Tchaikowsky Symphonie Nr. 6 Vergleichbares?

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    • Tchaikowsky Symphonie Nr. 6 Vergleichbares?

      Liebes Forum

      ich habe nur eine kurze Frage. Kennt Ihr etwas vergleichbares zu oben genannter Symphonie?

      Ich höre vor allem Beethoven. Aber als ich die Pathetique von Tchaikowsky zum ersten Mal hörte, hat es mich vollkommen umgehauen. Ich war noch niemals von einer Musik so derart betroffen in meinem Leben wie von diesem Stück von der ersten bis zur letzten Sekunde. Ganz besonders im 1. Satz dieser Ausbruch wo die ganz hohen Streicher einsetzen und es dann langsam hinuntergeht, tiefer und immer tiefer...und natürlich der letzte Satz, speziell das Ende, wo es so hoch dramatisch wird, wie das letzte Aufbegehren um dann in dieser unglaublichen Ruhe auszuklingen, bei den Kontrabässen Crescendi ganz am Ende wird es mir jedes Mal ganz anders, noch nie so viel geweint wie bei dieser Symphonie.

      Kennt jemand etwas Vergleichbares? Mit ähnlicher, emotionaler Wucht wie dieser Brocken? Egal ob vorher oder danach aber mich würde es interessieren, ob so etwas ähnliches existiert, ich es nur nicht kenne. Vorstellen konnte ich es mir nicht, dass ein Mensch so etwas erschaffen kann, bis ich das gehört habe. Danke für Eure Tipps!
    • Hallo downhuman,

      Herzlich willkommen. :hello
      Hoffentlich bleibt diese Frage nicht dein einziger Beitrag.

      Als erstes fällt mir die vierte Sinfonie von Jean Sibelius ein. Der fehlt freilich fast jedes Aufbegehren und dann verlöscht sie resignativ und bricht unmittelbar ab. Und es gibt noch die Sechste von Schostakowitsch. Der Bauplan ist hier sozusagen anders herum. Dort ist es das ausgedehnte Largo im ersten Satz, der pure Isolation und Resignation zu verbreiten scheint, während die beiden kurzen folgenden Sätze mit bis zu an Karikatur grenzende Übertreibung diese Schatten - meinen Ohren nach erfolglos - vertreiben wollen. Wenn die gefallen, würde ich dir als nächstes die 5. Sinfonie von Carl Nielsen nahelegen. Achja, die Unvollendete von Schubert ist auch ein Kandidat...
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Erstmal ein herzliches Willkommen hier im Forum.

      Ich bin mir nicht ganz sicher, was du von einer Sinfonie erwartest und was genau dich bei der 6. Tschaikowsky angesprochen hat. Du hast es zwar sehr gut beschrieben, aber ich denke trotzdem, dass du ähnliche Erfahrungen auch bei anderen Werken erleben kannst. Anders als bei der Pathetique, aber vielleicht ebenso intensiv.

      Cetay hat dir schon gute Tipps gegeben. Hinzufügen möchte ich aber hier v.a. die Sinfonien von Gustav Mahler, speziell die 1., 2., 3. und 5. Die sind musikalisch durchaus anders gelagert als die 6. Tschaikowsky, erlauben aber einen ähnlichen direkten Zugang und sind, jedenfalls für mein Empfinden, genauso wirkungsmächtig.

      :hello Falstaff
    • OK, ja Mahler hab ich mich auch noch nicht beschäftigt. Schwierig zu sagen, was mich da genau berührt. Gibt halt einige Werke, wo es einen einfach umhaut. zB bei Beethoven bei der Pastorale am Ende, wenn die SONNE wieder aufgeht nach dem Gewitter, das ist auch so ein magischer Moment, wenn diese Melodie eintritt. Oder Beethoven`s 32. Sonate, das Ende vom 2. Satz, bei den Crenscendi auch Gänsehaut pur jedesmal. Klar die Liszt-Sonate mit ihren wuchtigen Akkorden oder Rachmaninov die Klavierkonzerte. Oder die Passacaglia vom Godowsky fällt mir eben ein, die auf der Unvollendeten vom Schubert basiert, das Ende, die Schlußakkorde, ein reiner Wahnsinn was für eine Wucht in dem letzten Abschnitt bis zu den 3 Schluß-Akkorden steckt.

      Gibt schon einiges, aber wie gesagt, nichts hat mich jemals so berührt wie diese Pathetique, nicht annähernd, das trifft genau ins Herz irgendwie. Nicht mal der Beethoven, von dem ich sonst der aller größte Fan bin...
    • Schon mal in Bruckners "Te Deum" reingehört?
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)
    • Danke für die nächsten Tipps! Violinkonzert vom Tschaikowsky mag ich sehr. Bruckner hab ich auch noch nicht wirklich gehört bisher. Ich wollte mal vor allem bei den Symphonien fündig werden. Was in diese Richtung geht, überquellende, rauschende Emotionalität voller extremer Gefühlsausbrüche, düster und dunkel und am liebsten voll unergründlicher Tiefen. Was ich gar nicht mag sind so vorhersehbare Stücke oder langweilig vor sich hin dudelnde Musik, habe ich im Klavierunterricht schon nie leiden können, Bach oder Mozart. Bei der Liszt-Sonate ging mir dann das Herz auf, so muss es sein, dass man am Ende auch am Ende ist, totale Erschöpfung und ausgepowert nach Luft ringend. Da muss es ordentlich krachen und zur Sache gehen, volles Herzblut. Ganz einfach wie damals der Beethoven auch als Rebell gegen den Strom-Attitüde. Ich denke Romantik ist halt die einzige Epoche, die in diese Richtung geht, aber da gibt es so viel, unmöglich alles zu kennen...

      Ich weiss nicht wie ich es besser beschreiben soll, deshalb vielleicht etwas überspitzter formuliert.
    • Ich hätte natürlich als nächstes mal Orchesterstücke von Wagner vorgeschlagen. Aber wenn es Sinfonisches sein soll, ist das bei ihm natürlich schwierig. Seine einzige Sinfonie ist mit Sicherheit nicht sein stärkstes Werk und zudem noch nicht typischer Wagner. Aber versuchen kann man es ja.

      Ansonsten Bruckner. Die 5. oder die 8. Es hängt natürlich auch immer von den Interpreten ab. Bei Bruckner 8 würde ich ganz spontan Celibidache empfehlen. Oder ganz anders gelagert Günter Wand mit den Berlinern.

      Was ist mit sinfonischen Dichtungen? Wo du die Liszt-Sonate erwähnst, denke ich dabei natürlich auch an ihn. Oder natürlich die Sachen von Strauss. Heldenleben oder Alpensinfonie.

      Puh, Romantik und Spätromantik ist wirklich ein weites Feld. Aber ich kann die Liebe zu dieser Musik sehr gut verstehen. Sehr gut sogar. :)

      LG Falstaff