Was läuft gerade auf der Mattscheibe?

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    • Was läuft gerade auf der Mattscheibe?

      Da ich gerade die 1. Staffel ausgeliehen bekam, muss ich meine Hitchcock-Wochen wohl noch weiter unterbrechen.



      So richtig begeistert es mich noch nicht. Die Fälle finde ich nicht so richtig gut konstruiert, an sie muss man sich wirklich gewöhnen und Humor, gerade diesen typisch englischen, unterschwellig, skurril, mit leichter Hand serviert, suche ich irgendwie vergebens.
      Aber immerhin spielt es in Newcastle und Yorkshire und das weckt einfach einen Haufen Erinnerungen.

      :hello Falstaff
    • Gerade läuft nichts, aber für heute Abend habe ich mir als Begleitung zu ein paar Gläschen Whisky das hier zur Zweitbegutachtung vorgenommen:



      Audition
      Regie: Takashi Miike; Darsteller: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina

      Ich sitze ganz selten vor der Mattscheibe und als Grund dafür kann ich wiederholen, was ich im Lesethread gesagt habe. Hat man mal zusammenhängend ein paar Stunden für sich zuhause Zeit, dann müssen erst mal Grundsatzfragen geklärt werden. Lese ich ein Buch, schaue ich einen Film oder höre ich Musik? Meist entscheide ich mich für Musik...

      Wenn es mal ein Film sein soll, dann darf es gerne Nippon-Horror sein. Die eigentlich ungenießbare Mischung von Philosophie mit extremer Gewalt, die sich im diesem Genre immer wieder zeigt, finde ich faszinierend. Während feinsinniger Horror mehr andeutet als er zeigt und sich das Grauen erst im Kopf des Zusehers manifestiert, nimmt Takashi Miike den Weg ins andere Extrem. Er zeigt so direkt und übertrieben, dass es über stilisiert wirkt und dadurch Faszination unter das Grauen schmuggelt. Ich spekuliere mal haltlos, dass Manchen, die einen solchen Film nicht durchstehen, einfach vor ihrer eigenen Faszination graut - ich finde das jedenfalls hochgradig verstörend.
      Es dauert freilich sehr lange, bis sich die unfassbar kalte Gewalt entlädt. Davor werden die Charaktere glaubhaft und vielschichtig eingeführt. Ein Mann sucht nach dem Tod seiner Frau eine neue Beziehung und fingiert zum Kennenlernen ein Vorsprechen für Schauspielrollen. Dem lange gewöhnlich vor sich hin mäandrierenden Handlungsstrang wird ganz langsam der Boden entzogen, bis surreale Elemente nach und nach die Oberhand gewinnen. Am Ende weiß man nicht mehr was Traum, Wahn oder Realität ist und ich will es auch gar nicht wissen. Ich kann es nicht leiden, wenn ich nach dem Ende eines Films gefragt werde, wie ich das jetzt interpretiere oder noch schlimmer auf vermeintliche Logiklücken aufmerksam gemacht werde. Die Nachwirkung ist viel besser, wenn man das für sich selbst offen lässt. Das ist sicher kein gewöhnlicher Film, wie alles von Miike, das ich kenne. Mal sehen, vielleicht lege ich Miike-Tage ein. Für Wochen reichen die drei DVDs in meiner Sammlung dann doch nicht... ;)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Ich habe auf einem Langstreckenflug den Film Whiplash gesehen. Das einzige, was ich darüber gelesen habe, war die Kurzbeschreibung im Bordprogrammheft: A young drummer (MIles Teller) finds himself challenged by an instructor (J.K. Simmons) known for his terrifying methods. Das reicht völlig aus. Mehr muss, mehr soll, mehr darf man nicht wissen. Jede Synopsis, jeder Trailer, jede vorab gelesene Kritik wecken Erwartungen, schaffen Voreingenommenheit und setzen Spoiler. Die Wirkung verflacht. Das gilt freilich für jeden Film. Die allerbesten waren die, über die ich im Vorfeld absolut nichts wusste. Musik, insbesondere Jazz zu mögen, ist als Vorrausetzung freilich nicht verkehrt. Ich habe, nachdem ich ebenso in innerlicher Aufruhr wie paralysiert den Abspann angestarrt habe, sofort nochmal von vorne angefangen.



      Warum poste ich einen Filmtipp, wenn ich nichts darüber schreiben will? Weil hiermit erklärt ist, warum ich jetzt mal für eine gute Weile für die Klassik verloren bin. Jazz muss es sein.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ich fand den Film cool, wenn auch einiges furchtbar überzeichnet und manches musikalisch blödsinnig ist. Aber allein Simmons' Leistung macht den Film sehenswert. Ich müsste ihn mir tatsächlich auch gleich zweimal anschauen. Und ja, der Film kann das Feuer für Jazz trotz allem entfachen!
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Den Thread hatte ich neulich schon entdeckt und bin sofort beim ersten Beitrag (Vera - ein ganz spezieller Fall) hängen geblieben -
      Es ist mir ein Rätsel, wie mir diese Serie bisher entgehen konnte ...

      Habe in Binge-Watching Manier jetzt die 2. Staffel gesehen, da sie gerade bei SAT1Gold in der Mediathek verfügbar ist und bin ganz glücklich.
      Weil ich mag es sehr, in all der Unaufgeregtheit und mit den Macken + die Landschaftsinszenierungen, Bilder -
      die erste Staffel habe ich mir nun bestellt - die dritte Staffel ist ab Freitag wöchentlich dort zu sehen, wenn ich es richtig auf dem Schirm habe, und dann auch in der Mediathek erstmal.
      Dann mal weiter sehen. In der Bücherei gibt es noch ein, zwei Staffeln, habe ich gesehen, falls es mich so packt, dass ich alle Staffeln nach und nach sehen mag.

      Großen Dank, fürs Posten hier @Falstaff, auch wenn dir die Serie nicht ganz so gut damals gefallen hat.
      "Das Hören auf andere Stimmen, Gegenstimmen und Dissonanzen
      — die Regeln der Musik spiegeln das Leben selbst."
      Yehudi Menuhin

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von tapeesa ()