Salome - Salzburg 2018

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Salome - Salzburg 2018

      Neu

      Es ist Festspielzeit. Auch in Salzburg. Und zu diesem Anlass gab es eine Neuinszenierung der Oper 'Salome' von Richard Strauss.

      Herodes - John Daszak
      Herodias - Anna Maria Chiuri
      Salome - Asmik Grigorian
      Jochanaan - Gábor Bretz
      Narraboth - Julian Prégardien
      Page - Avery Amereau

      Produktion - Romeo Castellucci

      Wiener Philharmoniker
      Dirigent - Franz Welser-Möst

      Normalerweise schaue ich quasi nie Oper auf DVD und schon gar nicht auf dem PC (da ich kein Fernsehen habe). Aber hier war ich durch die Vorberichterstattung doch neugierig geworden. So wollte ich doch wenigstens auf YouTube einmal hineinschauen und bin dann hängengeblieben.

      Das ist eine der rätselhaftesten, faszinierendsten, berührendsten, umwerfenden Produktionen, die ich seit langem gesehen habe. Castellucci entwirft ein Szenarium gewaltiger, verstörender, schwer zu entschlüssender Bilder, denen ich mich jedenfalls nicht entziehen konnte. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Und ob ich überhaupt anfangen darf. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass ich das, was ich gerade sehe, gar nicht in Worte fassen darf. Weil Worte so vieles verkleinern.

      Was mich am gegenwärtigen Regietheater so nervt und oftmals abstößt, ist diese Manie, große Geschehnisse und Gefühle durch geradezu spießige Bebilderung zu verkleinern. Als würde man dem, was man da inszeniert nicht so richtig trauen, als hätte man Angst vor der Macht der Bilder und Emotionen, die die Handlung in einem hervorrufen kann. Diesen Weg geht Castellucci zum Glück nicht. Er ist ein Regisseur, der endlich einmal eine symbolhafte, starke Handlung in ebensolche Bilder übersetzen kann. Nicht immer auf einem einheitlich hohen Niveau (scheint es mir), aber in den besten Momenten (z.B. Szene Salome-Jochanaan, Schleiertanz und davor, Schlussgesang) ist er von solch einer Kraft und Erschütterung, dass es einem wirklich den Atem rauben kann. Und zudem schafft er es, in einem ein wirkliches Mitleid, ein Leiden mit dem Wesen Salome hervorzurufen. Das habe ich so noch nie erlebt, weder auf der Bühne noch auf CD.

      Aber jedes Wort ist irgendwie fehl am Platze. Man muss es gesehen haben!!! Es gibt geradezu heilige Momente, die man nicht durch Beschreibung entweihen darf. (Leider auch nicht durch eine unsensible Bildregie!) Wie zum Beispiel den Schleiertanz. Die unfassbare Wirkung dieser Szene ergibt sich allerdings erst dann, wenn man die gesamte Aufführung sich anschaut.

      Also unbedingt gucken. Das ist Regietheater vom Feinsten. Das ist die Fortsetzung von Wieland Wagner und Robert Wilson. Wenn dies das Regietheater des 21. Jahrhunderts wird - ich bin dabei. :down :down :down

      Dirigiert wurde es von Franz Welser-Möst, von dem ich bis dahin noch nicht so viel überzeugendes gehört hatte. Aber was er aus der Partitur macht, was er dabei an geradezu kammermusikalischen Finessen herausholt ohne die große Linie zu verlieren, ist wirklich bewundernswert. An manchen Stellen war er mir zu langsam, was aber der Inszenierung geschuldet war und von daher natürlich wieder passte.

      Die Herren Herodias und Jochanaan fand ich ok, hätte sie mir aber noch prägnanter und im Fall Jochanaan stimmsicherer und überwältigender gewünscht. Narraboth, mit relativ kleiner Stimme gesungen, war gut, stimmschön und ebenso wir der Page völlig rollendeckend und der Inszenierung entsprechend. Herodias fand ich toll, weil endlich einmal keine 'abgehalfterte' Sopranistin den Part sang, sondern jemand mit ausgeglichener, intakter und volltönender Stimme.

      Und dann die Salome? Dass ich das noch erleben durfte. ;) Asmik Grigorian (oh, bitte merkt euch diesen Namen) warf sich nicht nur darstellerisch total in diese Partie, sondern sang sie auch mit einer Hingabe, mit einer vokalen, traumwandlerischen Sicherheit und scheinbaren Leichtigkeit, mit einer Höhe, die einen süchtig machen kann, mit einer Schönheit der Stimme, mit einem Ausdruck, der und die mich völlig überrumpelte. Das war von einer Qualität, wie man sie heutzutage wohl selten nur noch erleben kann. Und ich würde mich nicht scheuen, sie sofort neben ihre großen Vorgängerinnen wie Welitsch, Goltz oder Borkh zu stellen. Ein absolutes Ereignis. Leider ein Ereignis, das man eigentlich nicht allzu oft erleben möchte, weil sie so intensiv und verstörend war, dass es doch an die eigene Substanz geht. Diese Frau in Verbindung mit dieser Inszenierung ist so GRANDIOS, dass sie wirklich schmerzt.


      Es ist Festspielzeit. Auch in Salzburg. Und das war wirklich festliches Spielen!!!!



      :hello Falstaff