Was lese ich gerade?

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    • Was lese ich gerade?

      Patricia Highsmith: Die gläserne Zelle



      Ich weiß nicht. Früher las ich die Highsmith mal sehr gerne. Aber entweder ist ihre Zeit vorbei (glaube ich eigentlich nicht) oder ich bin ein anderer geworden oder ich lese gerade die eher schwächeren Bücher von ihr. Jedenfalls quäle ich mich mit diesem Knast- und Eifersuchtsroman ziemlich. Gut, noch bin ich nicht fertig, aber ich denke nicht, dass das Buch im letzten Viertel noch mal Fahrt aufnimmt.
      :hello Falstaff
    • Offensichtlich liest hier auch niemand Bücher. Ich versuche es trotzdem nochmal.

      Im Moment ist es Christopher Isherwoods 'A Single Man'.



      Die Geschichte eines schwulen Außenseiters im Los Angeles der 60iger Jahre mit einem bösen, desillusionierten Blicks auf seine Umwelt. Einsamkeit und Scheitern sind die Themen. Verfilmt mit Colin Firth und Julianne Moore. Ich erinnere mich vor Jahren einmal 'Lebwohl Berlin' (Vorlage zu 'Cabaret') gelesen zu haben, von dem ich ziemlich enttäuscht war. Aber dies ist perspektivisch und inhaltlich, mit diesem wirklich bösen Blick auf die Gesellschaft großartig.

      :hello Falstaff
    • Falstaff schrieb:

      Offensichtlich liest hier auch niemand Bücher. Ich versuche es trotzdem nochmal.
      Ich muss in der Tat eine Weile nachdenken, wann ich das letzte Mal ein Buch gelesen habe, das man hier vorstellen kann. Es ist immer das gleiche leidige Thema. Hat man mal zusammenhängend ein paar Stunden für sich zuhause Zeit, dann müssen erst mal Grundsatzfragen geklärt werden. Lese ich ein Buch, schaue ich einen Film oder höre ich Musik? Meist entscheide ich mich für Musik, aber damit hört die Qual nicht auf. E-Musik oder U-Musik? Zur Zeit stehe ich auf Rock-Monumental-Epen, die sich über 3 oder gar 8 CDs hinziehen. Das ist dann eine abendfüllende Angelegenheit. Wie kann jemand in einer Woche 5 Filme schauen, 10 CDs hören, 2 Bücher lesen und das alles noch rezensieren? Vielleicht lebst du in einem Paralleluniversum, in dem der Sekundenzeiger langsamer über das Zifferblatt gleitet oder ich habe einfach den falschen Beruf gewählt. ;)

      Wenn die Wahl doch mal auf ein Buch fällt, dann geht es weiter: Sachbuch oder Belletristik? Über die Jahre habe ich festgestellt, dass mich ein gutes Sachbuch mehr befriedigt, als ein besserer Roman. Die Liste der in letzter Zeit angefangenen und wieder unterbrochenen Romane ist lang - wenn er mich nicht absolut hineinzieht, dann meldet sich halt sofort die Instanz in mir, die lieber Musik hören will. Und dann lerne ich nebenher noch Kantonesisch, was nicht gerade die einfachste Sprache ist. Aber immerhin lese ich in diesem Zusammenhang ein Buch:



      Didaktisch besser kann ich mir das kaum vorstellen. Es gibt 25 Kapitel, die sich mit einem bestimmten Themenbereich (die üblichen Verdächtigen: Begrüßung, Zahlen, Essen, Wetter, usw...) befassen. Zunächst werden die nötigen Vokabeln vorgestellt, dann gibt es einen Dialog, anhand dessen im Nachgang der Satzbau und die Grammatik erklärt wird. Und es gibt immer wieder eingeschobene "Discovery"-Abschnitte und "Language-Tips", die mit den Besonderheiten der Sprache vertraut machen. Dabei wird auch auf das kulturelle Umfeld eingegangen und das alles auf sehr unterhaltsame Weise. Der Vokabeldrill erfolgt dann per App. Und das ist für mich ein großer Kritikpunkt. Anders als beim Mandarin hat sich für Kantonesisch keine Umschrift (man sieht den chinesischen Schrift-Zeichen nicht an, wie sie ausgesprochen werden, deshalb braucht man eine Romanisierung) als Standard durchgesetzt. Während fast alle Online-Kurse die Jyutping-Umschrift benutzen, bei der die Tonhöhe und Richtung mit einer Zahl festgelegt wird, benutzen fast alle Lehrbücher das Yale-System, das mit diakritischen Zeichen arbeitet und zusätzlich noch den Buchstaben "h" zur Differenzierung der tiefen Töne benutzt. Auch die Konsonanten werden anders benannt. So lautet 早晨 (guten morgen) in der einen Umschrift zou2 san4 und in der anderen jóu-sàhn. Da legt man sich als Neuling besser auf ein System fest, oder? Pustekuchen! Das Buch benutzt die eine und die Vokabel-App fürs Smartphone die andere Umschrift. Ich meine, was soll das? Ich habe mir anfangs damit geholfen, dass ich die Dialoge aus dem Buch abgeschrieben und in Jyutping übertragen habe. Das hatte durchaus einen Lerneffekt - vielleicht ist das ja die Absicht dahinter. Mittlerweile geht es auch ohne, aber für diese unnötige Quälerei des Anfängers gibt es dicken Abzug. Wir leben im 21. Jahrhundert, die Mehrzahl der Menschen lernt Sprachen mit Apps - da muss eine Neuauflage her, die dem Rechnung trägt und auch im Buch die zeitgemäße Umschrift benutzt.

      Abgesehen davon. Es macht tierischen Spaß, eine Sprache zu lernen, die mit den uns bekannten so rein gar nichts zu tun hat. Ein völlig anderes Konstrukt fast ohne Grammatik - ich frage mich, wie man sich da überhaupt verständigen kann und versuche mir die Antwort zu geben, indem ich es lerne. In schätze, in 10 Jahren werde ich vielleicht berichten... :D
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Mein Lesestoff der letzten Wochen .....

      ....eine Romanbiogrphie über Monteverdi, sehr aufschlussreich!
      ...und

      Eine Romanbiogrphie über Carlo Gesualdo (Don Carlo Gesualdo da Venosa), spannend!

      Dazwischen über div Werke von Bach, Monteverdi, und was ich so höre!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong


    • Die Lebensgeschichte eines wirklich großen, v.a. politischen Kabarettisten. Aber irgendwie seltsam. Ich kenne kaum jemanden, der seinen Wortwitz und seine eindeutigen Mehrdeutigkeiten wirklich 1:1 schriftlich ebenso präsentieren kann. Es fehlt wohl doch die Dimension des sprechenden, artikulierenden, schauspielernden Gegenüber. Vielleicht können so etwas auch nur die Engländer.

      :hello Falstaff
    • Offensichtlich liest hier auch niemand Bücher.
      Anscheinend nicht viele ;)
      Ich lese auch nicht viel aber ab und zu mal kommt es doch schon vor,das ich mir ein Buch durchlese.
      Lese zur Zeit eins über Astrologie von Hermann Meyer.Ein wirklich gutes Buch!

      Abseits dieses Buches lese ich mir auch das ein oder andere was ich so online finden kann wie z.B. das hier esoterika.ch/astrologie/elemente/ .
      Bin durch meine Freundin zu diesem Thema gekommen...Hab' da anfangs nicht sehr viel von gehalten,was sich aber sehr schnell geändert hat!Wie lange es mich noch in seinen Bann ziehen wird,werd' ich dann schon sehen.Zur Zeit ist es das top Thema bei mir ;)

      LG
    • Oh, eine Literaturecke hat das Forum ja auch! Das finde ich natürlich klasse.

      Ich habe gerade einen Roman beendet, welcher den einen oder anderen hier sicher auch interessieren könnte!

      Hauptpersonal: Hans Rott, Anton Bruckner und Johannes Brahms!
      Nach jahrzehntelanger Forschung und Beschäftigung legt Ingvar Hellsing Lundqvist hier einen Künstlerroman vor, der nicht nur zu fesseln weiss und sprachlich souverän daherkommt, sondern auch sofort wieder Lust auf Rotts Sinfonie macht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Marcie ()


    • Suzanne Prou - Die Freunde des Monsieur Paul

      Dieser wohltuend altmodische Krimi begleitete mich auf der Reise nach Rumänien. Ein junger Mann, Gefangener innerer & äusserer Zwänge, blüht auf in dem Glauben, eine sich (scheinbar) anbahnende Beziehung eröffne ihm einen Ausbruch, ein Erwachen, vielleicht einen ganz neuen Lebensentwurf, den er bisher nicht zu träumen gewagt hätte. Daß sich am Ende dann alles auf verblüffende Weise wendet, bringt zwar schmerzliche Desillusion, zeigt im Keimen begriffen aber auch schon Chancen auf einen Neubeginn...
      Die gekonnte Schilderung des bedrückenden, ja lähmenden gutbürgerlichen Miefs der französichen Provinz hat bei Prou einen morbiden Reiz. Als Gegenpol fungieren die erlesenen & geheimnisvollen Soireen im Hause des Monsieur Paul, bei denen (zum Schein?) fingierte Femegerichte abgehalten werden. Der Aufbau hält die vielleicht wichtigste Zutat eines Krimis, nämlich die Spannung, bis zum Schluß aufrecht.

    • Eugen Uricaru - Der Honig

      Schon kurios -
      für Rumänien hatte ich mir diesen Wälzer eingepackt um die längeren einsamen Abschnitte zu überbrücken, in denen ich mich mit mir selbst zu beschäftigen hatte: in einer Familienangelegenheit waren endlose Formalitäten zu erledigen, bei denen meine Freundin ihre Eltern & Geschwister unterstützte. Mit meinen gebrochenen Sprachkenntnissen wäre ich da eh mehr ein Statist am Rande gewesen. & so genoß ich die Stunden, in denen ich in Parks & in Cafés mit mir selbst & mit diesem Roman sein konnte.

      Habe nach unserer Rückkehr gut die Hälfte der knapp 400 Seiten geschafft, kann aber jetzt schon sagen, daß dies wohl einer der bleibenden Eindrücke in der Summe meiner Lektüren bleiben wird.
      Der Protagonist - Journalist & Schriftsteller - kehrt als Mittvierziger Anfang der 1960er in die Stadt zurück, in der er aufwuchs & aus der er in weiser Voraussicht mit Anfang 20 floh. Er trifft seine inzwischen verheiratete Jugendliebe wieder, dann seine Amme von damals, die nicht zu altern scheint & in deren Umgebung ebenfalls die Zeit quasi still steht & eine Reihe weiterer Figuren, deren Bedeutung in diesem Mosaik sich bisher nur zum Teil erschließt. Ausladende Rückblenden & eine Unsumme von Namen machen die Orientierung nicht eben einfach.

      Meine vorläufige Quintessenz: Für ein Buch, das 1978, also mitten in der Ceaușescu-Ära erschien, wird erstaunlich offen die drückende Atmosphäre des von Anfang an in falsche Richtungen laufenden Sozialismus in Rumänien geschildert. & das von einem Autor, der das Land nicht verließ. Viel geht es um das Zwischen-den-Zeilen-Lesen, angedeutete Drohungen oder gut gemeinte Warnungen. Figuren treten auf & ab. Allzu leicht funktionieren wohl gesteuerte Verleumdungen um vermeintliche oder tatsächliche Kontrahenten auszuschalten. Daß dabei auch die Selbstachtung & der Gerechtigkeitssinn auf der Strecke bleiben, wird ungeschönt geschildert.

      Man lernt viel über seelische Abgründe & den überlebenswichtigen Pragmatismus in einem Unrechtsstaat, doch kommt - & dies scheint mir beinahe eine Kreis-Quadratur - die Poesie nicht zu kurz: bei aller Erbarmungslosigkeit scheinen immer wieder Natur-& Personenschilderungen durch, die zutiefst anrühren.

      Eine Hoffnung stiftende Konstante stellt Genosse Cloniş dar. Ein Intellekueller, der kein Blatt vor den Mund nimmt & zu Zeiten des Königreichs als auch später im Sozialismus wiederholt im Zuchthaus landet um nach Jahren, wie verabredet, sich zur Fortsetzung des zuletzt unterbrochenen philosophischen Gesprächs mit seinem alten Freund Octavian Jurj, in deren Stammcafé wieder trifft. Ein Plädoyer der Unbeugsamkeit.

      Der Titel (Übersetzung ins Deutsche durch Holda Schiller) ist etwas unglücklich. Es hätte genauer heissen können / müssen: Die Honig-Insel im Fluß. Hintergrund ist die Vision / der Plan des Protagonisten, sich geläutert & dem Literaturbetrieb überdrüssig auf eine Flußinsel zurückzuziehen um fortan als Imker zu leben. Eine interessante Parallele zu "Ole Bienkopp" von Erwin Strittmatter...die Realisierung (oder das Scheitern?) dieses Traums steht aber noch aus - bin gespannt, welchen Weg die verbleibenden 200 Seiten einschlagen...

      Für jemanden, der die Hoffnungen, Visionen & das Scheitern des Sozialismus verstehen möchte, sicher ein wichtiges Buch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()