Was höre ich gerade jetzt - neben der Klassik

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    • Noch ein Nachtrag vom Sonntag, der erst mal nachwirken musste bevor er nachgetragen werden konnte. Ich habe die Disintegration Loops am Stück und in voller Länge (4:55h) gehört. Der Kritiker von Pitchfork meinte, dass die Stücke in Beziehung zueinander noch mächtiger werden. Und er hat recht. Das ist ein Trip, den man nicht alle Tage erlebt. Wie es sich für Ambient-Musik eigentlich geziemt, kann man das auch nebenher hören. Ich bin also nicht die ganzen 5 Stunden konzentriert im Hörsessel geklebt, sondern habe ab und zu kurz ein Buch zur Hand genommen oder gar in der Küche gewerkelt - aber die meiste Zeit zog mich das dann doch so in den Bann, dass ich mich wieder ganz diesen Klängen widmen musste. Am mächtigsten und am unnachgiebigsten finde ich dlp 1. Das am Morgen um 9, draußen alles eingefroren und verschneit, der Himmel stockgrau... Das schafft Emotionen, eine seltsame Ambivalenz von Trauer und tiefster Zuversicht, die mir eben nicht vom Komponisten reingedrückt werden, sondern durch einen simplen physikalischen Zerfall, der metaphorisch die Vergänglichkeit in Klänge fasst, ausgelöst werden. Was für Musik!

      @tapeesa
      In einer Zeit in der das Unverrückte zur Ausnahme wird, wirkt das Normale pervers. In diesem Sinne gehen wir ganz d'accord.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • So, es ist offiziell. Mit Basinskis Selva Oscura kann ich gar nichts anfangen, fuer mich sind es einfach nur Toene, die unzusammenhaengend im Klangraum rumschweben. Jetzt hoere ich mir die Disintegration Loops an.

      Update ... und die sind wesentlich spannender.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von dewi ()

    • Hier noch meine Musikempfehlung zum Wochenende, Dwiki Dharmawan's fantastisches Album "Pasar Klewer": Moderner Jazz mit sehr gelungenen Verknuepfungen mit javanischen Musikelementen. Die Verbindung ist hervorragend, nicht kitschig, sondern die traumartigen 12ton-Melodien verknuepft mit rockigem Jazz, audiophil porduziert. Eine atemberaubende Reise nach Indonesien und gleichzeitg in einen New Yorker Jazz Club. Cool!

      Pasar Klewer

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    • Art Lande (Klavier) / Jan Garbarek (Flöten, Sopran-& Baß-Sax) - Red Lanta
      (LP. ECM, 1974)

      Die idealen Klänge an einem Sonntagmorgen - am Fenster stehend, zu beobachten, wie Regen & Schnee beim Kampf um die Oberhand wetteifern, die weißen Massen der vergangenen Woche tauen & das Grün der Felder, Wiesen & Wälder (vorläufig) wieder hervorkommen zu sehen.
      Eine beglückende Form des Nichtstuns...
    • Hach, Red Lanta. Zu Studenten-WG Zeiten lief das Tag und Nacht von vorne bis hinten. Eines meiner absoluten Lieblingsalben seinerzeit. Was dieses Duo and Farben zaubert, wie es unter dem Deckmantel von Schönheit Spannung und Entspannung in der Balace hält, fand ich beglückend. Irgendwann verliehen und nie wiedergesehen, habe ich das Album total vergessen. Danke für die Erinnerung, ich lade es gleich bei Spotify runter. Mal sehen, wie es 30 Jahre später rüber kommt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

    • Franz Josef Degenhardt - Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen
      (LP, polydor, 1973)

      Bei einem letzten Glas & Kerzenschein.
      Aus einer Zeit, in der radikale Köpfe oft vielleicht nicht weniger wirr waren als heute. Dafür war das, was sie dachten, sagten, sangen: ihre Überzeugungen. & nicht bloß ,wie heute zumeist, reine Etiketten ohne Inhalt.
      Dies war die Musik meiner großen Geschwister & meiner Alt-68er-Pauker. Wenn ich mich heute auch als freien Geist verstehe - das hier hat mich geprägt.

      Diese Singstimme muß nicht schön oder geschult sein & kann einen doch im Innersten packen...

    • Lauren Newton - Filigree

      Lauren Newton, Stimme
      David Friedman, Vibraphon
      Thomas Stabenow, Baß
      Manfred Kniel, Schlagzeug
      (CD, hat, 1998. erweitertes Reissue des Debut-Albums Timbre von 1982)

      Abgesehen vom hochvirtuosen Klamauk-Stück Conversations höre ich das Album erstmals seit mindestens 10 Jahren - als Vorbereitung auf Adriana Hölszky.
    • Der Schweizer Extrem-Metal-Künstler Paysage d'Hiver arbeitet seit 20 Jahren an seiner Geschichte über die Winterwelt und veröffentlicht regelmäßig Fortsetzungen über sein Kunsthall-Label. Mittlerweile hat er über 11 Stunden im Kasten. Verpackung und Musik bilden bei den Digibooks eine Einheit, weswegen Downloads nur die halbe Wahrheit sind. Wir hören Ambient-Tastenklänge, Natur-Samples, bis zum weißen Rauschen verzerrte Gitarren und kaum hörbaren, weil weit nach hinten gemischten, dafür umso beklemmender wirkendenden, ultrafiesen Krächz-Kreisch-Gesang - das ist alles sehr repetitiv und minimalistisch und wurde mit einem betont rohem Lo-fi Klangbild produziert. Ich finde es faszinierend, wie hier klirrende Kälte musikalisch evoziert wird.
      (Wobei man das gerade auch einfacher haben kann, indem man vor die Tür geht. :D )

      Mein absoluter Lieblingsteil ist die mit Einsamkeit betitelte Produktion, die allerdings durch ihre einseitige Ambient-Lastigkeit eher untypisch für das Projekt ist. Als bestes Album gilt das selbst-betitelte, aber das ist mir dann doch einen Ticken zu abweisend kalt, sperrig und niederdrückend: Das Cover (rechts oder unten) trifft voll ins Graue.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Dio; Angry Machines

      Anno '96 hat Ronnie James Dio es gewagt, seinen Classic Hard Rock Sound um moderne Elemente zu bereichern und fiel prompt bei Fans und Kritikern durch. Dabei ist das richtig gut. Neophobie gibt es nicht nur in Klassik-Zirkeln...
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)


    • Tom Scott & The New York Connection, Live at the Bottom Line (NY, Feb 26-29, 1976)
      Tom Scott (Tenorsaxophon), Richard Tee (Tasteninstrumente), Eric Gale (Gitarre), Hugh McCracken (Gitarre), Chuck Rainey (Bassgitarre), Steve Gadd (Schlagzeug), Ralph McDonald (Perkussion)
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    • Weiter im Big Band-Fieber geht es zurück an die Anfänge mit dem Fletcher Henderson Orchestra:


      The Complete Louis Armstrong with Fletcher Henderson, 1924-25




      The Harmony and Vocalion Sessions, Volume 1 & 2, 1925-28
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Für die Abend-Session nach Büroschluss bei einem Fläschchen Trollinger warten noch weitere Feinheiten aufs Strömen:


      Stan Kenton; Adventures in Time


      Thad Jones / Mel Lewis Big Band; Live Session (feat. Eddie Daniels, Joe Farrell, Pepper Adams, ...)

      Was für ein Aufgebot... 8o
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

    • Stan Kenton; Adventures in Blues

      Die hatte ich gestern noch nachgeschoben. Es ist faszinierend, wie unterschiedlich die Zeit- und Blues-Abenteuer geraten sind, obwohl die Besetzung fast identisch ist und weniger als ein Jahr zwischen beiden Aufnahmen (1961-62) liegt. Die Erste ist abstrakt, experimentell, swingt kaum, kommt ohne memorable Melodien daher und könnte beinahe als Third Stream durchgehen. Die Andere swingt und groovt wie die Sau, steckt voller Ohrwürmer und wirkt wie eine Hommage an die 30er - freilich aufgrund der gemäßigten Tempi und der modernen Arrangements ohne die Tanzband-Attitude der alten Big Bands. Beide Alben gefallen mit außerordentlich gut. Es gibt noch weitere Adventures (in Jazz, in Standards), auf die ich schon höchst gespannt bin. Insgesamt hat Kenton 46 Studio-Alben vorgelegt und er ist nur einer von mindestens zwei Dutzend Jazzorchesterleitern, die man kennen "sollte" - ein reiches Betätigungsfeld, das es umzupflügen gilt.

      Um eine CD mit dem u.g. Titel hätte ich bislang -zu Unrecht falsch vorverurteilend- einen großen Bogen gemacht. Aber Kenton hat mich neugierig gemacht und landet auch hiermit bei mir einen Volltreffer.


      Stan Kenton; Cuban Fire
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • "Cuban Fire" ist eines seiner wirklich besten Alben überhaupt gewesen.

      Wer sich über die Jahre 1948 -1962 ein Bild machen möchte, sollte hier zugreifen :

      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Und hier bekommt der Hörer in Stereo aus dem Jahre 1956 einen Überblick über Kentons Schaffen der 1940-er Jahre. Teilweise mit den Original-Solisten, in einer wirklich sehr guten Aufnahme-Qualität:




      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)