Welten' heutige Standards besser einordnen zu können.

      Wunderbare Sammlungen diesbezüglich sind z.B.:



      oder auch:



      :hello Falstaff
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