'Lohengrin' - Bayreuth 2018

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    • 'Lohengrin' - Bayreuth 2018

      Es wundert mich schon a bissel, dass noch niemand etwas zur neuen Premiere und zur Saisoneröffnung in Bayreuth geschrieben hat. Nun denn, fange ich halt mal an.

      Diesmal gab es als Premiere den 'Lohengrin' in der Inszenierung von Yuval Sharon und mit den Bühnenbildern, in der Ausstattung von Neo Rauch und seiner Gattin Rosa Loy. Christian Thielemann dirigiert und macht somit als wohl erster Dirigent in der Bayreuther Geschichte alle Zehne voll.

      Wie schon häufiger bemerkt, bin ich kein Freund von Oper auf DVD oder entsprechenden Übertragungen. So sah ich auch gestern, frisch aus einem Dänemark-Kurzurlaub zurückgekehrt, nur den Schluss des II. Aktes und dann den III. Immerhin machte mich das so neugierig, dass ich heute noch den Rest nachschob.

      Wie in heutigen Kritiken üblich, fange ich mal mit der Inszenierung an.

      Sie lässt mich einigermaßen ratlos zurück. Aber immerhin nicht so, dass ich keine Lust hätte, mich näher mit ihr zu beschäftigen. Der erste Eindruck hat mich ziemlich geflasht. Ein wunderbar ästhetisches Bühnenbild, interessante Kostüme. Und dann eine größtenteils belanglose Regie. Und genau da bin ich mir nicht sicher. Soll es der große Gegenentwurf zur Bühnenästhetik sein oder soll hier ein vielleicht ein Kommentar abgegeben werden zur gängigen Regietheatermanie, vielleicht eine Brücke geschlagen werden. Sind bestimmte Regieeinfälle nur gewollt tiefschichtig (Energie, Binden der jeweiligen Partner, Flügel), hat Sharon Probleme gehabt mit der schon festgelegten Bühne oder ist mir da manches schlichtweg entgangen? Komischerweise ist es aber eine Inszenierung, die bei mir Lust auf nähere Beschäftigung auslöst.

      Das liegt mit Sicherheit bei mir an der Ästhetik, aber auch an bestimmten interessanten Details in der Personenführung. Und auch an der Hoffnung, dass das doch nicht alles gewesen sein kann.

      Vielleicht hilft mir ja hier auf die Spur. :)

      Beczala als Lohengrin fand ich ganz hervorragend. Eine Erholung geradezu gegenüber dem blutarmen Vogt. Er ist nicht mein idealer Lohengrin, aber wenn man bedenkt, dass es heutzutage kaum noch wirkliche Wagner-Sänger gibt, so wie ich sie verstehe, war er schon hervorragend. Die Bindung zum italienischen Fach ist beim 'Lohengrin' ja nicht unbedingt von Nachtteil. Persönlich hätte ich mir mehr Durchschlagskraft gewünscht, aber immerhin hat er es wunderbar auf Linie gesungen, auch was Phrasierung, Stimmschönheit und Wortdeutlichkeit angeht, war er toll.

      Die Harteros mochte ich eigentlich noch nie. Ihre erste Arie habe ich noch im Radio gehört und war wieder einmal leicht schockiert. Beim Wiederhören, bzw. Sehen war ich allerdings von ihrer ganz besonderen Phrasierungsart und ihrer Dramatik schlichtweg begeistert. Das ist endlich einmal kein naives Dummerchen, sondern eine Frau mit Geschichte. Toll!

      Zeppenfeld (hier als Heinrich) war nie so mein Fall. Toller Bass und auch hier wieder durchaus eindrucksvoll. Allerdings fehlt mir da doch ein wenig das wirkliche Bassfundament, die volltönende Tiefe.

      Tomasz Konieczny als Telramund war darstellerisch wirklich eindrucksvoll, allerdings frage ich mich, warum man auf einen Sänger zurückgreifen muss, der so eine schlechte Aussprache hat. Stimmliche Mängel (und die gab es nun wirklich zuhauf, will ich mal der Premierensituation zuschieben).

      Bleibt (neben dem anständigen Heerrufer von Egils Silins) noch die Ortrud von Waltraud Meier. Zunächst hat es mich gefreut, dass sie nach 18 Jahren (!) wieder auf dem Hügel zu hören ist. Dann hatte ich Befürchtungen, dass sie sich in ihrem Alter mit dieser Partie übernehmen würde. Und dann war ich nur noch gebannt. Natürlich sind die altersbedingten Probleme der Stimme ziemlich klar. Kondition, Höhe, auch fehlende Tiefe durch jahrelanges Singen von zu hoch liegenden Rollen. Aber was diese Frau aus dieser Rolle gemacht hat, ihre Darstellung, ihre Ausdrucksfähigkeit, ihre künstlerische Intelligenz, auch ihr Wissen und ihr Umgang mit ihren eigenen 'Beschränktheiten' - das ist schon sensationell. Und der Jubel am Ende vor dem Vorhang zeugte nicht nur davon, sondern war natürlich auch Respekt vor ihrer Lebensleistung in Bayreuth.

      Und dann Thielemann. Er ist wirklich der beste Wagnerdirigent unserer Zeit. Vor allem jemand, der sich immer weiter entwickelt, der immer neue Facetten aus einem Werk herausholt. Und der jedem Werk in Gänze gerecht wird. Jemand, der den 'Wagner-Sog' hat, der ihn aber auch auffächern kann, das Orchester hell und leuchtend und klar klingen lassen kann. Schade, dass er bei den meisten seiner Wagner-Aufnahmen ein doch nur recht mediokres Ensemble zur Verfügung hatte. Hier, endlich, war es anders. Endlich einmal war Bayreuth sängerisch fast wieder auf der Höhe seiner Zeit.

      Dass es die Fülle an hervorragenden Wagnersänger heutzutage nicht mehr gibt, ist bekannt. Das berücksichtigend, war es wenigstens musikalisch wirkliches Festspielniveau.

      br-klassik.de/concert/ausstrahlung-1485790.html

      :hello Falstaff
    • Lieber Falstaff, ich habe momentan nichts, aber auch garnichts mit dieser Art von Musik zu tun, deshalb auch meine Abstinenz hier im Forum, ich höre ausschließlich (seit mindestens einem Jahr) nur noch Renaissance und Barockmusik. Ich bin so glücklich damit ich kann es garnicht sagen!!
      Also sorry, das ich nichts dazu beitragen kann!
      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      Lieber Falstaff, ich habe momentan nichts, aber auch garnichts mit dieser Art von Musik zu tun, deshalb auch meine Abstinenz hier im Forum, ich höre ausschließlich (seit mindestens einem Jahr) nur noch Renaissance und Barockmusik. Ich bin so glücklich damit ich kann es garnicht sagen!!
      Also sorry, das ich nichts dazu beitragen kann!
      LG palestrina
      Lieber Palestrina,

      das nenne ich mal eine Kehrtwende. Und es ist in der Tat glücklich, nochmal so viel Neues zum Erkunden zu haben. Ich gehe gerade den anderen Weg und konzentriere mich momentan fast nur auf einige ausgewählte Bestände im Hörrepertoire und vermeide Neues ganz bewusst. Dabei weiß ich durchaus, dass es für mich im Barock vieles zu entdecken gäbe - aber wenn ich dieses Fass jetzt auch noch aufmache, dann komme ich nie zur Vertiefung dessen, von dem ich schon weiß, dass es mit Tiefen und Untiefen aufwartet, die ich noch nicht mal ansatzweise extrapoliert habe.

      Warum erklärt der Fakt, dass du nichts mehr mit dieser Art von Musik zu tun hast, deine Abstinenz im Forum? Renaissance und Barock sind doch auch Klassik i. w. S.
      Mich würde schon interessieren, wie es zu dieser Veränderung bei dir gekommen ist, welche Werke und Aufnahmen dich bekehrt haben, was für dich die Must Hears sind, u.s.w.
      Und vielleicht kannst du ja den einen oder die andere anfixen...

      Das ist jetzt doch arg weg vom Thema, deshalb zu Wagner wenigstens der Kommentar, dass ich wie du momentan nichts, aber auch gar nichts mit dieser Art von Musik zu tun habe, nur dass es bei schon immer so war und -da bin ich mir sicher (naja, fast sicher)- immer so bleiben wird. Mehr kann ich leider auch nicht beitragen. :A
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Hallo ihr!
      Ich habe mir eben die Aufführung in TV angesehen. Wie Falstaff hat mir das Äußere der Darstellung zunächst mal richtig gut gefallen. Die Kostüme wie alte Rembrandtbildnisse mit breiten weißen Kragen und hohen schwarzen Hüten - allerdings nicht einheitlich, es waren ein paar interessante Brüche dazwischen, zum Beispiel nachgemachte Jogginganzüge. Alle geflügelt wie Motten, die vom Licht angezogen werden. Lohengrin erschien im Monteuranzug mit einem Schwert, das aussah wie das Symbol für Elektrizität. Im wahrsten Sinn des Wortes einleuchtend.
      Die Personenführung war demgegenüber erstaunlich statisch, um nicht zu sagen langweilig. Frau Harteros erklärte in einem kleinen Interview, das Thielemann "nie zweimal dasselbe macht" und sie daher, wie vermutlich alle anderen Sänger auch, ihn ständig im Blick behalten müsse. Wenn das so stimmt, wäre das eine ziemliche Einschränkung der Beweglichkeit. Könnte da was dran sein?
      Bezcala fand ich großartig. Alagna soll abgesagt haben - ich weiß nicht, ob ich ihn als Lohengrin ertragen hätte. Der einzige andere Lohengrin, den ich kenne, ist Jonas Kaufmann (Vogt kenne ich nur von ein paar Youtube-Szenen her), und Bezcala gefiel mir jedenfalls besser als Kaufmann. Aber ich würde mir mal einen Tenor als Lohengrin wünschen, der eine insgesamt dunklere Stimme hat.
      Das Auftreten des Herzogs von Brabant am Schluss empfand ich erstmal als befremdlichen, um nicht zu sagen doofen Witz. Ein pelziges grünes Männchen mit einem leuchtenden Kaktus in der Hand. Tante Google hat mich belehrt, dass er ein Ampelmänchen darstellt. Ich fand, er sah lächerlich aus und entwertet die Inszenierung. Aber ich versteh ja nichts davon.
      Ich kann sonst nicht viel dazu sagen. Die Dialoge zwischen Telramund und Ortrud höre ich immer nur so nebenher, da sie mir musikalisch einfach zu wild sind. Vielleicht sollte ich mich mal näher damit beschäftigen.
    • Ich habe mir die Aufführung vorhin auch angesehen und kann dem Gesagten eigentlich nur zustimmen. Die Inszenierung war ästhetisch ansprechend, aber für über 3 Stunden etwas langweilig. Der grüne Gottfried hat mich auch etwas irritiert, an ein Ampelmännchen hatte ich dabei gar nicht gedacht, eher an einen Außerirdischen. Musikalisch gefiel es mir sehr. Beczala ragte dabei heraus. Für Lohengrin gefällt mir eine hellere Stimme auch besser als ein schwerer Heldentenor. Harteros blieb als Figur etwas blass, klang aber als Elsa durchaus schön. Waltraut Meier und Georg Zeppenfeld überzeugten darstellerisch am meisten. Koniecznys Aussprache fiel mir weniger negativ auf als Falstaff, er sang jedoch ziemlich undifferenziert im Dauer-Forte.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)